Daher sei es „nicht sonderlich einleuchtend“, überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Mißbrauch herzustellen.
Dr. Leygraf widersprach zudem der Auffassung, daß abnorme Formen der Sexualität unter kath. Priestern überdurchschnittlich vertreten seien: «Irgendwelche Studien, die belegen würden, daß sie besonders häufig Leute mit einer abnormen Sexualität wären, gibt es nicht.»
Der bekannte evangelische Kriminal-Psychiater Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber aus Berlin erklärte bereits am 6.2.2010 zu Beginn der Mißbrauchsdebatte, daß katholische Priester gerade wegen ihrer geistigen Grundhaltung weitgehend davor geschützt seien, zu Mißbrauchstätern zu werden. Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein kath. Priester zum Mißbrauchs-Täter wird, 36 x mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.
Ähnlich argumentierte Manfred Lütz, Direktor eines Psychiatrischen Krankenhauses in Köln, in der FAZ vom 11.2.2010: „Den Zölibat in diesem Zusammenhang (Kindesmißbrauch) zu nennen, ist besonders verantwortungslos. Auf einer Tagung 2003 in Rom erklärten die international führenden Experten – alle nicht katholisch – es gebe keinerlei Zusammenhang dieses Phänomens mit dem Zölibat.“ - Bei dieser Tagung handelte es sich um einen kompetenten Fachkongreß: er dauerte eine Woche und versammelte international führende Forensische Psychiater, Mediziner und Sexualwissenschaftler zum Thema Mißbrauch.
Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster
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