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28.05.2012
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Grundlegende Akzeptanz, dass Menschen unterschiedlich sein können
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Viele autistische Menschen können nicht nur ein eigenständiges Leben führen, sondern verfügen obendrein in bestimmten Bereichen über besonders ausgeprägte Fähigkeiten.  Dennoch scheitern sie aufgrund ihres von der Norm abweichenden Sozialverhaltens oft an Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen.  Um hier Abhilfe zu schaffen und Unternehmen mit autistischen Spezialisten zusammen zu bringen haben einige die Initiative ergriffen und die Genossenschaft "autWorker" gegründet.  FreieWelt.net sprach exklusiv mit dem Vorstandsvorsitzenden Hajo Seng.

FreieWelt.net: Wie kam es zur Gründung der autWorker eG?

Hajo Seng: Wir suchten das, was bei Genossenschaften von Vorteil ist: Was einer allein nicht kann, das machen wir gemeinsam.

FreieWelt.net: Was ist die Idee hinter der autWorker eG?

Hajo Seng: Die autWorker eG wurde gegründet, um ein Netzwerk für Autisten aufzubauen und Arbeitsplätze für Autisten zu schaffen.

FreieWelt.net: Was für Erfolge haben Sie bereits mit der autWorker eG erzielt?

Hajo Seng: Wir haben innere und äußere Erfolge zu verzeichnen: Zu den inneren zählen u.a. all unsere gemeinsamen Sitzungen, die Kreativität und die Sitzungsergebnisse; zu den äußeren zählen u.a. das Interesse der Öffentlichkeit, die prämierte Entwicklung des Seniorenhandys, die Institutionalisierung der Fähigkeitenworkshops, die wir monatlich geben und das Fähigkeitenprofile-Portal, das wir demnächst zusammen mit einem Berufsbildungswerk umsetzen werden. Wir haben auch begonnen, Kontakte zu Firmen herzustellen und Aufträge zu akquirieren.

FreieWelt.

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net: Wie wird das Projekt von anderen Unternehmen angenommen?

Hajo Seng: Seit der Gründung erreichen die autWorker eG viele Anfragen von Firmen und Organisationen, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Das Interesse an unserem Thema und an unserem Ansatz ist recht groß, was uns zeigt, dass es wirklich an der Zeit ist, hier initiativ zu werden.

FreieWelt.net: Welche Schwierigkeiten können bei der Kommunikation zwischen Autisten und Nicht-Autisten entstehen?

Hajo Seng: Um nur eine Schwierigkeit zu nennen, die Asperger Autisten im Leben haben, ist die, dass wir keinen Smalltalk kennen, mögen und können. In Zeiten des Smalltalks sind wir still und warten auf die Gelegenheit eines Gesprächseinstiegs. Diese Gelegenheit bietet sich in der Regel erst im weiteren Verlauf des Gesprächs, wenn überhaupt. Da der, der nichts sagt, nach allgemeiner Auffassung nichts zu sagen hat (in dem Sinne: weil er nichts zu sagen WEISS), fühlen Autisten sich oftmals verkannt. Da wir außerdem das, was wir wissen, oftmals nicht repräsentativ vortragen oder äußern können, kann es auch dadurch Probleme in der Kommunikation geben.

Oft scheitern berufliche Karrieren bei Autisten an eher banalen Dingen, wie etwa Bewerbungen oder Vorstellungsgesprächen. Auch die bei vielen autistischen Menschen nicht sehr hohe Stressresistenz oder erhöhte Wahrnehmungssensibilitäten können zu einem großen Problem am Arbeitsplatz werden.

FreieWelt.net: Wie lösen Sie die dadurch entstehenden Probleme?

Hajo Seng: Wenn wir so reden, wie wir denken, und dann reden, wenn wir es für richtig halten, dann fühlen sich nicht-autistische Menschen in der Regel „angefasst“: Sie fühlen sich nicht abgeholt, sind erstaunt über das, was wir sagen, manchmal überfordert oder nur genervt. Da wir in der Minderheit sind, passen wir uns in der Regel an und halten uns eher zurück. - und werden verkannt.

Wirklich lösen lassen sich solche Probleme nur durch eine grundlegende Akzeptanz, dass Menschen unterschiedlich sein können – auch dann, wenn man es ihnen nicht sofort ansieht. Der Ansatz der autWorker eG konzentriert sich daher auf die Fähigkeiten autistischer Menschen. Auf diese Weise wollen wir bewirken, dass Autisten nicht nur über ihre Schwierigkeiten und „Eigenheiten“ wahrgenommen werden, sondern auch über ihre spezifischen Stärken und Fähigkeiten.

FreieWelt.net: Welche Veränderungen am Arbeitsmarkt hoffen Sie, durch die  autworker eG zu erreichen?

Hajo Seng: Wir werden mit der autWorker eG Arbeitsplätze schaffen für autistische Menschen, Arbeitsplätze, die zu uns passen. Wir werden unsere speziellen Fähigkeiten benennen und Unternehmer auf dem Arbeitsmarkt finden, die nach diesen speziellen Fähigkeiten suchen.

Indirekt rücken wir die Tatsache ins allgemeine Bewusstsein, dass es Menschen gibt, die trotz weitreichender Befähigungen und oft auch Ausbildungen kaum eine Chance auf einen adäquaten Arbeitsplatz haben. Wir ermutigen auch autistischen Menschen, sich in ihrer Selbstwahrnehmung eher auf ihre Fähigkeiten als auf ihre Schwierigkeiten zu konzentrieren.

http://www.autworker.de/

Das Interview führte Fabian Heinzel

(Foto: Hajo Seng)



Redaktion, 25.08.2010 11:56 | Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Johannes G. Klinkmüller, 28.09.2010 16:15
Danke, hab das Interview erst jetzt gesehen. Klasse, dass ihr das Thema aufgegriffen habt. Ich selbst habe ein autistisches Kind in der Klasse, da wird man sensibel für diese Menschen, die oft genial sind, doch so einen schweren Stand im Leben haben und eigentlich oft so tapfer sind ...


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