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18.05.2013
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Verhindert PID Spätabtreibungen? - Interview mit Cornelia Lassay
Weitere Themen: Justiz, Familie


Foto: Cornelia Lassay/privat

Cornelia Lassay ist Absolventin der IGNIS-Akademie für christliche Psychologie. Seit zehn Jahren arbeitet sie als Beraterin für die Schwangerschaftskonfliktberatung Die BIRKE e.V. in Heidelberg und ist seit neun Jahren die Beratungsleiterin dort. Die BIRKE ist Beratungspartner des Projekts 1000plus (www.1000plus.de). FreieWelt.net sprach mit Frau Lassay über ihre Erfahrungen in der Schwangerschaftskonfliktberatung.

FreieWelt.net: Frau Lassay, Sie arbeiten seit zehn Jahren als Beraterin für Frauen im  Schwangerschaftskonflikt. Sie sagen, dass bei Ihnen die Mehrheit der ungewollt Schwangeren, die sich eigentlich für eine Abtreibung entschieden haben, ihr Kind doch bekommen. Wie schaffen Sie das? 

Cornelia Lassay: Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass die Frauen sich zwar dezidiert entschieden geben, sich aber defacto keine Abtreibung wünschen. Stattdessen wünschen sie sich, die Umstände wären anders: die Partnerschaft, der optimale Zeitpunkt, die finanzielle Lage, die eigene Stabilität und Reife... Der Verstand sagt: „Das geht nicht!“, das Herz sagt: „Es ist MEIN Baby!“ Unser Ansatz ist lösungsorientierte Beratung und konkrete Hilfe, um eine Perspektive für die Schwangere und ihr Kind zu schaffen.

FreieWelt.net: Beraten Sie auch Frauen, die ein behindertes oder krankes Kind erwarten und deshalb über eine Abtreibung nachdenken? 

Cornelia Lassay: Ja, natürlich, wobei das nur eine kleine Zahl aller Schwangerschaftskonflikte und so auch der Beratungen ausmacht. Eine solche Situation ist meist von ganz vielen Ängsten und Unsicherheiten geprägt. Oft weiß die Frau noch gar nicht genau, ob das Kind nun wirklich krank oder behindert ist, hört aber ihren Arzt von Auffälligkeiten reden und bekommt es mit der Angst zu tun. Sie denkt bereits über eine Abtreibung nach, bevor überhaupt klar ist, was mit dem Baby ist. Die Perspektive, ein behindertes Kind zu bekommen, wird dann schnell zur Horrorvorstellung.

FreieWelt.net: Was tut denn eine Beraterin, wenn es um eine solche medizinische Indikation und um eine eventuelle Spätabtreibung geht?

Cornelia Lassay: Die bisherige Freude über die Schwangerschaft hat sich für die Frau urplötzlich in einen Alptraum gewandelt und sie weiß nicht mehr, wo es lang geht. Die Schwangere hofft und bangt, wünscht sich zutiefst, dass sich alles in Luft auflösen möge, dass die Krankheit nicht so schlimm sei. Dass sie es schafft, das Kind doch zu lieben, auch wenn es entstellt sein sollte. Dass sie den Alltag mit einem behinderten Kind überhaupt bewältigen kann, ohne die anderen Familienmitglieder zu vernachlässigen.

Als Beraterin stelle ich mich an die Seite der Schwangeren und hole Infos ein, die jetzt wichtig sind, z.B. bei einem anerkannten toxikologischen Institut, wenn es um eine mögliche Medikamentenschädigung geht. Wir stellen Kontakt zu anderen betroffenen Familien her. Informationen nehmen Ängste und mindern den Druck. Die Beraterin überlegt und plant gemeinsam mit der Schwangeren, wie und mit welchen Hilfen sie diese Herausforderung im Alltag meistern kann. 

FreieWelt.net: Sie arbeiten nach dem Motto „Weil es im Leben immer eine Lösung gibt“. Was tun Sie, wenn durch die Schwangerschaft die körperliche Gesundheit oder das Leben der Mutter bedroht ist?

Cornelia Lassay: In meinen zehn Jahren Beratung war ich an insgesamt ca. 2.000 Beratungsfällen beteiligt. Dabei ist noch nie vorgekommen, dass das Leben der Mutter tatsächlich bedroht war. Vielmehr war es jedes Mal so, dass die Einschätzung der Ärzte zu früh kam, vielleicht sogar „gut gemeint“ war, um die Frau von Schuldgefühlen zu befreien und ihr den Schritt zur Abtreibung zu erleichtern. Und dann stellte sich aber bei sorgfältigem Hinterfragen heraus, dass es doch einen kleinen Lichtstrahl der Hoffnung gab, dem nachzugehen es sich lohnte.

Ich hatte zum Beispiel einmal eine Frau in der Beratung, die unter den schweren körperlichen Folgeschäden eines früheren Autounfalles litt und deshalb entschlossen war, abzutreiben. Die Angst war groß, dass ihr Körper eine Schwangerschaft gar nicht aushalten würde. Leber und Milz waren angerissen und sie trug starke Vernarbungen und Verwachsungen der Organe in sich. Konkret wurde die Sorge formuliert, es könne eine Querschnittslähmung auftreten. Nicht zuletzt hatte sie verschiedene Medikamente genommen, bei denen ihr Arzt eine fruchtschädigende Wirkung befürchtete.

Letztlich hat diese Frau ein gesundes Kind bekommen und die Schwangerschaft bei intensiver Begleitung und sorgfältiger Planung glücklich überstanden; ein wunderbares Geschenk, weil sie vorher dachte, nie Kinder bekommen zu können. Fast hätte man sie durch diese voreilige Rechtfertigung einer Abtreibung um dieses Wunder betrogen.

Meines Erachtens kommen wirklich lebensbedrohliche Situationen nur bei akuten Notfällen im Krankenhaus vor, wo innerhalb von kürzester Zeit durch den Arzt über Leben und Tod entschieden werden muss. Mit einer Erbkrankheit des Kindes hat das nichts zu tun.

FreieWelt.net: Glauben Sie, dass die Einführung von PID Spätabtreibungen verhindern könnte?

Cornelia Lassay: Vor einigen Jahren hat sich bei uns eine Schwangere gemeldet, die bereits ein Kind mit einer schweren Erbkrankheit hatte, nämlich Mukoviszidose. Nun war bei ihrem ungeborenen Kind dieselbe Krankheit festgestellt worden und sie hatte bereits am nächsten Werktag den Abtreibungstermin. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, wie sie das noch einmal durchstehen sollte. Wir haben ihr sofort beim ersten Anruf unsere intensive Begleitung sowie die finanzielle Unterstützung für eine Haushaltshilfe und Tagesmutter während der ersten Lebensjahre des Kindes fest zugesagt. Sie hat ihr Kind bekommen und ist froh, dass sie sich nicht gegen ihr Baby entscheiden musste!

Was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist: Das einzige, wodurch Abtreibungen mit medizinischer Indikation wirklich verhindert werden können, sind lösungsorientierte Beratung und effektive Hilfe. Einer Frau, die ein behindertes oder krankes Kind erwartet, geht es im Letzten nicht darum, dass sie dieses Kind einfach nicht will oder nicht lieben könnte. Es geht am Ende um die Frage: „Wie soll ich das schaffen, ohne dass jemand auf der Strecke bleibt?“ Diese zermürbende Sorge muss aber nicht die Oberhand behalten! Deshalb pocht der Gesetzgeber mittlerweile bei einer medizinischen Indikation generell auf eine psychosoziale Beratung.

Vielen herzlichen Dank!

www.1000plus.de

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Redaktion FreieWelt.net, 13.06.2011 09:46 | Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Johannes G. Klinkmüller, 14.06.2011 22:28
Ich finde, Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen machen eine ganz besonders wertvolle Arbeit.
Ich wünsche ihr und Ihnen, ihnen allen viel Segen.



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