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28.05.2012
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Mit PID-Zulassung sinkt die Akzeptanz der Behinderten - Interview mit Dr. Gisela Höhne
Weitere Themen: Justiz, Familie


Foto: rob de vry

Dr. Gisela Höhne ist Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des Berliner Theaters RambaZamba, ein integratives Theaterprojekt für Menschen mit geistiger Behinderung. FreieWelt.net sprach mit der Theaterwissenschaftlerin über die Arbeit mit behinderten KünstlerInnen, ihre Haltung zum Thema Präimplantationsdiagnostik und ihren Wunsch nach wirklicher Akzeptanz behinderter Menschen.

FreieWelt.net: Wie kam es zur Gründung des Theaterprojekts RambaZamba, in dem fast alle Schauspieler mit einer geistigen Behinderung leben?

Dr. Gisela Höhne: Mein Sohn wurde mit dem Down Syndrom geboren. Ich selbst war damals Schauspielerin und mußte wegen Moritz damit aufhören. Nach einem zweiten Studium (Theaterwissenschaft) hatte ich das Rüstzeug, um eine  Theaterarbeit mit diesen besonderen Menschen zu beginnen, erst mit einem Kinderzirkus, dann nach der Gründung des Vereins Sonnenuhr mit erwachsenen Menschen mit Behinderung. Unser Ziel war und ist es, die künstlersichen Fähigkeiten und Besonderheiten von Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern, es öffentlich zu machen und eine neue Form von Akzeptanz zu erreichen.

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Das sollte in enger Verbindung mit anderen KünstlerInnen geschehen.

FreieWelt.net: Welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten gibt es in der künstlerischen Arbeit mit behinderten und nicht-behinderten Darstellern?

Dr. Gisela Höhne: KünstlerInnen mit geistiger Behinderung sind authentischer, ursprünglicher und haben einen ganz besonderen Ausdruck. Sie spiegeln uns das, was wir als Geselllschaft sind und als Menschen tun, mit großer Deutlichkeit und zugleich mit viel Humor. Sie schaffen ihre eigene Wahrheit im Spiel und tun selten, was man will. Es ist eine Herausforderung, die fast immer zu einem besonderen Ergebnis führt.

Gemeinsam haben sie mit anderen KünstlerInnen ihre Lust am Spiel und am Ausdruck, ihre Professionalität, ihren Ehrgeiz und ihren Stolz.

FreieWelt.net: Welche Folgen befürchten Sie bei einer begrenzten Zulassung der PID? 

Dr. Gisela Höhne: Menschen mit Down Syndrom und anderen genetisch feststellbaren Veränderungen werden nicht mehr geboren, es wird jedoch noch weiter gehen. Man wird immer mehr in Richtung Designer-Babies gehen. Dick, schief etc. geborene Kinder wird es kaum noch geben, damit sinkt die Akzeptanz auch der Behinderten, die ihre Behinderung während und nach der Geburt erleiden.

FreieWelt.net: Müssen sich nach Ihrer Erfahrung bereits heute Eltern für die Geburt ihrer behinderten Kinder rechtfertigen?

Dr. Gisela Höhne: Ich habe es selbst nicht erlebt, aber mehrfach gehört.

FreieWelt.net: Welche konkreten Maßnahmen wünschen Sie sich von der Politik?

Dr. Gisela Höhne: Ich erwarte ein Verbot der PID. Aber ebenso ein Verbot des Abtreibungsparagraphen, der die Abtreibung von behinderten Embryos bis kurz vor der Geburt erlaubt.

Ich erwarte eine ehrlichere Intergrationspolitik, die auch umgesetzt wird. Es müßte mehr ermutigt werden in Richtung wirklicher Akzeptanz und eines Miteinander behinderter und nichtbehinderter Menschen. Das würde jedoch einen Wertewandel voraussetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zum Theaterprojekt RambaZamba



Redaktion FreieWelt.net, 23.05.2011 17:46 | Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Susanne Voss, 27.05.2011 17:16
Sehr geehrte Damen und Herren,
hier einige Zeilen zum Kommentar des Herrn ROlf Schneider.

Sehr geehrter Herr Schneider,

Sie finden es nicht verwerflich, wenn Säuglinge bis kurz vor Ihrer Geburt abgetrieben/getötet werden dürfen?

Nach Ihrer Aussage zu urteilen,

"Wenn sich Eltern für die Selektion gegen einen genetischen Defekt entscheiden, dann liegt ihr Motiv darin, Belastungen ihres künftigen Kindes zu vermeiden, ihm optimale Startbedingungen für das Leben zu schenken und selbst auch zusätzlichen Mühen zu entgehen. Hieran ist nichts verwerflich"

wissen Sie also was optimale Startbedingungen für das Leben sind?

Genau diese wunderbaren und erstrebenswerten Startbedingungen für Kinder sollten Sie vielleicht mal der gesamten desorientierten Gesellschaft, Eltern mit Alkohol- und Drogenkonsum (auch in der Schwangerschaft), und in erster Linie den Politikern, die die Basis der Gesellschaft und deren alltägliche Probleme noch nicht einmal erahnen können, erläutern!

Aber wenn ich Sie richtig verstehe, geben Sie ihr Kind, der Mühe! wegen, sicherlich auch an Dritte weiter falls es blind, gehörlos, autistisch oder durch Komplikationen bei der Geburt behindert auf die Welt kommt, da sie es ja vorher nicht selektieren konnten.

Ihre Wortwahl "Selektion gegen einen genetischen Defekt" lässt mich ausserdem davon ausgehen, dass Sie wohl bisher noch nicht wahres Vaterglück erleben durften.
Die Eltern, denen mitgeteilt wird, das bei ihrem Kind ein genetischer Defekt vorliegt, müssen sich sehr leidend, im Falle einer Schwangerschaftsunterbrechung, gegen ihr KIND entscheiden.

Aber das ist sicher nur für Eltern nachvollziehbar.

Verwerflich ist die Tatsache, dass Säuglinge die mit einem Gendefekt abgetrieben werden sollen, nach der 12 SSW bis kurz vor der Geburt, durch die Mutter auf natürlichem Wege auf die Welt gebracht werden müssen und diese Kinder entweder vorher mit einer Spritze im Mutterleib umgebracht oder z.B. nach der Geburt in einer Nierenschale ihrem Schicksal überlassen werden!!

DAS IST VERWERFLICH!

Wie gesagt, bis zum Ende der 12 Woche sollte jede Frau frei entscheiden dürfen, aber danach gibt es IMMER und muss es immer Möglichkeiten des Lebens und des Lachens, für ein jedes Kind geben.

Wie auch immer dieses Lachen aussieht!
Wo auch immer dieses Kind dann lachen darf!

Woher soll unsere Jugend ein soziales Miteinander lernen und leben, wenn das angeblich 'nichtlebenswerte Leben' aussortiert wird, die optimale Startbedingung ins Leben im Glas beginnt, aus dem tatsächlich die 'Schlechten' im Kröpfchen landen?

Mfg
Susanne Voss


Rolf Schneider, 26.05.2011 13:01
wieso sinkt die Akzeptanz der Behinderten - es geht hier um die "Behinderung" nicht "Behinderten" - ebensogut, könnte man die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung verbieten, da sie die Akzeptanz der an Kinderlähmung Erkrankten beeinträchtigt!

des weiteren:
ist es zum Beispiel nicht rational nachzuvollziehen, warum die Untersuchung bei im Reagenzglas erzeugten Embryonen (PID) untersagt sein soll, die gentechnische Untersuchung von Föten im Mutterleib am Ende des dritten Schwangerschaftsmonats bis zur Geburt aber gestattet wird.
Wenn sich Eltern für die Selektion gegen einen genetischen Defekt entscheiden, dann liegt ihr Motiv darin, Belastungen ihres künftigen Kindes zu vermeiden, ihm optimale Startbedingungen für das Leben zu schenken und selbst auch zusätzlichen Mühen zu entgehen. Hieran ist nichts verwerflich

Gruß
ROlf


Rolf Schneider, 26.05.2011 13:01
wieso sinkt die Akzeptanz der Behinderten - es geht hier um die "Behinderung" nicht "Behinderten" - ebensogut, könnte man die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung verbieten, da sie die Akzeptanz der an Kinderlähmung Erkrankten beeinträchtigt!

des weiteren:
ist es zum Beispiel nicht rational nachzuvollziehen, warum die Untersuchung bei im Reagenzglas erzeugten Embryonen (PID) untersagt sein soll, die gentechnische Untersuchung von Föten im Mutterleib am Ende des dritten Schwangerschaftsmonats bis zur Geburt aber gestattet wird.
Wenn sich Eltern für die Selektion gegen einen genetischen Defekt entscheiden, dann liegt ihr Motiv darin, Belastungen ihres künftigen Kindes zu vermeiden, ihm optimale Startbedingungen für das Leben zu schenken und selbst auch zusätzlichen Mühen zu entgehen. Hieran ist nichts verwerflich

Gruß
ROlf


Susanne Voss, 24.05.2011 09:59
Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich erwarte ebenfalls ein Verbot der PID und ebenso ein Verbot des Abtreibungsparagraphen, der die Abtreibung von behinderten Embryos bis kurz vor der Geburt erlaubt, was ich schon 15 Jahren öffentlich in einer TV-Sendung geäußert habe. Für mich bedeutet Inklusion und Gleichstellung ein Recht auf die eigene Geburt nach der 12 vollendeten Schwangerschaftswoche (SSW). Die heutigen medizinischen Möglichkeiten ermöglichen eine fundierte Untersuchung vor Vollendung der 12 SSW und müssen den Eltern reichen sich für oder gegen das Leben, in welcher Form auch immer, zu entscheiden.

Viele Grüße von der Mutter eines Sohnes mit Down Syndrom,
den wir nie missen möchten. Dem wir außerdem für unser sozial entwickeltes Einfühlungsvermögen danken müssen, welches wir sonst sicher nicht in dieser Form erleben dürften. Als Dank unserem Söhnchen gegenüber initiiere und organisieren ich ab dem 21.Oktober 1x monatlich in Berlin-Westend eine Disco [Traumdisco Berlin] für Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Freunde.

Susanne Voss



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