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28.05.2012
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Erste Zwischenbilanz zur Initiative "Subventionsabbau jetzt!"
Weitere Themen: Reformen, Wirtschaftspolitik


Foto: Sven v. Storch

Nach den ersten 14 Tagen der Initiative "Subventionsabbau jetzt!" zieht der Gründer und Leiter des AbgeordnetenCheck.de ein erstes Fazit. Das Interview gibt Einblicke in die Tendenzen der Parteien sowie Reaktionen der Bundestagsabgeordneten auf die Forderung der Kampagne. 

FreieWelt.net: Herr von Storch, wie beurteilen Sie die ersten beiden Woche der Initiative?

Sven von Storch: Mein Zwischenfazit fällt positiv aus. Die Resonanz der Bundestagsabgeordneten auf unsere Umfrage pro oder contra Subventionsabbau ist mit inzwischen rund 100 Antworten beachtlich. Das sehe ich schon positiv, vor allem vor dem Hintergrund einschneidender Ereignisse in Sachen Atomkraft oder Lybien. Das Thema Subventionsabbau ist also nach wie vor für die Politiker im Bundestag wichtig. Für uns von AbgeordnetenCheck und den Initiatoren der Kampagne, der Zivilen Koalition und dem BürgerKonvent, ist das eine Bestätigung der gemeinsamen Arbeit.

FreieWelt.net: Gibt es ein erste Tendenz wohin die Abgeordneten mit ihren Antworten gehen?

Sven von Storch: Ja, es kristallisiert sich heraus, dass die FDP und die Grünen sich für eine Reduzierung von Subventionen aussprechen. Jene Abgeordneten der beiden Parteien, die bislang geantwortet haben, sind alle pro Subventionsabbau. Im Prinzip haben wir es bei den Grünen auch mit einer liberalen Partei zu tun, die die wettbewerbsschädlichen Aspekte von staatlichen Finanzhilfen erkannt hat. Bei der FDP überrascht die positive Haltung zu unserem Anliegen weniger als traditionelle Kämpferin gegen Subventionen.

FreieWelt.net: Wie reagieren die Vertreter der „beiden Großen“, SPD und Unions-Parteien, auf die Umfrage?

Sven von Storch: Bei den Abgeordneten der CDU gibt es bisher eine leichte Tendenz pro Subventionsabbau, allerdings wünschen wir uns, dass hier doch deutlich mehr Unions-Politiker Farbe bekennen und uns ihre Antworten schicken.

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Auch die Quantität der Rückläufe der CSU-Politiker ist noch enttäuschend. Vielleicht wollen es sich die Christsozialen in dem immer auch noch agrarisch geprägten Bayern mit der Lobby der stark subventionierten Landwirte nicht verderben. Wir erwarten seitens der CSU mehr Bekenntnisse zum Thema Subventionsabbau!

Die Sozialdemokraten haben bisher mit die wenigsten Antworten geschickt und nur wenige Abgeordnete mit einem eindeutigen Ja votiert. Die Gründe können vielfältig sein, zum Beispiel gibt es sicher nicht wenige SPD-Volksvertreter, in deren Wahlkreise viele Subventionen fließen. Sich hier gegen langfristige Subventionen auszusprechen, kann Wählerstimmen kosten. Das ist zwar psychologisch verständlich, aber ökonomisch sehr kurzsichtig. Auch hier unsere Aufforderung an die SPD-Bundestagsabgeordneten, sich an unserer Debatte stärker zu beteiligen.

FreieWelt.net: Gibt es bei den Stellungnahmen der Politiker mehr als ein Ja bzw. Nein?

Sven von Storch: Das ist gibt es erfreulicherweise auch, dass die Abgeordneten zusätzliche eigene Vorschläge machen, wo gespart und gekürzt werden könnte. Vorreiter sind hier wiederum die Liberalen und die Bündnisgrünen. Bei den Antworten aus den Reihen der Öko-Partei liegt der Fokus auf dem so genannten Abbau von umweltschädlichen Subventionen. Als Beispiele nennen einige das Dienstwagenprivileg oder die reduzierte Mehrwertsteuer auf Flugbenzin.

Es gibt auch bei der FDP Differenzierungen, so sehen manche Abgeordnete die Definition von Subventionen des für unsere Initiative zugrundegelegten Subventions-Berichts des Kieler Instituts für Weltwirtschaft als zu weitgehend an. Wir werden hier im Laufe der Initiative nachhaken, ob das tatsächlich zu weit gefasst ist und wie mit den Differenzierungen umzugehen ist.

FreieWelt.net: Gibt es auch Reaktionen aus der Fraktion der Linkspartei?

Sven von Storch: Ja, die gibt es, allerdings in einem bescheidenen Umfang. Gregor Gysi hat immerhin geantwortet und sieht Subventionen nicht per se als schützenswert an. Auch hier wollen wir am Ball bleiben und vom Linke-Fraktionschef mehr dazu erfahren.

FreieWelt.net: Was ist das Ziel der Initiative?

Sven von Storch: Grundsätzlich möchten wir von so vielen Abgeordneten wie möglich eine klare Antwort, ob ein politischer Wille vorhanden ist. Wir finden, dass dies auch und gerade bei einem Thema wie Subventionsabbau nötig ist. Wir erwarten, dass unsere Volksvertreter eine deutliche Meinung dazu haben und diese den Bürgern auch mitteilen.

Unsere Foren wie AbgeordnetenCheck und die Netzzeitung FreieWelt sind dafür bestens geeignet. Differenzierungen sind für uns interessant, denn dann erfahren wir Bürger endlich mehr, wo der „Schuh drückt“ beim Thema Subventionsabbau. Es bleibt auf jeden Fall ein brisantes und höchst aktuelles Thema.

Herr von Storch, herzlichen Dank für das erste Fazit zur Initiative „Subventionsabbau jetzt!“

Das Interview führte Steffen Westermann


Redaktion, 01.04.2011 16:01 | Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Rudi Gems, 23.04.2011 22:22
Für mich ist das Thema "Subventionsabbau", eher ein Nebenkriegsschauplatz. Problematisch wird es schon bei der Definition. Die einen sagen, "Subventionen, ist alles, wofür die Regierung Geld ausgibt.". Diese Behauptung hat durchaus ihre Berechtigung.

Andere sagen, das man Subventionen in "Anschubsubventionen" und "Auslaufsubventionen" unterteilen muss. Auch hier gibt es eine Berechtigung. Und wieder andere teilen Subventionen, in "Gute Subventionen" ein, und in "Schlechte Subventionen". Dies ist mir aber zu opportunistisch. Meist läuft es darauf hinaus, das die "Guten", die Subventionen sind, die einem selber nützen, und die "Schlechten", die anderen nützen.

Regierungen sollten grundsätzlich dazu übergehen, nur solche Sachen finanziell zu unterstützen, die in die Zukunft gerichtet sind. Das wäre Wohlstand, Bildung, Forschung, Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit, Soziales und Umweltschonendes. Daneben kämen noch die Werte in Betracht, die mit dem freiheitlich, demokratischen Rechtsstaat in Verbindung zu bringen sind. Sonstiges, sehe ich nicht als subventionswürdig an.

Subventitonen, sollten grundsätzlich nur zeitlich begrenzt werden, und müssten regelmäßig zur parlamentarischen Überprüfung, zurück in die Parlamente. Hier muss dann insbesondere geprüft werden, ob die Subventionen, noch zielgerichtet sind, die Ziele aktuell sind, und wie weit der Missbrauch von statten geht.

Für bereits bestehende, muss die zeitliche Begrenzung nachgeholt werden, sowie die Termine, für die Wiedervorlage in den Parlamenten, bestimmt werden.

Für die größten und unverschämtesten Subventitionen, gibt es sowieso, keine Einflussmöglichkeit. Das beste Beispiel, sind die Bankenrettungsschirme. Hier, hat eine Gruppe von Menschen, richtig Mist gebaut. Die Regierungen, werden von dieser Gruppe, solange erpresst, bis sie sich genötigt sehen, an den Parlamenten vorbei, Unsummen an diese Gruppe zu zahlen, ohne das diese Gruppe, auch nur ansatzweise sich an den Unkosten beteiligt. Diese Gruppe, missbraucht die Staatshaushalte, als "Versicherungen" worin sie niemals, Prämien eingezahlt haben, und in Zukunft auch nicht bereit sind, welche zu zahlen. Hier liegen die fragwürdigen Subventionen, (Jedes Jahr für die BRD, ca.40 Milliarden ¤) gegen die als erstes, angegangen werden müsste, dann könnte man sich für alle anderen Subventionen Zeit lassen.

Grüße, Rudi Gems


Dr Manfred Hanke, 04.04.2011 15:33
Zu den Schwierigkeiten des Subventionsabbaus: Murphy kennt das Problem: wo ein Wille ist, ist auch ein Geht-nicht

Meier, 03.04.2011 21:29
Sicher ist diese Iniative richtig und sinnvoll, m.E. sind Subventionen lediglich verlorene Schutzgeldzahlungen an politische Wegelagerer, die als Wählergruppen von Parteien und Politikern hoffiert werden oder spendable Lobbyisten "kaufen" sich ihre Politiker gezielt ein, um ihre Geschäftsmodelle abzusichern.
Denn Subventionen verhindern eben erfolgreiche wirtschaftliche Ausrichtungen, die sich am marktwirtschaftlichen Wettbewerb orientieren. Damit unterbleiben, bzw. verzögern sich notwendige strukturelle Anpassungen und stauen sich Veränderungen so lange auf, bis große Irritationen real werden.

Allein die völlige Überschuldung der notleidenden EU-Staaten sind der Beste Beweis für das Chaos was passiert, wenn sich der "Subventionismus" nicht mehr finanzieren lässt.

Diese Initiative zum Subventionsabbau und die Ansprache der Bundestagsabgeordneten sind richtig aber gerade ein Großteil der Abgeorneten ist doch dieser und jener Interessengemeinschaft verbunden, die weiter an den geliebten Subventionen festhalten und darum ihre Interessenvertreter nicht nur durch immaterielle Zuwendungen in ihrem Sinn motivieren.

Was investigative Journalisten in Brüssel mit diversen Abgeordneten in der Bereitschaft als Lobbyistentätig zu werden, wenn das "Honorar stimmt", ist doch ganz ganz sicher nur der Einzelfall und im Deutschenbundestag oder den Landesparlamenten überhaupt nicht interessant veröffentlicht zu werden. Wer will da schon wem an der Maske zupfen, wenn die Auskunft der Parlamenmtarier über ihre Nebeneinkünfte schon medial und parlamentarisch als Zumutung angesehen wird. Das schafft kein Vertrauen in die Integrität unseres politischen Personals, das erklärt bestenfalls warum sich die Politik so oft über das Mehrheitswollen der Bevölkerung stellt und die Mehrheitsinteressen eher ignoriert, mit erbärmlichen Argumentationen den Wähler für unmündig erklärt, statt sich so oft es geht seines Votums zu versichern.
Schließlich ist dieses Vorgehen in der Schweiz seit fast fünfhundert Jahren der Beweis, das es nicht nur funktioniert, sondern dass eine hohe Lebensqualität und größte Sicherheit für die Bürger sogar Wohlhabende aller Länder in diese "Demokratie-Paradebeispiel-Land" zieht. Dort beauftragen die Bürger die Politiker, dort entscheidet der gesunde Menschenverstand darüber was man mehrheitlich subvebtionieren will.


Elmar Oberdörffer, 01.04.2011 19:23
Ein Kernpunkt des Subventionsabbaus wäre die Abschaffung des für die Volkswirtschaft ruinösen EEG. Welche Partei wäre dazu bereit? Die Grünen doch wohl zu allerletzt. Aber auch bei den anderen Parteien habe ich keine Hoffnung. Ein wirklicher Subventionsabbau könnte nur von einer neuen, völlig anderen Partei kommen. Aber wo ist die?


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