„Geld ist gemünzte Freiheit“, hat Dostojewski einmal geschrieben. Es ließe Eltern viele Möglichkeiten, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu gestalten. Diese Freiheit ist mancher ein Dorn im Auge, die keinen anderen Lebensentwurf als den eigenen dulden mag. Das gilt auch im Hinblick auf die Wahl von Eltern zwischen Erwerbsarbeit und Familienarbeit.
Überheblichkeit ist da anzutreffen, wo Dienstleister im Bereich der Bildung und Erziehung nicht dienen, sondern dominieren wollen. Manchen hat seine fachliche Ausbildung in einem Dienstleistungsberuf nicht gebildet, sondern verbildet. „Bildung beginnt bei der Betreuung“, ist ein Satz, der sich beispielsweise bei einem großen deutschen Sozialdienstleister findet. Hier wird indirekt in Abrede gestellt, dass im Elternhaus überhaupt Bildung stattfinden könne. Wer so redet, hat keinen Dienst an den Familien im Sinn, schon gar nicht im Sinn christlicher Nächstenliebe. Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zu der Forderung, familiäre Bildung und Erziehung gegenüber anderen Alternativen finanziell zu diskriminieren. Das Problem beginnt schon da, wo sich Erziehungsdienstleister als „Erziehungspartner“ gerieren und damit beanspruchen, dass sie den Eltern bezüglich der Rechte und Pflichten bei der Kindererziehung gleich gestellt seien.
Schließlich gibt es Probleme durch wirtschaftliche Rivalität. In dem Ausmaß, in dem außerfamiliäre Bildung und Erziehung zum Zweck der Erwerbstätigkeit betrieben wird, werden Betreuungsanbieter zu Konkurrenten der Eltern. Familien und außerfamiliäre Anbieter konkurrieren gegeneinander um die knappe Ressource der staatlichen Förderung. Von daher erklären sich manche Appelle der Betreuungsdienstleister, das staatliche Geld nicht in Familien zu geben, aus ökonomischen Rivalitäten. – Daneben gibt es Rivalitäten um die Schaffenskraft der Eltern. Die Wirtschaft fürchtet erklärtermaßen eine Verknappung von Arbeitskräften im Demografischen Wandel. Dem meint sie entgegen wirken zu können, indem Eltern sich weniger als bisher mit ihren Kindern beschäftigen und dafür stärker erwerbstätig sind. Als praktikables Steuerungsinstrument wird das Geld angesehen: die Entscheidung für Erwerbstätigkeit soll mit hohen Subventionen für den resultierenden Betreuungsbedarf abgefedert werden, während die Erwerbsausfälle mit voller Wucht auf die Eltern durchschlagen sollen, die sich für Erziehungsarbeit entscheiden. Solchermaßen kann man etlichen Eltern tatsächlich die Kindererziehung austreiben. Tragikomisch ist vor diesem Hintergrund aber das Lamento der Wirtschaftsverbände über die zunehmende Zahl unerzogener Lehrstellenbewerber.
FreieWelt.net: Nehmen wir einmal an, Sie hätten drei familienpolitische Wünsche an die Regierung frei. Was würden Sie sich wünschen?
Prof. Dr. Johannes Schroeter: Ich glaube, ich würde mir nur eines wünschen: Die Einführung eines Allgemeinen Wahlrechts in Deutschland. Jeder Staatsbürger muss zukünftig ein Wahlrecht haben, auch die Kinder. „One man, one vote“ – ein Mensch, eine Stimme. Nur so kämen die Familien zu einem politischen Gewicht, das auch ihrem Bevölkerungsanteil entspräche. Erst dann wird es politisch möglich sein, für eine nachhaltige familienpolitische Entwicklung die erforderlichen Stimmenmehrheiten zu finden. In den vergangenen beiden Bundestagen hat es immerhin schon zwei interfraktionelle Anträge gegeben, die genau diese Entwicklung zum Ziel hatten. Das stimmt mich hoffnungsvoll.
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Das Interview führte Kerstin Schneider
Foto: J. Schroeter