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"Die Tragödie des Euro" - Interview mit Philipp Bagus
Weitere Themen: Finanzkrisen, Allgemein, Wirtschaftspolitik


Bild: Bagus

Philipp Bagus ist promovierter Ökonom und arbeitet zurzeit als Assistenzprofessor an der Universität von Madrid. Im Interview mit FreieWelt.net erklärt der Autor des Buches "Die Tragödie des Euro", wo für ihn die Hintergründe der gegenwärtigen Schuldenkrise liegen und warum er eine Reform des gesamten Geldsystems für erforderlich hält.

Sie vertreten als Ökonom den Ansatz der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Können Sie kurz die zentralen Aussagen dieser Position erläutern?

Im Gegensatz zum Mainstream geht es beim Österreichischen Ansatz nicht um Aggregate, mathematische Modelle und ökonometrische Studien. Vielmehr steht der kreative Mensch im Mittelpunkt. Alle ökonomischen Gesetze werden auf individuelle menschliche Handlungen zurückgeführt. Der Ansatz ist damit logisch-deduktiv. Vom Axiom des menschlichen Handelns werden universelle ökonomische Gesetze abgeleitet wie: freiwilliger Tausch begünstigt ex ante alle beteiligten Parteien, Produktion kommt vor Konsum, ein Anstieg der Geldmenge führt zu Preisen, die höher sind, als sie es ohne den Anstieg der Geldmenge gewesen wäre, etc.

Inwieweit können die Theorien der Österreichischen Schule helfen, um die aktuellen Krisen wie die Finanzkrise in den USA oder die Eurokrise zu erklären?

Die Österreichische Schule ist wohl am bekanntesten für ihre Konjunkturtheorie, die ausgezeichnet die Finanzkrise erklären kann. Um Investitionsprojekte erfolgreich zu Ende zu führen braucht es reale Ersparnisse, d.h. Ressourcen. In einer freien Wirtschaft zeigt der Zinssatz an, wie viele reale Ersparnisse vorhanden sind und wie viele Projekte unternommen werden können. Nun können Banken aber heutzutage Geld aus dem Nichts schaffen und als Kredit zu künstlich niedrigen Zinsen vergeben. Sie können Kredit vergeben, obwohl nicht gespart wurde. Wenn Unternehmen nun diese neuen Kredite nutzen und in Projekte investieren, kommt es zur Fehlabstimmung zwischen Konsumenten und Investoren. Es werden mehr und längere Projekte angegangen als mit den verfügbaren Ressourcen beendet werden können.

Früher oder später wird dies offensichtlich und es kommt zur Liquidation der Fehlinvestitionen, zur Rezession.  So lässt sich auch die Finanzkrise erklären. EZB und Federal Reserve ermöglichten durch künstlich niedrige Zinsen eine enorme Kreditexpansion und Fehlinvestitionen, z.B. im Immobiliensektor. Neu geschaffenes Geld wurde in Blasen gepumpt, obwohl die Leute nicht mehr sparten, sondern vielmehr sogar ihren Konsum erhöhten. Das Platzen der Blase und die Liquidierung von Fehlinvestitionen brachte dann die kreditgebende Finanzindustrie in Problem. Es kam zur sogenannten „Finanzkrise“. Dann sprangen Staaten in die Bresche und retteten Banken und Unternehmen. Sie subventionierten zudem Arbeitslosigkeit. Zusammen mit sinkenden Einnahmen aus den Boomindustrien kam es zu einem rasanten Anstieg der Staatsverschuldung, was letztlich die Eurokrise auslöste.

Ihr Buch, das in Kürze erscheint, trägt den Titel „Die Tragödie des Euro“. Das klingt nicht gerade zuversichtlich, worin besteht aus ihrer Sicht die Tragödie der europäischen Gemeinschaftswährung?

Der Titel lehnt sich an das Phänomen der Tragödie der Allmende an, das aus der Ökonomie bekannt ist.

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Ist eine Ressource öffentliches Eigentum, kommt es zur Überausbeutung. Die Gemeindewiese wird von allen Bauern genutzt. Es kommt zur Überweidung. Wenn ich nicht meine Schafe auf die Weide schicke, werden es die anderen tun. Also schicke ich sie dort hin, ohne dem Gras Zeit zu geben nachzuwachsen. Ein anderes Beispiel ist die Überfischung von öffentlichen Fischschwärmen im Ozean.
Im Eurosystem geschieht etwas Ähnliches. Alle Regierungen können Defizite fahren und diese durch die Ausgabe von Staatsanleihen bezahlen. Die Staatsanleihen können von Banken gekauft werden, und als Sicherheit für Kredite der EZB hinterlegt werden. Die Banken bekommen neue Kredite und können die Geldmenge erhöhen. Die Staatsausgaben werden so monetisiert. Die Kosten können durch die Geldmengenerhöhung und die folgenden Preisanstiege auf den Rest der Eurozone externalisiert werden.


Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einführung des Euro und der hohen Verschuldung der südeuropäischen Staaten?

Ja. Der Euro wurde als politisches Projekt aufgefasst, das nicht scheitern durfte. Er brachte damit eine implizite Rettungsgarantie durch Deutschland. Dadurch sanken die Zinsen die Südeuropa zahlen musste. Außerdem wurde die EZB als Nachfolger der konservativen Bundesbank verkauft, was die Inflationserwartungen und damit die Zinsen in Südeuropa weiter fallen ließ. Die niedrigeren Zinsen erlaubten Südeuropa eine höhere Verschuldung, die zusätzlich durch die angesprochene Tragödie bei der Monetisierung der Staatsschulden angereizt wurde. Ohne Euro hätten diese Staaten niemals solche Schuldenberge anhäufen können. Sie wären vorher bankrott gegangen.

Es heißt sehr oft, Deutschland würde vom Euro am stärksten profitieren. Hilft der Euro nicht der Exportwirtschaft und erhöht damit unseren Wohlstand?

Dieses Argument ist absurd. Ohne Euro, so heißt es, würden andere Länder ihre Währung abwerten und deutschen Exporteuren schaden. Der Euro ist schwächer als es die DM wäre. Dass eine schwache Währung ihren Benutzern zum Vorteil gereichen soll, ist natürlich Unsinn.  Je stärker eine Währung, desto reicher sind die Leute, welche die Währung halten. Sie können billiger im Ausland Waren oder Häuser kaufen oder auch Urlaub machen.

Generell machen Exporte alleine nicht glücklich. Das kann man sich einfach veranschaulichen, wenn man das Argument auf ein Individuum herunter bricht. Wenn ich meinen Laptop verkaufe, „exportiere“ ich Waren in den Rest der Welt. Wenn ich arbeite, exportiere ich Dienstleistungen. Lasse ich mir die Haare schneiden, importiere ich Dienstleistungen.  Kaufe ich Wurst und Käse, importiere ich Waren. Was ist nun das angenehmere? Nur exportieren oder nur importieren? Ich würde nur importieren, wenn ich könnte. Südeuropa hat tendenziell genau das gemacht. Südeuropa hat einen Importüberschuss. Deutschland einen Exportüberschuss. Das Deutschland insgesamt vom Euro profitiert ist also Unsinn. Richtig ist, dass Großexporteure profitieren. Aber nicht Ottonormalbürger, der in Italien Urlaub macht, Apfelsinen aus Spanien konsumiert und Benzin aus dem Nahen Osten importiert. 

Kann der sogenannte Rettungsschirm Griechenland und die anderen Staaten von der Staatspleite bewahren? Welche Folgen hätte die Einrichtung einer dauernden Transferunion?

Das Problem des Rettungsschirms ist, dass er die Anreize der Politiker senkt, die Defizite zu senken und Strukturreformen anzugehen. In allen europäischen Staaten wachsen die Staatsschulden. In Griechenland wachsen sie sogar schneller als noch vor einem Jahr. Nur die Errichtung einer Transferunion scheint Griechenland und andere von einer Staatspleite noch bewahren zu können. Der Anreiz einer Transferunion ist auf Kosten anderer zu leben. Wir können uns dann auf dauerhafte Transfers von Nord nach Süd einrichten. Irgendwann wird dann auch der Norden seine Sparanstrengungen einstellen.


Wie kommen die europäischen Staaten aus der Schuldenkrise wieder heraus? Sollten Griechenland und andere Staaten die Eurozone verlassen und umschulden?

Griechenland und andere Staaten sollten vor allem liberalisieren. Steuern senken, Staatsausgaben radikal zurückfahren, Defizit eliminieren, Staatsbetriebe, Inseln, Monumente privatisieren, Gewerkschaftsprivilegien zerschlagen, und deregulieren. Dazu könnte auch noch ein Schuldenschnitt kommen. Außerdem müsste das Bankensystem reformiert werden. Dann müsste Griechenland auch nicht die Eurozone verlassen. Das Land könnte aber die Situation nutzen, um auch eine Geldreform voranzutreiben und beispielsweise eine goldgedeckte Drachme einzuführen.

Viele Menschen fürchten um Ihre Ersparnisse. Wie real ist die Gefahr einer Inflation? Gibt es für die Bürger überhaupt noch die Möglichkeit sich vor einer möglichen Geldentwertung zu schützen?

Die Gefahr ist sehr real. Die immer noch wachsenden Staatsschulden werden durch neue Geldproduktion finanziert. Die Anreize zu weiteren Schulden bleiben bestehen. Die Geldnutzer verlieren daher immer mehr Vertrauen in den Euro. Dieser Prozess kann sich jederzeit beschleunigen. Der wirksamste Schutz sind günstige Realwerte.

Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um solche Krisen in der Zukunft zu vermeiden?

Eine Reform des Geldsystems. Beispielsweise die Einführung eines vollgedeckten Goldstandards. Dann kann man kein neues Geld mehr drucken, um Staatsausgaben zu finanzieren. Dem Staat werden goldene Ketten angelegt. Er kann keine Schuldenberge mehr auftürmen.

Sie sprechen in Ihrem Buch zwei Konzeptionen für Europa an. Welche sind das und was ist Ihre Idealvorstellung einer europäischen Integration?

Es gibt die sozialistische und die liberale Konzeption. Die liberale wünscht sich ein Europa ohne Grenzen. Freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital, Menschen und Ideen. Kooperation in Freundschaft und Harmonie. Im Gegensatz dazu zielt die sozialistische Konzeption auf einen europäischen Superstaat ab. Brüssel reguliert und besteuert ganz Europa. Unglücklicherweise hat der Euro eine Tendenz zur Zentralisierung und hin zum europäischen Zentralstaat ausgelöst. Dies ist vielleicht die traurigste Tragödie des Euro.

Herzlichen Dank für dieses Interview!

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Redaktion, 19.07.2011 09:19 | Kommentare (9)




 
  Kommentare (9)

Rehwald, Willi Prof. Dr.-Ing., 23.11.2011 14:25
Der Artikel und die Kommentare reizen mich zu meinem Kommentar. Die Ursache eines Problems ist nicht zu ergründen mit Denkvorgängen, die zum Problem geführt haben. Geschichtliche Ereignisse und wegweisende Erkenntnisse
zeigen den Ausweg aus der Jahrtausende praktzierten Währungspfuscherei. Einführung einer Kaufkraft odwer Preisindex stabilen umlaufgesicherten Währung. Kaufkraft stabil bedeutet: Heute sowie in naher und ferner Zukunft kann mit der gleichen Geldmenge die gleiche Warenmenge gekauft werden. Die Ursache der Misere ist: Alle Staaten mit eigener und alle Staaten mit gemeinsamer Währung haben es unterlassen, bei ihrer Einführung zu erklären und gesetzlich festzuschreiben, dass Geld nur als Tauschmittel zu verwenden ist und jede andere Verwendung durch Erheben einer Umlaufsischerungsgebühr geahndet wird. Das Versäumte ist lediglich sofort nachzuholen. Mehr ist nicht erforderlich. Wir müssen es nur von den dafür Verantwortlichen hartnäckig fordern.


nikolaus neugrodda, 31.10.2011 12:16
Der Euro war ein Fehler auch für Deutschland gewesen. Man kann nicht 17 verschiedene Volkswirtschaften in ein starres Korsett zwängen, das hätte man wissen müssen. Die Tschechen unter ihrem Präsidenten Vaclav Klaus haben nicht den Fehler gemacht, in den Euro zu gehen. Durch den Euro wurde die Leistungsfähigkeit Europas vollständig geschwächt. Auch in Deutschland erwies sich der Euro als Flop. Die meisten Deutschen sparen, weil sie um ihr Geld den Euro Angst haben. Er (der Euro) ist lediglich ein Instrument geworden, um einen europäischen Superstaat zu erzielen. Milton Friedman hat es gesagt der Euro würde in zehn jahren zu Ende gehen. Das hat er richtiog eingesehen. Zu der These, die uns Politiker jedweder Couleur sagen, dass der Euro eine Erfolgsgeschichte ist ,muss folgendes gesagt werden. Der Deutsche ist ein staatsgläubiger Mensch, der sich gerne nach dem starken Staat sehnt. Nach dem Ende der barbarischen Hitlerdiktatur und der Wiedervereinigung sollte bei den Deutschen kein übersteigertes Nationalgefühl eintreten, Norman Finkelstein nennt es eine negative Form des Chauvinismus.Also muss man eine höhere Identität kreieren. Aus Deutschland sollte ein starkes Europe werden. Der religiöse Sozilaist Adenauer und der religiöse Sozialist Schumann,führten diesen Begriff ein. Denn vorher existierte der von Chrchill und der Freiburger Schule der Begriff eines freien Europas, dieser Begriff sollte verwriklicht werden. Denn es geht immer weiter zu einem neuen europäischen Superstaat, den EUdSSR, das wollen die Sozialisten jeglicher Prägung ob sie religiöse sind wie Frau merkel sozialdemokratistische wie Herr Steinbrück oder grüne wie Herr Trittin. Die Freiheit soll zurückgedrängt werden

Rudi Gems, 18.08.2011 18:35
Tut mir Leid, aber ich kann kaum ein Argument, von dem Assistenzprofessor akzeptieren.

Schulden müssen in einem System, wie dem Unseren, sein. Ohne Schulden läuft gar nichts. Lediglich die optimale Höhe, kann Streitigkeiten rechtfertigen. Ja, wir in der EU, und in den USA, haben zuviel Schulden, bei den Regierungshaushalten. Das hängt aber einmal mit dem System, und einmal mit dem Verhalten der Banken, zusammen.

Die Banken, bekommen für wenig Zinsen, Gelder bei den Zentralbanken, und geben sie für teure Zinsen, an die Regierungen weiter. So ein System, kann nicht dauerhaft funktionieren, weil es nicht nachhaltig ist. In letzter Zeit, ist es üblich geworden, das die Banken, nicht nur Gelder verleihen, die sie vorher spottbillig erstehen, nein, sie benutzen auch noch die Regierungshaushalte, als "Sozialversicherungen", in der sie nie eingezahlt haben. Immer, wenn sich Banken verspekuliert haben, und ihr ganzes abenteuerliches Finanzsystem, was sie "Finanzmarkt" nennen, einzustürzen droht, schreien sie hilfesuchend zu den Regierungen, und setzen sie unter Druck, ihnen zu helfen. Das ist das eigentliche Dilemma.

Regierungen, kommen schon seit ca. 3 Jahren, nicht mehr richtig zum Regieren. Ständig, müssen sie sich um das Wohl der Banken kümmern, indem sie versuchen, mit einem über den nächsten Rettungsschirm, den Banken aus der Patsche zu helfen. Die Bürger, haben mit ihrer realen Ökonomie, das Nachsehen. Die reale Ökonomie, wird immer weiter ausgeplündert, um Banken zu retten, wobei dann langfristig, die reale Ökonomie, völlig vor den Hund geht.

Im Regierungshaushalt, gibt es nur einen Ausgabeposten, der völlig tabu ist. Alle anderen Posten, unterliegen dem Finanzierungsvorbehalt. Das sind die Ausgaben, für die Schuldendienste der Banken. Wieso eigentlich? Wieso, ziehen die Regierungen, von den Schuldendiensten, keine Prämien für Sozialversicherungen ab, wenn Banken, regelmäßig, solche Regierungshaushalte, als Sozialversicherungen, missbrauchen?

Ganz abenteuerlich, wird es, wenn hier ein Assistenzprofessor, vorschlägt, das man so einen alten Hund, wie die Golddeckung, wieder auferstehen lassen soll. Golddeckung, ist unsozial, ungerecht, willkürlich und unbrauchbar.

Gold, wird in jedem Land, unterschiedlich gewonnen. Die einen haben viel, die anderen haben gar nichts. Auf einem Planeten, wo es kein Gold gibt, könnte man nach so einer Theorie, keine Währung betreiben. Gold, was irgendwo, in Tresoren liegt, oder in Ford Knox, hat wirtschaftlich, keinerlei Bedeutung, man könnte es genauso gut, in der Erde lassen.

Die einzige Lösung, die es z.Zt. gibt, wäre, das die Zentralbanken, den Regierungen, "Bonds", zu niedrigstem Zinssatz, zur Verfügung stellen. Damit könnten sie ihre Schuldenberge abbauen. Alles andere, insbesondere die Vorschläge von Herrn Bagus, werden in die Katastrophe führen.

Grüße, Rudi Gems


johann.gogl@gmx.de, 03.08.2011 12:57
sss

hans von Atzigen, 23.07.2011 20:11
Gladstone 21.07.2011 11.49
Wuff, schön einen Kommentar mit Kompetenz und Sachverstand zu lesen.
Seit dem offenen Ausbruch der Krise im Wirtschafts und Geldsystem,
feiern die absurdesten Geldtheorien Theorien Uhrstände.
Das diese von teilweise angeblich gebildeten Zeitgenossen in die Welt gesetzt werden, stimmt doch sehr nachdenklich.


Gladstone, 21.07.2011 11:49
Dr. H Käsmacher:
ich glaube Sie begehen da einige Denkfehler.

Erstens kann der Staat nur verteilen, was er vorher eingesammelt hat. Das heißt, das was die Staatsbeamten mehr in der Tasche haben, das hat der Rest der Bevölkerung weniger in der Tasche.

Zweitens: Der Zins ist nichts anderes als eine Leihgebühr. Wenn ich Ihnen ein Auto leihe, dann kann ich dafür eine Gebühr erheben. Wenn ich Ihnen Geld leihe, dann kann ich darauf auch eine Gebühr erheben. Der Zinseszins spiegelt nur den Umstand wieder, dass sie nach einem Jahr nicht nur eine Gebühr auf das Geld zahlen, das ich Ihnen geliehen habe, sondern auch eine Gebühr auf die Gebühr, die sie weiterhin bis zur Rückzahlung behalten.

Drittens: Die Geldmenge ist vollkommen gleichgültig. Ob auf ihrer Gehaltsabrechnung 2000 Euro steht oder 2 Millionen Euro spielt keine Rolle. Es kommt darauf an, was sie sich dafür kaufen können. Wenn sie statt 2000 Euro 2 Unzen Gold verdienen, dann nimmt die Geldmenge zu, wenn sie sich mit den 2 Goldunzen doppelt soviel kaufen können. Die Zunahme des inneren Wertes der Goldmünze entspricht einer Zunahme der Geldmenge. M


Dr. H. Käsmacher, 20.07.2011 18:19
Herr Bagus outet sich als Neoliberaler. Privatisierung der Staatsbetriebe mindern zukünftige Stattseinkommen. Steuersenkungen vermindern die Staatseinnahmen zusätzlich. Staatsausgaben zurückfahren bedeutet, weniger Löhne für Staatsbeamte und weniger öffentliche Aufträge für die Wirtschaft. Das eine verringert die Massenkaufkraft, das andere die Produktion und die Arbeitsplätze.

Die typische Ideologie dieser denkweise besteht in dem Glauben, dass Privatisierung und Steuererleichterungen der ganzen Volkswirtschaft zu gute kämen. Dieses Gottvertrauen hatte nicht mal Adam Smith.

Der Ansatz der sog. Österreichischen Schule, nämlich aus dem postulierten und manchmal auch empirisch nachweisbaren Verhalten der Wirtschaftssubjekte, die Krise, als Folge falscher Rahmenbedingungen abzuleiten verkennt völlig die monetäre Seite, nämlich die Wirkungen des Zinseszinseffektes. Zwar erkennt der Wissenschaftler durchaus die negativen Folgen der Schöpfung des Geschäftsbankengeldes, aber die Forderung eines erneuten Goldstandards ist reichlich naiv. Wächst nämlich eine gesellschaft zahlenmäßig und mit ihr notgedrungen der Geldbedarf, dann muss auch mehr Geld in Umlauf kommen können. Da die Gold nicht nach Belieben vermehrt werden kann, ist ein derartiges Unternehmen zum Scheitern verurteilt.


Hans von Atzigen, 20.07.2011 12:07
Interessanter Beitrag.
Die Ursachenanalyse ist sogar sehr excellent.
Bei der angebotenen Therapie zeigt sich jedoch eine fortsetzung der inzwischen schon sakrosankten sogenannten Marktthese die die aktuelle Situation schleichend verursacht hat.
Und auch hier ein exzellenter Ansatz ,das Beispiel mit der Gemeinschaftsweide.
Diese These hat dazu geführt das sich die erdrückende Mehrheit der Wirtschaftsteilnehmer genau so verhalten wie im Beispiel dargelegt.Jeder nutzt die Weide schrankenlos bis der Ertrag die Nutzungmöglichkeit der Weide zusammenbricht.
Es gibt zahllose Beispiele von gemeinschaftlich genutzten Weiden die nachhaltig über lange Zeit beweidet wurden.
Das Geheimnis.
Es wurden im Freiheitlichen Dialog Regeln aufgestellt die sich an den Realen Ertragsmöglichkeiten orientiert haben.
Wir leben in einem allseits begrenzten Raum leben ist nur innerhalb fundamentaler Grenzen möglich.
Die Zielsetzung müsste sein in Freiheit innerhalb der Begrenzten Möglichkeiten die Umstände zu gestalten.
Der Spagat zwischen Freiheit und bewusst gewählter Begrenzung ist unvermeidlich.
Nur Grenzenlose Freiheit vorranging im Denken schafft die Grundlage für ein optimales Ergebnis innerhalb der gegebenen Möglichkeiten.
Denn Freiheit lebt nur nachhaltig wenn sie mit Verantwortung und Verpflichtung gekoppelt wird und ist.


Singaporean, 19.07.2011 10:14
Wie Prof. Hankel erst kürzlich verlauten lies, die EU erinnert ihn immer mehr an eine Sowjetunion mit marktwirtschaftlichem Tarnanstrich. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


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