suchen
28.05.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
"Parteien zu überzeugenden Angeboten zwingen" - Interview mit Vera Lengsfeld
Weitere Themen: Allgemein, Reformen, Wahlen


Bild: Philipp Guelland/ddp

Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld wurde zu DDR-Zeiten zunächst zu einer Haftstrafe verurteilt und dann in den Westen abgeschoben. Später saß sie zuerst für Bündnis 90/Die Grünen, später für die CDU im Bundestag. Heute tritt die Politikerin und Autorin für eine Reform des Wahlrechts ein, bei der die Anzahl der Mandate von der Wahlbeteiligung abhängen würde. FreieWelt.net sprach mit Lengsfeld über den Hintergrund dieser Idee. 

Sie haben vorgeschlagen, die Anzahl der Mandate in den Landtagen und im Bundestag von der tatsächlichen Wahlbeteiligung der Wahlberechtigten abhängig zu machen.  Wie würde dieses Modell konkret aussehen?

Das Modell ist ganz einfach. Hundert Prozent der Wählerstimmen entsprechen 100% der zu gewinnenden Mandate. Wenn nur 58% der Wähler überzeugt werden können zur Wahlurne zu gehen, können die Parteien nur 58% der Mandate gewinnen. Genauso sollte die Wahlkampfrückerstattung nur danach berechnet werden, wie viel Prozent der Stimmen eine Partei in Bezug auf die Gesamtwählerschaft erringen konnte. Bisher tangiert die Parteien die geringer werdende Wahlbeteiligung nicht wirklich, weil am Ende sogar mehr Mandate zur Verfügung stehen können, wegen der Überhangs-, und Ausgleichsmandate, die zunehmen, je weniger eindeutig das Wahlergebnis wird.

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Was versprechen Sie sich von dieser Idee?

Die Parteien wären so gezwungen, wirklich um Wähler zu werben, denn nur wenn sie überzeugende Angebote vorlegen, wird sich der Trend zum Nichtwählen umkehren. Wenn sie mehr Mandate und mehr Geld bekommen wollen, müssen sie sich wirklich anstrengen.

Wäre das nicht das Ende der kleineren Parteien?

Nein, die Parlamente werden dann zwar kleiner, aber das muss kein Nachteil sein. Der Bundestag ist sowieso viel zu groß. Er hat mehr Abgeordnete als der Amerikanische Kongress, obwohl Deutschland deutlich kleiner ist. Bisher sind alle Bemühungen, die Größe zu reduzieren, gescheitert, weil die Politiker wenig Lust haben, ihre Möglichkeiten zu beschränken.

Würde es nicht populistische Forderungen – insbesondere solche, die zu Lasten von Minderheiten gehen, die selbst keine Mehrheiten erzielen können - begünstigen?

Nein, im Gegenteil. Im Augenblick verfügen Minderheiten über eine Machtfülle, die ihren Wähleranteil bei weitem übersteigt. Nehmen wir die Wahl in Bremen: Die SPD hat, legt man die Zahl der Wahlberechtigten zugrunde, nur etwa 21% erzielt, die zum Wahlsieger erklärten grünen, konnten gerade mal 12% der Wähler überzeugen, ihr Kreuz bei ihnen zu machen. Die Rot-grüne Regierung vertritt gerade mal ein Drittel der Wähler. Mehrheiten sehen anders aus.

Ist dieses oder ein ähnliches Modell schon einmal in einem anderen Land ausprobiert worden?

Ja, im Kaliningrader Gebiet wird ein ähnliches Modell praktiziert. Als letzte Position steht auf dem Wahlzettel: Gegen alle: Wenn 50% und mehr diese Position ankreuzen, muss die Wahl wiederholt werden.

In welcher Form könnte man auf eine Umsetzung dieser Idee hinarbeiten?

Man muss diese Idee propagieren und dann per Volksentscheid zur Abstimmung stellen. Von der Politik wäre eine solche Änderung nicht zu erwarten.

Frau Lengsfeld, herzlichen Dank für dieses Interview!

Das Interview führte Fabian Heinzel



Redaktion, 07.06.2011 11:52 | Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

Rudi Gems, 07.06.2011 20:34
Das Problem sind die Parteien selber. Insbesondere durch das Auswahlsystem der Kandidaten, kommen fast ausschließlich nur aalglatte Abgeordnete in die Parlamente. Jeder Abgeordnete muss es erstmal schaffen, eine möglichst hohe Zahl von Anhängern, in seinem Umfeld zu begeistern, sonst scheidet er im Vorfeld schon aus.

Dieses Problem, durch eine Wahländerung, zu beeinflussen, so wie es im Eingangstext vorgeschlagen wurde, halte ich für kaum machbar.

Wesentlich höhere Chancen, würde ich hier dem Internet einräumen. Wahlprogramme, Satzungen und Grundsatzprogramme, könnte man im Internet, in Foren oder Blogs, diskutieren. Dafür, brauchte man auf Parteitagen, keine Zeit zu verschwenden. Auf Parteitagen, sollte man gute Redner, zu aktuellen oder grundsätzlichen Fragen, zu Wort kommen lassen, und dann, anhand der Redebeiträge, beurteilen, ob der Redner, auch ein brauchbarer Kandidat sein könnte. Nur wenn die Parlamente, voll von brauchbaren Rednern sind, hat man die Garantie, das um den besten oder wenigstens um den optimalsten, Weg gestritten wird.

Auch die Ausschüsse, für Gesetze oder Probleme, wobei heute, die meiste Zeit der Abgeordneten verschwendet wird, könnte man wesentlich sinnvoller und effektiver, über das Internet, gestalten, bzw. unterstützen.

Grüße, Rudi Gems


Crono, 07.06.2011 19:59
Das "predige" ich schon seit Jahrzehten! Aber wer möchte es hören; obwohl diese Angelegenheit ein Kindergartenhirn begreifen kann.

Klimax, 07.06.2011 12:11
Das ist natürlich eine gute Idee. Setzte sie sich durch, würde indes schnurstraks Wahlpflicht eingeführt und die Idee wäre obsolet.


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Die guten Ratschläge verdanken ihren ausgezeichneten Ruf dem Umstand, dass sie niemals befolgt werden." Daniel Spitzer

ANZEIGE

ANZEIGE

Galerien

Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung

Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie

Südkongreß "ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?" Südkongreß \"ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?\"


Interviews

Steffen J. Roth Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren
Steffen J. Roth
Institut für Wirtschaftspolitik an der Kölner Universität

Dr. Albert Wunsch Wieso fehlt zu vielen Jugendlichen eine Gewalt-Bremse?
Dr. Albert Wunsch
Therapeut, Erziehungswissenschaftler

Dr. med. Rainer Böhm Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Dr. med. Rainer Böhm
Kinder- und Jugendarzt

Alexander Ulfig »Gleichstellungspolitik führt zu Ungerechtigkeiten«
Alexander Ulfig
http://qualifikation-statt-quote.de/

Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle JA zum Betreuungsgeld!
Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle
Initiative Familienschutz, Frau2000plus

Mehr Interviews


Video

Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion

Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld


Umfrage

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?

Foto: Lupo / pixelio.de




Ergebnis

Meist gelesen
    Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

    Dr. Rainer Böhm: Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig

    Rösler: Weniger Solarsubventionen

    Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München

    EU-Ausschuss will Eurobonds

Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Ohne Euro bricht alles zusammen- und mit Euro???

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Unsere Politiker verachten das eigene Volk

author Jürgen Liminski
Vom Pudding zum Präsidenten - Die Metamorphose des Francois Hollande

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Die Deutschen haben die Wahlen verloren

author Birgit Kelle
Kinder statt Klappstühle

author Beatrix von Storch
Der sog. Fiskalpakt - oder wie man einen ganzen Kontinent verschaukelt

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt


Reportage

Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam

Die eigenartige Zurückhaltung des Westens Die eigenartige Zurückhaltung des Westens

Mit der Brechzange in die Familien Mit der Brechzange in die Familien

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld" Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld"

Und jetzt die Inflationsunion! Und jetzt die Inflationsunion!

FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
EU -Warnung an Griechenland
Nahost-Konflikt
Die Sorge um Syrien nimmt zu
Doch keine Neuwahlen in Israel
Pakistan testet erfolgreich Rakete
DDR-Unrecht
Vaatz prangert Heuchelei an
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
Allgemein
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Chef der Vatikanbank gefeuert
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Bildung
Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München
Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP
Interview: JA zum Betreuungsgeld!
Reformen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam
Wirtschaftspolitik
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Familie
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Dr. Wunsch kritisiert Caritas und Diözese Rottenburg-Stuttgart
Württemberger Katholiken: Krippenausbau ist alternativlos
Autoindustrie
Opel in Bochum vor dem Aus?
Opel-Krise schwelt weiter
Neuer Schock für Opel
Wahlen
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Europäer diskutieren Eurobonds
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Stoiber-Tochter verliert Doktortitel endgültig
Terrorhelfer verliert Arbeitsplatz
»Blockupy« glimpflich verlaufen

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008