Dort gelten die Menschenrechte, dort gibt es Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit, wovon die Menschen in islamisch geprägten Staaten nur träumen können. Natürlich ist in Israel nicht alles Gold, was glänzt. Dieses Land und Volk hat den Sprung in die Moderne aber besser bewältigt als alle seine Nachbarstaaten. Das erfordert Respekt.
FreieWelt.net:
Welche Rolle spielt der Nahost-Konflikt für die Bundesrepublik Deutschland?Johannes Gerster: Derzeit allenfalls eine Untergeordnete. Wir sind so sehr mit tatsächlichen oder eingebildeten Problemen vor der eigenen Haustür zugeschüttet, beschäftigen uns von früh bis spät vor allem mit uns selbst, dass der Blick für die wirklichen Probleme der Welt eher versperrt ist. Im Nahen Osten geht es um Leben und Tod. Bei uns ist Jammern auf hohem Niveau angesagt. Sind wir nicht etwas zu egoistisch und zugleich provinziell geworden?
FreieWelt.net:
Würden Sie sich von der Presse- und Medienlandschaft einen anderen Umgang mit der Berichterstattung aus Israel und den Palästinensergebieten wünschen?Johannes Gerster: Über den Nahostkonflikt wird oft mit zweierlei Maß gemessen. Fehler der israelischen Politik werden durch ein Brennglas vergrößert. Eklatante Menschenrechtsverletzungen, z. B. durch die Hamas in Gaza, werden nicht zur Kenntnis genommen oder heruntergespielt. Allzu viele meinen, Israel müsse nur ein wenig netter zu den Palästinensern sein und schon käme der Frieden im Nahen Osten. Stattdessen gilt noch immer: Wenn die Extremisten in der islamischen Welt die Waffen niederlegen, gibt es Frieden. Wenn Israel die Waffen niederlegt, gibt es kein Israel mehr.
FreieWelt.net:
Wie ist das Verhältnis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zu den Vertretern der arabischen Seite?Johannes Gerster: Als Leiter der Konrad Adenauer-Stiftung in Jerusalem wurde ich von Israelis und Palästinensern öffentlich ausgezeichnet. Unsere Arbeit als Mittler zwischen Israelis und Palästinensern wurde von beiden Seiten geschätzt, ja eingefordert. Als Deutsch-Israelische Gesellschaft haben wir diese Möglichkeiten der Vermittlung im Nahen Osten nicht. Aber wo immer wir können, suchen wir den Dialog mit der arabischen Seite, bei Nahostreisen aber auch mit deutsch-arabischen Vereinigungen hierzulande. Die Freunde Israels und der Palästinenser in Deutschland könnten ein besseres Beispiel vertrauensvoller Zusammenarbeit über religiöse, kulturelle und nationale Grenzen hinweg geben als
dies bisher der Fall ist.
FreieWelt.net:
Gibt es eine Chance auf Frieden im Nahen Osten?Johannes Gerster: Ich setze auf einen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern auf der Basis zweier Staaten nebeneinander ohne Gewalt. Eine derartige Lösung muss kommen und wird kommen, je schneller desto besser.
http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/
Das Interview führte Fabian Heinzel
(Foto: Johannes Gerster)