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11.02.2012
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Allumfassende SED-Netzwerke - Interview Claudia Iyiaagan-Bohse
Weitere Themen: DDR-Unrecht, Bildung, Justiz



Die Bürgerrechtlerin Claudia Iyiaagan-Bohse kämpft seit Jahren gegen alte Stasi-netzwerke und prangert ehemalige DDR-Funktionäre an, die nach wie vor in hohen Positionen sitzen. Für ihre Aufklärungsarbeit in Sachen DDR-Doping mußte die frühere Sport- und Biologielehrerin 2005 sogar ins Gefängnis. FreieWelt.net sprach mit Claudia Iyiaagan-Bohse über ihren Fall, alte DDR-Netzwerke und ungesühntes DDR-Unrecht.

FreieWelt.net: Sie haben im Jahr 2005 sechs Wochen im Gefängnis gesessen. Wie ist es dazu gekommen?

Claudia Iyiaagan-Bohse:
Am 07.12.2004 übergab ich dem Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Wolfgang Tiefensee, dem Stadtparlament u.a. in Vorbereitung einer Städtepartnerschaft Addis Abeba und Leipzig einen Internet- Ausdruck zur Doping-Vergangenheit des Professor Winfried Schäker. Am 17.12.2004 überbrachte daraufhin ein Gerichtsvollzieher einen Unterlassungs-Beschluss des Landgerichtes Leipzig (ansonsten Ordnungsgeld bis 250 000,00€, ersatzweise 6 Monate Ordnungshaft).


"Das Gericht hat die einstweilige Verfügung wegen Dringlichkeit ohne mündliche Verhandlung erlassen (§ 937 Abs. 2 ZPO)" . Dem Kostenfestsetzungsbeschluss vom 17.03.05 entsprechend lehnte ich die folgende Eidesstaatliche Versicherung aus ausschließlich
politischen Gründen ab. Der Haftbefehl des AG Leipzig trug das Datum vom 15.07.05. Die Verhaftung realisierten Gerichtsvollzieher und zwei Polizisten am 12.August 2005, 6.00 Uhr in meiner Wohnung. Die Forderungen von Winfried Schäker und dem Landgericht betrugen 978,32 Euro.

Qualifizierte juristische Unterstützung, intensive Öffentlichkeitsarbeit, öffentlicher Druck verkürzten die ursprüngliche Haftzeit von 6 Monaten auf 6 Wochen. Dafür allen Begleitern besonderen Dank. Die Folgen der Auseinandersetzung halten bis heute an.

FreieWelt.net: Hat diese Angelegenheit für Winfried Schäker irgendeine Form von Konsequenzen gehabt?

Claudia Iyiaagan-Bohse:
Nach einem Offenen Brief an Wolfgang Tiefensee vom 18.08.2005 ist in der Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2005 zu lesen: "Schäker legt den Vorsitz von Partnerschaftsverein nieder", da er "an Menschenrechtsverletzungen zu DDR-Zeiten beteiligt gewesen und dies bis heute öffentlich bagatellisiere.", so im Offenen Brief nachzulesen. Dazu u.a.auch: Berliner Zeitung, 29.09.2005, "Neurohormone im Kaugummi". Die Folgen für mich waren (und sind) zahlreiche Verfahren,
umfangreicher Briefwechsel, großer Lebenszeitaufwand, SCHUFA-Eintragung, rechtswidrig verweigerte Akteneinsicht, polizeiliche Hausverweisungen.

FreieWelt.net: Sind die DDR-Netzwerke wirklich so mächtig? Immerhin konnten Sie den Untergang der DDR ja nicht verhindern?

Claudia Iyiaagan-Bohse:
Der SED (einschließlich der "Nationalen Front", der Amtskirche) und damit dem MfS war weit vor dem Herbst 1989 bekannt, dass die DDR bankrott ist.

In "Die unterwanderte Republik- Stasi im Westen", Propyläen Verlag, Berlin 1999, beschreibt Hubertus Knabe, in welcher Weise das DDR-Regime sich einer Krake ähnlich, in die westdeutsche Gesellschaft ausbreitete. Folgedessen ging es nicht um den Untergang eines Regimes, dass allumfassend versagt hatte, sondern um den möglichst geordneten, nunmehr erfolgreichen Übergang in das einst verhasste System Bundesrepublik Deutschland. So war es einerseits zwangsläufig, andererseits gut kaschiert , dass die Gegenbewegung widerständiger, meist jugendlicher Gruppen, auch und besonders unter dem Dach der Kirchen in besonderer Weise zunehmend kontrolliert wurde.

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Ist es nicht verwunderlich, dass die Deutung der Transformationszeit und der letzten 20 Jahre in den Händen von Menschen lag und liegt, die sich auf ihren christlichen Hintergrund berufen? Ist es nicht inzwischen Allgemeingut, dass die Gewinner der Deutschen Einheit die ehemaligen Täter und deren Mitläufer sind, die Verlierer dagegen diejenigen, die sich der Diktatur nachweislich verweigerten?

Die allumfassenden Netzwerke der SED, des MfS und deren Erfüllungsgehilfen haben den Untergang nicht nur nicht verhindert, sondern den nahzu reibungslosen Übergang in Verhältnisse erfolgreich gestaltet und offensichtlich geschafft, die sie bislang verteufelten. Die dazu notwendige "Partnersuche", besonders in Politik, Wirtschaft, Medien, Justiz, lief unbemerkt, dafür sehr erfolgreich im Interesse und zur Etablierung neuer alter, alter neuer Strukturen. Die Gauck-Birthler-Behörde könnte Auskunft auch über die grenzüberschreitenden, umfassenden Netzwerke geben. Allerdings müssten diese Unterlagen abgefragt, schließlich vorgelegt und endlich durch entsprechende Konsequenzen ausgewertet werden. Wer könnte daran Interesse haben?! Die Zeit dafür wäre reif.

FreieWelt.net: Ist es im Sinne der Versöhnung und der Staatsraison nicht eine Notwendigkeit,
zumindest die Mitläufer von früher in Ruhe zu lassen?

Claudia Iyiaagan-Bohse:
Verhältnismäßig wenig Menschen wurden durch Massen von Mitläufern zu Tätern. Schon deshalb ist es für mich dringlich notwendig, widerständiges Verhalten gegen Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit im engen und weiten Sinne zu würdigen
und damit dem blinden Mitläufertum entgegenzuhalten. Wie kann es sein, dass z.B. Journalisten, die sich unangenehmen Themen widmen, mit Strafanzeigen überzogen werden? Warum kommen immer mehr Menschen von Opfergruppen zu einen nahezu vernichtenden Urteil über die Justiz? Warum müssen zunehmend Menschen um ihr Ansehen, ihre Existenz bangen, wenn sie die Glaubwürdigkeit des aktuellen
Geschehens in Fragestellen? Wer spricht über den anhaltenden Missbrauch der Psychiatrie, das erneute Ruhigstellen von Kritikern? In Zeiten tiefster Vertrauenskrise ist die Entscheidung für Mitläufer genau die falscheste.

Versöhnung kann nach meiner Überzeugung erst dann stattfinden, wennwenigstens über das anhaltende, konkrete und personenbezogene Unrecht gesprochen wird.

Solange die Täter wesentlich besser abgesichert sind als deren Opfer, ist für mich der Wunsch (der Täter und besonders deren Mitläufer!) nach Versöhnung eine hohle, nicht ernst zu nehmende, folgenschwere Worthülse.

FreieWelt.net: Was ist für Sie das derzeit größte, noch ungesühnte Unrecht aus DDR-Zeiten?

Claudia Iyiaagan-Bohse:
Die fehlende, dem Unrecht angemessene Aufarbeitung im Interesse und zur Würdigung der Opfer öffnete für die Vereinigungskriminalität Tür und Tor.
Damit verschenkte die Bundesrepublik Deutschland eine einmalige Chance für einen gemeinsamen, notwendigen Neuanfang. Da ist:

- die fehlende Wiedergutmachung von Enteignungen 1945/49, das anhaltende Eigentumsunrecht während der Existenz der DDR mit wirtschaftlichen Folgen bis heute;

-die nachweisliche Strafvereitelung im Amt bei Menschenrechtsverletzungen in staatlichen Kinderheimen der DDR, in denen Kinder und Jugendliche zu "sozialistischen Persönlichkeiten" erzogen werden sollten. Tatsächlich wurden deren Seelen beschädigt, zerbrochen, Lebenschancen geraubt. Die Folgen betreffen inzwischen in die nächste Generation;

- das Thema "Zwangsadoptionen" , der Anteil der "Sozialistischen Volksbildung" und die Rolle der Jugendämter, weiterhin streng als Tabuthema behandelt;

- die fehlende umfassende Würdigung derjenigen, die durch Anstand und Charakterfestigkeit sich bewußt der Dikatur entzogen haben, sich durch nichts locken ließen, wohlwissend, daß dieses Verhalten mit existentiellen
Nachteilenverbunden ist, scharf anzumahnen.

Die Ursachen für dieses anhaltende, in einem demokratischen Rechtsstaat besonders schwerwiegende Unrecht, sind nach meiner Überzeugung:

- Versagen der gesamtdeutschen Justiz , die mit vernachlässigbaren Ausnahmen keine deutlichen Bemühungen im Umgang mit Unrecht zweier Diktaturen erkennen läßt, um Rechtsfrieden herzustellen;

- eine gut finanzierte Aufarbeitungsmaschinerie, die letzlich sich selbst versorgt, dadurch die Interessen Unrechtsbetroffener vernachlässigt, und so, für Außenstehende kaum wahrnehmbar, die Täter beschützt;

- eine überwiegend angepaßte, eingeschüchterte Medienlandschaft;

- Politikvertreter, die sich aus unterschiedlichen Gründen weit, weit weg und gut abgeschirmt von der Wählerschaft bewegen. Ersthaftigkeit und Glaubwürdigkeit sind nur in seltenen Fällen zu erkennen und werden spürbar
in Taten umgesetzt;

- die bislang moralische Instanz Kirche versagt vollends und offensichtlich. Am 3. Mai 2010 erhalte ich einen Antwortbrief im Auftrag des Landesbischofs
Jochen Bohl: "... Insofern werden Menschen, die unbequeme Wahrheiten wach halten, ungern gehört. Gegen diese Tendenz kann aber auch ein Landesbischof
leider nicht viel bewirken. Dafür möchte ich Sie um Ihr Verständnis bitten.  Aus der Sicht unseres Glaubens wird es aber eine letzte Gerechtigkeit ohnehin erst
ein Gottes Reich geben, dann aber wirklich. Das darf uns nicht vertrösten, hilft aber, sich nicht an unabänderlichen Dingen zu verschleißen."
Ähnlich der katholische Bischof von Dresden-Meissen, Joachim Reinelt bereits am 14.01.2004 u.a.: "Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie für das Jahr 2004
Gottes reichen Segen und verbinde damit die Hoffnung, dass Sie die auf Ihrer Seele liegenden Probleme in einer guten Art und Weise bewältigen können. Ich werde Sie im Gebet begleiten."

Diese und weitere unsäglichen Vertröstungen lassen sich besser verkraften durch die Lektüre "Pfarrer, Christen und Katholiken" von Gerhard Besier/Stephan Wolf (HG.) Neukirchner 1992, hier besonders die Seiten 458 bis 465.
Wen wunderts, dass unter diesen und weiteren Bedingungen die Gefährdungen des inneren Friedens in der Bundesrepublik Deutschland immer deutlicher zutage
treten.

Interview mit Claudia Iyiaagan-Bohse bei youtube

Foto: Claudia Iyiaagan-Bohse



Redaktion FreieWelt.Net, 20.07.2010 11:21 | Kommentare (13)




 
  Kommentare (13)

Dr-Rot-Kohl, 09.02.2011 12:35
In den letzten 20 Jahren sind 1700 Milliarden Euro in den Osten geflossen.
Dies entspricht der Gesamtverschuldung der Bundesrepublik. Für dieses Geld wurde die DDR deindustrialisiert und in eine blühende Agrarlandschaft verwandelt. Für die nächsten 50 Jahre muss die DDR weiter subventioniert werden.
SED und Stasi danken dem großzügigen Spender im Westen.
Unsere Stasi ist ab 1990 auch eure Stasi!
Danke


ROLF RAINER, 08.02.2011 12:29
CLAUDIA - HAB´S GELESEN!

Noah, 26.07.2010 09:30
Nun ja Herr Edler, den Rechtsstaat sollen auch Datenschutzbestimmungen bewahren helfen. Somit es es richtig, diese Beschränkungen auf hier gelten zu lassen und nicht wild Daten zu veröffentlichen, die hinsichtlich ihrer Richtigkeit nicht oder nur noch schwer zu überprüfen sind. Bei welchen jedoch Eines sicher ist, der verantwortungslose Umgang wäre auf jeden Fall schädlich.
Nicht für Sie, denn wie jeder Interessierte Ihrer Website entnehmen kann, waren Sie 1989 gerade mal 2 Jahre alt. Kennen also die Verhältnisse in der DDR maximal nur vom Hörensagen und aus Büchern.
Wie Sie sich also hinstellen können und von "politisch-ideologischen Denkstrukturen der DDR", die "sich bis ins Bürgertum hinein immer mehr durchsetzen" schwadronieren, erscheint mir ausgesprochen amüsant, ja abenteuerlich.

Ihr Eifer entspricht aber durchaus dem von diversen Bürgerrechtlern, die ihren Platz in dieser Gesellschaft nicht gefunden haben und nun neben alten Seilschaften, Andersdenkenden und der aktuellen Politik überall Verantwortliche für Ihre Situation sehen, nur nicht selbstkritisch bei sich selbst.


Lion Edler, 25.07.2010 19:53
@Noah:
"Sämtliche Daten diesbezüglich öffentlich zu machen, ist im übrigen wohl nicht ganz im Sinne geltender Datenschutzbestimmungen. "

Stimmt, aber im Sinne des Rechtsstaats.

Auf Ihre sonstigen Anwürfe gehe ich hier nicht ausführlicher ein. Sie sprechen für sich - Q.E.D. .


Andreas Dmytrowicz, 25.07.2010 19:07
Aua ..

Deutschland ist lange wieder einer Diktatur näher, als einer Demokratie. Diktokratie ist noch gelinde ausgedrückt.

In der Tat hat auch die Stasi die vorherrschenden Zustände mit zu verantworten. Stasi Mitarbeiter wurden in allen Institutionen aufgenommen, von der Polizei, Bundespolizei, Justiz, BND, diversen weiteren Behörden, Wirtschaft, etc..

Man muß schon blind sein und nicht willig, zureichende Medienthematisierungen nicht zur Kenntnis zu nehmen.

So spricht man beispielsweise von der Justizmafia, die allerdings ähnlich der Stasi strukturiert ist. Tatsächlich werden von den genannten Institutionen auch gezielt die Praktiken der Stasi angewandt, Zersetzung etc ..

Was erleben wir bei Lidl, Telekom, Bahn und Co ?

Die Psychiatrie ist grundsätzlich in Diktaturen, oder Systemen die sich als Rechtsstaat behaupten, eines der Willkürinstrumente.

Dies ist auch für die BRD wirklich zureichend belegt. Kritiker, unliebsame, etc. werden psychiatrisiert, unglaubwürdig gemacht.

Eine ganze - zu erfolgreiche - Abteilung der Steuerfahndung wurde psychiatrisiert. Der kritische Polizist Wüppesahl wurde mit exesszersetzendem Terror überzogen, mußte sich diversen psychiatrischen Begutachtungen stellen, auch hier zweifelhafte Diagnosen.

Solche Auflistungen können wir endlos fortsetzen, lassen sich aber insbesondere auch gut im Netz recherchieren.

Auch ein Blick auf meine Seite mag helfen (Psychiatrisierung eines Angeklagten seitens der Staatsanwaltschaft).

Es verschwinden auch heute viele in der Psychiatrie, die nebenbei auch zu einem luktrativen Geschäftszweig gemacht wurde.

Betreungen werden aus reiner Schikane, oder zur Verfolgung von Zielen verhängt. Ich habe in einem Verfahren vertreten, mehrfach die Vorsitzende abgelehnt, durfte mich dann - plötztlich - mit einer Betreungsanregung auseinandersetzen .. Peng! Verfahren ruhte.

Wer hier dreist andere als Verschwörungstheoretiker abklassifiziert, dem muß man entgegenhalten: Gegen Wahrnehmungsstörungen gibt es wohl keine hochwirksamen Medikamente.


Noah, 25.07.2010 09:44
Korrektur:
Veröffentlicht wurde u.a. in der TAZ eine Liste hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter. IMs sind zumindest bei der "Gauck-Behörde" dokumentiert, denn wie meinen Sie Herr Edler, würde man sonst auf die Zahl von 200.000 kommen.

Sämtliche Daten diesbezüglich öffentlich zu machen, ist im übrigen wohl nicht ganz im Sinne geltender Datenschutzbestimmungen. Einer differenzierten Aufarbeitung würde dies zudem widersprechen.


NOah, 24.07.2010 23:01
@Lion Edler
Listen von IMs wurden bereits 1990 u.a. in der TAZ veröffentlicht. Soviel zu den angeblich nicht bekannten IM. Wer heute noch behauptet, es gebe aktuell Psychatriewillkür ist nicht mehr klar bei Verstand und benötigt den fraglichen medizinischen Fachbereich tatsächlich.
Die ehemaligen Bonzen machen wahrscheinlich maximal als Rentner Karriere, währen die "anständigen Menschen" sich woll eher selbst kaltstellen, wenn sie diesen Verschwörungstheorien hier Glauben schenken.
Gegen Wahnvorstellungen gibt es . hochwirksame Medikamente. :)


Lion Edler, 24.07.2010 17:56
Sehr interessantes Interview, das aber natürlich nicht überraschend für mich ist und wütend macht. Im Übrigen wäre das Problem der Psychiatrie-Willkür in der Tat ein Thema, über das ich gerne Vieles in den Medien (vielleicht auch bei der ,,Freien Welt”?) lesen würde. Sehr interessant dazu die Bücher von Gert Postel, da sieht man, was für eine Willkür häufig im Einsperren von Leuten steckt.
Ich hätte allerdings in dem Interview gerne Konkreteres erfahren, wo und welche MfS-Seilschaften tätig sind oder sein könnten oder erst nach 1990 aufgedeckt und zerschlagen wurden. Es ist jedenfalls für mich extrem unwahrscheinlich, daß ein Geheimdienst von derart gigantischer Größe (in der Hoch-Phase in den 70er Jahren über 200.000 IM's) sich 1990 einfach so über Nacht komplett aufgelöst haben soll. Warum sollte er das getan haben, wenn fast kein IM öffentlich bekannt ist? Da muß noch ein riesiges Netzwerk im Verborgenen Wirken. Nur so ist es ja in der Tat auch erklärlich, daß die Bonzen wieder Karriere machen, während anständige Menschen beruflich kaltgestellt werden, und die politisch-ideologischen Denkstrukturen der DDR sich bis ins Bürgertum hinein immer mehr durchsetzen , und Rechtsstaat und (Meinungs-)Freiheit zerstört werden.

Ich kenne bezüglich MfS-Seilschaften bisher nur den Fall Cottbus:
http://www.welt.de/print-welt/article469360/Stasi_Seilschaften_in_Cottbus_attackieren_die_Pressefreiheit.html

wenn man googel, findet man zu dem cottbusser Fall noch einige weitere interessante Artikel.

Weiß jemand mehr Konkretes über MfS-Seilschaften?


Noah, 21.07.2010 13:33
Das sich die Interviewpartnerin von "Freie Welt" mit einem gewissen Herrn Helmut Gobsch umgibt, dürfte hinsichtlich der von dieser erklärten angeblichen "Allumfassenden SED-Netzwerke" nicht weiter verwundern.
Verschwörungsanhänger unter sich.

http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Helmut_Gobsch


Constanze Kikels, 20.07.2010 20:37
Und deshalb gehe ich, weil es nicht mehr zu ertragen ist. Man kann diesen Leuten nicht helfen. Die DDR, ihre Stasi und Mitläufer sind nicht zu bremsen, ich habe es selbst erlebt, wie alles daran gesetzt wird, um Dich von Deiner Gradlinigkeit und Menschenachtung abzubringen. Kein Psychologe wird deren Kaltschnäuzigkeit reparieren können.
Dieses Land ist kaputt von seiner elenden Vergangenheit - erst Hitler dann DDR Stasi.
Ich weiß beim besten Willen nicht, wie das alles jemals in Ordnung gebracht werden soll.
Es ist eine Tragödie - armes Deutschland. Wir waren einmal ein Land der Dichter und Denker!
Ich empfehle das Buch von Hartmut Bachmann "Staatsbankrott Enteignungen Zwangshypotheken.
Es wandern jährlich 100.000de aus. Und was kommt wieder?
Armes Deutschland - Du hast Dich selbst zerstört.




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