Was versprechen Sie sich von dieser Idee?
Die Parteien wären so gezwungen, wirklich um Wähler zu werben, denn nur wenn sie überzeugende Angebote vorlegen, wird sich der Trend zum Nichtwählen umkehren. Wenn sie mehr Mandate und mehr Geld bekommen wollen, müssen sie sich wirklich anstrengen.
Wäre das nicht das Ende der kleineren Parteien?
Nein, die Parlamente werden dann zwar kleiner, aber das muss kein Nachteil sein. Der Bundestag ist sowieso viel zu groß. Er hat mehr Abgeordnete als der Amerikanische Kongress, obwohl Deutschland deutlich kleiner ist. Bisher sind alle Bemühungen, die Größe zu reduzieren, gescheitert, weil die Politiker wenig Lust haben, ihre Möglichkeiten zu beschränken.
Würde es nicht populistische Forderungen – insbesondere solche, die zu Lasten von Minderheiten gehen, die selbst keine Mehrheiten erzielen können - begünstigen?
Nein, im Gegenteil. Im Augenblick verfügen Minderheiten über eine Machtfülle, die ihren Wähleranteil bei weitem übersteigt. Nehmen wir die Wahl in Bremen: Die SPD hat, legt man die Zahl der Wahlberechtigten zugrunde, nur etwa 21% erzielt, die zum Wahlsieger erklärten grünen, konnten gerade mal 12% der Wähler überzeugen, ihr Kreuz bei ihnen zu machen. Die Rot-grüne Regierung vertritt gerade mal ein Drittel der Wähler. Mehrheiten sehen anders aus.
Ist dieses oder ein ähnliches Modell schon einmal in einem anderen Land ausprobiert worden?
Ja, im Kaliningrader Gebiet wird ein ähnliches Modell praktiziert. Als letzte Position steht auf dem Wahlzettel: Gegen alle: Wenn 50% und mehr diese Position ankreuzen, muss die Wahl wiederholt werden.
In welcher Form könnte man auf eine Umsetzung dieser Idee hinarbeiten?
Man muss diese Idee propagieren und dann per Volksentscheid zur Abstimmung stellen. Von der Politik wäre eine solche Änderung nicht zu erwarten.
Frau Lengsfeld, herzlichen Dank für dieses Interview!
Das Interview führte Fabian Heinzel