Ich halte die Einrichtung dieses Gremiums mit seinen unendlichen großen Zuständigkeiten für falsch. Völlig unnötig wird nämlich der ganze Bundestag an seinen parlamentarischen Mitwirkungsmöglichkeiten gehindert.Bei Notmaßnahmen werden immer alle Entscheidungen als „eilbedürftig“ deklariert werden.
Abgeordneten-Check.de:
Hätten die Grünen als klassische Bürgerrechtspartei daher nicht den EFSF geschlossen ablehnen müssen? Ist es nicht ein Problem, dass im Bundestag keine richtige Opposition vorhanden ist?Hans-Christian Ströbele: Die Grünen werden als Oppositionspartei wahrgenommen. Allerdings überwog wohl bei vielen Grünen die Einschätzung, die Kollegen in den Fachausschüssen werden schon vernünftig genug sein. Ich habe für einen anderen Kurs plädiert und wünschte mir „mehr“ Opposition von meiner Partei.
Abgeordneten-Check.de:
Das Stichwort „gläserner Staat“, in Anlehnung zum „gläsernen Bürger“, taucht immer häufiger in den Medien auf. Die Bürger sollen demnach grundsätzlich alles erfahren, was ihre Regierung tut. Wie stehen Sie dazu?
Hans-Christian Ströbele: Der Bürger sollte grundsätzlich alles erfahren. Das Anliegen eines „gläsernen Staates“ unterstütze ich daher voll und ganz. Wir brauchen mehr Transparenz auf allen Ebenen.
Abgeordneten-Check.de:
Welche Dinge dürfen nicht mehr geheim ablaufen?Hans-Christian Ströbele: Insbesondere bei den Geheimdiensten brauchen wir mehr parlamentarische Kontrolle, Transparenz und Öffentlichkeit. Es muß zum Beispiel geklärt werden, welche Rolle deutsche Geheimdienste bei der Tötung Gaddafis gespielt haben: Sind Tipps zum Aufenthaltsort etwa an den französischen und amerikanischen Geheimdienst weitergegeben worden?
Aber auch Geschäftsgeheimnisse der Banken müssen zurückstehen, wenn sie von den Steuerzahlern Milliarden haben wollen und bekommen.
Abgeordneten-Check.de:
In welche Richtung entwickelt sich die Transparenz des deutschen und europäischen Regierungsapparats?
Hans-Christian Ströbele: Ich habe den Eindruck, je mehr an Kompetenzen nach Brüssel verlagert wird, desto schlechter werden wir hier in Berlin informiert. Wir werden hier wöchentlich mit hunderten Seiten Papier aus Brüssel „zugemüllt“, die man unmöglich gewissenhaft aufarbeiten kann. Es ist zuviel nicht aufbereitetes Material.
Abgeordneten-Check.de:
Glauben Sie, die Euro-Krise hat schon eine historische Dimension erreicht? Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?
Hans-Christian Ströbele: Ja, die Krise hat bereits eine historische Dimension erreicht und die Demokratie ist akut gefährdet.
Wir müssen das Parlament in Straßburg stärken. Außerdem brauchen wir eine EU-Wirtschaftsregierung, eine Regulierung der Banken, die verkleinert werden müssen. Ebenso muß das Investmentbanking aus den Banken ausgegliedert werden.
Abgeordneten-Check.de:
Wie werden Sie sich in der Abstimmung über den ESM verhalten?
Hans-Christian Ströbele: Das werde ich entscheiden, wenn es soweit ist. Sie können sich aber darauf verlassen, dass ich meine Entscheidung, wie in der Vergangenheit auch, sorgfältig abwägen werde.
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