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28.05.2012
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FreieWelt.net-Serie Kirche und Wissenschaft: Folge III - Nicolaus Steno
Weitere Themen: Allgemein


Bild: Porträt von J.P. Trap (Wikimedia Commons)

Unsere Kenntnisse über die Anatomie sind inzwischen so umfassend, dass wir einige unserer wichtigsten Organe künstlich nachbauen können.  Es gibt künstliche Herzen, künstliche Lungen und künstliche Darmausgänge.  Wir wissen, wie der Pumpmechanismus des Herzens das Blut durch unsere Adern pumpt und wie unsere Atmung unser Gehirn mit Sauerstoff versorgt.  Im Jahr 1660 aber war unser Kenntnisstand noch ein ganz anderer. 

Da war es eine Sensation, als Nicolaus Steno den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse entdeckte.  Seine Vorlesungen und anatomischen Demonstrationen machten den Arzt in ganz Europa berühmt. Zum Zeitpunkt seiner großen Entdeckung war er gerade einmal 22 Jahre alt.

Geboren wurde Nicolaus Steno als Niels Stensen im Jahr 1638 in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.  Seine Eltern, der Goldschmied Sten Pedesen und die Pastorentochter Anne Nielstochter, ließen ihn lutherisch taufen.  Gleich zwei schwere Schicksalsschläge bestimmten Nicolaus' frühe Kindheit.  So litt er zwischen seinem dritten und seinem sechsten Lebensjahr an einer langwierigen Krankheit, die es für ihn fast unmöglich machte, mit anderen Kindern zu spielen.  Zudem starb der Vater des kranken Jungen bereits im Jahr 1644.  Allerdings führte der frühe Tod es Vaters auch dazu, dass Nicolaus von nun an vom Vater seines Freundes Jakob Hendrik Paulli, der ein bekannter Arzt war, erzogen wurde.  Nicolaus trat in die Fußstapfen seines Ziehvaters und studierte ab 1656 Medizin an der Kopenhagener Universität.  Darüber hinaus begann er während dieser Zeit, sich immer intensiver der Philosophie und der Mathematik zu widmen.  Gleichzeitig zog es ihn in die Fremde.  1659 ging er nach Rostock, 1660 nach Amsterdam, noch im selben Jahr wechselte er nach Leiden.  Das hieß jedoch keineswegs, dass er die Medizin vernachlässigte. 

Erste religiöse Krise

Auch kam der protestantische Däne während seiner Zeit in den Niederlanden  mit dem Katholizismus in Kontakt, dem er zunächst mit großer Ablehnung begegnete.  Noch aber galt sein primäres Interesse der Forschung.  Dabei konzentrierte er sich auf die Erforschung von Drüsen und Muskeln.  Nicolaus Steno war der Erste, der die Tränen- und Speicheldrüsen des menschlichen Körpers beschrieb und Drüsen und Lymphknoten voneinander unterschied.  Doch auch die Beschäftigung mit der Religion wurde für den Arzt immer wichtiger.

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  Im Winter 1662/63 durchlitt er seine erste religiöse Krise.  Steno versuchte, diese Krise durch die Annahme des cartesianischen Weltbildes, zu dessen Kern die Trennung von Geist und Materie gehört,  zu überwinden.  Zwar konnte Steno noch nicht ahnen, dass Isaac Newton schon eine Generation später mit der Schwerkraft eine Kraft entdecken würde, die sich weder ausdehnt noch eine sichtbare Wirkung auf Gegenstände hat, was das cartesianische Weltbild zur Fall brachte, aber als nach Sicherheit strebendem Wissenschaftler fielen schon ihm die Fehler in der von dem Philosophen René Descartes entwickelten Theorie auf. 

Florenz und Livorno

Unterdessen führten seine Studien- und Vortragsreisen Nicolaus Steno weiter um die Welt.  1664 ging er von Leiden zurück in seine Heimatstadt Kopenhagen, von hier aus wiederum nach Montpellier und nach Pisa und 1666 schließlich nach Florenz.  Der in Florenz residierende Großherzog der Toskana, Ferdinand II. von Medici, machte ihn zu seinem Leibarzt und unterstütze großzügig seine Forschungstätigkeit, die sich von nun an nicht mehr nur auf medizinische Forschungen beschränkte.  So dehnte sich Stenos Interesse während seiner Zeit in Italien auch auf geologische und paläontologische Themen aus.  Das änderte jedoch nichts an der wachsenden Faszination Stenos mit der Religion, wobei seine Abneigung gegen alles Katholische schon im Rahmen seines Frankreich-Aufenthaltes zu schrumpfen begonnen hatte.  Vor allem ab seiner Teilnahme an der Fronleichnamsprozession am 24. Juni 1666 in Livorno ließen in ihm Zweifel aufkommen, ob sich ein derartig großer Teil der Christenheit wirklich irren könnte.

Arzt, Geologe und Priester

Nicolaus Steno suchte jetzt aktiv den Kontakt zu Gelehrten und vertiefte sich in Bibel- und Dogmenstudien in griechischer und hebräischer Sprache.  1667 konvertierte er zum Katholizismus.    Während einer dreijährigen, geologischen Forschungsreise, die er ab 1668 durch Südeuropa unternahm, verfasste der berühmte Naturforscher erstmals theologische Schriften.  Dennoch blieb er ein treuer Diener der Wissenschaft.  Er entdeckte bei der der Untersuchung von Quarz das Gesetz von der Winkelkonstanz, das den Umstand beschreibt, dass die Oberflächen der Kristalle immer im selben Winkel zueinander stehen, unabhängig von ihrer Größe oder Form. Daraufhin schlug er vor, dass dies eine Eigenschaft aller Mineralkristalle ist, und legte so das Fundament für die moderne Kristallographie, er stellte fest, dass Fossilien die Überreste einst lebender Organismen darstellen und keine natürlichen Auswüchse von Gesteinen und entwickelte als Erster eine auf wissenschaftlicher Basis stehende Theorie zur Entstehung von Sedimentgesteinen.  Doch all seinen Erfolgen als Wissenschaftler zum Trotz, sah er für sich noch eine andere Aufgabe in seinem Leben.   Seit seiner Hinwendung zum Katholizismus empfand er tiefe Achtung vor den Priestern.  In seinen Augen dienten sie der Ehre Gottes in besonderer Weise.  Einer von ihnen wollte er sein.  1675 empfing Nicolaus Steno die Priesterweihe.  Als Priester legte er die Schwerpunkte seiner Tätigkeit auf die Seelsorge sowie auf die – durchaus erfolgreiche – Missionierung von Protestanten.  Vor allem im norddeutschen Raum betätigte er sich in den 1680er Jahren als Missionar.  Obwohl 1677 zum Bischof geweiht, führte er stets ein asketisches, klösterliches Leben.  Die beachtliche Pension, die er erhielt, gab er freiwillig an die Armen weiter, fastete an drei Tagen pro Woche, predigte dreimal täglich und legte die Wegstrecken seiner Pastoralreisen zu Fuß zurück. 

1686 starb der Wissenschaftler, Priester und Missionar nach kurzer, schwerer Krankheit in Schwerin.  Als seine letzten Worte ist das Gebet „Jesus, sis mihi Jesus – „Jesus, sei mir Retter“.“ überliefert. Er wurde in der Grabkapelle der Basilika San Lorenzo in Florenz beigesetzt und 1988 durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.         

http://de.wikipedia.org/wiki/Nicolaus_Steno

http://www.damian-hungs.de/Niels%20Stensen.html

"Kirche und Wissenschaft" ist eine FreieWelt.net-Serie von Fabian Heinzel.  Im Laufe der Serie wird es auf FreieWelt.net regelmäßig Artikel zum Themenkomplex "Religion und Wissenschaft" geben, wobei der Schwerpunkt auf dem Verhältnis der katholischen Kirche zur Wissenschaft liegen wird.     

 Kontakt zum Urheber.



Redaktion, 23.11.2010 13:50 | Kommentare (1)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (1)

Rudi Gems, 09.12.2010 13:08
Mit sowas, können Sie mich überhaupt nicht beeindrucken. Herr Steno, wird unbestritten, ein großer Forscher und Arzt gewesen sein. Ob ihn das aber dazu prädestiniert, auch in Glaubens- und Religionsfragen, Sinnvolles und Großes zu leisten? gestattet ihr Zweifel?

Immerhin, hat er dadurch Personen, die sich Päpste nennen, Annerkennung, Hochachtung und Kompitenz bezeugt, wo ich mich weitestgehend, von distanziere.

Für mich gibt es in den Religionen, nur Ein! Hauptgebot. Und das ist das Gebot zur Nächstenliebe. Alles andere, nähert sich bei mir, den Redundanzen(Überflüssigkeiten)an. Zugegeben, was Hr. Steno, in seinen letzten Jahren gewirkt hat, kann durchaus mit Nächstenliebe beschrieben werden. Aber das ändert eben nichts an der Tatsache, das er mit so einem Verhalten, auch religiöse Inhalte und Personen aufgewertet hat, denen ich, äußerst kritisch gegenüberstehe.

Was sollte die Gegenüberstellung von Katholozismus, und Protestantismus? Beide, haben die Nächstenliebe, als Gebot. Sind sind daher für mich, völlig gleichwertig, bzw. ungleichwertig.

Jedenfalls der Zusammenhang, zwischen Kirche und Wissenschaft, sind für mich, nach diesem Beitrag, völlig undurchsichtig. Mich motiviert es jedenfalls in keiner Weise, mich irgendwelchen Kirchen anzunähern.

Grüße, Rudi Gems



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