Waren Sie selbst überrascht, wie
viele Christen in der eigentlich doch aufgeklärten Neuzeit verfolgt werden?
Helmut Moll: Die "aufgeklärte Neuzeit" trägt ein ambivalentes Gesicht. An die Stelle von Freiheit und Toleranz sind nicht selten Totalitarismus und Knebelung des Gewissens getreten. Im 20. Jahrhundert sind die Menschenrechte mit Füßen getreten worden.
FreieWelt.net:
Würden Sie sagen, dass es auch heute noch Christenverfolgung gibt?Helmut Moll: Aber ja! Nach einer Studie von "Kirche in Not" aus dem Jahre 2008 unter dem Titel "Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung"
werden Christen weltweit verfolgt. Die stärkste Verfolgungswelle in Asien betrifft Länder wie Nordkorea, der Irak, Pakistan, Vietnam und Indien.
Erzbischof Basile George Casmoussa aus Mossul (Irak) schreibt: "Die Christenverfolgung in unserer heutigen Zeit hat sich zu einer wahren Katastrophe entwickelt. Die Medien haben diese Katastrophe bislang weitgehend ignoriert". In Afrika werden Christen vor allem im Sudan, in Ägypten und in Algerien unterdrückt.
FreieWelt.net:
Bei Ihren Reisen und Vorträgen erfahren Sie immer wieder, dass viele Menschen noch gar nichts von diesem Märtyrertum unserer Zeit wissen. Wie kommt das? Sonst wird doch auch viel über Verfolgung berichtet in den Medien.Helmut Moll: Angesichts heutiger Informationsflut fehlt vielen Menschen die Unterscheidung der Geister. Was ist wichtig? Was ist richtig? Wer nur auf Wellness setzt, wer den Hedonismus verherrlicht, verliert den Bezug zur
Wirklichkeit.
FreieWelt.net: Sind diese Märtyrer eigentlich alles Heilige? Und: was ist eigentlich ein Heiliger?
Helmut Moll: Märtyrer, die mit diesem Ehrentitel bezeichnet werden, müssen Christusträger sein, bereit, Verfolgungen zu ertragen, sogar bis zum Vergießen
des Blutes. Heilige dürfen sie erst dann genannt werden, wenn sie auf der Grundlage des Neuen Testamentes authentische Vorbilder für unsere Gegenwart
sind. Eine Botschaft für uns sollen sie enthalten, damit wir die Orientierung nicht verlieren.
FreieWelt.net: Müssen, sollten Christen immer Flagge zeigen, Mut zum Bekenntnis haben?
Helmut Moll: Diese Frage muss aufgrund der gegenwärtig wachsenden Auseinandersetzung des Christentums vor allem mit dem Islam mit einem uneingeschränkten "Ja"
beantwortet werden.
FreieWelt.net: Herzlichen Dank für dieses Interview!
Das Interview führte Martin Lohmann
Das zweibändige Hauptwerk: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Ferdinand Schöningh-Verlag, 5., erweiterte und aktualisierte Auflage 2010. 2 Bände, 1632 Seiten, zahlreiche (600) Abbildungen, Leinen mit
Schutzumschlag Euro 88,-- / sFr 124,--. ISBN 978-3-506-75778-4.
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