Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist mittlerweile zu einem eigenen Staat im Staate mutiert und liefert den größten Propagandaapparat aller Zeiten in eigener Sache gleich mit. Die Anstalten haben Befugnisse wie eine staatliche Behörde, verdient wird aber wie in einem DAX-Unternehmen. Kontrollen gibt es wegen der "Rundfunkfreiheit" so gut wie keine. Zum Begriff der "unabhängigen Berichterstattung" möchte ich noch folgendes sagen: die gibt es gar nicht. Jeder Mensch hat seine eigene Perspektive, auch die Journalisten von ARD und ZDF. Weitgehend unabhängige Informationen kann sich der Bürger nur holen, wenn er sich in möglichst vielen unterschiedlichen Quellen informiert. Ein Monopol ist aber gegen Vielfalt.
FreieWelt.net:
Würde ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht überall nur noch Boulevard-Niveau geboten?
Bernd Höcker: Im Gegenteil. Schauen Sie sich den Zeitschriftenmarkt an, dort kann man an vielen Beispielen lernen, wie ein niveauvoller Journalismus aussehen kann. Wissenschaftliche Themen werden in einschlägigen Zeitschriften umfassend und kompetent den Lesern verständlich gemacht, Politik wird einem nicht nur oberflächlich aufs Brot geschmiert, sondern es werden ausführliche Hintergründe mit dem nötigen Fachwissen vermittelt. Gehen Sie mal in eine große Buchhandlung oder in einen Zeitschriftenhandel an einem Hauptbahnhof. Die Vielfalt, die Breite und Tiefe der Themen ist geradezu berauschend. Und das sind alles Erzeugnisse der so gern verschmähten "Privaten"! Hätten wir dagegen eine zwangsfinanzierte, öffentlich-rechtliche Zeitschrift, die jeder zu abonnieren hätte, sähe es im Printbereich genauso fade aus, wie heute bei Radio und Fernsehen. Ich höre immer als Gegenargument, dass Rundfunk teurer sei, als Zeitschriften herzustellen und zu vertreiben und deswegen greife mein Argument nicht. Das ist heutzutage Quatsch. Rundfunk kann mittlerweile über das Internet zum Teil sogar kostenlos verbreitet werden, während bei Zeitschriften nach wie vor teure Druck- und Vertriebskosten vorab finanziert werden müssen. Meine Prognose: Ohne die Zwangsgebühr würden Radio und Fernsehen nach kurzer Zeit inhaltlich genauso attraktiv werden, wie heute die Zeitschriften.
FreieWelt.net:
Was würde sich durch die jetzt geplante, allgemeine Haushaltsabgabe ändern?
Bernd Höcker: War die bisherige Rundfunkgebühr bereits am Prinzip des Schutzgeldes angelehnt, so ist die Haushaltsabgabe außerdem ein zusätzliches Mittel, um besonders die einkommensschwachen Teile der Bevölkerung noch weiter von Bildung fernzuhalten. Künftig hilft auch kein Fernsehverzicht mehr: Das Geld für eine interessante Zeitschrift oder gar ein Buch ist bei dieser Gruppe dann einfach nicht mehr vorhanden! Ich glaube, dass dieser Effekt sogar erwünscht ist, um willige und "dumme" Bürger zu generieren, die nur Fußball und "Wetten dass...?" im Kopf haben und sich alles gefallen lassen. Es werden durch die Haushaltsabgabe dann wohl fast 9 Milliarden, also 9.000 Millionen Euro sein, die der Volkswirtschaft jährlich entzogen werden. Geld, das für den Erwerb anderer Medien natürlich fehlt.
FreieWelt.net:
Wäre eine – heutzutage technisch problemlos machbare – Verschlüsselung öffentlich-rechtlicher Inhalte eine Lösung?
Bernd Höcker: Ja. Jeder soll nur dafür zahlen, was er auch haben will. So funktioniert Demokratie. Und die gilt es zurück zu erobern.
FreieWelt.net:
Sehen Sie noch andere Möglichkeiten für eine "friedliche Koexistenz" von privaten und öffentlich-rechtlichen Angeboten?
Bernd Höcker: Die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich auf Schulfunk, Telekollegs und Deutschkurse konzentrieren. Das darf dann auch gern aus Steuermitteln finanziert werden. Ansonsten gilt für Gottschalk, Schmidt und Silbereisen genau das gleiche Prinzip wie bei den Privaten: Sie müssen sich am Markt bewähren, dann klappt’s auch mit den Einnahmen auf freiwilliger Basis.
Zur Seite gez-abschaffen.de
Das Interview führte Fabian Heinzel
Foto: B. Höcker