suchen
23.02.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
"Subventionen mit dem Rasenmäher kürzen" - Interview mit Hubertus Pellengahr
Weitere Themen: Reformen, Wirtschaftspolitik


Bild: Hubertus Pellengahr

164 Milliarden Euro beträgt das Volumen der Subventionen von Bund, Ländern und Gemeinden.  Trotz einzelner Kürzungen ist das Subventionsvolumen im Laufe der Jahre stets gestiegen.  "Mit dem Rasenmäher" sollte die Politik diese Subventionen kürzen, hatte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) daher kürzlich empfohlen.  Im Interview mit FreieWelt.net erklärt der Geschäftsführer der INSM, Hubertus Pellengahr, was er darunter versteht und warum sich ein schlankerer Staat seiner Ansicht nach zum Vorteil der Bürger auswirken würde. 

FreieWelt.net: Die INSM hat kürzlich empfohlen, Subventionen mit dem „Rasenmäher“ zu kürzen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Hubertus Pellengahr: Das Volumen aller Subventionen von Bund, Ländern und Gemeinden summiert sich für das Jahr 2010 auf 164 Mrd. Euro. Auch wenn von der Politik immer mal wieder einzelne Subventionen gekürzt oder gar gestrichen wurden – unter dem Strich sind es immer mehr geworden. Denn jede Regierung hat neue Subventionen erfunden und eingeführt. Uns geht es darum, endlich in einen nachhaltigen Subventionsabbau einzusteigen. Nicht mit dem Holzhammer. Aber konsequent und nach einem realistischen Konzept. Das Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) hat in einem Gutachten aufgezeigt, dass etwa 58 Milliarden Euro bei den Finanzhilfen des Bundes und den Steuervergünstigungen eingespart werden könnten. In gleichmäßigen Schritten könnte diese Summe in drei, vier oder fünf Jahren auf Null gekürzt werden. Das ist mit dem Rasenmäher gemeint. So werden alle bisher Begünstigten gleichmäßig und sukzessive in den Subventionsabbau eingebunden.

FreieWelt.net: Profitiert Deutschland nicht aber auch langfristig von Subventionen, zum Beispiel wenn die Regierung in Zukunftstechnologien investiert?

Hubertus Pellengahr: In welche Technologien sollte eine Regierung investieren? Die Forschungsförderung ist doch von politischen Wünschen der jeweils regierenden Parteien abhängig.

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Die Grundlagenforschung ist natürlich etwas anderes, die wird vom IfW auch nicht als Subvention definiert. In welche anwendungsorientierte Forschungsvorhaben aber sinnvollerweise investiert werden sollte, kann keine Regierung der Welt sachgerecht beurteilen. Der Staat ist nicht schlauer als die Menschen. Hier ist der Markt gefordert. Für sinnvolle Forschungsvorhaben lassen sich Investoren und Unternehmen finden – nur das führt zu effizienter  Forschung. Übrigens: Die Forschungsförderung ist doch ein gutes Beispiel, dass Subventionen ungerecht und wettbewerbsverzerrend sind. Während Großunternehmen den Löwenanteil der Forschungsgelder des Staates bekommen, müssen die mittelständischen innovativen Unternehmen ihre Projekte in der Regel selbst finanzieren.

FreieWelt.net: Trotzdem ist auch eine Zukunftstechnologie wie das Internet durch staatliche Hilfe entstanden.

Hubertus Pellengahr: In der Tat: Das Internet hat seinen Ursprung im US-amerikanischen Militär. Hat dann aber vor allem durch die Forschung an und die Vernetzung von Universitäten seinen weltweiten Durchbruch erlebt. Wie gesagt: Grundlagenforschung soll auch weiterhin staatlich gefördert werden. Aber dort, wo Produkte und Technologien entstehen, für die sich Unternehmen und Konsumenten interessieren, von denen sie sich einen Vorteil erhoffen, wird es immer auch Investoren geben, die sich hiermit am Markt positionieren wollen. Und was das Internet betrifft: Ich bin mir sicher, es hätte sich auch ohne den militärischen Anschub entwickelt. Weil es wenig gibt, was Menschen wichtiger ist als Kommunikation.

FreieWelt.net: Was wird Ihrer Ansicht nach passieren, wenn Deutschland seine Subventionen nicht zurückfährt?

Hubertus Pellengahr: Dann bleibt unser Steuersystem so komplex, dass ein Normalbürger es auch in Zukunft nicht druchblicken wird und selbst Steuerberater ins Zweifeln kommen. Und unser Staat wird weiterhin unfair all denen gegenüber bleiben, die brav ihre Steuern abführen, aber nicht von den Privilegien einzelner begünstigter Gruppen profitieren. Zudem beraubt sich die Politik eines enormen Handlungsspielraums. Würde sie in den Subventionsabbau einsteigen, könnte sie die Staatsverschuldung und auch die allgemeine Steuerlast reduzieren. Ohne Subventionsabbau wird das schwierig.

FreieWelt.net: Sehen Sie außer dem Abbau von Subventionen noch andere Möglichkeiten für den Staat, seine Ausgaben zurückzufahren, ohne das sich dies zum Nachteil der Bürger auswirkt?

Hubertus Pellengahr: Warum sollte sich eine umfassende Aufgaben- und Ausgabenkritik beim Staat zum „Nachteil der Bürger auswirken“? Wenn der Staat insgesamt schlanker und gesünder wird, muss er seinen Bürgern nicht mehr eine so hohe Steuer- und Abgabenlast aufbürden. Beim Bund und bei den Ländern schlummert noch ein erhebliches Einsparpotential unter anderem bei den Personalausgaben. Bürokratie sollte reduziert werden – das spart Kosten bei den Unternehmen. Und effizienter müssen vor allem die sozialen Sicherungssysteme gemacht werden, zum Beispiel im Gesundheitsbereich, wo mehr Wettbewerb den Kostenanstieg bekämpfen würde.

FreieWelt.net: Herzlichen Dank für dieses Interview!

Das Interview führte Fabian Heinzel

www.insm.de



Redaktion, 07.02.2011 09:43 | Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

Dr. Martin Weigele, 11.03.2011 16:06
Es ist sehr schade, dass freiewelt.net Lobbyisten wie der sogenannten INSM eine Plattform bietet. Die so dringend notwendige gesellschaftliche Diskussion gerät so leicht in Schieflage.

Denn einerseits ist zwar eine Besinnung auf ordoliberale Grundsätze dringend geboten. Andererseits aber berücksichtigt eine wie in diesem Artikel geführte Lobbyisten-Debatte nicht, dass nicht nur vom Staat, sondern auch von zu mächtig gewordenen Privaten - Stichwort "too big to fail" - eine faire und gerechte Gesellschaft gleichermassen bedroht ist, weil eine zu ungleiche Verteilung für das Leistungsprinzip, echtes Unternehmertum und gesellschaftlichen Fortschritt genauso schädlich ist, wie eine scheinbar völlig gleiche Verteilung ohne Leistungsanreize (wie im Kommunismus). Deshalb brauchen wir z.B. einen Staat, der in bewährten Formen des öffentlichen Rechts demokratisch kontrolliert wird - statt einen, der in dubiosen privatrechtlichen und gemischten Formen wie z.B. "PPP" unkontrolliert agiert. Dort feiern unter dem Vorwand angeblich privater Effizienz Milliardenverschwendung und Korruption fröhliche Urstätt. Dafür benötigen wir aber auch weiterhin einen vernünftig bezahlten Öffentlichen Dienst.


Gockeline, 07.02.2011 15:26
Müßen wir jetzt alle sehr laut sagen was uns nicht gefällt?
Es verändert sich nichts in unserem Land.
Wie oft wurde das schon vorgetragen?
Wie oft mahnt der Bund der Steuerzahler die Regierung an.
Nichts tut sich im Land.
Wir brauchen dringend eine Steuervereinfachung.
Dass kein normaler Mensch einen Steuerberater mehr braucht.
Die vielen Sonderbehandlungen müßen endlich wegfallen.
Eine einfache Mehrwertsteuer muß endlich gemacht werden.
Endlich alle Subvensionen geprüft werden und viele abgeschafft werden.
Eine einheitliche Bildung im ganzen Land.
Bei den Politikern hat jeder Angst Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
Wer ihnen zuhört,da hört man wie sie sich selber hochloben, wie mutig sie sind.
Wir haben Politiker die sich selber nicht gut einschätzen können.
Das Land braucht gute Entscheidungen die weit in die Zukunft gehen.
Diese Regierung reagiert nur hinterher und deichselt nicht das Land in die richtige Richtung.


Dr. Heinz Schenk, 07.02.2011 12:16
Liebe Leser,
es freut mich stets wenn aufgezeigt wird, wie verschwenderisch der Staat mit der Resource Zukunft umgeht. Wie beliebig der Staat nach Kiesinger begonnen hat, die Schuldentasche zu bedienen und wie zielgerichtet der Staat systematisch die eigene Notwendigkeit pflegt und besonders verteidigt.
Hatte nicht jeder Verteidigungsminister beträchtliche Skandale zu verantworten, wenn er bloß an Kürzung dachte und, ist der Bierdeckel nicht zwischenzeitlich verboten?
Ich wünsche dieser Initiative viel Erfolg.

Zur Rettung der Demokratie und des Staates bitte ich, diese Initiative um folgende Forderung zu erweitern:

Änderung des Grundgesetzes Art. 20:
"Es ist einem öffentlich Beschäftigten oder beamteten nicht gestattet, in einer Partei Mitglied zu sein und an den legislativen Entscheidungsprozessen dieser Demokratie selbst teil zu nehmen.
Die Träger öffentlicher Belange werden zu den Entscheidungen der Parlamente gehört und an diesen beteiligt. Näheres regelt ein Bundesgesetz."

Mit dieser einfachen Korrektur zur fehlenden Weitsicht des Parlamentarischen Rates, ist es leicht möglich auch den Schuldenberg zügig abzubauen.



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Persönlichkeiten, nicht Prinzipien, bringen die Zeit in Bewegung."
- Oscar Wilde

ANZEIGE

Interviews

Martin Kastler In der Krise braucht Europa mehr, nicht weniger Bürgerbeteiligung!
Martin Kastler
Mitglied des Europaparlamentes (CSU)

Philipp Vorndran Kapitalmarktexperte warnt vor den ESM
Philipp Vorndran
Kapitalmarktexperte der Flossbach von Storch AG

Hedwig Freifrau von Beverfoerde Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren!
Hedwig Freifrau von Beverfoerde
Sprecherin Initiative Familienschutz

Alfred Zellfelder ESM schwere Belastung für nächste Generationen
Alfred Zellfelder
Landesvorsitzender Freie Wähler Schleswig-Holstein

Werner Voß Das Wort Solidarität wird gerne mißbraucht
Werner Voß
Diplom-Betriebswirt

Mehr Interviews


Umfrage

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?






Ergebnis


Empfohlene Blogs

author Dr. Gérard Bökenkamp
Freiheit und Selbstdisziplin

author Kevin Fuchs
Ist Ihr Nachbar homophob?

author Karin Pfeiffer-Stolz
Nichts als eine üble Räuberbande

author Johannes Resch
Generationenvertrag und Elterngeldgesetz

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt


Video

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

"Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de) "Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de)

Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag

Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen"


Galerien

Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität? Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität?

Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test


Reportage

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Neuer Verband setzt sich für kinderreiche Familien ein Neuer Verband setzt sich für kinderreiche Familien ein

Der Staat als Kinder- und Jugendverderber Der Staat als Kinder- und Jugendverderber

Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991 Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse

Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs

Merkozy wollen ESM vorverlegen Merkozy wollen ESM vorverlegen

EU plant Telefon- und Internet- Überwachung EU plant Telefon- und Internet- Überwachung

Diktat der Wirtschaft bedroht Grundrechte von Eltern und Kindern Diktat der Wirtschaft bedroht Grundrechte von Eltern und Kindern


Meist gelesen
  1. "Wehe, wenn es friert ..."
    14.02.2012 10:56
  2. CSU drängt Gauck zur Heirat
    21.02.2012 11:41
  3. Bundespräsident Wulff tritt zurück
    17.02.2012 08:17
  4. Die Saat geht auf: Kath. Kirche darf als "Kinderficker-Sekte" verleumdet werden
    14.02.2012 10:55
  5. Schäuble verspricht Portugal heimlich Milliardenhilfe
    12.02.2012 22:39

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
EU-Kommission erwartet Rezession
"Schönes" zentralis- tisches Europa
"Merkel hat Griechenland-Zahlen geschönt"
Nahost-Konflikt
Israel macht Iran für Anschläge auf Diplomaten verantwortlich
Iran baut militärische Drohkulisse auf
Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen?
DDR-Unrecht
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
CSU-General Dobrindt fordert Überwachung der Linkspartei
Allgemein
Schlammschlacht von Romney und Santorum
Ethikrat empfiehlt Angabe des "dritten Geschlechts"
Ifo-Index heiter bis wolkig
Bildung
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
"Von Krise zu Krise gesteigert" - Interview mit Dr. Bernd F. Schulte
Rezension: Deutsche Policy of Pretention
Reformen
Bund der Steuerzahler gegen Griechenhilfe
MdB Mortler zweifelt an "Rettungsschirm"
Deutsche Steuerzahler blechen nutzlos für Athen
Wirtschaftspolitik
Ifo-Index heiter bis wolkig
Schwache Konjunk- tur lässt Steuer- einnahmen sinken
Bund der Steuerzahler gegen Griechenhilfe
Familie
Liebe statt Stress
KathTreff: Immer mehr Christen finden sich über das Internet
Sonderabgabe für Kinderlose
Autoindustrie
Daimler fährt Rekordgewinn ein
Sprit so teuer wie nie
Aral hält Bezinpreis künstlich hoch
Wahlen
Wahltrend: Grüne legen zu
Schlappe für Le Pen
Schäffler fordert härteren FDP-Kurs gegen Union
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Bundespräsident Wulff tritt zurück
Leutheusser-Schnarrenberger knickt bei ACTA ein
Umstrittenes EU-Urheberschutzgesetz blockiert

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008