Interview mit Daryush Shokof
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Die Journalistin Akhtar Impertro-Ghasemi hat mit dem kürzlich in Köln entführten, aus dem Iran stammenden Filmemacher Daryush Shokof ein Interview geführt, das zunächst auf der Seite "mehriran.de" erschienen ist. FreieWelt.net veröffentlicht das Interview hier in voller Länge mit freundlicher Genehmigung von Frau Impertro-Ghasemi und mehriran.de Ich trage meine Kamera und mein Diktiergerät mit mir, um ein Gespräch mit Daryush Shokof zu führen. Vielleicht werde ich eine Antwort auf die Unklarheiten, mit denen sich die Bewohner dieser Stadt und besonders die Iraner beschäftigen, finden.
Das Wetter ist warm und sonnig, ich stehe lange im Stau. Während der Fahrt denke ich darüber nach wer oder wie viele Personen hinter dieser Entführung stecken könnten. Ich erinnere mich an die Entführungen der 80er und 90er Jahre seitens der Islamischen Republik Irans, die mehr als hundert Iranische Oppositionelle weltweit entweder entführt und ermordert haben. Wir erinnern uns alle an den Terroranschlag an einige Iranische Oppositionelle im Mikonos Restaurant in Berlin.Oder das Attentat auf einen Iranischen Piloten, der ein Regimegegner war, in Hamburg und die Ermordung eines Iranischen Künstlers in seiner Bonner Wohnung. Ich versuche mich von diesen Gedanken zu entfernen und mich an mein letztes Treffen mit dem Iranischen Regisseur Daryush Shokof auf dem Filmfestival der Berlinale 2009 zu erinnern. Er sprach temperamentvoll und enthusiastisch vom Iranischen Kino und war kritisch gegenüber der Festivalaufnahme der von der Islamischen Republik Irans produzierten Filme. Ich komme an unserem Treffpunkt an. In einem Cafe in Porzmarkt. Zwei Männer in Zivil, die Polizisten sind, sitzen an dem Nebentisch, weitere Leibwächter stehen nicht weit von uns entfernt. Ich sehe Daryush mit grauem Bart, geschwächt und kraftlos sitzend. Er ist still und sieht abgemagert aus. Keine Spur mehr von seinem Temperament, das ich noch vom Filmfestival kannte. Er bestellt mir einen Kaffee und wir beginnen das Gespräch.
Ich sage, Daryush, erzähl mir, was ist geschehen. Wo warst du? Kannst du dich erinnern? Bevor er meine Fragen beantwortet, bedankt er sich aufrichtig für die große Unterstützung die ihm weltweit während seiner Entführungszeit entgegengebracht wurde. Er ist tief berührt, dass eine -so in seinen Worten- "unwichtige Person" wie er international solch einen Beistand erhielt. Sein besonderer Dank gilt Deutschland für den Schutz, den er von der Deutschen Polizei bekommt und für die Freiheit und Menschenrechte, die er in Deuschland erfahren durfte.
Dann beginnt Daryush meine Fragen zu beantworten, "normalerweise bin ich schlecht was Daten und zeitliche Angaben angehen, aber ich erinnere mich, dass es zwischen sieben bis acht Uhr abends am Friesenplatz in Köln passierte. Ich saß auf einer Bank in einer eher ruhigeren Stelle, am Ende der Bank saß noch ein älterer Herr. Ich war in Gedanken. Einige Meter entfernt von mir telefonierte ein junger Mann, der orientalisch aussah, laut mit seinem Handy. Ich wartete auf einen Freund. Ein Auto näherte sich und parkte gegenüber von mir. Kurz darauf kam der junge Mann auf uns zu und setzte sich zu mir auf die Bank. Er sprach Arabisch. Auf einmal spürte ich etwas spitzes, das gegen mich gedrückt wurde. Und dabei hörte ich in Deutscher Sprache: "Mach mit!"
Ich dachte zuerst es wäre ein schlechter Scherz. Weil es so unvorstellbar war. Aber er drückte kräftiger gegen mich, so dass ich merkte, dass er eine Waffe in der Hand hielt und er wiederholte diesmal lauter, dass ich mitmachen soll. Ich wurde zum Auto gedrängt. Zwei Personen stiegen aus dem Auto, einer hielt die Türe auf und ich stieg ein, ein anderer stieg von der anderen Seite ein. Ich saß in der Mitte. Sie bindeten schnell meine Augen zu und beklebten meinen Mund."
Warum hast du nicht um Hilfe geschrien?
"Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, es war wie in einem Spielfilm. Es waren nur einige Sekunden und wenn man nicht vorbereitet ist, glaubt man nicht, was da vor sich geht. Vielleicht sind wir um die 40 Minuten oder eine Stunde lang gefahren und die haben mich dann zu einem Ort gebracht, wo ich Treppen runtersteigen musste, ich glaube es war eine Art Keller. Der ältere Herr sprach Englisch mit arabischem Akzent. Er sagte zu mir, Daryush, du hast uns und den Islam beleidigt. Du bist gegen den Islam und du hast einen Film gedreht in dem du den Islam und Khomeini beleidigt hast. Ich sagte, lass mich dir sagen, dass ich nicht gegen den Islam bin. Und das was im Iran ist, ist nicht Islamisch und mein Film ist nicht antiislamisch, sondern regimekritisch. Wir diskutierten miteinander und er bemerkte, dass ich weder fanatisch, noch islamischfeindlich und auch kein Religionsgegner bin und dass ich für die Religionsfreiheit bin. Dann bemerkte er, dass ich für die Freiheit plädiere und gegen eine Regierung bin, die diese Freiheit unterdrückt. Wir diskutierten lange. Sie brachten Pizza zum Essen. Und sie fragten mich, was ich trinken möchte. Ich dachte Wasser wäre am sichersten und besten. Ich sagte, dass ich Wasser möchte. Aber das Wasser schmeckte irgendwie süß und bitter. Und jedesmal, wenn ich Wasser getrunken hatte, wurde ich kraftlos und schlief ein. Sogar der Tee, den ich trank hatte diesen Geschmack und ich bekam die gleichen Syndrome."
Was dachtest du in diesem Moment, wer diese Menschen sind?
"Ich dachte, das sind Araber, warum sollten vier Iraner Arabisch reden, es hätte keinen Sinn gemacht. Die waren ständig am telefonieren und haben scheinbar immer Befehle erhalten."
Waren deine Augen in dieser Zeit verschlossen?
"Meine Augen waren die ganze Zeit bis zu meiner Befreiung verschlossen."
Haben sie dich auch gequält oder geschlagen?
"Nein, gar nicht. Aber die jungen Herren waren aggressiv und ich glaube, wenn der ältere nicht da gewesen wäre, hätten die mich sich umgebracht. Es waren immer zwei Personen anwesend und ich schlief immer auf dem Boden und diese zwei Personen schliefen immer auf einer Bank. Aber nach einer Weile ließ einer von ihnen mich auf der Bank schlafen, und schlief selber auf dem Boden."
Wie kam es, dass sie dich wieder befreit haben?
"Sie brachten mich in das Auto und gaben mir wieder dieses Wasser. Meine Augen waren gebunden und mein Mund zugeklebt. Wir fuhren glaube ich auf die Autobahn, weil das Auto immer geradeaus fuhr, nicht nach rechts oder links abbiegte und auch nicht bremste. Die Fahrt dauerte vielleicht eine Stunde, dann hielten die irgendwo an und setzten mich raus und ich ging paar Minuten auf einem festen Boden. Dann fragte mich dieser Mann zum letzten Mal, ob ich es verstanden hätte was er von mir wolle.Wenn du "Iran Zendan" ("Irans Gefängnis") veröffentlichst, bringen wir dich um. Wenn du das verstanden hast, dann nicke mit dem Kopf. Ich nickte mit dem Kopf. Dann sagte er zu den anderen sie sollen mich nehmen. Einer führte mich zu einer Stelle, die mir vorkam wie ein Hügel. Neben einem Fluß. Dann befreite er meinen Mund und sagte, dass er mich ins Wasser werfen werde. Dann nahm er meine Augenbinde und warf mich innerhalb von zwei Sekunden ins Wasser."
War das Wasser tief?
Ich war unter dem Einluß der Medikamente oder was es auch immer war, was sie mir gegeben hatten, als ich ins Wasser geschubst wurde, kam ich mit den Füßen am Boden an und wusste, dass es nicht tief war. Ich bin geschwommen und kam an diesem Hügel, der zwei oder drei Meter hoch war, an. Dann wartete ich einige Minuten und ging dann durch einen dunklen, waldartigen Weg. Ich ging einige Minuten und sah dann Licht. Ich ging in Richtung des Lichtes. Da war ein Gebäude und ich hörte Stimmen, ich ging auf das Gebäude zu. Als ich zwei oder drei Treppen hochstieg, fiel ich in Ohnmacht."
Du hast dann auf Englisch um Hilfe gerufen? Stimmt das?
"Ja, ich habe auf Englisch gesagt, dass ich Shokof bin und entführt worden bin. Dann haben die, die mich gehört haben, die Polizei angerufen und ich kam ins Krankenhaus, wo ich immer noch in Behandlung bin. Vier Tage war ich im Krankenhaus. Ich habe Magenbeschwerden und leide an Übelkeit."
Was ergaben die Untersuchungen im Krankenhaus?
"Man weiß noch nicht welche Art von Gift mir gegeben wurde. Deswegen darf ich mir die Haare nicht mehr abrasieren, damit anhand der Haaruntersuchung herausgefunden werden kann, um welches Gift es sich handelte."
Daryush, wer denkst du steckt hinter der Entführung? Könnte es der Geheimdienst der Islamischen Republik sein?
"Das kann ich nicht sagen, aber es könnte sein, dass es Anhänger des Regimes waren oder islamische Fanatiker. Sogar heute gibt es in Berlin Gegende, wo eine Frau nicht in Sicherheit ohne Kopfbedeckung auf die Straße gehen kann. Jene haben solche Situationen erschafft. Man kann nicht den Islamischen Fanatismus kritisieren. Man kann nicht mit einem jungen Islamischen Fanatiker in Berlin einen Dialog führen. Man kann nicht mit so einem diskutieren."
Welche Erfahrungen hast du in dieser Zeit gemacht?
"Ich würde gerne aus dieser bitteren Zeit zwei schöne Erfahrungen erzählen: Seit den letzten vier Tagen habe ich erfahren, dass sich während meiner Entführungszeit über 500 Millionen Menschen aus verschiedenen Ländern Sorgen um mein Wohlbefinden gemacht haben, dabei bin ich nur eine geringe Person im kulturellen Bereich arbeitend. Aber wenn diese Gesichter der Islamischen Republik, die behaupten sie wären stark und groß, auch nur für 14 Minuten verschwinden würden, dann würden, glaub mir, 80 Millionen Iraner für 14000 Jahre Freude verspüren. Und niemand wird sie vermissen. Diese Dinge machen uns stärker und bestätigen uns. Ich habe vor den kompletten Film "Iran Zendan" ("Irans Gefängnis") kostenlos dem Institut "Schutz für Daryush Shokof" zu geben und ich möchte, dass die es auf ihrer Website veröffentlichen, damit alle Menschen der Welt es sehen können."
Welche Erwartungen hast du von der deutschen Regierung gegenüber der Iranischen Opposition?
"Das was die deutsche Regierung für mich getan hat, läßt mich für immer dankbar sein für die Freiheit und das menschliche System, welches menschenliebend ist. Ich habe keine Probleme mit der deutschen Regierung, aber mit dem System des Kinos hatte ich immer Probleme. Nach Freiheit zu streben und was Freiheit bedeutet, habe ich von diesem System hier gelernt. Ich bitte und wünsche mir von der deutschen Regierung, dass sie die Opposition im Iran und im Exil unterstützt und sich auf der Seite der Menschen zeigt und nicht an der Seite der Verbrecherregimes, wie der Iran. Im Iran werden die Menschen für ihre friedlichen Bedürfnisse umgebracht und ihre Mörder reisen grinsend in den Westen ein und werden auch noch herzlich empfangen."
Hast du nicht vor deine Entführung zu verfilmen?
"Was für ein Zufall, dass du das erwähnst. Meine Freunde haben mir das auch vorgeschlagen. Ich denke darüber nach und es könnte eine gute und aufklärende Arbeit werden, aber ich brauche erstmal eine Distanz zum Geschehen."
Was ist mit deinem Handy und deinen Dokumenten, die du bei dir während der Entführung hattest, passiert?
"Sie haben mir alles weggenommen. Ich besitze diese nicht mehr."
Was möchtest du zum Abschluß sagen?
"Ich bedanke mich noch mal herzlich bei allen, die mich unterstützt haben. Morgen, am Jahrestag der Iranischen Freiheitsbewegung, grüße ich alle meine Landsleute, die sich für Freiheit und Frieden einsetzen und ich bedauere sehr, dass ich morgen nicht bei der Demo in Köln sein kann, aber ich grüße alle und mein Herz ist bei allen Nedas und Sohrabs."
Vielen Dank für das Gespräch.
(Bild & Text: Akhtar Impertro-Ghasemi)
mehriran.de
Die Journalistin Akhtar Impertro-Ghasemi hat mit dem kürzlich in Köln entführten, aus dem Iran stammenden Filmemacher Daryush Shokof ein Interview geführt, das zunächst auf der Seite "mehriran.de" erschienen ist. FreieWelt.net veröffentlicht das Interview hier in voller Länge mit freundlicher Genehmigung von Frau Impertro-Ghasemi und mehriran.de Ich trage meine Kamera und mein Diktiergerät mit mir, um ein Gespräch mit Daryush Shokof zu führen. Vielleicht werde ich eine Antwort auf die Unklarheiten, mit denen sich die Bewohner dieser Stadt und besonders die Iraner beschäftigen, finden.
Das Wetter ist warm und sonnig, ich stehe lange im Stau. Während der Fahrt denke ich darüber nach wer oder wie viele Personen hinter dieser Entführung stecken könnten. Ich erinnere mich an die Entführungen der 80er und 90er Jahre seitens der Islamischen Republik Irans, die mehr als hundert Iranische Oppositionelle weltweit entweder entführt und ermordert haben. Wir erinnern uns alle an den Terroranschlag an einige Iranische Oppositionelle im Mikonos Restaurant in Berlin.Oder das Attentat auf einen Iranischen Piloten, der ein Regimegegner war, in Hamburg und die Ermordung eines Iranischen Künstlers in seiner Bonner Wohnung. Ich versuche mich von diesen Gedanken zu entfernen und mich an mein letztes Treffen mit dem Iranischen Regisseur Daryush Shokof auf dem Filmfestival der Berlinale 2009 zu erinnern. Er sprach temperamentvoll und enthusiastisch vom Iranischen Kino und war kritisch gegenüber der Festivalaufnahme der von der Islamischen Republik Irans produzierten Filme. Ich komme an unserem Treffpunkt an. In einem Cafe in Porzmarkt. Zwei Männer in Zivil, die Polizisten sind, sitzen an dem Nebentisch, weitere Leibwächter stehen nicht weit von uns entfernt. Ich sehe Daryush mit grauem Bart, geschwächt und kraftlos sitzend. Er ist still und sieht abgemagert aus. Keine Spur mehr von seinem Temperament, das ich noch vom Filmfestival kannte. Er bestellt mir einen Kaffee und wir beginnen das Gespräch.
Ich sage, Daryush, erzähl mir, was ist geschehen. Wo warst du? Kannst du dich erinnern? Bevor er meine Fragen beantwortet, bedankt er sich aufrichtig für die große Unterstützung die ihm weltweit während seiner Entführungszeit entgegengebracht wurde. Er ist tief berührt, dass eine -so in seinen Worten- "unwichtige Person" wie er international solch einen Beistand erhielt. Sein besonderer Dank gilt Deutschland für den Schutz, den er von der Deutschen Polizei bekommt und für die Freiheit und Menschenrechte, die er in Deuschland erfahren durfte.
Dann beginnt Daryush meine Fragen zu beantworten, "normalerweise bin ich schlecht was Daten und zeitliche Angaben angehen, aber ich erinnere mich, dass es zwischen sieben bis acht Uhr abends am Friesenplatz in Köln passierte. Ich saß auf einer Bank in einer eher ruhigeren Stelle, am Ende der Bank saß noch ein älterer Herr. Ich war in Gedanken. Einige Meter entfernt von mir telefonierte ein junger Mann, der orientalisch aussah, laut mit seinem Handy. Ich wartete auf einen Freund. Ein Auto näherte sich und parkte gegenüber von mir. Kurz darauf kam der junge Mann auf uns zu und setzte sich zu mir auf die Bank. Er sprach Arabisch. Auf einmal spürte ich etwas spitzes, das gegen mich gedrückt wurde. Und dabei hörte ich in Deutscher Sprache: "Mach mit!"
Ich dachte zuerst es wäre ein schlechter Scherz. Weil es so unvorstellbar war. Aber er drückte kräftiger gegen mich, so dass ich merkte, dass er eine Waffe in der Hand hielt und er wiederholte diesmal lauter, dass ich mitmachen soll. Ich wurde zum Auto gedrängt. Zwei Personen stiegen aus dem Auto, einer hielt die Türe auf und ich stieg ein, ein anderer stieg von der anderen Seite ein. Ich saß in der Mitte. Sie bindeten schnell meine Augen zu und beklebten meinen Mund."
Warum hast du nicht um Hilfe geschrien?
"Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, es war wie in einem Spielfilm. Es waren nur einige Sekunden und wenn man nicht vorbereitet ist, glaubt man nicht, was da vor sich geht. Vielleicht sind wir um die 40 Minuten oder eine Stunde lang gefahren und die haben mich dann zu einem Ort gebracht, wo ich Treppen runtersteigen musste, ich glaube es war eine Art Keller. Der ältere Herr sprach Englisch mit arabischem Akzent. Er sagte zu mir, Daryush, du hast uns und den Islam beleidigt. Du bist gegen den Islam und du hast einen Film gedreht in dem du den Islam und Khomeini beleidigt hast. Ich sagte, lass mich dir sagen, dass ich nicht gegen den Islam bin. Und das was im Iran ist, ist nicht Islamisch und mein Film ist nicht antiislamisch, sondern regimekritisch. Wir diskutierten miteinander und er bemerkte, dass ich weder fanatisch, noch islamischfeindlich und auch kein Religionsgegner bin und dass ich für die Religionsfreiheit bin. Dann bemerkte er, dass ich für die Freiheit plädiere und gegen eine Regierung bin, die diese Freiheit unterdrückt. Wir diskutierten lange. Sie brachten Pizza zum Essen. Und sie fragten mich, was ich trinken möchte. Ich dachte Wasser wäre am sichersten und besten. Ich sagte, dass ich Wasser möchte. Aber das Wasser schmeckte irgendwie süß und bitter. Und jedesmal, wenn ich Wasser getrunken hatte, wurde ich kraftlos und schlief ein. Sogar der Tee, den ich trank hatte diesen Geschmack und ich bekam die gleichen Syndrome."
Was dachtest du in diesem Moment, wer diese Menschen sind?
"Ich dachte, das sind Araber, warum sollten vier Iraner Arabisch reden, es hätte keinen Sinn gemacht. Die waren ständig am telefonieren und haben scheinbar immer Befehle erhalten."
Waren deine Augen in dieser Zeit verschlossen?
"Meine Augen waren die ganze Zeit bis zu meiner Befreiung verschlossen."
Haben sie dich auch gequält oder geschlagen?
"Nein, gar nicht. Aber die jungen Herren waren aggressiv und ich glaube, wenn der ältere nicht da gewesen wäre, hätten die mich sich umgebracht. Es waren immer zwei Personen anwesend und ich schlief immer auf dem Boden und diese zwei Personen schliefen immer auf einer Bank. Aber nach einer Weile ließ einer von ihnen mich auf der Bank schlafen, und schlief selber auf dem Boden."
Wie kam es, dass sie dich wieder befreit haben?
"Sie brachten mich in das Auto und gaben mir wieder dieses Wasser. Meine Augen waren gebunden und mein Mund zugeklebt. Wir fuhren glaube ich auf die Autobahn, weil das Auto immer geradeaus fuhr, nicht nach rechts oder links abbiegte und auch nicht bremste. Die Fahrt dauerte vielleicht eine Stunde, dann hielten die irgendwo an und setzten mich raus und ich ging paar Minuten auf einem festen Boden. Dann fragte mich dieser Mann zum letzten Mal, ob ich es verstanden hätte was er von mir wolle.Wenn du "Iran Zendan" ("Irans Gefängnis") veröffentlichst, bringen wir dich um. Wenn du das verstanden hast, dann nicke mit dem Kopf. Ich nickte mit dem Kopf. Dann sagte er zu den anderen sie sollen mich nehmen. Einer führte mich zu einer Stelle, die mir vorkam wie ein Hügel. Neben einem Fluß. Dann befreite er meinen Mund und sagte, dass er mich ins Wasser werfen werde. Dann nahm er meine Augenbinde und warf mich innerhalb von zwei Sekunden ins Wasser."
War das Wasser tief?
Ich war unter dem Einluß der Medikamente oder was es auch immer war, was sie mir gegeben hatten, als ich ins Wasser geschubst wurde, kam ich mit den Füßen am Boden an und wusste, dass es nicht tief war. Ich bin geschwommen und kam an diesem Hügel, der zwei oder drei Meter hoch war, an. Dann wartete ich einige Minuten und ging dann durch einen dunklen, waldartigen Weg. Ich ging einige Minuten und sah dann Licht. Ich ging in Richtung des Lichtes. Da war ein Gebäude und ich hörte Stimmen, ich ging auf das Gebäude zu. Als ich zwei oder drei Treppen hochstieg, fiel ich in Ohnmacht."
Du hast dann auf Englisch um Hilfe gerufen? Stimmt das?
"Ja, ich habe auf Englisch gesagt, dass ich Shokof bin und entführt worden bin. Dann haben die, die mich gehört haben, die Polizei angerufen und ich kam ins Krankenhaus, wo ich immer noch in Behandlung bin. Vier Tage war ich im Krankenhaus. Ich habe Magenbeschwerden und leide an Übelkeit."
Was ergaben die Untersuchungen im Krankenhaus?
"Man weiß noch nicht welche Art von Gift mir gegeben wurde. Deswegen darf ich mir die Haare nicht mehr abrasieren, damit anhand der Haaruntersuchung herausgefunden werden kann, um welches Gift es sich handelte."
Daryush, wer denkst du steckt hinter der Entführung? Könnte es der Geheimdienst der Islamischen Republik sein?
"Das kann ich nicht sagen, aber es könnte sein, dass es Anhänger des Regimes waren oder islamische Fanatiker. Sogar heute gibt es in Berlin Gegende, wo eine Frau nicht in Sicherheit ohne Kopfbedeckung auf die Straße gehen kann. Jene haben solche Situationen erschafft. Man kann nicht den Islamischen Fanatismus kritisieren. Man kann nicht mit einem jungen Islamischen Fanatiker in Berlin einen Dialog führen. Man kann nicht mit so einem diskutieren."
Welche Erfahrungen hast du in dieser Zeit gemacht?
"Ich würde gerne aus dieser bitteren Zeit zwei schöne Erfahrungen erzählen: Seit den letzten vier Tagen habe ich erfahren, dass sich während meiner Entführungszeit über 500 Millionen Menschen aus verschiedenen Ländern Sorgen um mein Wohlbefinden gemacht haben, dabei bin ich nur eine geringe Person im kulturellen Bereich arbeitend. Aber wenn diese Gesichter der Islamischen Republik, die behaupten sie wären stark und groß, auch nur für 14 Minuten verschwinden würden, dann würden, glaub mir, 80 Millionen Iraner für 14000 Jahre Freude verspüren. Und niemand wird sie vermissen. Diese Dinge machen uns stärker und bestätigen uns. Ich habe vor den kompletten Film "Iran Zendan" ("Irans Gefängnis") kostenlos dem Institut "Schutz für Daryush Shokof" zu geben und ich möchte, dass die es auf ihrer Website veröffentlichen, damit alle Menschen der Welt es sehen können."
Welche Erwartungen hast du von der deutschen Regierung gegenüber der Iranischen Opposition?
"Das was die deutsche Regierung für mich getan hat, läßt mich für immer dankbar sein für die Freiheit und das menschliche System, welches menschenliebend ist. Ich habe keine Probleme mit der deutschen Regierung, aber mit dem System des Kinos hatte ich immer Probleme. Nach Freiheit zu streben und was Freiheit bedeutet, habe ich von diesem System hier gelernt. Ich bitte und wünsche mir von der deutschen Regierung, dass sie die Opposition im Iran und im Exil unterstützt und sich auf der Seite der Menschen zeigt und nicht an der Seite der Verbrecherregimes, wie der Iran. Im Iran werden die Menschen für ihre friedlichen Bedürfnisse umgebracht und ihre Mörder reisen grinsend in den Westen ein und werden auch noch herzlich empfangen."
Hast du nicht vor deine Entführung zu verfilmen?
"Was für ein Zufall, dass du das erwähnst. Meine Freunde haben mir das auch vorgeschlagen. Ich denke darüber nach und es könnte eine gute und aufklärende Arbeit werden, aber ich brauche erstmal eine Distanz zum Geschehen."
Was ist mit deinem Handy und deinen Dokumenten, die du bei dir während der Entführung hattest, passiert?
"Sie haben mir alles weggenommen. Ich besitze diese nicht mehr."
Was möchtest du zum Abschluß sagen?
"Ich bedanke mich noch mal herzlich bei allen, die mich unterstützt haben. Morgen, am Jahrestag der Iranischen Freiheitsbewegung, grüße ich alle meine Landsleute, die sich für Freiheit und Frieden einsetzen und ich bedauere sehr, dass ich morgen nicht bei der Demo in Köln sein kann, aber ich grüße alle und mein Herz ist bei allen Nedas und Sohrabs."
Vielen Dank für das Gespräch.
(Bild & Text: Akhtar Impertro-Ghasemi)
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