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28.05.2012
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Erzbistum Berlin dementiert Teilnahme an Mißbrauchsstudie
Weitere Themen: Allgemein, Bildung, Justiz


Foto: Timur Emek/ dapd

Unter den Priestern in der katholischen Kirche wächst der Widerstand gegen das geplante Forschungsvorhaben des Kriminologischen Instituts Niedersachsen (KFN) unter Prof. Christian Pfeiffer. Dieses Forschungsprojekt mit dem Titel „Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ ist von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf Anraten Pfeiffers bei dessen Institut in Auftrag gegeben worden. Das hatte die DBK im Rahmen einer Pressekonferenz am 13. Juli durch den Trierer Bischof Ackermann öffentlich bekannt gegeben.

Nachdem in den ersten Wochen vielstimmiger öffentlicher Beifall für dieses Projekt das Bild beherrschte, wird jetzt zunehmend Kritik und Protest laut. Auf katholischen Internetforen ist eine breite kritische Diskussion zur geplanten Durchführung sowie Hintergründen und Zielen der Pfeiffer-Studie entbrannt, worauf die Deutsche Bischofskonferenz  vergangenen Freitag mit einer Erklärung zu daten- und personenschutzrechtlichen Fragen reagiert hat. Am Wochenende übte das Priesternetzwerk, eine bundesweite Vereinigung von Diözesanpriestern, in einer öffentlichen Erklärung scharfe Kritik an der „pauschalen Herausgabe aller Personalakten zum Zweck eines Forschungsprojektes“, da dies u.a. einen unerlaubten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Geistlichen darstelle und den gesamten Klerus einem Generalverdacht aussetze.

Dieser Vorwurf basiert offenbar auch auf der Tatsache, daß nur die Personalakten der Geistlichen durchsucht werden sollen, die bis auf einige Diakone alle dem Zölibat unterliegen, während die weit größere Zahl von Laienmitarbeitern, die viel stärker als die Priester in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt sind (Gemeinde- und Pastoralreferenten, Personal der katholischen Schulen, Heime, Kindergärten, Jugendämtern, Sozialeinrichtungen etc.), in der Pfeiffer-Studie unberücksichtigt bleibt.

Wie Freie Welt jetzt in Erfahrung gebracht hat, haben Diözesanpriester aus der Erzdiözese Berlin, die keiner priesterlichen Vereinigung oder Gemeinschaft angehören, bereits Mitte Juli in Absprache mit einem Rechtsanwalt ein Widerspruch-Schreiben an ihre Bistumsleitung verfasst, in dem sie die Einsichtnahme und Verwendung ihrer Personalakte durch Dritte unter Androhung auch gerichtlicher Schritte untersagen.

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Dieses Schreiben wurde bereits von mehreren Berliner Priestern an Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Heinrich geschickt und als Muster an zahlreiche Priester anderer Diözesen zur Nachahmung weitergegeben. Gleich oder ähnlich lautende Schreiben wurden inzwischen von Priestern aus ganz Deutschland an ihre Bistumsleitungen versandt.

FreieWelt.net dokumentiert das Schreiben eines der initiierenden Priester, datiert vom 20. Juli 2011, welches der Redaktion vorliegt, hier im Wortlaut:

An den Diözesanadministrator
Dr. Matthias Heinrich
Weihbischof

Betr.: Presseerklärung der Deutschen Bischofskonferenz vom 13.7.2011 empirische Untersuchung betreffend Mißbrauchsfälle

Sehr geehrter Herr Diözesanadministrator!

Hiermit widerspreche ich der Einsichtnahme und Auswertung meiner Personalakte zum Zweck einer empirischen Untersuchung, insbesondere der Weitergabe der aus meinen persönlichen Daten gewonnenen Erkenntnisse.

Ich erachte es als schweren Vertrauensmißbrauch, wenn meine persönlichen Daten zu solchen Zwecken genutzt werden. Insbesondere verwahre ich mich gegen den mit der Ausweitung der Untersuchung auf alle Kleriker und Ordensleute geäußerten und/oder entstehenden Generalverdacht.

Sollten meine Daten dennoch zu Untersuchungszwecken eingesehen, ausgewertet und Daten weitergegeben werden, sehe ich mich zu einem vertrauensvollen  Umgang mit den kirchlichen Autoritäten nicht mehr in der Lage.

Ich untersage hiermit ausdrücklich die Einsichtnahme in meine Personalakte durch Dritte; nur meinem Diözesanbischof persönlich und seinem Personalreferenten gestatte ich Akteneinsicht in meine Personalakte.

Gegen Zuwiderhandlungen werde ich mit gerichtlichen Schritten, sowohl kirchenrechtlich als auch zivilrechtlich, vorgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Pfarrer NN

Mit Datum vom 26. Juli 2011 erhielten daraufhin mehrere Berliner Priester in einem offiziellen Antwortschreiben des Erzbistums Berlin, persönlich unterzeichnet vom Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Heinrich, den überraschenden Bescheid, daß die Forschungsuntersuchung auf einige Bistümer beschränkt sei und im Erzbistum Berlin nicht vorgesehen sei.

Auch dieses Schreiben liegt uns vor und wir veröffentlichen es nachfolgend im vollständigen Wortlaut:

Lieber Mitbruder,

in Ihrem Schreiben vom 20.07.2011 nehmen Sie Stellung zu der über die Presse verbreiteten Maßnahme der Deutschen Bischofskonferenz, zu Forschungszwecken Personalakten von Diözesanpriestern offenzulegen. Diese Untersuchung ist – nach meinem Wissen – auf einige Bistümer beschränkt, in denen wohl Absprache über solches Verfahren erzielt worden ist.

Im Erzbistum Berlin ist dies nicht vorgesehen. Darüber hinaus erachte ich ein derartiges Verfahren nicht nur aus rechtlichen Gründen für problematisch. Einen „Generalverdacht“ kann und will ich angesichts des Zieles und der Vorgehensweise der oben genannten Untersuchung allerdings nicht unterstellen.

Mit freundlichen Grüßen

+Dr. Matthias Heinrich
Diözesanadministrator

Die Aussage der Bistumsleitung, das Erzbistum Berlin werde sich nicht am Forschungsprojekt zum sexuellen Mißbrauch beteiligen, steht damit im vollen Gegensatz zum veröffentlichten KFN-Forschungskonzept von Prof. Pfeiffer, wonach in allen 27 deutschen Diözesen Aktenanalysen durchgeführt werden sollen.
 
Lesen Sie mehr:
 
Statement Bischof Ackermann auf DBK.de

Stellungnahme zum kirchlichen Datenschutz von Priesternetzwerk.de

Artikel auf Spiegel Online

Das Konzept von Christian Pfeiffer

Pressemitteilung DBK



Redaktion FreieWelt.Net, 11.08.2011 11:06 | Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Rudi Gems, 12.08.2011 17:42
Es ist schon merkwürdig, das sich Menschen weigern, an Erhebungen teilzunehmen, die wissenschaftlichen Zwecken dienen sollen. Wenn wirklich, glaubwürdig Anonymität zugesichert werden kann, dürfte gegen ein solches Verfahren, kaum etwas einzuwenden sein, sei denn, man hat etwas zu verstecken.

Inwieweit, es unter christlichen Würdenträgern und ihren Helfern, üblich ist, sich an Kindern heranzumachen, dürfte kaum geklärt werden können. Dafür, werden auch Akteneinsichten, kaum sachdienliche Hinweise geben können.

Aus vielerlei Gründen, ist es in der BRD, üblich geworden, eine gewisse Hysterie, bezüglich des Fänomens, Kindesmissbrauch, zu erzeugen. Ich stehe der Sache, äußerst skeptisch gegenüber.

Bisher, ist es üblich, bei diesem Thema, in einer Form, juristisch vorzugehen, wie es einem Rechtsstaat, einfach nur noch Hohn spricht. Selbst der juristische Grundsatz, das in einem Strafverfahren, Öffentlichkeit garantiert werden muss, wird bei Kindesmissbrauch, derart verletzt, das man solche Verfahren, fast schon als mittelalterlich, bezeichnen muss.

Die Folgen, solcher Geheimhaltung, kann jeder beobachten. Wie gesagt, am Besten, kann man solche Folgen, an der Hysterie, die sich um Missbrauch von Kindern gebildet hat, erkennen. Ich habe es selber schonmal erfahren müssen, wie schnell man diesbezüglich, in einen Verdacht kommen kann, den man nie wieder los wird, das ich mir geschworen habe, nie wieder, mich mit Kindern zu beschäftigen, und nach Möglichkeit, bei jeder Begnung mit Kindern, einen weiten Bogen mache, mich nur noch mit Kindern unter Zeugen unterhalte, und jedes Gespräch mit Kindern, alleine, nie länger als 3 Minuten dauern lasse.

Dies können sich natürlich religiöse Würdenträger, nicht erlauben. Sie sind gezwungen, beruflich, mit Kindern zu verkehren. Insofern, kann ich schon verstehen, das Sie sich weigern, falls sie mal Ähnliches erlebt haben wie ich, und es möglicherweise, in die Personalakte gekommen ist, das sie dann, die Einsicht verweigern.

Es ist leider so, und da kann ich DIE FREIE WELT, auch nicht ausnehmen, das sich in unserer Gesellschaft, niemand findet, der bereit ist, über den Komplex, Kindesmissbrauch, offen zu kommunizieren, und lieber alles so lässt wie es ist. Dann ist es aber auch nicht verwunderlich, wenn sich Menschen wehren. Insofern, kann ich für die Maßnahme, die hier kommentiert wird, durchaus Verständnis zeigen.

Grüße, Rudi Gems


DM, 12.08.2011 07:54
@Vorschreiber KA:
Sie leiden offensichtlich am Pfeiffer`schen Drüsenfieber oder ähnlichem. Bitte vor Verfassen eines Leserbriefes erst Informationen einholen.


qed, 11.08.2011 13:37
Das KFN ist ein von roten niedersächsischen Ministern gegründeter Verein, der hauptsächlich vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur bezahlt wird. Als Mitglieder fungieren zahlreiche Zeitgeistprofessoren, über die auch erhebliche Drittmittel eingeworben werden.
So sind denn die 'Forschungsergebnisse' recht häufig in völliger Deckung mit dem politischen linken Mainstream. Sollte man mal versehentlich was herausgefunden haben, was so gar nicht politisch korrekt ist, verschwindet dies mit dem offiziellen Vermerk 'vergriffen' in der Rundablage wie z.B. die Untersuchung über Verteilung ehelicher Gewalt Bd. 102 der Schriftenreihe des BMFSJF.
Dieser Verein ist also in seiner Objektivität und Wissenschaftlichkeit anzusiedeln bei den 'Instituten' der Parteien, die hemmungslos die jeweilige Ideologie wissenschaftlich zu begründen suchen und dabei vor keiner Fälschung zurückschrecken.

Die Bischofskonferenz ist dem linken Ideologen Pfeiffer mit einer Blauäugigkeit aufgesessen, die schon atemberaubend ist.
Anhand der Justizstatistiken ist der verschwindend geringe Anteil von Klerikern am Kindesmißbrauch genau bekannt, darum geht es aber nicht: Pfeiffer will den Verdacht schüren, es gäbe 'geheimgehaltene' Fälle und dann sicher mit nebulös gehaltenen Formulierungen sensationsheischend in der Presse auftreten.
Ich kann nur davor warnen, dem roten Scharlatan Pfeiffer so etwas Vertrauliches wie Personalakten zu überlassen!


katholisches ablenkmanöver, 11.08.2011 13:25
die katholiken versuchen ähnlich wie kindermörder gäfgen von ihrer schuld abzulenken. wie lange sollen wir uns das noch gefallen lassen. wenn die justiz nicht in der lage ist, für recht zu sorgen, müssen wir bürger eben das recht in die eigenen hände zu nehmen!


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