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"Jagd ist praktizierter Naturschutz" - Interview mit Torsten Reinwald
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Torsten Reinwald ist Pressesprecher des Deutschen Jagdschutz Verbandes.  Im Interview mit FreieWelt.net erklärt er, welche Bedeutung die Jagd nach wie vor für den Umwelt- und Naturschutz hat, was das "Bambi-Syndrom" ist und wie man Jäger wird.

FreieWelt.net:  Inwiefern lassen sich Jagd und Naturschutz miteinander verbinden?

Torsten Reinwald: Jagd, die wie in Deutschland nachhaltig ausgeübt wird, ist praktizierter Naturschutz. Das hat beispielsweise die internationale Naturschutzvereinigung IUCN bereits 2000 festgeschrieben. Nachhaltig bedeutet dabei, dass nur so viele Tiere gejagt werden, wie langfristig nachkommen. Jagd ist aus unserer Kulturlandschaft nicht wegzudenken. Pflanzenfresser im Wald (Reh, Hirsch) würden ohne Jagd die Naturverjüngung der Wälder stark beeinträchtigen und Wildschweine enorme Schäden auf Feldern verursachen. Die Bejagung von anpassungsfähigen Räubern wie
dem Fuchs oder Neozoen wie dem Marderhund helfen bedrohten, spezialisierten Arten, deren Lebensraum immer mehr schrumpft. Darunter sind Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz oder verschiedene Wasservögel. Jagd ist zudem wichtig, um das Seuchenrisiko – etwa durch
Schweinepest oder Räude – zu vermeiden. Die finanziellen Aufwendungen für umfangreiche Schutz- und Hegemaßnahmen finanzieren Jäger meist aus eigener Tasche. Jedes Jahr legen Jäger zum Beispiel Hecken an, die zusammen so lang sind wie die Chinesische Mauer.

FreieWelt.net: Könnten die Forstbehörden diese Aufgaben nicht besser erfüllen?

Torsten Reinwald: Die Forstbehörden haben zwar Einfluss auf die Abschussplänen für Wildarten, die im Wald leben.
Für die alleinige Umsetzung in die Praxis fehlen den Behörden aber schlicht das Geld und das Personal. Zudem sind von den rund 32 Millionen Hektar jagdbarer Fläche in Deutschland nur 40 Prozent bewaldet. Für Feld- und Wiesenflächen – also auch die entsprechenden Wildschäden – sind Forstbehörden nicht zuständig. Die rund 350.000 Jäger in Deutschland erfüllen nicht nur
einen gesetzlichen Auftrag in Wald und Feld, indem sie kostenlos staatliche Abschusspläne einhalten und bei Seuchengefahr im Auftrag von Behörden aktiv werden. Viele Naturschutzprojekte oder das Entsorgen von verunfalltem Wild sind weitere wichtige Aufgaben im
Sinne der Öffentlichkeit, die ebenfalls nicht in Rechnung gestellt werden.

FreieWelt.net: Mit welchen Vorurteilen werden Jäger am häufigsten konfrontiert?

Torsten Reinwald: Vorweg: Die Mehrheit der Deutschen steht der Jagd durchaus positiv gegenüber. Bei einer
aktuellen repräsentativen Umfrage unter rund 1000 Bundesbürgern zeigten sich 80 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass die Jagd notwendig ist, um Wildbestände zu regulieren und Wildschäden in Wald und Feld vorzubeugen. Dass Jäger die Natur lieben, denken sogar fast 90 Prozent der Bundesbürger und bejahen das Füttern von Wild in Notzeiten. Das häufigste Vorurteil, Jäger gingen aus purer Lust am Töten auf die Pirsch, wird von einer Minderheit vertreten.

FreieWelt.net: Was haben Sie dem zu entgegnen?

Torsten Reinwald: Das ist Stimmungsmache, die emotional motiviert ist. Die Sachargumente sprechen allerdings dagegen. Rein rational gesehen ist Jagd notwendig und klar geregelt. Jagd- und Schonzeiten
regeln zum Beispiel welche Tiere wann gejagt werden dürfen. In Abschussplänen ist genau festgelegt, wie viel gejagt werden darf oder muss. Und über das Reviersystem sind die Jäger –- zusammen mit den Grundeigentümern – bundesweit für die Erhaltung des Wildes und seiner Lebensräume verantwortlich. Eine staatliche Kontrolle ist gesetzlich vorgesehen, sie wird durch die Jagdbehörden vorgenommen. Dass schwarze Schafe innerhalb der Jägerschaft über die Stränge
schlagen lehnen wir genauso ab wie militante Jagdgegner, die Hochsitze ansägen und damit
Menschenleben gefährden.

FreieWelt.net: Die meisten von uns leben in Städten, arbeiten in Büros und kaufen im Supermarkt ein.
Wirkt sich der oft fehlende Bezug zur Natur auf das Image der Jagd aus?

Torsten Reinwald: Das Problem der Naturentfremdung ist tatsächlich ein großes und beeinträchtigt das Bild von
Umwelt und Natur ebenso wie das der Jagd. Unser im Sommer vorgestellter Jugendreport Natur 2010 zeigt: Naturwissen der Jugend ist insgesamt extrem mangelhaft. Mich bekümmert, dass inzwischen jeder dritte Jugendliche noch nie einen Käfer auf der Hand hatte, und jeder vierte noch nie ein Reh gesehen hat. Für viele geht die Sonne inzwischen im Norden auf, Hühner legen drei Eier am Tag, Kühe haben elf Zitzen, aus dem Hirsch ist ein Reh und aus dem Kitz ein Kid geworden.
Die ursprüngliche und Ressourcen schonende Nutzung von Wäldern – das Fällen von Bäumen oder Jagen von Tieren – lehnen viele Kinder als schädlich für die Natur ab. Im gleichen Atemzug halten sie es für völlig unschädlich, jedes Jahr ein neues Handy oder ständig neue Klamotten zu kaufen. Es wird also auf der einen Seite völlig verkannt, welcher Raubbau betrieben wird, um die Konsumlust zu befriedigen. Andererseits dominiert das Bambi-Syndrom: Die Natur als zerbrechliches Gebilde, das wir am besten nicht betreten. Dabei leben wir in und von der Natur. Ständig. Es geht darum, verantwortungsvoll damit umzugehen. Jagd und Forstwirtschaft sind dafür
gute Beispiele.

FreieWelt.net: Ein Jäger ist üblicherweise auch ein Waffenbesitzer. Wie gefährlich sind Waffen in
privaten Haushalt?

Torsten Reinwald: Deutschland hat eines der schärfsten Waffengesetze in der Welt, das nach dem entsetzlichen
Amoklauf in Winnenden letztes Jahr noch einmal verschärft worden ist. Wenn die strengen Gesetze eingehalten werden, sind Waffen in privaten Haushalten nicht gefährlich. Allerdings nützt das ausgeklügeltste Sicherungssystem nichts, wenn Waffen unter dem Kopfkissen gelagert werden. Die richtige Aufbewahrung ist das A und O, damit Unbefugte keinen Zugang haben.
Legale Waffenbesitzer müssen daher ihrer Sorgfaltspflicht immer nachkommen. Waffen gehören – wie schon lange gesetzlich vorgeschrieben – für jeden unzugänglich in den Waffenschrank.

Das eigentliche Problem sind aber die illegalen Waffen – davon gibt es Deutschland Schätzungen nach etwa 20 Millionen. So werden nur 0,004 Prozent der Straftaten in Deutschland mit rechtmäßig erworbenen Waffen verübt. Man muss nicht schärfer gegen legale Waffen, sondern
gegen illegale Waffen vorgehen.

FreieWelt.net: Und zu guter Letzt: Wie wird man eigentlich Jäger?

Torsten Reinwald: Wer in Deutschland die Jagd ausüben will, muss einen gültigen Jagdschein besitzen. Voraussetzung dafür ist das Bestehen des „Grünen Abiturs“, also der staatlichen Jägerprüfung. Zur Vermittlung des benötigten Wissens und zur Vorbereitung auf die Prüfung werden von den Jägerschaften Vorbereitungslehrgänge angeboten. Umfang: zwischen 120 und 180 Stunden. Zur Ausbildung gehören auch die richtige Handhabung einer Waffe und die entsprechende
Schießfertigkeit, denn Sicherheit wird groß geschrieben. Wer dabei patzt, hat keine Chance, die Prüfung zu bestehen.

Rund 350.000 Deutsche besaßen 2009 einen Jagdschein. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Darunter sind immer mehr Frauen: Gab es vor fünfzehn Jahren nur eine Jägerin unter hundert Grünröcken, sind es inzwischen zehn Prozent. Die Jagdleidenschaft zieht sich auch quer durch alle Berufsgruppen: Viele Landwirte sind Jäger, daneben aber auch Beamte, Angestellte,
Handwerker und Arbeiter.

FreieWelt.net: Herr Reinwald, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Fabian Heinzel

www.jagd-online.de

(Foto: didi-ob/pixelio.de/Torsten Reinwald)

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Redaktion, 15.09.2010 10:48 | Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

ReptilienTOM, 15.09.2010 14:00
Wichtig ist noch zu bedenken, wenn Sie den Artikel gelesen haben:
Wieviele Bäume und Hecken werden wohl jährlich rund um die Hochsitze beseitigt, damit man ein guten Schussfeld hat?
Dies also bitte noch abziehen von diesem:


Sind Jäger Naturschützer?

"Jäger tun viel für die Natur"?!

Nach eigenen Angaben (2001) hat die Jägerschaft folgende Naturschutzarbeit geleistet:
3 Millionen Gehölze und 236.500 Bäume gepflanzt, 6.500 "biotopverbessernde" Arbeiten und 3.200 "Pflegemaßnahmen" durchgeführt.
3 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten die Jäger pro Jahr nach ihren eigenen Angaben.

Rund 320.000 Jagdscheininhaber gibt es in Deutschland.
Somit hat jeder Jäger 9 Gehölze gepflanzt, dass ergibt eine Hecke von ca. 2,7 m Länge.
Für einen Baum pro Jäger reicht es schon nicht mehr, sind nämlich nur 0,7 Bäume.
Jeder 50. Jäger führt eine "biotopverbessernde" Maßnahme im Jahr durch.
Nur jeder 100. Grünrock kann sich jährlich zu einer "Pflegemaßnahme" durchringen.
Ganze 9 Stunden arbeitet ein Jäger ehrenamtlich pro Jahr im Wald. Mehr nicht.
Jeder Hobbygärtner leistet in seinem Vorgarten erheblich mehr Naturschutzarbeit, ohne dafür zu töten.

Was die Jäger können, ist die Natur und die Umwelt extrem schädigen. Über 5.000 Tonnen Blei werden jährlich in den Boden und die Gewässer geballert.
Karin Hutter (Autorin des Antijagdbuches "Ein Reh hat Augen wie ein 16 jähriges Mädchen") schrieb über die Umweltschäden durch Jäger:
W"issenschaftler warnen seit Jahrzehnten vor der Benutzung von Bleischrot. Blei stellt eindeutig eine längst erkannte Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt dar, auf die hier nicht näher eingegangen werden muss. Es ist auch hinlänglich bekannt, dass nur ein Teil der Bleiladung im Körper des Opfers landet und der Rest in die Landschaft rieselt. Auch Tiere - besonders Greif- und Rabenvögel, die sich von Aas ernähren, haben darunter zu leiden."

Verschossenes Blei gelangt tonnenweise in Flachwasserzonen, Seen, Moore und Wiesen. Zudem - und diese Tatsache findet weniger Beachtung - reichert sich beim Verzehr von mit Bleischrot getöteten Wildtieren das hochgiftige Schwermetall im menschlichen Körper an. Und wenn ein Wildtier erst angeschossen und später getötet wird, ist der Bleigehalt - dieses von Jägern als besonders gesund und bekömmlich angepriesene Lebensmittels - noch erheblich höher.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass hier allein in einem Jahr (2000) 85 Millionen Schrotpatronen verkauft wurden, heißt das, dass ca. 2600 Tonnen Blei in Tierkörper sowie in die Umwelt "verpulvert" werden. Davon fallen ca. 50 % auf Jagdpatronen, deren Bleigehalt bei durchschnittlich etwa 31g liegt - die andere Hälfte betrifft Sportschützenmunition, mit einem etwas niedrigeren Bleigehalt. (Schlederer, 2001)
Häufigster Tod von Seeadlern ist heute die Bleivergiftung, wie veterinärbiologische Untersuchungen belegen. Dies bestätigt auch der Diplom-Biologe Thomas Brand, wissenschaftlicher Leiter der ÖSSM (Ökologische Schutzstation Steinhunder Meer) in einem Interview der Schaumburg-Lippischen-Landeszeitung vom 17. August 2005.

In Deutschland haben zumindest Schleswig-Holstein und Berlin die Jagd mit Bleimunition wenigstens an und auf Gewässern untersagt.

Interessant: In der ADAC Zeitung Ausgabe Juli 2005 ist zu lesen, dass aufgrund zu hoher Umweltbelastungen ab sofort keine Bleigewichte mehr bei Autoreifen verwendet werden dürfen. Die Jäger aber dürfen nach wie vor tonnenweise Blei ungestraft in die Natur ballern.
Quelle: www.wir-fuechse.de


Fuchs, 15.09.2010 13:43
der übliche Jägermüll!!!

Gesine, 15.09.2010 12:38
Vielen Dank Nachtigal!


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