suchen
11.02.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
"Mehr Wahlfreiheit für die Menschen" - Stefan Reker im Interview
Weitere Themen: Allgemein, Reformen



Mehr als zehn Prozent der Menschen in Deutschland besitzen eine private Krankenvollversicherung - hinzu kommen zahlreiche private Teil- und Zusatzversicherungen.  Allerdings sehen sich gerade die privaten Krankenversicherungen immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt eine "Zwei-Klassen-Medizin" zu fördern.  FreieWelt.net sprach jetzt mit dem Leiter des Bereichs Kommunikation beim Verband der privaten Krankenversicherung (PKV), Stefan Reker, über die Rolle der Privaten im Gesundheitssystem und die Zukunft dieses Systems.

FreieWelt.net: Welche Rolle spielen die privaten Krankenversicherungen im Gesundheitssystem?

Stefan Reker: Die private Krankenversicherung (PKV) ist eine starke Säule im dualen Gesundheitssystem. Mit ihren Alterungsrückstellungen von über 144 Milliarden Euro ist sie
gut auf die steigenden Gesundheitskosten einer alternden Gesellschaft vorbereitet. Die gesetzliche Krankenversicherung dagegen bildet keine Rücklagen. Mit der Folge, dass in
Zukunft immer weniger Erwerbstätige die Kosten für immer mehr Ältere tragen müssen.

Schon jetzt stößt die Umlage-Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen an ihre Grenzen. Allein in diesem Jahr erhalten die gesetzlichen Kassen zusätzlich zu ihren Beitragseinnahmen einen Staatszuschuss von 15,7 Milliarden Euro. Davon ist ein
beachtlicher Teil aus Schulden finanziert – und belastet somit künftige Generationen. Die private Krankenversicherung hingegen erfüllt ihre Verantwortung mit null Staatszuschuss
und null Schulden.

FreieWelt.net: Aber fördert nicht gerade die Existenz von privaten Krankenversicherungen eine Zwei-Klassen-Medizin?

Stefan Reker: So gut wie in Deutschland ist die Gesundheitsversorgung fast nirgendwo sonst auf der
Welt: hohe Qualität, neueste medizinische Verfahren, geringe Wartezeiten. Dies verdanken wir gerade auch dem Wettbewerb zwischen gesetzlichen Kassen und privater
Krankenversicherung.

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Beide gemeinsam leisten mehr, als es jede Einheitskasse könnte.

Wenn es die private Krankenversicherung nicht gäbe, wäre das Gesamtniveau der medizinischen Leistungen für alle wohl deutlich geringer. Keiner hätte dabei etwas gewonnen.

FreieWelt.net: Wie würde ein gutes, gerechtes und dauerhaft finanzierbares Gesundheitssystem aussehen?

Stefan Reker:  Eine besseres Gesundheitswesen als heute in Deutschland werden Sie kaum finden. Die Herausforderung ist, diesen hohen Standard auch in einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft zu sichern. Die Finanzierung des Systems ist umso nachhaltiger, je mehr Menschen und Leistungen kapitalgedeckt in der privaten Krankenversicherung
abgesichert werden.

Dazu gehört mehr Wahlfreiheit für die Menschen, wem sie ihre Krankenversicherung anvertrauen wollen. Die letzte Gesundheitsreform unter Ministerin Ulla Schmidt hat jedoch
die Wartefrist für Arbeitnehmer, die in eine private Krankenversicherung wechseln wollen, schlagartig verdreifacht. Sie müssen derzeit drei Jahre lang die gesetzlich verhängte Versicherungspflichtgrenze von derzeit 49.950 Euro Jahres-Brutto überschreiten, bevor sie in eine private Versicherung ihrer Wahl wechseln dürfen. Durch diese Regelung werden viele Menschen gegen ihren Willen in der gesetzlichen Krankenversicherung festgehalten.
Die Regierung sollte daher schnellstmöglich zur früheren Regelung zurückkehren.

FreieWelt.net: Sehen Sie Chancen für eine politische Durchsetzbarkeit solcher Reformen?

Stefan Reker: Was die angesprochene Drei-Jahres-Frist betrifft, so haben sich Union und FDP bereits in
ihrem Koalitionsvertrag von Herbst vergangenen Jahres darauf verständigt, diese Regelung wieder abzuschaffen. Wir hoffen nun, dass diese Vereinbarung schnellstmöglich
umgesetzt wird. Zudem hat die Politik zumindest in der Pflegeversicherung auch erkannt, dass mehr
Kapitaldeckung die richtige Antwort auf den demografischen Wandel ist. Deshalb will die Koalition eine kapitalgedeckte ergänzende Pflegeversicherung einführen. Dazu ist es auch
höchste Zeit, denn ohne kapitalgedeckte Vorsorge ist der absehbare Anstieg der Pflegekosten nicht zu verkraften. Für diesen Ausbau der Kapitaldeckung bringt die private
Pflegeversicherung mit ihrer langjährigen Expertise die besten Voraussetzungen mit.

FreieWelt.net: Welche Konsequenzen werden die aktuellen Reformvorhaben der Bundesregierung haben?

Stefan Reker: Die erkennbaren Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung werden
durch die geplanten Maßnahmen zunächst gelöst. Die langfristigen demografischen Herausforderungen erfordern allerdings noch weitere Strukturreformen. Die im
Koalitionsvertrag angekündigten Reformen mit Wirkung auf die private Krankenversicherung sind von der Regierung nun als nächster Schritt angekündigt worden. Wir sind dabei zur konstruktiven Mitwirkung bereit.

Über den Koalitionsvertrag hinaus drängen wir auf neue Instrumente, um die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern und absichern zu können. Wir fordern einen
gesetzlichen Verhandlungsrahmen, der es uns ermöglicht, beispielsweise mit Ärzten oder Arzneimittelherstellern faire Vereinbarungen über Qualität, Mengen und Preise
medizinischer Leistungen zu treffen. Hier sind der privaten Krankenversicherung derzeit noch allzu enge rechtliche Grenzen gesetzt – dabei gehört die Vertragsfreiheit doch
eigentlich zu den Grundprinzipien einer freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Gesellschaft.

Das Interview führte Fabian Heinzel

zum Verband der privaten Krankenversicherungen

(Foto: frugola/pixelio.de)



Redaktion, 19.07.2010 11:54 | Kommentare (1)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (1)

Horatio Nelson, 12.08.2010 18:18
"Allerdings sehen sich gerade die privaten Krankenversicherungen immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt eine "Zwei-Klassen-Medizin" zu fördern." Zu recht der Vorwurf. So ist es auch. Und dieses "Fördern" ist wahrscheinlich absichtlich und wird forciert. Der KK-Versicherter sieht sich schon lange der Diskriminierung ausgesetzt. Bei der Terminvergabe seitens niedergelassener Ärzte zum Beispiel, wird der Patient gleich mit der Frage nach seiner Versicherungsart - KK oder Privat - konfrontiert. Hiervon hängt ab, wie bald der Termin, der ihm geboten wird, gelegt wird. Dies kann sich um Wochen handeln. Zahnärzte bieten nur noch kostspielige Füllungsmaterialien und Verfahren an. Ein viel schlimmerer Vorbote sich entwickelnder Sitten ist aber, eine gar in manchen Kliniken und Krankenhäusern vom Personal ausgehende nicht zu übersehende Diskrimminierung bis hin zu einer seelisch brutalen Haltung gegenüber Versichertern der gesetzlichen Krankenkassen. Alle bisherigen "Reformen" brachten mitnichten die bitter nötigen strukturellen Änderungen am System. Sie waren schlicht und einfach getarnte Sparmaßnahmen zugunsten der privaten Versicherungen bzw. zum Nachteil der Krankenkassen und deren Ansehen.
Grüße
Horatio Nelson



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Sei nicht reich durch Unrecht."
- Thales von Milet

ANZEIGE

Umfrage

Sollte Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten?






Ergebnis

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?






Ergebnis


Interviews

Hedwig Freifrau von Beverfoerde Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren!
Hedwig Freifrau von Beverfoerde
Sprecherin Initiative Familienschutz

Alfred Zellfelder ESM schwere Belastung für nächste Generationen
Alfred Zellfelder
Landesvorsitzender Freie Wähler Schleswig-Holstein

Mehr Interviews


Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Diekmann for President!

author Albrecht Prinz von Croy
Warum Deutschland eine Verfassungsreform braucht

author Vera Lengsfeld
Rettet das Bundespräsidentenamt- nehmt Gauck !

author Stefan Fuchs
Verrat an der Wissenschaft: Kathederpropheten vergreifen sich am Betreuungsgeld


Video

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

"Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de) "Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de)

Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag

Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen"


Galerien

Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität? Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität?

Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test


Reportage

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse

Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs


Meist gelesen
  1. Bundesbank zwei- felt an Fiskalpakt
    02.02.2012 08:41
  2. Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
    01.02.2012 11:15
  3. Nichts als eine üble Räuberbande
    03.02.2012 12:48
  4. ESM-Video in 12 Sprachen übersetzt und über 750.000 mal angesehen
    02.02.2012 22:10
  5. Schäuble legt sich bei Schuldenschnitt quer
    03.02.2012 09:16

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
EU will Finanz- poker verringern
EU plant Sperrkonto für Griechenland
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Nahost-Konflikt
Iran baut militärische Drohkulisse auf
Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen?
USA rechnen mit Konflikt am Golf
DDR-Unrecht
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
CSU-General Dobrindt fordert Überwachung der Linkspartei
Allgemein
Inflation stagniert auf hohem Niveau
Google-Nutzer werden noch transparenter
Merkel lobt Wulffs "Offenheit"
Bildung
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
"Von Krise zu Krise gesteigert" - Interview mit Dr. Bernd F. Schulte
Rezension: Deutsche Policy of Pretention
Reformen
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
EU-Ratspräsident gegen EU-Finanzminister
Troika legt Athen an die Kette
Wirtschaftspolitik
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Baden-Württemberg erwägt Klage gegen Länderfinanzausgleich
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
Familie
Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
Lebensschützer demonstrieren in Washington
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
Autoindustrie
Daimler fährt Rekordgewinn ein
Sprit so teuer wie nie
Aral hält Bezinpreis künstlich hoch
Wahlen
FDP bleibt im Umfragetief
Santorum gewinnt drei Vorwahlen
Merkel nach Sarkozy-Interview in der Kritik
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Umstrittenes EU-Urheberschutzgesetz blockiert
Europarat gegen Euthanasie
Weiter Streit um Vorratsdatenspeicherung

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008