Jedenfalls hat die Bundesfamilienministerin bereits klar auf die umfassende familienpolitische Bedeutung dieses Urteils hingewiesen.
FreieWelt.net:
Die Regierung hat gleich nach ihrem Amtsantritt das Kindergeld und den Kinderfreibetrag erhöht. Eine zweite Erhöhung ist noch in dieser Legislaturperiode in Aussicht gestellt. Aus der Opposition, aber auch aus den eigenen Reihen der Regierungskoalition, werden diese Fortschritte im Familienlastenausgleich aber immer wieder heftig angegriffen. Auch andere familienpolitische Leistungen, etwa das Elterngeld oder das geplante Betreuungsgeld, geraten immer mehr in die Kritik. Worin sehen Sie die Ursachen für solche Angriffe?Dr. Albin Nees: Ganz unabhängig von weiterhin bestehenden Defiziten im Familienleistungsausgleich rächen sich hier die jahrelangen Fehl- und Halbinformationen über das tatsächliche Ausmaß der Familienförderung. Da war in der Vergangenheit von Milliardenbeträgen die Rede, die es bei genauem Hinsehen gar nicht gibt. Aber wegen der falschen Angaben ist der Eindruck entstanden, Familien seien die Hauptprofiteure der Steuerpolitik. Dabei sind wichtige Fakten in Vergessenheit geraten, vor allem, dass der Kinderfreibetrag kein Steuergeschenk ist, sondern lediglich die Besteuerung des Geldes verhindern soll, welches die Eltern für das Existenzminimum ihrer Kinder benötigen. Jede Regierung sollte betonen, dass das Existenzminimum immer steuerfrei bleiben muss – auch das der Kinder. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit muss Wahrheit und Klarheit gelten, nicht Schönfärberei.
FreieWelt.net:
Nehmen wir einmal an, Sie hätten drei familienpolitische Wünsche an die Regierung frei. Was würden Sie sich wünschen?Dr. Albin Nees: Erstens die baldige und vollständige Umsetzung der noch immer ausstehenden Vorgaben aus mehreren großen Familienentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Dabei geht es um die Verwirklichung von Steuergerechtigkeit, um Wahlfreiheit für Familien und um die familiengerechte Reform der sozialen Sicherungssysteme, vor allem im Bereich des großen Generationenvertrages der Rentenversicherung. Damit das kein frommer Wunsch bleibt, muss die Regierung umgehend eine unabhängige Kommission einsetzen, die die Umsetzungsschritte anregt und überwacht.
Zweitens wünsche ich mir, dass die Regierung eine Kampagne startet, um der Gesellschaft wieder bewusst zu machen, wie wichtig für ihre eigene Zukunft die Leistungen sind, die in den Familien und von den Familien erbracht werden – nicht nur in der Kindererziehung, sondern auch in der Pflege alter Menschen.
Und drittens wünsche ich viele Mitstreiter im Solidarpakt für Familien, den der Deutsche Familienverband ausgerufen hat. Denn nur wenn sich alle Menschen, die in diesem Land Verantwortung tragen, in einem neuen Gemeinschaftswerk zusammentun, können wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, die man braucht, um die Familie zu stärken, also die Institution, welche zu Recht als Fundament eines zukunftsfähigen Staates und einer lebendigen Gesellschaft bezeichnet wird.
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Das Interview führte Kerstin Schneider
Foto: R. Magunia/ddp