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23.05.2013
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FreieWelt.net-Serie Iran - Das Land der verlorenen Schreie - Folge II
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Bild: Jerzy/pixelio.de

Fortsetzung von Folge I

Aus Mohammad Moshiris "Iran - Das Land der verlorenen Schreie":

„Dieser Ort ist sehr gut geeignet, die Leute verrückt zu machen, besonders die Flüchtlinge, die wegen Verfolgung und Diktatur ins Ausland fliehen, um dort einen sicheren Aufenthalt zu finden!“ sagte mein Freund zu mir. Er hatte recht! Das Gebäude wirkte wie ein Konzentrationslager des 2. Weltkrieges. Es war mit Stacheldraht gesichert, als ob man es mit Verbrechern zu tun hätte! Ich konnte mir vorstellen, in welcher psychischen Verfassung die Leute sich hier befanden. Für mich war das kaum zu glauben.
Der neue Audi meines Freundes hatte wieder Aufsehen erregt. Die Asylanten schauten uns ganz neugierig an. Bestimmt dachten sie darüber nach, wie sie einen Weg finden konnten, auch eines Tages draußen und frei zu sein oder wie sie es schaffen, die Taschen voller Geld und ein Auto wie das meines Freundes zu bekommen.

Die Beamten schauten uns merkwürdig an und wollten wissen, wer wir sind. Ehrlich gesagt, wenn ich gewußt hätte, was mich hier erwartet, wäre ich mit meinem Auto gekommen und nicht mit dem teuren Auto meines Freundes. Wir gingen in das Gebäude, es war alles sauber und ordentlich. Dann gingen wir in ein Büro und fragten nach den zuständigen Personen. Es meldete sich ein Herr Schmidt, er war der Direktor. Ich erzählte ihm, warum wir da waren. Er war nett und ich gab ihm die Namen derer, die wir suchten. Nach einigen Minuten kam er wieder zurück und sagte: „Bitte warten Sie im Speisesaal, wir werden die Leute benachrichtigen, daß Sie hier sind. Wenn Sie länger hier bleiben möchten, nehmen Sie bitte die beiden Münzen für das Mittagessen. Sie sind unsere Gäste.“

Weil wir aber nicht bleiben wollten, bedankte ich mich, nahm aber die Münzen nicht an. Wir gingen in den Saal, der sehr groß  und mit Tischen und Stühlen aus Holz ausgestattet war. Es gab dort eine Kaffeemaschine. Mein Freund kaufte uns zwei Tassen Kaffee und ich schaute aus dem Fenster nach draußen. Es war draußen genau wie in einer Kaserne. Einige Kinder spielten miteinander. Sie waren verschiedener Nationalitäten und obwohl sie sich nicht verständigen konnten, spielten sie ohne Probleme miteinander. Sie merkten kaum, welche Schwierigkeiten ihre Eltern hatten. Sie waren auf jeden Fall immer, an erster Stelle, die Opfer, die unschuldigen Kinder. Einige Frauen aus Osteuropa standen ohne Beschäftigung dort und sprachen miteinander. Die Männer standen auch einfach dort und unterhielten sich.

Zwei schöne Mädchen, wie ich vermutete,  aus der Türkei, also Kurden, saßen nebeneinander und schauten einfach herum. Sie waren wirklich sehr schön. Einige junge Männer gingen ziellos hin und her. Ich wollte wissen, was sie denken und welche Wünsche sie haben und vor allem, was sie erlebt hatten. Viele von ihnen würden wieder aus Deutschland ausgewiesen werden. Ich war in tiefen Gedanken darüber, warum die Menschen wegen ihrer Herkunft und ihres Geburtsortes ein anderes Schicksal hatten und das fand ich nicht gut. Es kamen zwei junge Mädchen und ein junger Mann zu uns. Sie waren froh, uns zu sehen. Eigentlich sahen sie sehr modern aus. Wir stellten uns dann vor. Die Frauen hießen Haleh und Parasstu und der junge Mann hieß Mohssen. Sie wußten, daß wir heute kamen und hatten sich sehr gefreut. Eine Bekannte von Haleh kannte mich und so wurde ich benachrichtigt, daß sie sich in Berlin befinden und bald abgeschoben werden sollten.

Zuerst unterhielten wir uns allgemein miteinander. Dann habe ich sie, mit Erlaubnis von Herrn Schmidt, zum Mittagessen in ein Restaurant eingeladen. Sie freuten sich sehr und ich konnte mir vorstellen, daß meine Einladung das erste gute Ereignis seit ihrer Ankunft in Deutschland war. Die anderen Flüchtlinge schauten uns in einer Art und Weise an, daß ich es kaum beschreiben kann, besonders die Kinder. Sie dachten bestimmt, daß der Iraner und die Iranerinnen jetzt in Deutschland bleiben könnten, weil man mit so einem schicken Auto niemanden rauswerfen konnte! Sie hatten recht! Ich hatte verhindert, daß sie abgeschoben werden. Wir fuhren zu Onkel Helmut und dort machte ich ein Interview mit ihnen. Ich stellte für jeden einen Ordner zusammen, den der Anwalt erhalten sollte. Der junge Mann erzählte mir seine Geschichte und ich fand sie sehr bedauerlich, aber auch interessant. Am nächsten Tag ging ich wieder zu ihm und er erzählte mir alles noch ausführlicher. Dieses Buch ist seine Geschichte.

Zuerst fiel es mir schwer, alles zu glauben, aber als ich selbst im Jahr 2000 in der Türkei war, um mich nach dem Schicksal iranischer Flüchtlinge zu erkundigen, verstand ich, daß seine Geschichte nur ein Teil der Realität war. Die Wirklichkeit war noch viel schlimmer, als das, was er mir erzählt hatte.

Ich hoffe, daß solche Bücher wie das, welches Sie lesen, zur Herstellung demokratischer Verhältnisse im Iran beitragen können und daß die nächste Generation weiß, wie viel uns die Demokratie gekostet hat. Man bewahrt sie besser, wenn man sie hat und den Preis für Freiheit und Demokratie kennt.

Teheran 1975

Jawad wollte nach dem Wehrdienst in die USA gehen. Viele seiner Freunde waren schon in Amerika und forderten ihn ständig auf, auch endlich nach Amerika zu kommen. Sein Vater, Herr Nijasi, hatte einen großen Supermarkt in der Schimranstraße und sie waren ziemlich reich. Jawad hatte keine anderen Gedanken, als nach Amerika zu gehen, aber sein Vater und seine Mutter waren dagegen, daß er geht. Seine drei Jahre jüngere Schwester, Modjgan, war aber derselben Meinung wie er. Sie rechnete sich aus, daß wenn sie 18 wäre, Jawad in Amerika schon Fuß gefaßt hätte und sie dann auch dorthin gehen kann.

Der Supermarkt hatte vier Angestellte. Abass, der Sohn von Herrn Nijasis Bruder, war dort Geschäftsführer und galt als Chef. Alle wußten aber, daß er ein Dieb war und aus der Kasse des Supermarktes Geld für sich nahm. Herr Nijasi verschloss bewußt die Augen davor, weil er niemanden für die Stelle bekam. Er wollte warten, bis Jawad den Wehrdienst fertig gemacht hatte, um ihn dann als Geschäftführer einzusetzen und Abass herauszuwerfen. Dann wollte er noch einen neuen Supermarkt in einem anderen Stadtteil eröffnen.
Jawad war intellektuell und wollte nicht im Supermarkt arbeiten.

Herr Nijasi wurde im Herbst 1975 bei einem Unfall getötet und so blieb Jawad keine andere Wahl, als den Supermarkt zu führen. Abass wurde sofort entlassen und das Leben ging weiter. 1976 heiratete Jawad ein Mädchen, sie hieß Malihe. 1977 wurden ihre Zwillinge geboren. Ein Mädchen und ein Junge, der Junge wurde Mohssen und das Mädchen Modjdeh genannt. Danach zählten in Jawads und Malihes Leben nur noch diese Zwillinge. Nach dem Sturz des Schahregimes änderte sich ihr Leben nicht, weil sie nicht so sehr von den Mullahs abhängig waren und der Supermarkt hatte mehr Kunden als früher. Nur die Beschränkung der individuellen und gesellschaftlichen Freiheit hatte ihr Leben außer Haus, wie bei der Mehrheit der Bevölkerung, schwerer gemacht. Sie bemerkten, daß Ayatollah Khomeini sie mit der Religion getäuscht hatte und er das Gegenteil von dem tat, was er vorher versprach. Er war sicher kein Engel. Aber zunächst waren nun einmal die Mullahs an der Macht und man konnte nichts mehr tun. Das Leben ging weiter.


Die Zwillinge hatten eine sehr enge seelische Verbundenheit miteinander,  manchmal waren sie sehr albern und lustig. Das Mädchen war, von Anfang an, besonders hübsch. Wenn einer von beiden weinte, fühlte sich auch der andere nicht wohl und weinte mit. Die Ärzte sagten, daß das bei Zwillingen manchmal so vorkommt. Ihre Beziehung zueinander war dergestalt, sie hatten sich sehr lieb und das nahm nur noch zu. Fünf Jahre später wurde Marjan geboren und zwei Jahre später Mansour. Die sechsköpfige Familie war, außer allgemeinen Problemen mit den Mullahs, glücklich. Obwohl sich die Zwillinge vom Aussehen sehr ähnelten, hatten sie doch einen sehr unterschiedlichen  Charakter. Mohssen war sehr vorsichtig und Modjdeh eher unvorsichtig sowie tapfer. Mohssen wollte alles mit Verhandeln regeln, währen Modjdeh Unterdrückung und Erpressung nicht ausstehen konnte und schnell reagierte.

Sie waren in der dritten Klasse. In diesem Jahr kam ein sehr starker Junge in ihre Schule. Er hieß Kaweh und der Direktor der Schule war sein Onkel. Er regelte alles mit Gewalt und unterdrückte jeden. Sein Bruder arbeitete bei der Revolutionsgarde und war in diesem Stadtteil sehr einflussreich. Modjdeh gefiel ihm gut und er sagte immer, sie sei seine Verlobte. Dafür haßte Modjdeh ihn sehr.
Eines Tages sah sie, das Mohssen sein Sandwich halbierte und Kaweh die Hälfte gab. Kaweh aß nur den Inhalt des Brotes und warf es dann weg. Modjdeh fragte ihren Bruder: „ Warum hast du Kaweh dein Sandwich gegeben?“ „Laß das bitte!“ meinte Mohssen.
Modjdeh fragte aber weiter: „Warum hat er das Brot weggeworfen?“ Mohssen antwortete: „Ich weiß es nicht, aber wenn ich ihm das halbe Sandwich nicht gebe, macht er dir und mir nur Probleme!“ „Was meinst du? Sagen wir es dem Direktor!“ antwortete Modjdeh.
Mohssen erschrak und sagte: „Was? Direktor! Das ist doch sein Onkel!“ „Ich werde es heute dem Vater erzählen!“ entschied Modjdeh.
Kaweh war hinter der Türe, kam raus und meinte: „Ab heute bist du meine Verlobte und du machst alles, was ich dir sage! Verstanden!“ Modjdeh war sehr zornig und antwortete: „Geh weg, du Bandit, du niederes Tier! Ich werde alles meinem Vater erzählen!“
Kaweh lachte und sagte: „ Mach was du willst! Der Direktor ist mein Onkel und hier in diesem Stadtteil hat mein Bruder alles in der Hand! Er wird deinen Vater und deine Familie sehr unglücklich machen. Hier sind wir diejenigen, die zu sagen haben, ihr habt nur zu gehorchen! Ist das klar, meine Liebe?“ „Du verdammter Hund! Ich bin nicht deine Verlobte! Du schmutziges Schwein!“ schrie Modjdeh.
Kaweh wurde nun sehr zornig, denn er konnte nicht zulassen, daß ein kleines Mädchen ihn derart beschimpfte. Was würden denn die Anderen denken! Er ging zu Modjdeh, nahm ihr das Kopftuch weg und zog heftig an ihren Haaren.

Modjdeh schlug ihn ins Gesicht und Mohssen rammte seinen Kopf in Kawehs Bauch. Kaweh hatte so etwas nicht erwartet und fiel zu Boden. Mohssen trat mit dem Fuß nach ihm und plötzlich stürzten sich auch die Schüler der Klasse drei und vier auf Kaweh. Ein Junge aus Kawehs Bande wollte ihm helfen, aber er wurde auch geschlagen, so daß beide nicht sprechen konnten und sein Freund weinte. Kaweh schluchzte vor Schmerz. Seine Bande schaute nur zu, aber niemand traute sich irgendetwas zu tun.

"Iran - Das Land der verlorenen Schreie" ist eine FreieWelt.net-Serie, die aus Auszügen aus dem gleichnamigen Buch von Mohammad Moshiri besteht.

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Redaktion, 17.11.2010 12:28 | Kommentare (0)


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Bild: Podium beim Forum Familie
Bild: Podium beim Forum Familie

Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

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