Bischof Woelki setzt auf Dialog
Weitere Themen:
Allgemein
 Bild: Pressefoto Woelki
Gastbeitrag von Ilona von Boeselager
Der designierte katholische Erzbischof von Berlin, Dr. Rainer Maria Woelki, hat seinen Antrittsbesuch in Berlin ganz unter das Zeichen der Dialogbereitschaft gestellt. Auf einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag signalisierte er vor allem eins: Offenheit zum Gespräch. Über anderthalb Stunden stellte sich der bisherige Weihbischof der Erzdiözese Köln den Fragen der Journalisten. Vertreter aller Medien, die Rang und Namen haben, waren gekommen. Auf Grund von Überfüllung musste kurzfristig für die Pressekonferenz ein größerer Raum gefunden werden. Den Bischof schien der Medien-Rummel nicht sonderlich aus der Ruhe zu bringen. Mit konzentriertem Blick und freundlicher Miene ging er auch auf die Unkenrufe ein, die seit seiner Ernennung am vergangenen Samstag über ihn in der Öffentlichkeit zu vernehmen waren.
Beispielsweise seine angebliche Mitgliedschaft im Opus Dei, der legendenumrankten Personalprälatur der katholischen Kirche, die bereits in so manchem „Kloster-Spuk-Krimi“ als Projektionsfläche für Verschwörungstheorien aller Art herhalten musste. Bischof Woelki wischte jegliche Spekulationen entschieden, aber mit Charme, vom Tisch: „Ich bin ganz normal katholisch“, sagte der 54-jährige Bischof. Er sei weder im Opus Dei, noch in einer anderen katholischen Gemeinschaft Mitglied, erklärte Woelki. Dem Opus Dei stehe er genau so nahe, wie allen anderen katholischen Gemeinschaften. „Letztlich versuchen doch alle Gemeinschaften als Christen zu leben, und jede Gemeinschaft wählt sich einen Schwerpunkt dafür aus, den sie für sich im Evangelium entdeckt hat“, sagte der Nachfolger des am Donnerstag verstorbenen Kardinal Georg Sterzinsky.
Auch bei der Frage nach seiner Einstellung zur Homosexualität zeigte sich der gebürtige Kölner gesprächswillig. Zwar halte er sich als katholischer Bischof an das, was im Katholischen Katechismus geschrieben stehe. Die Einladung des Berliner Schwulen- und Lesbenverbandes zum gemeinsamen Gespräch werde er gerne annehmen: „Ich nehme jede Gesprächseinladung an.“ Für ihn sei es ein wichtiges Kriterium, dass auch das Gegenüber an einem wahrhaftigen und respektvollen Dialog interessiert sei.
Für einen „wahrhaftigen Dialog“ dürfte sich – nach dieser Pressekonferenz – besonders die evangelische Kirche gute Chancen ausrechnen. Auf die Frage nach seinen Plänen in Sachen Ökumene sagte Bischof Woelki: „Es ist mir ein Anliegen, mit evangelischen Christen einen guten Kontakt zu pflegen und das herauszustreichen, was uns verbindet“. Evangelischen Christen, denen man oft eine besonders ausgeprägte Bibelkenntnis nachsagt, dürfte bei der Pressekonferenz gefallen haben, dass der asketische Bischof bei jeder noch so kniffeligen politischen Frage stets einen Vers aus der Bibel zitierte, mit welchem er ein weiteres Hauptanliegen - neben der vor allem zum Ausdruck gebrachten Dialogbereitschaft - herausstellte: Die Menschen für die Gottesfrage zu sensibilisieren.
Zu organisatorischen Fragen bezüglich seines neuen Bistums, welches neben der Bundeshauptstadt auch Teile Brandenburgs sowie den Osten Mecklenburg-Vorpommerns umfasst, übte sich der neue Erzbischof in Zurückhaltung. Er habe noch keine Zeit gehabt, sich über sein neues Bistum mit dessen 390.000 Katholiken ausführlich zu informieren, so der Bischof. Denn bis zu seiner Bischofs-Ernennung durch Papst Benedikt XVI. in der vergangenen Woche hatte der Kölner nicht im Geringsten mit einem Ruf nach Berlin gerechnet, wie er auch in mehreren Interviews in den vergangenen Tagen betont hatte.
So fand sich denn auch Woelkis Name in den vergangenen Wochen auf keiner der langen Spekulationslisten für den Berliner Bischofsstuhl, der seit dem Rücktritt von Kardinal Sterzinsky im Februar vakant gewesen war. Rainer Maria Woelkis Person war bis dato für die breite Öffentlichkeit eher ein unbeschriebenes Blatt. Woelki war seit 2003 Weihbischof von Köln und war unter anderem auch Sekretär des Kölner Kardinals Meisner gewesen. Ein Umstand, wegen dem Rainer Maria Woelki in kirchenpolitischer Hinsicht eher als konservativ eingeordnet wird.
Aber mit Einordnungen wie „konservativ“ oder „liberal“ kann der Neu-Berliner nicht viel anfangen, wie er auf der gestrigen Pressekonferenz mehrfach hervorhob: „Es ist mir ein großes Anliegen, dass in unserer Stadt und Kirche keine Lagerbildung entsteht – das Wichtigste für mich ist die persönliche Ausrichtung auf Gott, damit haben wir Christen doch schon genug zu tun.“
Fazit: Der neue Erzbischof von Berlin hat sich gestern nicht „kirchenpolitisch“ einordnen lassen. Passend zu dem Dialogprozess, den die Deutsche Bischofskonferenz in dieser Woche in Mannheim startet, war der Tenor seiner Pressekonferenz ganz auf die Bereitschaft zum Dialog ausgerichtet: Dialog mit Atheisten, Dialog innerhalb der Katholischen Kirche, Dialog mit anderen Religionen. Damit hat er die Messlatte für seine Amtszeit, die am 28. August beginnt, sehr hoch gehängt.
Ein gelungener Dialog setzt immer auch gutes und geduldiges Zuhören voraus. Dass Bischof Woelki ein guter Zuhörer sein kann, hat er bei seiner ersten Pressekonferenz in Berlin über anderthalb Stunden hinweg demonstriert. Sollte er diese Zuhör-Fähigkeit künftig auch im gesellschaftlichen Dialog in gleicher Geradlinigkeit und Ernsthaftigkeit unter Beweis stellen, könnte es sein, dass nicht nur für das katholische Berlin gestern eine ganz neue Ära begonnen hat.
Pressekonferenz mit Rainer Maria Woelki auf YouTube
Gastbeitrag von Ilona von Boeselager
Der designierte katholische Erzbischof von Berlin, Dr. Rainer Maria Woelki, hat seinen Antrittsbesuch in Berlin ganz unter das Zeichen der Dialogbereitschaft gestellt. Auf einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag signalisierte er vor allem eins: Offenheit zum Gespräch. Über anderthalb Stunden stellte sich der bisherige Weihbischof der Erzdiözese Köln den Fragen der Journalisten. Vertreter aller Medien, die Rang und Namen haben, waren gekommen. Auf Grund von Überfüllung musste kurzfristig für die Pressekonferenz ein größerer Raum gefunden werden. Den Bischof schien der Medien-Rummel nicht sonderlich aus der Ruhe zu bringen. Mit konzentriertem Blick und freundlicher Miene ging er auch auf die Unkenrufe ein, die seit seiner Ernennung am vergangenen Samstag über ihn in der Öffentlichkeit zu vernehmen waren.
Beispielsweise seine angebliche Mitgliedschaft im Opus Dei, der legendenumrankten Personalprälatur der katholischen Kirche, die bereits in so manchem „Kloster-Spuk-Krimi“ als Projektionsfläche für Verschwörungstheorien aller Art herhalten musste. Bischof Woelki wischte jegliche Spekulationen entschieden, aber mit Charme, vom Tisch: „Ich bin ganz normal katholisch“, sagte der 54-jährige Bischof. Er sei weder im Opus Dei, noch in einer anderen katholischen Gemeinschaft Mitglied, erklärte Woelki. Dem Opus Dei stehe er genau so nahe, wie allen anderen katholischen Gemeinschaften. „Letztlich versuchen doch alle Gemeinschaften als Christen zu leben, und jede Gemeinschaft wählt sich einen Schwerpunkt dafür aus, den sie für sich im Evangelium entdeckt hat“, sagte der Nachfolger des am Donnerstag verstorbenen Kardinal Georg Sterzinsky.
Auch bei der Frage nach seiner Einstellung zur Homosexualität zeigte sich der gebürtige Kölner gesprächswillig. Zwar halte er sich als katholischer Bischof an das, was im Katholischen Katechismus geschrieben stehe. Die Einladung des Berliner Schwulen- und Lesbenverbandes zum gemeinsamen Gespräch werde er gerne annehmen: „Ich nehme jede Gesprächseinladung an.“ Für ihn sei es ein wichtiges Kriterium, dass auch das Gegenüber an einem wahrhaftigen und respektvollen Dialog interessiert sei.
Für einen „wahrhaftigen Dialog“ dürfte sich – nach dieser Pressekonferenz – besonders die evangelische Kirche gute Chancen ausrechnen. Auf die Frage nach seinen Plänen in Sachen Ökumene sagte Bischof Woelki: „Es ist mir ein Anliegen, mit evangelischen Christen einen guten Kontakt zu pflegen und das herauszustreichen, was uns verbindet“. Evangelischen Christen, denen man oft eine besonders ausgeprägte Bibelkenntnis nachsagt, dürfte bei der Pressekonferenz gefallen haben, dass der asketische Bischof bei jeder noch so kniffeligen politischen Frage stets einen Vers aus der Bibel zitierte, mit welchem er ein weiteres Hauptanliegen - neben der vor allem zum Ausdruck gebrachten Dialogbereitschaft - herausstellte: Die Menschen für die Gottesfrage zu sensibilisieren.
Zu organisatorischen Fragen bezüglich seines neuen Bistums, welches neben der Bundeshauptstadt auch Teile Brandenburgs sowie den Osten Mecklenburg-Vorpommerns umfasst, übte sich der neue Erzbischof in Zurückhaltung. Er habe noch keine Zeit gehabt, sich über sein neues Bistum mit dessen 390.000 Katholiken ausführlich zu informieren, so der Bischof. Denn bis zu seiner Bischofs-Ernennung durch Papst Benedikt XVI. in der vergangenen Woche hatte der Kölner nicht im Geringsten mit einem Ruf nach Berlin gerechnet, wie er auch in mehreren Interviews in den vergangenen Tagen betont hatte.
So fand sich denn auch Woelkis Name in den vergangenen Wochen auf keiner der langen Spekulationslisten für den Berliner Bischofsstuhl, der seit dem Rücktritt von Kardinal Sterzinsky im Februar vakant gewesen war. Rainer Maria Woelkis Person war bis dato für die breite Öffentlichkeit eher ein unbeschriebenes Blatt. Woelki war seit 2003 Weihbischof von Köln und war unter anderem auch Sekretär des Kölner Kardinals Meisner gewesen. Ein Umstand, wegen dem Rainer Maria Woelki in kirchenpolitischer Hinsicht eher als konservativ eingeordnet wird.
Aber mit Einordnungen wie „konservativ“ oder „liberal“ kann der Neu-Berliner nicht viel anfangen, wie er auf der gestrigen Pressekonferenz mehrfach hervorhob: „Es ist mir ein großes Anliegen, dass in unserer Stadt und Kirche keine Lagerbildung entsteht – das Wichtigste für mich ist die persönliche Ausrichtung auf Gott, damit haben wir Christen doch schon genug zu tun.“
Fazit: Der neue Erzbischof von Berlin hat sich gestern nicht „kirchenpolitisch“ einordnen lassen. Passend zu dem Dialogprozess, den die Deutsche Bischofskonferenz in dieser Woche in Mannheim startet, war der Tenor seiner Pressekonferenz ganz auf die Bereitschaft zum Dialog ausgerichtet: Dialog mit Atheisten, Dialog innerhalb der Katholischen Kirche, Dialog mit anderen Religionen. Damit hat er die Messlatte für seine Amtszeit, die am 28. August beginnt, sehr hoch gehängt.
Ein gelungener Dialog setzt immer auch gutes und geduldiges Zuhören voraus. Dass Bischof Woelki ein guter Zuhörer sein kann, hat er bei seiner ersten Pressekonferenz in Berlin über anderthalb Stunden hinweg demonstriert. Sollte er diese Zuhör-Fähigkeit künftig auch im gesellschaftlichen Dialog in gleicher Geradlinigkeit und Ernsthaftigkeit unter Beweis stellen, könnte es sein, dass nicht nur für das katholische Berlin gestern eine ganz neue Ära begonnen hat.
Pressekonferenz mit Rainer Maria Woelki auf YouTube
ANZEIGE |