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Erzbistum Berlin dementiert Teilnahme an Mißbrauchsstudie
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 Foto: Timur Emek/ dapd
Unter den Priestern in der katholischen Kirche wächst der Widerstand gegen das geplante Forschungsvorhaben des Kriminologischen Instituts Niedersachsen (KFN) unter Prof. Christian Pfeiffer. Dieses Forschungsprojekt mit dem Titel „Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ ist von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf Anraten Pfeiffers bei dessen Institut in Auftrag gegeben worden. Das hatte die DBK im Rahmen einer Pressekonferenz am 13. Juli durch den Trierer Bischof Ackermann öffentlich bekannt gegeben. Nachdem in den ersten Wochen vielstimmiger öffentlicher Beifall für dieses Projekt das Bild beherrschte, wird jetzt zunehmend Kritik und Protest laut. Auf katholischen Internetforen ist eine breite kritische Diskussion zur geplanten Durchführung sowie Hintergründen und Zielen der Pfeiffer-Studie entbrannt, worauf die Deutsche Bischofskonferenz vergangenen Freitag mit einer Erklärung zu daten- und personenschutzrechtlichen Fragen reagiert hat. Am Wochenende übte das Priesternetzwerk, eine bundesweite Vereinigung von Diözesanpriestern, in einer öffentlichen Erklärung scharfe Kritik an der „pauschalen Herausgabe aller Personalakten zum Zweck eines Forschungsprojektes“, da dies u.a. einen unerlaubten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Geistlichen darstelle und den gesamten Klerus einem Generalverdacht aussetze.
Dieser Vorwurf basiert offenbar auch auf der Tatsache, daß nur die Personalakten der Geistlichen durchsucht werden sollen, die bis auf einige Diakone alle dem Zölibat unterliegen, während die weit größere Zahl von Laienmitarbeitern, die viel stärker als die Priester in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt sind (Gemeinde- und Pastoralreferenten, Personal der katholischen Schulen, Heime, Kindergärten, Jugendämtern, Sozialeinrichtungen etc.), in der Pfeiffer-Studie unberücksichtigt bleibt.
Wie Freie Welt jetzt in Erfahrung gebracht hat, haben Diözesanpriester aus der Erzdiözese Berlin, die keiner priesterlichen Vereinigung oder Gemeinschaft angehören, bereits Mitte Juli in Absprache mit einem Rechtsanwalt ein Widerspruch-Schreiben an ihre Bistumsleitung verfasst, in dem sie die Einsichtnahme und Verwendung ihrer Personalakte durch Dritte unter Androhung auch gerichtlicher Schritte untersagen. Dieses Schreiben wurde bereits von mehreren Berliner Priestern an Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Heinrich geschickt und als Muster an zahlreiche Priester anderer Diözesen zur Nachahmung weitergegeben. Gleich oder ähnlich lautende Schreiben wurden inzwischen von Priestern aus ganz Deutschland an ihre Bistumsleitungen versandt.
FreieWelt.net dokumentiert das Schreiben eines der initiierenden Priester, datiert vom 20. Juli 2011, welches der Redaktion vorliegt, hier im Wortlaut:
An den Diözesanadministrator Dr. Matthias Heinrich Weihbischof
Betr.: Presseerklärung der Deutschen Bischofskonferenz vom 13.7.2011 empirische Untersuchung betreffend Mißbrauchsfälle
Sehr geehrter Herr Diözesanadministrator!
Hiermit widerspreche ich der Einsichtnahme und Auswertung meiner Personalakte zum Zweck einer empirischen Untersuchung, insbesondere der Weitergabe der aus meinen persönlichen Daten gewonnenen Erkenntnisse.
Ich erachte es als schweren Vertrauensmißbrauch, wenn meine persönlichen Daten zu solchen Zwecken genutzt werden. Insbesondere verwahre ich mich gegen den mit der Ausweitung der Untersuchung auf alle Kleriker und Ordensleute geäußerten und/oder entstehenden Generalverdacht.
Sollten meine Daten dennoch zu Untersuchungszwecken eingesehen, ausgewertet und Daten weitergegeben werden, sehe ich mich zu einem vertrauensvollen Umgang mit den kirchlichen Autoritäten nicht mehr in der Lage.
Ich untersage hiermit ausdrücklich die Einsichtnahme in meine Personalakte durch Dritte; nur meinem Diözesanbischof persönlich und seinem Personalreferenten gestatte ich Akteneinsicht in meine Personalakte.
Gegen Zuwiderhandlungen werde ich mit gerichtlichen Schritten, sowohl kirchenrechtlich als auch zivilrechtlich, vorgehen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer NN
Mit Datum vom 26. Juli 2011 erhielten daraufhin mehrere Berliner Priester in einem offiziellen Antwortschreiben des Erzbistums Berlin, persönlich unterzeichnet vom Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Heinrich, den überraschenden Bescheid, daß die Forschungsuntersuchung auf einige Bistümer beschränkt sei und im Erzbistum Berlin nicht vorgesehen sei.
Auch dieses Schreiben liegt uns vor und wir veröffentlichen es nachfolgend im vollständigen Wortlaut:
Lieber Mitbruder,
in Ihrem Schreiben vom 20.07.2011 nehmen Sie Stellung zu der über die Presse verbreiteten Maßnahme der Deutschen Bischofskonferenz, zu Forschungszwecken Personalakten von Diözesanpriestern offenzulegen. Diese Untersuchung ist – nach meinem Wissen – auf einige Bistümer beschränkt, in denen wohl Absprache über solches Verfahren erzielt worden ist.
Im Erzbistum Berlin ist dies nicht vorgesehen. Darüber hinaus erachte ich ein derartiges Verfahren nicht nur aus rechtlichen Gründen für problematisch. Einen „Generalverdacht“ kann und will ich angesichts des Zieles und der Vorgehensweise der oben genannten Untersuchung allerdings nicht unterstellen.
Mit freundlichen Grüßen
+Dr. Matthias Heinrich Diözesanadministrator
Die Aussage der Bistumsleitung, das Erzbistum Berlin werde sich nicht am Forschungsprojekt zum sexuellen Mißbrauch beteiligen, steht damit im vollen Gegensatz zum veröffentlichten KFN-Forschungskonzept von Prof. Pfeiffer, wonach in allen 27 deutschen Diözesen Aktenanalysen durchgeführt werden sollen. Lesen Sie mehr: Statement Bischof Ackermann auf DBK.de
Stellungnahme zum kirchlichen Datenschutz von Priesternetzwerk.de
Artikel auf Spiegel Online
Das Konzept von Christian Pfeiffer
Pressemitteilung DBK
Unter den Priestern in der katholischen Kirche wächst der Widerstand gegen das geplante Forschungsvorhaben des Kriminologischen Instituts Niedersachsen (KFN) unter Prof. Christian Pfeiffer. Dieses Forschungsprojekt mit dem Titel „Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ ist von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf Anraten Pfeiffers bei dessen Institut in Auftrag gegeben worden. Das hatte die DBK im Rahmen einer Pressekonferenz am 13. Juli durch den Trierer Bischof Ackermann öffentlich bekannt gegeben. Nachdem in den ersten Wochen vielstimmiger öffentlicher Beifall für dieses Projekt das Bild beherrschte, wird jetzt zunehmend Kritik und Protest laut. Auf katholischen Internetforen ist eine breite kritische Diskussion zur geplanten Durchführung sowie Hintergründen und Zielen der Pfeiffer-Studie entbrannt, worauf die Deutsche Bischofskonferenz vergangenen Freitag mit einer Erklärung zu daten- und personenschutzrechtlichen Fragen reagiert hat. Am Wochenende übte das Priesternetzwerk, eine bundesweite Vereinigung von Diözesanpriestern, in einer öffentlichen Erklärung scharfe Kritik an der „pauschalen Herausgabe aller Personalakten zum Zweck eines Forschungsprojektes“, da dies u.a. einen unerlaubten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Geistlichen darstelle und den gesamten Klerus einem Generalverdacht aussetze.
Dieser Vorwurf basiert offenbar auch auf der Tatsache, daß nur die Personalakten der Geistlichen durchsucht werden sollen, die bis auf einige Diakone alle dem Zölibat unterliegen, während die weit größere Zahl von Laienmitarbeitern, die viel stärker als die Priester in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt sind (Gemeinde- und Pastoralreferenten, Personal der katholischen Schulen, Heime, Kindergärten, Jugendämtern, Sozialeinrichtungen etc.), in der Pfeiffer-Studie unberücksichtigt bleibt.
Wie Freie Welt jetzt in Erfahrung gebracht hat, haben Diözesanpriester aus der Erzdiözese Berlin, die keiner priesterlichen Vereinigung oder Gemeinschaft angehören, bereits Mitte Juli in Absprache mit einem Rechtsanwalt ein Widerspruch-Schreiben an ihre Bistumsleitung verfasst, in dem sie die Einsichtnahme und Verwendung ihrer Personalakte durch Dritte unter Androhung auch gerichtlicher Schritte untersagen.
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Dieses Schreiben wurde bereits von mehreren Berliner Priestern an Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Heinrich geschickt und als Muster an zahlreiche Priester anderer Diözesen zur Nachahmung weitergegeben. Gleich oder ähnlich lautende Schreiben wurden inzwischen von Priestern aus ganz Deutschland an ihre Bistumsleitungen versandt. FreieWelt.net dokumentiert das Schreiben eines der initiierenden Priester, datiert vom 20. Juli 2011, welches der Redaktion vorliegt, hier im Wortlaut: An den Diözesanadministrator Dr. Matthias Heinrich Weihbischof
Betr.: Presseerklärung der Deutschen Bischofskonferenz vom 13.7.2011 empirische Untersuchung betreffend Mißbrauchsfälle
Sehr geehrter Herr Diözesanadministrator!
Hiermit widerspreche ich der Einsichtnahme und Auswertung meiner Personalakte zum Zweck einer empirischen Untersuchung, insbesondere der Weitergabe der aus meinen persönlichen Daten gewonnenen Erkenntnisse.
Ich erachte es als schweren Vertrauensmißbrauch, wenn meine persönlichen Daten zu solchen Zwecken genutzt werden. Insbesondere verwahre ich mich gegen den mit der Ausweitung der Untersuchung auf alle Kleriker und Ordensleute geäußerten und/oder entstehenden Generalverdacht.
Sollten meine Daten dennoch zu Untersuchungszwecken eingesehen, ausgewertet und Daten weitergegeben werden, sehe ich mich zu einem vertrauensvollen Umgang mit den kirchlichen Autoritäten nicht mehr in der Lage.
Ich untersage hiermit ausdrücklich die Einsichtnahme in meine Personalakte durch Dritte; nur meinem Diözesanbischof persönlich und seinem Personalreferenten gestatte ich Akteneinsicht in meine Personalakte.
Gegen Zuwiderhandlungen werde ich mit gerichtlichen Schritten, sowohl kirchenrechtlich als auch zivilrechtlich, vorgehen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer NN
Mit Datum vom 26. Juli 2011 erhielten daraufhin mehrere Berliner Priester in einem offiziellen Antwortschreiben des Erzbistums Berlin, persönlich unterzeichnet vom Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Heinrich, den überraschenden Bescheid, daß die Forschungsuntersuchung auf einige Bistümer beschränkt sei und im Erzbistum Berlin nicht vorgesehen sei. Auch dieses Schreiben liegt uns vor und wir veröffentlichen es nachfolgend im vollständigen Wortlaut: Lieber Mitbruder,
in Ihrem Schreiben vom 20.07.2011 nehmen Sie Stellung zu der über die Presse verbreiteten Maßnahme der Deutschen Bischofskonferenz, zu Forschungszwecken Personalakten von Diözesanpriestern offenzulegen. Diese Untersuchung ist – nach meinem Wissen – auf einige Bistümer beschränkt, in denen wohl Absprache über solches Verfahren erzielt worden ist.
Im Erzbistum Berlin ist dies nicht vorgesehen. Darüber hinaus erachte ich ein derartiges Verfahren nicht nur aus rechtlichen Gründen für problematisch. Einen „Generalverdacht“ kann und will ich angesichts des Zieles und der Vorgehensweise der oben genannten Untersuchung allerdings nicht unterstellen.
Mit freundlichen Grüßen
+Dr. Matthias Heinrich Diözesanadministrator
Die Aussage der Bistumsleitung, das Erzbistum Berlin werde sich nicht am Forschungsprojekt zum sexuellen Mißbrauch beteiligen, steht damit im vollen Gegensatz zum veröffentlichten KFN-Forschungskonzept von Prof. Pfeiffer, wonach in allen 27 deutschen Diözesen Aktenanalysen durchgeführt werden sollen. Lesen Sie mehr: Statement Bischof Ackermann auf DBK.deStellungnahme zum kirchlichen Datenschutz von Priesternetzwerk.de Artikel auf Spiegel Online
Das Konzept von Christian Pfeiffer
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