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Bischof Müller rügt Erzbischof Marx
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"Null-Toleranz-Strategie" erweist sich als unfair und gnadenlos - (News4Press.com)
Pressemeldung des Christoferuswerks vom 5.8.2010

Spät kommt er, aber er kommt: Bischof Gerhard Ludwig Müller äußerte sich am 2. August 2010 – und damit einige Monate nach den unseriösen Sensationsmeldungen um das Internat Ettal und Bischof Walter Mixa – kritisch über diese Ereignisse. Dabei beschränkte sich der Oberhirte von Regensburg in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" nicht auf wohlfeile Presseschelte, sondern nahm auch innerkirchliche Vorgänge skeptisch unter die Lupe.

So erklärte er beispielsweise, der Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa sei unnötig gewesen, denn der gegen ihn gerichtete Hauptvorwurf, er habe Kinder mißbraucht, sei schnell in sich zusammengefallen. Zudem kritisierte Müller die rigide Vorgehensweise des Münchner Erzbischof Reinhard Marx bei der "Aufklärung" von Mißbrauchsvorwürfen.

Bischof Müller beanstandete vor allem den weitverbreiteten Generalverdacht in puncto Mißbrauch, der gegen katholische Geistliche vorherrsche: “Kirchliche Mitarbeiter sind für 0,1 Prozent dieser Untaten verantwortlich. Aber es gab 70.000 Berichte zu Kirche und Mißbrauch in den letzten vier Monaten.”

Deutliche Kritik übte Müller auch daran, daß das Münchner Ordinariat bzw. Erzbischof Marx den Abt von Ettal im Februar 2010 zum Rücktritt drängte. Nach einer vatikanischen Visitation in Ettal wurde Abt Barnabas Bögle vollständig rehabilitiert und Erzbischof Marx wegen seines rabiaten Vorgehens gerügt. Wörtlich erklärte der Regensburger Bischof hierzu: “Offiziell wurde festgestellt, der Abt habe sich keiner Versäumnisse schuldig gemacht.“

Doch die Bistumsleitung München ist anscheinend recht stolz auf ihre sogenannte „Null-Toleranz-Strategie“ – und Erzbischof Marx sonnt sich offenbar im Glanz eines unnachsichtigen "Saubermannes". - Bischof Müller stellte gleichwohl fest: "Bei Personalentscheidungen muß immer die Gerechtigkeit an erster Stelle stehen. Ich würde niemanden opfern, nur um ein Problem weniger zu haben."

Mit der „Gerechtigkeit bei Personalentscheidungen“ war es in der bischöflichen Amtsstube an der Isar allerdings schon ein Jahr zuvor beileibe nicht gut bestellt. Hierzu ein Beispiel, das damals für großen Wirbel sorgte und zu nicht wenigen Kirchenaustritten im Bistum führte:

Karl-Ludwig Nies war ein hochqualifizierter Domkapellmeister, der von vielen Kirchenmusikern und seinem Domchor offensichtlich sehr geschätzt wurde, wie aus zahlreichen Leserbriefen zur “Causa Nies” erkennbar wurde.

Angeblich - so behauptete jedenfalls das Münchner Ordinariat in einer öffentlichen Stellungnahme - fand man Pornobilder (keine Kinderpornos) auf seinem Dienstcomputer, worauf Domdekan Lorenz Wolf die Staatsanwaltschaft informierte. Diese stellte das Verfahren gegen den Domkapellmeister allerdings ein, da kein strafbarer Sachverhalt vorlag.

Dennoch wurde der 56-jährige Karl-Ludwig Nies als Domkapellmeister entlassen und sogar – was den Zorn nicht nur beim Domchor verstärkte – öffentlich bloßgestellt:

Am 12. Januar 2009 gab das Münchner Domkapitel eine seltsame Pressemeldung zum Besten bzw. Schlechten, die den beliebten Kirchenmusiker öffentlich an den Pranger stellte.

Auch damals wurde bereits eine ebenso gnadenlose wie unfaire "Null-Toleranz-Strategie" durchgezogen – von wirklicher "Gerechtigkeit bei Personalentscheidungen" also keine Spur, von "christlicher Nächstenliebe" ganz zu schweigen.

Als ebenso merkwürdig und eigenwillig erweist sich die Position des Münchner Ordinariats angesichts der Frage, ob jeder Mißbrauchsverdacht an die Staatsanwaltschaft zu melden sei: Ein solches Vorgehen ist weder vom Staat noch vom Vatikan noch von den außerbayerischen Bistumsleitungen vorgesehen.

Doch in Bayern ticken die Uhren auch insoweit anders, veranlaßt vor allem durch Erzbischof Marx; er sorgte Mitte März 2010 dafür, daß bayerische Diözesen Verdachtsfälle auf Mißbrauch grundsätzlich an die Staatsanwaltschaft melden sollen, obgleich die deutsche Gesetzeslage dies nicht vorsieht.

Bischof „Gnadenlos“ bzw. Reinhard Marx ließ sich auch von kritischen Stimmen der Opferverbände nicht beeindrucken: diese hatten sich öffentlich gegen eine kirchliche Melde-Pflicht geäußert, weil es in der Entscheidungsfreiheit der Betroffenen bleiben solle, ob Anzeige erstattet wird oder nicht.

„Wildwasser“ und „Zartbitter“, die beiden bekanntesten Opferverbände für sexuell Mißbrauchte, wandten sich sofort öffentlich gegen Marxens „Münchner Richtlinie“.

Iris Hölling, Geschäftsführerin der Beratungsstelle „Wildwasser“ in Berlin, erklärte, daß nicht jedem Opfer ein Gerichtsverfahren zuzumuten sei. Wenn ein solcher „Automatismus“ jedoch in Gang gesetzt werde, bestehe die große Gefahr, daß Betroffene sich mit ihrem Schicksal nicht mehr offenbaren wollen.

Ursula Enders, die Vorsitzende des Kölner Opferverbands „Zartbitter“, bestätigte diese Sicht aus langer Beratungsarbeit mit Betroffenen; sie erläuterte, daß eine Meldepflicht viele Betroffene avon abhalten wird, sich mit dem, was sie erlitten haben, anderen anzuvertrauen.

Somit ist die Münchner „Null-Toleranz-Strategie“, die auf den ersten Blick als entschlossene „Saubermann-Aktion“ in Erscheinung tritt, letzten Endes gegen die Interessen der Opfer gerichtet.

Warum will man diesen offensichtlichen Sachverhalt im Münchner Ordinariat nicht wahrhaben?

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster




Das Christoferuswerk in Münster ist eine als gemeinnützig anerkannte Aktionsgemeinschaft katholischer und evangelischer Christen, die 1971 vom kath. Jugendschriftsteller Günter Stiff (Münster) gegründet wurde und sich für christliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit einsetzt.

Christoferuswerk eV.
Felizitas Küble
Schlesienstr. 32
48167  Münster
Tel:0251-616768 
Fax:0251-614020
felizitas.kueble@web.de

 

Foto: Joerg Koch/ ddp

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Felizitas Küble, 09.08.2010 11:59 | Kommentare (0)




 
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