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28.05.2012
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Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."
Weitere Themen: Finanzkrisen, Bildung, Reformen


Foto: FreieWelt.net

von Beatrix von Storch

Hans-Olaf Henkel, 71, und kein bißchen müde, reiste über Münster und Hamburg nach Berlin, um vor ausverkauften Rängen dem staunendem Publikum klaren Wein einzuschenken: „Es gibt Alternativen zur Euro-„Rettungs“-Politik und man kann auch etwas tun.“

Das ist das Fazit. Und wie die Alternativen aussehen und was der einzelne dazu beitragen kann, wird er erläutern- in den kommenden knapp 90 Minuten. Der Mann steht da auf der Bühne wie eine deutsche Eiche, ohne Rednerpult, ohne Manuskript („Man sagt Managern nach, sie trennten sich lieber von ihren Frauen, als ihren Manuskripten. Das handhabe ich persönlich genau andersherum.“), ohne Bühnenshow, kein Moderator, 90 Minuten kein Schritt nach links, keinen nach rechts, nichts. Henkel pur. Das kann nur funktionieren, wenn er was zu sagen hat. Er hat.

So klar und fest wie er da vorne steht, so klar und präzise ist sein Vortrag gegliedert „Ich stelle mir fünf Fragen. Fünf  Fragen, die ich dann beantworte. Damit Sie immer wissen, wo ich gerade bin. 1. Warum habe ich meine Meinung zum Euro geändert? 2. Wo führt die Euro-„Rettung“ uns hin? 3. Stimmt es, daß die Euro-„Rettung“ „alternativlos“ ist? 4. Was bedeutet eigentlich Europa? 5. Was können wir tun?“

Frage 1: Warum habe ich meine Meinung zum Euro geändert?

Henkel, einer unserer unbestritten profiliertesten deutschen Wirtschaftsexperten,  beginnt seinen Vortrag mit einem Bekenntnis: „ Meine Unterstützung des Euro bei seiner Einführung war der größte professionelle Fehler meiner Karriere.“ Es habe ja diese warnenden Stimmen schon seinerzeit gegeben, warnende Stimmen, die 10 Jahre lang verfolgt und marginalisiert wurden, und es – auch wenn sich jetzt alle Warnungen in harten Fakten bewahrheitet haben – weiter werden. Henkel aber ist nicht zu stolz, um diese unabweisbaren Fakten nunmehr anzuerkennen. Er allerdings habe – was sich eben im Nachhinein als Irrtum herausgestellt hat – auf die Versprechen der Politik und die klaren Vertragsregeln zum Schutze der Währung und der Unabhängigkeit der einzelnen Nationalstaaten vertraut.

Der erste Sündenfall: Die Aufnahme Griechenlands. Dann: 100 Verstöße gegen die 3-%-Neuverschuldungsobergrenze aus dem Maastricht-Vertrag und die 60%-Gesamtverschudungsgrenze. Alles Makulatur- verletzt allen voran auch von Deutschland und Frankreich. Aber die dramatischste Verletzung war die Nichteinhaltung der sog. „no-bail-out-Regelung“, also der vertraglichen Vereinbarung, daß kein Euro-Land für die Schulden eines anderen Euro-Landes einstehen wird. Diese No-bail-out-Regelung sei die „Brandmauer zwischen dem deutschen Steuerzahler und den Sozialpolitikern der Südstaaten“. "Die Garantie für das gefahrlose Funktionieren des Euro war für mich immer diese Brandmauer. Nie, nie werden wir für die Schulden der anderen Länder einstehen müssen. Und als diese Brandmauer mit der ersten Griechenlandhilfe im Mai 2010 fiel, da wußte ich: Der Euro war ein Fehler.“ Wer vorher einen Zweifel hatte, nun ist er ausgeräumt. Der Mann hat Recht. Genauso ist es. Diese Brandmauer durfte nicht fallen. Unter keinen denkbaren Umständen. Die Logik ist zwingend: Brandmauern braucht man nur bei Feuer. Brandmauern müssen standhalten, wenn es brennt. Die Brandmauer einzureißen, weil es brennt, ist nichts anderes als irre.

Neben dem Versagen der Politik habe aber auch der Euro selbst einen Konstruktionsfehler, den er, Henkel, so nicht gesehen habe. Bei Tchibo könne man T-shirts kaufen, in Einheitsgröße. One-size-fits-all. Nun sieht der Mann nicht so aus als kaufe er T-shirts, schon gleich gar nicht bei Tchibo. Aber zumindest die Mehrheit im Publikum weiß: die passen nicht. Keinem. Und genauso ist es eben auch mit dem Euro. Da die Nationalbanken den für ihr Land erforderlichen Zins nicht mehr regulieren kann, setzt die Europäische Zentralbank (EZB) einen Zentralzins fest, der nun für die einen zu niedrig ist und für die anderen zu hoch. Der gemittelte Zins paßt auf kein Land, one-size-fits-none.

Das Ergebnis: Für Griechenland und Spanien waren die Zinsen zu niedrig. Griechenland hatte im Zeitpunkt des Euro-Beitritts eine Schuldenlast von ca. 100 Mrd. Euro gehabt, nutzte aber die gesunkenen Zinslasten nicht etwa zur Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit, für Investitionen in Bildung und Forschung z.B., sondern lediglich zur Steigerung der Verschuldung auf 350 Mrd. Euro, die man sich zu den zuvor viel höheren Zinsen niemals hätte leisten können. Ebenso ist die spanische Immobilienblase entstanden, der eine spanische Zentralbank mit einer Anhebung der zu niedrigen Hypothekenzinsen begegnet wäre. Der für Spanien also zu niedrige one-size-fits-none-Zinssatz der EZB ventilierte die Überhitzung des Immobilienmarktes dort.

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Das Gegenteil bei uns: der one-size-fits-none-Zinssatz war für uns zu hoch, bremste die Wirtschaft, verhinderte notwendige Investitionen, Arbeitsplätze entstanden nicht. Eine ohne Euro erfolgte Zinssenkung der Bundesbank blieb aus.

Gleichzeitig ist der Euro für die Südländer zu stark. Diese hatten sonst immer ihre mangelnde Wettbewerbsfähigkeit durch eine – mit dem Euro nun unmögliche – Abwertung ihrer Landeswährungen ausgleichen können. Und für Deutschland ist der Euro zu weich. Das fördert zwar kurzfristig unsere Exporte, macht aber die ansonsten erforderlichen Innovationen und Entwicklungen für deutsche Exporte überflüssig, mit denen deutsche Exporteure früher der starken DM begegnen mußten. Unsere Produkte waren – wegen der starken DM – zwar relativ teuer, aber über die entsprechend hohe Qualität dann doch wieder konkurrenzfähig. Dieser Druck zur Innovation fehlt mit dem – für Deutschland – zu weichen Euro.

Fazit: Der Euro paßt zu keinem Land. Fehlentwicklungen hier wie dort. Und was machen wir mit einem  Tchibo-T-shirt, das nicht paßt? Wir schmeißen es weg oder geben es jemandem, dem es paßt. Aber dazu kommt Henkel später, bei Frage 3. Zunächst


Frage 2: Wo führt die Euro-„Rettung“ uns hin?

Kurz gefragt, kurz gesagt: Wir bewegen uns von der Währungsunion über die Transferunion unmittelbar in die Schuldenunion, also genau dem Gegenteil, was Finanzminister Wolfgang Schäuble eine „Stabilitätsunion“ nennt. Am Beispiel des deutschen Länderfinanzausgleiches wird es deutlich: In Deutschland gibt es drei Geberländer und 13 Nehmerländer. Bei Abstimmungen zur Änderung des Finanzausgleiches hat jeder eine Stimme, 13 gegen 3, das Ergebnis ist damit vorgegeben. Wenn Bayern einen Euro mehr einnimt, muß es 97 Cent abführen.

Frage also: Wieso sollte Bayern sparen. Und mit Blick auf die Euro-Union: Setze Bayern gleich Deutschland. Worin besteht künftig unsere Motivation, bei uns den Rotstift (Rentenkürzungen? Schulschließungen? Infrastrukturabbau?) anzusetzen, wenn wir das Ersparte dann nach Griechenland, Portugal oder Italien überweisen müssen. Schon die Bayern wehren sich mit aller Macht gegen Zahlungen an Berlin und Bremen und klagen dagegen. Ist die Solidarität da zu Griechenland und Portugal größer?

Dieses System der „organisierten Verantwortungslosigkeit“ wird über steigende Steuern und massiv einsetzende Inflation „gelöst“ werden. Einer muß die Rechnung bezahlen und das wir der deutsche Steuerzahler und Sparer sein. So wie Henkel das vorträgt, schnörkellos, ohne Floskeln und Phrasen, wird die Essenz unerbittlich klar und deutlich: Wir sind auf einer abschüssigen Straße, nehmen immer weiter an Fahrt auf. Vor uns: eine Wand, 5 Meter dicker Beton und die Politik sagt uns, wir müssen weiter beschleunigen. Das ist alles „alternativlos“. Ist es das? Wir kommen zu


Frage 3: Ist die Euro-„Rettung“ der Politik „alternativlos“?

Nein. Es gibt de facto drei Alternativen.

Alternative A:

Wir machen weiter wie bis jetzt. Rettungspaket auf Rettungspaket und dann auch noch gehebelt. Einen Zahn zieht Henkel aber seinem Publikum: Der Hebel erhöht zwar nominal nicht das bisherige Risiko von „211 Mrd.“ (d.h. mit Zinsen etwa 440 Mrd. Euro), aber das Risiko der Inanspruchnahme wird „mitgehebelt“. Der Hebel funktioniert ja in der Weise, daß der „Rettungsschirm“ nicht selbst mit seinen Mitteln (also sagen wir zunächsteinmal 100 Mrd. Euro) Staatsanleihen insolventer Staaten kauft, sondern dritte Investoren sucht (man denkt z. Zt. an solche aus Fernost), die kaufen dann griechischen Anleihen für 500 Mrd. Euro und der „Rettungsschirm“ garantiert dem Investor im Zahlungsausfall 100 Mrd. seines Investments. Würde der „Rettungsschirm“ also für 100 Mrd. Euro selber Staatsanleihen kaufen und es käme zu einem 20 % Zahlungsausfall, wären 20 Mrd. Euro verloren. Über den 500 Mrd.-Hebel trifft der 20 %-Zahlungsausfall nun aber voll den Rettungsschirm, der für 20 % von 500 Mrd. einsteht, so daß die vollen 100 Mrd. verloren sind. Henkel drückt es nicht ganz so scharf aus, aber allen ist klar: die Politik belügt uns nach Strich und Faden.

Die Zuhörer werden unruhig. Kann das wahr sein? Der Hinweis auf die 100 Mrd-Beteiligung privater Banken an der „Umschuldung“ Griechenlands, den der letzte und vielumjubelte Euro-Krisengipfel gebracht hatte, vergrößert die Unruhe: die Mehrheit der „privaten“ Banken sind solche, deren „private“ Eigentümer der Staat ist, also ganz unmittelbar der Steuerzahler. Die Fragezeichen in den Augen der Zuhörer werden größer.


Alternative B:

Die zweite Möglichkeit des „haircut“, der Umschuldung also, verwirft Henkel mit dem Hinweis auf das, was ein „haircut“ ist: ein Haarschnitt. „Ich war vor 3 Wochen beim Frisör und in spätestens 3 Wochen muß ich wieder hin. Und Griechenland muß auch wieder hin.“

Haareschneiden hilft nichts gegen das Nachwachsen und in Griechenland wachsen die Schulden nach, wenn denn die Wettbewerbsfähigkeit des Landes nicht wieder(?)hergestellt wird.

Die unausgesprochene Frage im Raum, nämlich daß es in der Geschichte schon hunderte von Staatsinsolvenzen mit entsprechender Umschuldung gegeben hat, ist schnell beantwortet: „Umschuldung hat schon vielen Ländern wieder auf die Beine geholfen. Aber niemals ohne gleichzeitig über eine Abwertung der Währung der Wettbewerbsfähigkeit einen Neustart zu ermöglichen.“ Außerdem besteht bei dieser Alternative die ganz konkrete Gefahr, daß vor Einführung der Drachme die Griechen ihre Banken stürmen, um die Ersparnisse zu retten, was dann auf Portugal, Spanien und Italien übergreifen könnte.

Diese Gefahr kann die Politik nicht zulassen und deswegen werde diese Lösung ausgeschlossen. Deswegen muß eine andere Alternative her:


Alternative C:

Der Euro bleibt bestehen- für Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und alle anderen. Sie alle behalten den Euro, nur nicht Deutschland, Österreich, Finnland und Holland. Diese vier gehen in eine neue Währung.

Ein Banken-Run würde vermieden, der „Rest-Euro“ wertet ab. Das hilft umgehend all den nicht so wettbewerbsfähigen und in diesem Rest-Euro verbliebenen Ländern. Die vier starken Länder müssen dann zwar mit einem harten „Nord- Euro“ klarkommen, der über die sicher eintretende Aufwertung der Exportindustrie gewisse Probleme bereiten wird, aber damit ist Deutschland in der Vergangenheit auch klar gekommen; Innovation, Forschung, Entwicklung sind das Stichwort.

Länder mit starker Währung sind konkurrenzfähig über die Qualität ihrer Produkte, nicht über den Preis. Das klingt irgendwie mehr als plausibel, wenngleich etwas Wasser in den Wein nachgeschenkt wird: Das Austrittsticket wird nicht billig.

Sicher werden wir unseren Anteil an der Unterbilanz der EZB lösen müssen. Aber das ist alles immer noch billiger und vor allem kalkulierbarer, als dauerhafter Zahlmeister eines europäischen Länderfinanzausgleiches zu sein.
 

Frage 4: Was bedeutet eigentlich Europa?

Basis der europäischen Verträge war immer der Grundsatz der Subsidiarität. Möglichst viel Verantwortung sollte so nah als möglich beim Bürger bleiben. „Wie wollten ein Europa der Vaterländer, nicht ein Vaterland Europa. Und jetzt soll es – als Nebenprodukt der Krise – die vereinigten Staaten von Europa geben.“

Der Euro habe Europa einen sollen. In den Straßen Athens sehen wir aber dieser Tage, daß das Gegenteil davon der Fall ist. 10 von 27 EU-Ländern haben den Euro nicht und, außer Rumänien vielleicht, will ihn ganz sicher auch keiner mehr haben. Die EU ist also bereits trennscharf und dauerhaft gespalten und die Gräben werden tiefer. Man merkt dem Redner an, daß er eine Vertiefung der Gräben ernsthaft heraufkommen sieht und er diese Spaltung nicht hinnehmen mag. „Was für ein Wahnsinn.“ Es drängt sich die letzte Frage auf.


Frage 5: Was kann man denn jetzt bloß tun?

Henkel entläßt sein Publikum nicht, ohne jedem einzelnen zwei Handlungsempfehlungen zu unterbreiten: „Schließen Sie sich den Aktionen der Zivilen Koalition an. Diese Bürgerbewegung hat über die Internetseite AbgeordnetenCheck.de bereits dafür gesorgt, daß 270.000 Protest-E-Mails im Bundestag eingegangen sind. Es liegen hier Adreßlisten aus, wo Sie Ihre Adresse hinterlassen können, um künftig über die laufenden Aktionen informiert zu werden. Und unterstützen Sie den Mitgliederentscheid des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler, der über die Basis seiner Partei einen Kurswechsel seiner Parteiführung in der Euro-Rettungs-Debatte fordert. Treten Sie in die FDP ein, nehmen Sie an dem Mitgliederentscheid teil. Wenn das Ergebnis am Ende nicht paßt, treten Sie einfach wieder aus“. Kein Wort von einer neuen Parteigründung also.


Der Abend hat sich gelohnt. Die Botschaft ist gehört. Es gibt Alternativen. Möge sich das verbreiten.



Beatrix von Storch, 31.10.2011 13:28 | Kommentare (12)




 
  Kommentare (12)

gerhardus Lang, 12.05.2012 12:31
Herr Prof. Henkel, der ja durchaus in der Lage ist, seine Meinung zu ändern, wenn er etwas Besseres sieht, sollte folgenden Vorschlag überdenken:

Wie wäre es, wenn man umgekehrt den schwachen Ländern gestatten würde, ein eigenes Parallel-Geld als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen, das viel leichter auf die besonderen Probleme jedes der schwächelden Länder einzurichten wäre, als jetzt neben dem Euro eine quasi "Golden- Währung" einzuführen, mit allen Problemen eines Geldes, das zur deflationären Entwicklung neigt und den "Starken" Ländern Konjunkturprobleme ohne Ende bereiten wird. Ein ordnugnungspolitisch widersinniger Vorschlag!

Die jetzt eingeschlagen Politik der EZB, durch gewollte Inflation das
Wachstum zu fördern, könnte allerdings optimiert werden, statt der Inflation eine Umlafsicherung durch die Einführung eines
Standgeldes für das Halten von Geld einzuführen, d.h. einen negativen Zins auf Guthaben von disponiblem Zentralbankgeld, nicht aber auf Guthaben aus Krediten, die selbstverständlich je nach Marktlage positiv verzinst werden.

Eine solche Umlaufsicherung müssten natürlich auch die schwächelnden Länder auf ihr Parallelgeld einführen, um die katastrophalen Folgen der "Sparpolitik" zu verhindern.

Hitler ist auch einst in der Folge der Brüning'schen Sparpolitik, die mit eine grässlichen Deflation und Rezession verbunden war, an die Macht gekommen.

Ein gut ausgearbeiteter Vorschlag ist hier zu finden:
http://p24177.typo3server.info/fileadmin/media/Eurorettung/2012_02_22_Expressgeld_statt_Euroaustritt.pdf

Dr. Gerhardus Lang, Bad Boll


Thilo Stopka, 29.04.2012 18:47
viele von Ihnen haben doch sicherlich diesen Vortrag von Prof. Sinn auf Youtube gesehen. ( http://www.youtube.com/watch?v=yI4g8Ti6eTM )



Durch seine PowerPoint-Präsentationen weist Prof. Sinn eindrucksvoll die Explosion der TARGET2-Salden seit dem Jahr 2007 nach. Was er aber vergißt zu erwähnen, ist, daß das TARGET2-System erst seit 2007 existiert.

Die Salden der Bundesbank entstehen dadurch, daß einerseits Geld aus Griechenland, Spanien etc. zu uns abfließt, aber die Sicherheiten nicht nachfolgen. In den USA werden die Salden jährlich zwischen den 12 FED-Distrikten ausgeglichen, indem mit durch Gold besicherten Wertpapieren gezahlt werden muß. Ist ein Bundesstaat bankrott, dann müssen alle Gläubiger abschreiben.

Vor TARGET2 muß also im Rahmen des üblichen SWIFT etwas anderes existiert haben, daß das Ausufern dieser Salden verhindert hatte. Lag es einfach daran, daß bei einer Überweisung von beispielsweise 1 Mill. Euro durch die Banco de Bilbao an die Deutsche Bank, sich diese selbst um die Stellung der Sicherheiten kümmerte, wenigstens monatlich, oder quartalsweise, die Überweisung aus Spanien also ansonsten nicht akzeptiert worden wäre?

Prof. Sinn tut so, als wenn die Einführung des Euro per se eine zwangsweise Angleichung des Zinsniveaus in den Euroländern bewirkt hätte, die erst nach 2007 durch die Zunahme der Wettbewerbsfähiglkeit Deutschlands wieder zerstört wurde.

Meiner Meinung nach ist die Einführung von TARGET2 selbst dafür verantwortlich. Wie kann es ein europäisches Überweisungssystem geben, welche die Stellung der Sicherheiten und deren Übertragung nicht berücksichtigt? Alle diese Finanzexperten von Köhler bis DSK und Lagarde wissen doch, wie der Dollar innerhalb seiner Fläche funktioniert. Der Euro mußte also wenigstens analoge Mechanismen haben.

Wenn man schon keinen Zentralstaat haben will, dann halt No-Bail-out, wenn ein Land die jährliche Saldierung nicht leisten kann. Ausschluß aus dem Euro und Punkt!

Dieser Fehler im System kann nicht an der Ignoranz der Experten liegen! Es tut mir sehr leid, aber das war vorgeplant und das Forum "FreiWelt.net" mit Leuten wir Schachtschneider, Henkel, von Storch und anderen, sieht es auch so.

Wenn man einen großen Währungsraum wie den Euro plant, ist der Dollar Raum Vorbild, ganz klar! Die verpflichtende Saldierung durch mit Gold besicherten Wertpapieren muß allen Experten bekannt gewesen sein, daran führt kein weg vorbei.

Kommen wir zu einer weiteren Gefahr:

Wahlbeeinlußung und TARGET2

Mal ganz ehrlich, wenn ich Hollande wäre, würde ich die Banque de France anweisen, die SPD und die Grünen mit jeweils 50 Mill. Euro zu unterstützen.

Frankreich wird das nichts kosten, weil die Überweisungen ungedeckt laufen, also die entsprechenden Soldierungen über die alten Clearing-Banken (z.B. in Basel) nicht mehr stattfinden und keine französischen bonds d'état mitgeliefert werden.

Die Wahlkampfhilfe und auch satte Bestechungsgelder für ein "konstruktives" Mißtrauensvotum im Bundestag wären einfach weitere Posten des TARGET2-Saldos der Bundesbank. Wie einfach, nicht wahr?


Frank Poschau, 29.01.2012 09:03
Europa ist der Holocaust des 21. Jahrhundert, errichtet eine „Brandmauer“ um im eigenen Saft zu schmoren.

Eine Brandmauer soll einen Brand an der Ausbreitung hindern, hier mauert man sich zur Selbstvernichtung ein, die Maurer sind Frankreich, Deutschland. Alle armen, benachteiligten Staaten ab in den „Euroraum“, um sich von dem Raubzug des Kapitals aus Frankreich und Deutschland die Souveränität rauben zu lassen. Die Neuordnung Europas im Sinne des Kapitals, mit Abschaffung der gesellschaftlichen Grundordnung. Die neue Angst ist die Verbreitung, wir sitzen alle im selben Boot, wenn dann gehen wir alle unter, „der Endsieg naht“.
Eine Mauer hat immer zwei Seiten, wie wir Deutsche wissen, sollte man auf der richtigen Seite stehen. Wir schreiben anderen Staaten Staatsräson vor, die wir nie erfüllen und nur besser dastehen, weil wir unser Land und Bürger vernachlässigen, mit Niedriglöhnen wie Subventionen erpressen.
Wenn die, die heute noch glauben in eine Gemeinschaft einzutreten, um an dem Spiel im Wirtschaftsrollet zu genesen, die Falschspieler erkennen, wird es uns Deutschen schlecht ergehen. Der Franzose wird die führende Rolle der Deutschen
als Entschuldigung ihrer Gier ausrufen und schon sind wir Deutschen wieder die Kriegstreiber.
Das Kapital lässt sich nicht beherrschen, es ist Mittel zum Zweck, wurde zur Vorratshaltung erdacht.
Frank Poschau
www.frank-poschau.jimdo.com

„Es ist ein Produkt unserer Zeit, Dessinteresse ist die Geißel des Wohlstandes,
um den Strick an der Demokratie enger zuziehen.“
Frank Poschau
22.01.12


Rehwald, Willi Prof. Dr.-Ing., 21.11.2011 13:01
Munteres Geplauder aber keine Ursache erkannt oder genannt. Alternative lächerlich. Ursache ist das Gesetz über das offizielle Tauschmittel. Es soll Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel sein, was nicht geht. Nur Kaufkraft stabiles Tauschmittel ist die Alternative.

Finanznewsblog, 15.11.2011 11:10
Da will doch nur jemand medial auf sich aufmerksam machen, eine Lösung ist das jedenfalls nicht.

Roland, 02.11.2011 08:44
ich war selbst auf dem Münster Vortrag von Henkel. Er hatte keine glaubwürdige Antwort darauf, wie die Schaffung einer politisch unabhängigen Bundesbank für seinen "Nord-Euro" garantiert werden kann. Er hat sich ebenfalls nicht tiefgehend mit dem Problem der Target-Kredite (Prof. Sinn) auseinandergesetzt und unterschätzt deren wirtschaftliche Sprengkraft. Henkel war der Auffassung, dass die EZB schon für unsere 390 Mrd. Euro dt. Target-Kredite haften würde. Dass die EZB primär aus EU-Krisenländern besteht und dass jene heute schon fast zahlungsunfähig sind, hat er dabei nicht berücksichtigt. Das Geld ist deshalb vermutlich weg. Selbst wenn ein "Nordo" aus BRD, Holland, Österreich und Finland etabliert würde - welcher Deutsche möchte schon mit stabilen Österreichischen Schillingen unter Kontrolle der finischen Zentralbank bezahlen? Ich traue da lieber meiner alten D-Mark und meiner alten Bundesbank a la Pöhl.

Tom, 02.11.2011 07:00
@Gast: Lies das mal:

http://www.domradio.de/news/77328/vatikan-fordert-gruendung-von-globaler-finanzaufsichtsbehoerde.html

"Die Gründung einer Weltbank mit weitgehenden Befugnissen müsse der erste Schritt auf dem Weg zu einer politischen Weltautorität sein", heißt es aus dem Vatikan in Rom.

Da kommt man schon in Grübeln...


Karin Weber, 01.11.2011 22:26
Respekt Herr Henkel! Kristallklar auf den Punkt gebracht. Leider können die blinden Taubstummen in der Regierung das alles nicht mehr wahrnehmen. Aber es gibt ja noch andere Sinnesorgane, z. B. könnte man mal auf die Fingerspitzen klopfen ......! Das merken die ganz sicher.

A. P., 31.10.2011 21:16
Die gesamte Gesellschaft ist das Souverän und die gewaltgebende Macht!!! Der Staat ist nur so mächtig, wie man es ihn lässt.

Horatio Nelson, 31.10.2011 20:47
"10 von 27 EU-Ländern haben den Euro nicht, und außer Rumänien vielleicht, will ganz sicher ihn auch nicht mehr haben." Auf diese Feststellung kann man ganz gewiß Gift nehmen. Und wenn z.B. auch ein Griechenland irgendwann in Zukunft noch Stützungszahlungen leisten muß, werden sich die ersten Austritte ergeben.
Grüße,
Horatio Nelson.




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