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28.05.2012
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Stefan Weber: Bevölkerung verliert Faden zu Öl-und Finanzmärkten
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik



Der österreichische Hörspielregisseur Stefan Weber hat sich für sein Hörspiel "Die raffinierte Seele" (morgen, 11.05.10 um 21:00 Uhr auf Ö1) mit dem Platzen der Öl- und Finanzblase und dem Scheitern des Standorts Dubai auseinandergesetzt. FreieWelt.net sprach mit Stefan Weber über die Machtsysteme Öl und Geld und darüber, wie der Bürger zu beiden den Faden verliert. 

FreieWelt.net: Was haben Geld und Öl gemeinsam?

Stefan Weber: Beides sind Machtsysteme, die  zu unvorstellbaren und damit virtuellen Grössen angewachsen sind und weiter wachsen werden. Niemand auf diesem Planeten kann sich die Summen an Geld und Öl, die da täglich fliessen wirklich vorstellen. Wenn man vor ein paar Jahren von Millionengewinnen oder -verlusten gesprochen hat, sind es heute Milliarden, morgen werden es Billionen sein. Das sind nicht mehr nachvollziehbare Grössen. Die Bevölkerung ist gerade dabei, den Faden zu den Öl- und Finanzmärkten zu verlieren. Das einzige Nachvollziehbare für den Bürger ist, dass er irgendwelchen  Konzernen oder Banken mit seinen Steuergeldern aus der Patsche helfen muss. Das ist eine Evolution hin zu einer gefühlten Ohnmacht innerhalb der Gesellschaft, die sich momentan gefährlich zuspitzt.
Ohne Geld kein Öl und ohne Öl kein Geld

FreieWelt.net: Was hat Sie bei Ihren Recherchen für Ihr Hörspiel "Die raffinierte Seele" am meisten überrascht?

Stefan Weber: Die ursprüngliche Frage, die ich mir gestellt habe, war: Existiert der Peak-Oil überhaupt, gibt es auf der Welt einen Moment, in dem die höchstmögliche Förderkapazität erreicht sein wird, kann man diesen Moment festmachen, oder ist das Fördermaximum bereits überschritten.

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Nach den ersten Interviews und Gesprächen mit Experten, Wissenschaftlern, Ölförderer wurde schnell klar: Den  Peak Oil als solches gibt es nicht. Er ist vielmehr im Zuge der Globalisierung ein wirtschaftliches und politisches Druckmittel geworden, das einen enormen Einfluss auf die Finanzmärkte ausübt.  Der Peak begleitet die Ölförderung und  die Finanzmärkte quasi als Gespenst seit Dekaden, ist virtueller Ursprung vieler Hysterien unzähliger Politiker und Staaten.

FreieWelt.net: Sie sprechen vom "Ende des Öls".  Ist eine Welt ohne Öl überhaupt denkbar?

Stefan Weber: Die Ölreserven sind endlich, das steht ausser Zweifel. Die Frage ist, wie gehen wir mit diesem Bewusstsein um. Jede Generation hat bis zum heutigen Tag  -zu recht- behauptet, dass die Folgende immer noch mit Öl versorgt sein wird. Das geht geht nicht endlos so weiter. Wenn man bedenkt, wie viele Produkte unseres Alltags mit Derivaten von Erdöl hergestellt werden, bedarf es eines gewaltigen Paradigmenwechsels für die Zeit nach dem Öl, da kann man nicht früh genug beginnen, sich auf dieses neu entstehende Weltbild vorzubereiten. Wie diese Welt aussehen wird, weiss ich nicht. Das hängt von vielen Parametern ab. Eine Welt ohne Öl wird Realität sein, ist aber unvorstellbar.

FreieWelt.net: Welche Rolle spielt Öl für die Weltpolitik?

Stefan Weber: Eine gewaltige. Wie ich schon sagte, Öl ist Grundlage unzähliger Produkte unseres Alltags. Und für alle diese Produkte existieren Märkte, die lukrativ sein wollen. Wie man seit einiger Zeit bemerkt, hat sich die Politik zum Vorzimmer -oder Sekretariat- der Wirtschaft gemacht. Die Politik bewegt sich im Kielwasser der Wirtschaft und führt die Vorgaben der Wirtschafts-  und Finanzwelt aus. Öl ist durch seine vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten zu einem versteckten Leader der Weltpolitik geworden.

FreieWelt.net: Was ist für Sie der wichtigste Bestandteil Ihres Hörspiels?

Stefan Weber: Wir haben hauptsächlich mit namhaften Vertretern aus der Öl-, Finanz- und Unternehmerbranche gesprochen, aber auch mit Vertretern von NGOs und unabhängigen Wissenschaftlern und Forschern. All diesen Menschen wurde Anonymität zugesichert. Beeindruckend war, dass die Gesprächspartner dadurch viel freier sprechen konnten und deshalb in der Produktion auch einige Neuigkeiten zu erfahren sind. Für den Zuhörer bedeutet die Anonymität der Sprechenden eine direkte Auseinandersetzung mit sich selbst, er weiss ja gerade nicht, ob es ein Spekulant ist, der da redet, einer der mit für die Krise verantwortlich ist, oder ob es jemand ist, der Katastrophen zu verhindern sucht. Da macht sich der Hörer auf eine innere Spurensuche und muss den Inhalt ohne Hinweis auf die Ecke, aus der er kommt, abwägen.

Das Interview führte Fabian Heinzel

zum ORF

(Foto: Stefan Weber)



Redaktion FreieWelt.Net, 10.05.2010 10:38 | Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

geldman sachs, 27.05.2010 13:33
Ihre Aussage: "Den Peak Oil als solches gibt es nicht", widerlegen Sie ja selbst. Peak Oil heißt, dass 50% der bekannten Ölreserven gefördert wurden.

Aus "Die Ölreserven sind endlich" folgt logisch "Eine Welt ohne Öl wird Realität sein". Was bedeutet das? Unsere Zivilisation, nennen wir sie die fossile Zivilisation, hat einen Anfang und wird ein Ende haben. Eine neue humane Zivilisation mit 6 Mrd. Menschen ist möglich, wenn sie solidarische Lebensformen auf Basis von nachhaltigen solaren Energien und intelligentem Ressourcenverbrauch verwirklicht.

Die Wegscheide wurde von den USA 1979 erkannt und verpasst.
http://www.hanzelhoff.com/blog/?p=4086

Sehen Sie sich mal in youtube Yimmi Carters "Malaise-Rede" an
http://www.youtube.com/watch?v=1IlRVy7oZ58

Carter schloss nicht wie üblich mit god bless you, sondern good night, wirklich ein grosser Präsident!


anno_domini, 17.05.2010 20:28
Die Endlichkeit des Öls ist ein Druckmittel der Grünen gefolgt vom CO2-Wahn. Die Unwirtschaftlichkeit von Windmühlen wurde der deutschen Bevölkerung noch nie in großem Maßstab erklärt. Immer wird von neuen Erfolgen und weiterem Ausbau der "Erneuerbaren" gesprochen ohne wirklich reale Größenordnungen zu nennen. Wieviel Windräder müssen denn für ein Atomkraftwerk gebaut werden. 1000, 5000, 10000? Keiner nennt Zahlen! Und wie teuer kommt uns das? Überrascht wurde ich, als ich las, dass lediglich nur ca. 15-20% der installierten Energie auch tatsächlich abgerufen werden kann. Ein solcher Wirkungsgrad ist miserabel. Keiner würde heute so schlechte Kraftwerke akzeptieren, wenn er es denn wüsste. Bei der Photovoltaik sieht noch um die Hälfte schlechter aus und nachts scheint der Mond.
Usw. usw. mit dem Ölpeak wird ne Menge schlechte und schädliche Politik gemacht. Wie werden eigentlich Meldungen gewürdigt, die besagen, dass Öl in Tiefen von 5000 m gefunden wird wie kürzlich bei Kanada. In diesen Tiefen gibt es nur Urgestein und keine Sedimente, also die These vom fossilen Öl ist hinfällig. Überall auf der welt findet man Öl. Siehe Vietnam. Die Amerikaner haben dort alles abgebohrt jedoch nicht tief genug. Die Legende vom fossilen Öl existiert bei den Ölgesellschaften nicht mehr. Deshalb hat Obama auch erlaubt im Golf von Mexiko zu bohren - sehr tief wie man weiß. Öl gibt es länger als den Grünen lieb ist, das steht fest.


Rainer Sagawe, 17.05.2010 13:12
Der Sachverständigenrat der Deutschen Bundesregierung hat vor einigen Tagen eine Vorabfassung seiner Studie zur Energieversorgung vorgestellt, fußend auf Berechenungen des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Stuttgart):
Danach ist es zu wirtschaftlichen Bedingungen möglich, die Stromversorgung komplett auf erneuerbare Energien umzustellen (mit Pumpspeicherwerken in Norwegen als Ausgleich).
Da noch etwas draufgelegt, fahren wir auch elektrisch - ohne Öl.
Wärme: Dämmung drückt den Verbrauch um 70 bis 80 Prozent, der Rest mit Wärmepumpe und Solarthermie. Jacobson und DeLucci, Stanford-University, USA, kommen zu ähnlichen Resultaten. Und in der Realität gibt es immer mehr Beispiele, die zeigen, dass es geht: Güssing, Morbach, Jühnde, Ostritz ...
Bleibt der stoffliche Ersatz: Kugelschreiber aus Maisstärke habe ich schon gesehen, Recycling muss eine entscheidende Rolle spielen: siehe den Ansatz von Prof. Braungart: "Cradle to cradle" = alles muss wiederverwendbar oder recylcebar sein, den 100% recyclebaren Bürostuhl hat er schon erfunden....

Beste solare Grüße
Rainer Sagawe



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