suchen
25.05.2013
Einloggen | Registrieren
 
 
 
Hedwig von Beverfoerde: Transferausbeutung der Familien beenden
Weitere Themen: Familie


Foto: FreieWelt.net

Die Initiative Familienschutz hat auf AbgeordnetenCheck.de die Aktion "familienfaire Sozialreform anpacken" gestartet. Die Sprecherin der Initiative, Hedwig von Beverfoerde,  fordert im Interview mit der Online-Zeitung FreieWelt.net die Beseitigung der Ungerechtigkeit gegenüber Eltern im Sozialsystem.

FreieWelt.net: Die Initiative Familienschutz startet die Aktion „Familienfaire Sozialreform anpacken“ auf AbgeordnetenCheck.de. Darin fordern Sie die Beseitigung der Ungerechtigkeit gegenüber Eltern im Sozialsystem. Welchen Ungerechtigkeiten sehen sich Eltern denn ausgesetzt?

Hedwig von Beverfoerde: Ungerecht ist, daß ein Ehepaar mit drei Kindern weniger Rente beziehen wird als ein kinderloses Doppelverdiener-Ehepaar mit ähnlicher beruflicher Biographie. Ungerecht ist, daß die Familie mit den drei Kindern auf einen großen Teil ihres Einkommens für die Kinder verzichtet, aber die gleichen Beiträge zur Rentenversicherung zahlen muß wie das kinderlose Paar. Ungerecht ist, daß diese drei Kinder die Rente des kinderlosen Ehepaares zahlen werden, obwohl diese viel weniger zum Erhalt unseres Sozialsystems beigetragen haben.

Daß Erziehung von Kindern nicht die Anerkennung in den Sozialsystemen erfährt, die ihr gebührt, das ist ungerecht. Unsere Sozialsysteme sind umlagefinanziert. Das Geld, das von der arbeitenden Generation für das Sozialsystem erwirtschaftet wird, wird direkt an die Rentner, die Arbeitslosen usw. ausgezahlt. Rücklagen für später werden keine gebildet. Eltern tragen also mit ihren Kindern essentiell dazu bei, daß dieses System weiterhin funktioniert. Aber statt Familien dafür zu belohnen, werden sie seit Jahrzehnten zunehmend belastet. Das Bundesverfassungsgericht hat deshalb in mehreren Urteilen die Verfassungswidrigkeit des Sozialsystems angeprangert…

FreieWelt.net: Sie spielen hierbei u.a. auf das sog. "Trümmerfrauenurteil" und das "Pflegeversicherungsurteil" an. Was hat es damit auf sich?

Hedwig von Beverfoerde: Beim „Trümmerfrauenurteil“ ging es um den Fall einer 10fachen Mutter. Während sie selbst nur eine kümmerliche Rente von  347 DM bekam, erwirtschafteten ihre mittlerweile berufstätigen Kinder jeden Monat 8.500 DM für die Rentenkasse und bezahlten damit die Rente anderer Leute. Die Verfassungsrichter stellten damals fest, daß "die Erzieher von Kindern gegenüber Kinderlosen im Ergebnis erheblich benachteiligt“ werden. Sie stellten zudem klar, daß Kindererziehung tatsächlich bestandssichernde Bedeutung für das System der Altersversorgung hat, weil sich die als Generationenvertrag ausgestaltete Rentenversicherung nicht ohne die nachrückende Generation aufrecht erhalten läßt.

Im „Pflegeversicherungsurteil“ hielten die Verfassungsrichter noch einmal fest, daß „Kinder großziehen (...) genauso eine monetäre Leistung (ist) wie die Beitragszahlung an sich“. Aus dieser Erkenntnis heraus formulierte das Bundesverfassungsgericht den Auftrag an den Gesetzgeber, Kindererziehung in den Sozialversicherungssystemen viel stärker zu berücksichtigen, sowohl bei der Höhe der Beiträge, als auch bei den Auszahlungen.

Diesem Verfassungsauftrag aber kommt die Politik seit nunmehr fünf Legislaturperioden nicht nach. Die gravierende  Ungerechtigkeit  für Familien im Sozialsystem besteht nach wie vor. Kindererziehung wird bei der Rentenhöhe kaum und bei den Beiträgen überhaupt nicht berücksichtigt. Die Parteien haben einfach nicht den Mut, über kurzfristige Wahlinteressen hinaus zu denken und zu handeln.

FreieWelt.net: Wieso sind die Familien nicht längst aufgestanden und haben sich dagegen zur Wehr gesetzt?

Hedwig von Beverfoerde: Familien haben einfach nicht die Zeit und nicht das Geld um sich öffentlichkeitswirksam gegen die zunehmende finanzielle Ausbeutung zu wehren. Wer sich um mehrere Kinder kümmert, der kann nicht so einfach in die Hauptstadt reisen um dort für seine Rechte zu demonstrieren. Es gibt keine Elterngewerkschaft, die ihnen die Reise- und Übernachtungskosten für sich und ihre Kinder bezahlt. Stellen Sie sich allein den organisatorischen Aufwand vor, mit kleinen Kindern aus allen Winkeln Deutschlands zu einer Massenveranstaltung anzureisen… Zudem sind Familien bislang nicht gut genug vernetzt. Genau hier bietet der AbgeordnetenCheck nun eine radikal neue Möglichkeit, Familien in ganz Deutschland zusammenzuführen und ihnen eine Stimme zu geben. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem alle Familien ganz direkt von zu Hause aus mit nur wenigen Klicks die Ungerechtigkeiten zur Sprache bringen und ein Ende der Transferausbeutung der Familien durchsetzen können. Die Zeit ist günstiger denn je.

FreieWelt.net: Gibt es einen aktuellen Anlaß, warum Sie Ihre Kampagne gerade jetzt gestartet haben?

Hedwig von Beverfoerde: Ja, den gibt es. Erst vor kurzem hat sich die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer erneut für eine Korrektur der langjährigen familienpolitischen Fehlentwicklung ausgesprochen. Ganz im Sinne der Urteile des Bundesverfassungsgerichts fordert sie einen Kinderbonus mit doppeltem Vorteil für die Eltern im Rentensystem. Eltern sollen künftig kleinere Beiträge zahlen und später eine bessere Rente erhalten. Darüber hinaus versprach sie, diesen Vorschlag aus Bayern heraus im Bund einzubringen. Wir begrüßen das Engagement von Frau Haderthauer und werden mit unserer bundesweiten Aktion im Internet ebenfalls für die gerechte Behandlung von Eltern in den Sozialsystemen kämpfen.

FreieWelt.Net: Was fordern Sie konkret?

Hedwig von Beverfoerde: Zum einen fordern wir eine deutlich stärkere Anerkennung von Erziehungsleistung (generativer Beitrag) bei der Höhe der Rentenauszahlung und zum anderen eine an der Kinderzahl orientierte Entlastung der Eltern bei der Höhe der Einzahlungen in die sozialen Sicherungssysteme.

FreieWelt.Net: Wie kann man sich an Ihrer Kampagne beteiligen? Was muß man dafür tun?

Hedwig von Beverfoerde: Auf der Internetseite AbgeordnetenCheck.de können Sie alle Bundestagsabgeordneten per E-Mail dazu auffordern, endlich eine verfassungskonforme familiengerechte Sozialreform anzupacken. Senden Sie dazu einfach eine E-Mail-Petition an jeden Bundestagsabgeordneten, von dem Sie eine Stellungnahme zu diesem Thema wünschen. Wenn Sie eine Antwort des Abgeordneten erhalten haben, schicken Sie diese bitte an die Redaktion des AbgeordnetenCheck.de. Alle Antworten werden dann auf dem AbgeordnetenCheck.de veröffentlicht. So können Sie genau verfolgen, welche Abgeordneten sich für oder gegen die Initiativen-Forderung ausgesprochen haben und wer sich noch nicht geäußert hat. Informieren Sie auch Ihre Familie, Freunde und Bekannte über diese Aktion, damit sich möglichst viele Menschen in Deutschland daran beteiligen. Je mehr Bürger in einem Wahlkreis aktiv werden, desto größer ist der Druck auf die Abgeordneten des Wahlkreises, sich für eine familienfaire Sozialreform einzusetzen. Gemeinsam mit vielen Bürgern in der ganzen Bundesrepublik können wir so dafür sorgen, daß die Transferausbeutung der Familien in den Sozialsystemen beendet wird.

Zur Initiative "familienfaire Sozialreform anpacken" auf AbgeordnetenCheck.de

www.AbgeordnetenCheck.de

Das Interview führte Kerstin Schneider

ANZEIGE




Redaktion, 10.10.2010 18:34 | Kommentare (0)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (0)


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 
Umfrage

Werden die Grünen jetzt ihre pädophile Vergangenheit aufarbeiten?

angieconscious/pixelio.de



Ergebnis

Im Fokus

Zeit für eine Familienrevolution

Bild: Podium beim Forum Familie
Bild: Podium beim Forum Familie

Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

Im Fokus lesen




Spruch des Tages
"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, dann muß man erst richtig anfangen!" - Konrad Adenauer

ANZEIGE

ANZEIGE

Meist gelesen
    »Goldlieferung eingestellt. Die Krise eskaliert.«

    »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

    Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit

    »Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll«

    EU will »falsche« Meinungen bestrafen

Interviews

Clemens Schneider Das Wichtigste ist: die Freiheit des Menschen
Clemens Schneider
Promotionsstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung

Dr. Eike Hamer von Valtier »Goldlieferung eingestellt. Die Krise eskaliert.«
Dr. Eike Hamer von Valtier
Krisenexperte

Holger Krahmer Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll
Holger Krahmer
FDP MdEP

Dr. Reinhard Löffler Cohn Bendit ist kein Vorbild
Dr. Reinhard Löffler
CDU-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg

Bruno Bandulet »Nach der Bundestagswahl wird richtig geschröpft«
Bruno Bandulet
Journalist

Mehr Interviews


Reportage

»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (2) Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (2)

Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (1) Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (1)

Beatrix von Storch in Baden-Württemberg Beatrix von Storch in Baden-Württemberg

Willensbildung: Bürger, mischt euch ein! Willensbildung: Bürger, mischt euch ein!

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Kita-Kindern Mund zukleben, ist keine Strafsache Kita-Kindern Mund zukleben, ist keine Strafsache

EU will »falsche« Meinungen bestrafen EU will »falsche« Meinungen bestrafen

Deutschland: Zinsfalle ist zugeschnappt Deutschland: Zinsfalle ist zugeschnappt

Immerhin ehrlich Herr Wagner! Immerhin ehrlich Herr Wagner!

Papst Franz bei Lebensschutz-Demo in Rom Papst Franz bei Lebensschutz-Demo in Rom


Empfohlene Blogs

author Dr. Andreas Unterberger
Die britische Lunte brennt (Europa samt Führung pennt)

author Mechthild Löhr
Gendiagnostik verstärkt Diskriminierung

author Günter Ederer
Eine Lektüre die vom Umweltbundesamt ignoriert wird

author Richard Schütze
Das Seelenleben der Angela M.

author Albrecht Prinz von Croy
Wer hat über seine Verhältnisse gelebt?

author Christian Ortner
Sex mit Kindern? Nur für aufrechte Antifaschisten!


Galerien

Forum Familie 2013 in Berlin Forum Familie 2013 in Berlin

Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag

ESM-Diskussion vor 300 Gästen - Volles Haus gegen Schuldenunion ESM-Diskussion vor 300 Gästen  - Volles Haus gegen Schuldenunion


Video

Beatrix von Storch zur Zypernkrise Beatrix von Storch zur Zypernkrise

Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty

Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch

Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion? Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion?

Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Allgemein
»Das Wichtigste ist: die Freiheit des Menschen«
Umweltbundesamt: Korruption und Fälschung?
Kompetenz des Umweltbundesamtes angezweifelt
Finanzkrisen
ESM: Bankenfinanzierung noch vor Bundestagswahlen
Neue EU-Zugeständnisse an Griechenland
Lafontaine: Raus aus dem Euro
Nahost-Konflikt
Lage in Nahost spitzt sich zu
Naht US-Einsatz in Syrien?
SPD will Girokonto für alle
DDR-Unrecht
Medikamententests auch im Stasi-Knast?
DDR verkaufte Patienten als Versuchskaninchen
Roland Jahn: Allen DDR-Opfern gedenken
Bildung
»Das Wichtigste ist: die Freiheit des Menschen«
»Der Markt entscheidet nichts«
Guter Unterricht braucht Leidenschaft
Innenpolitik
ZDF-Moderatoren-Gehälter streng geheim
SPD feiert sich zum 150. Geburtstag
Schneller Jobs für Asylbewerber
Reformen
»Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll«
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Wirtschaftspolitik
ESM: Bankenfinanzierung noch vor Bundestagswahlen
Neue EU-Zugeständnisse an Griechenland
Lafontaine: Raus aus dem Euro
Familie
U-3 Betreuung: Bedarf künstlich hochgeschraubt
Homo-Ehe spaltet weiter die Gesellschaft
Steinbrück gegen höhere Mütterrenten
Autoindustrie
SPD und Grüne für Tempolimit
Automarkt brummt nicht mehr
Absatzkrise läßt Daimler straucheln
Wahlen
SPD nicht mehr Arbeitnehmerpartei
AfD bei nur noch 2 Prozent
Rot-Grüne Steuerpläne verärgern Wähler
Justiz
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
BGH urteilt gegen Google

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008