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28.05.2012
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Beatrix Oldenburg: Wir brauchen unsere Steuern selbst
Weitere Themen: Finanzkrisen, Allgemein, Wirtschaftspolitik



Mehr als 8 Milliarden Euro deutsches Steuergeld sollen nach dem Willen der Bundesregierung für Griechenlands Schulden augegeben werden. Um dem Einhalt zu gebieten und das Geld der Bürger zu schützen hat die Zivile Koalition jetzt auf www.Abgeordnetencheck.de die Initiative "Kein Steuergeld für Griechenlands Schulden!" gestartet. FreieWelt.net sprach mit der Vorsitzenden der Zivilen Koalition, Beatrix Herzogin von Oldenburg, über die Aktion, an der sich alle Bürger mühelos beteiligen können.

FreieWelt.net: Die Zivile Koalition startet aktuell auf der Seite www.Abgeordnetencheck.de die Initiative „Kein Steuergeld für Griechenlands Schulden“.  Mit drei Klicks kann jeder Bürger seinen Abgeordneten erreichen und gegen Steuergelder für Griechenland protestieren. Warum wollen Sie nicht, dass deutsches Steuergeld in den griechischen Staatshaushalt fließt?

Beatrix Herzogin von Oldenburg:  Die Bevölkerung ist sich weitestgehend einig. Alle Ökonomen raten dringend davon ab. Der ganz normale Menschenverstand sagt einem, dass wir unmöglich die Misswirtschaft eines Landes ausbaden können.  Wo soll das aufhören? Wenn wir dieses Faß öffnen, bekommen wir es nicht mehr zu.  Wir haben bei uns kein Geld für dringend notwendige Steuerentlastungen, für Bildung und Forschung, für Kinder und Familien- und dann sollen wir den griechischen Staatsbeamten eine Rente mit 52 und den Postmitarbeitern von 3.500 € monatlich bezahlen, wovon heute die Bild-Zeitung berichtete? Irgendwo ist Schluss. Und zwar genau hier. 

Mit welchem Argument können wir Griechenland unterstützen und später Italien und Spanien die Tür weisen? Das ist ausgeschlossen. Deswegen muss die Tür für Griechenland jetzt zu bleiben.

Außerdem wäre unser Geld eine Belohnung nicht nur für unsolides Haushalten, sondern auch für ganz bewusste Bilanzfälschungen. Griechenland wird so weitermachen wie bisher - mit ein paar Einschnitten hier und da- und bald wird niemand mehr die Stabilitätskriterien erfüllen.  Das würde die Stabilität des gesamten Euroraums gefährden, denn In Portugal, Italien und Spanien sieht es schon jetzt kaum besser aus  als in Griechenland.

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  Wir, die Zivile Koalition, können ein derart riskantes Spiel der Politik nicht einfach hinnehmen.  Hier steht wirkliche die Zukunft des Euros und damit irgendwie auch Europas auf dem Spiel. Deshalb haben wir die Seite www.Abgeordnetencheck.de ins Leben gerufen, auf der die Bürger unmittelbar Einfluss auf ihre Abgeordneten nehmen können.

FreieWelt.net: Und wie funktioniert das?

Beatrix Herzogin von Oldenburg:  Eigentlich ganz einfach: jeder Bürger kann mit drei Klicks seinen Abgeordneten erreichen und ihn mit einem weiteren Klick eine Petition zusenden und ihn auffordern, Stellung zu beziehen. Der Abgeordnete ist dann aufgefordert zu antworten. Die Antworten, so der Bürger diese an den AbgeordnetenCheck weiterreicht, werden veröffentlicht. So wird transparent, welcher Abgeordnete welche Position zu der Kampagne bezieht. In der Regel wird zwischen den „Unterstützern“, den „Blockierern“ und den noch „Unentschiedenen“ differenziert. In einer 2. Aktionswelle werden dann die „Unentschiedenen“ noch einmal angegangen.

FreieWelt.net: Gehen Sie davon aus, so tatsächlich politische Entscheidungen beeinflussen zu können?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Absolut.  Fast alle führenden Ökonomen sind sich einig, dass Hilfen für Griechenland keine gute Idee sind.  Es handelt sich ja nicht um eine Naturkatastrophe, sondern um ein selbstverschuldetes Problem, unter dem schon bald die Menschen in der gesamten Europäischen Union leiden könnten.  Deshalb wollen die vier Wirtschaftswissenschaftler Joachim Startbatty, Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider auch gegen eine mögliche Übernahme der griechischen Schulden, einen sogenannten „Bailout“ klagen.  Genau dieser Bailout wird nämlich aus gutem Grund von den europäischen Verträgen explizit verboten.

Man sollte auch nicht vergessen, dass Finanzhilfen für Griechenland eine weitere Subvention der Großbanken wären.  Die Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen ist trotz der Besorgnis um eine griechische Zahlungsunfähigkeit in die Höhe geschnellt. Die Anleger wollen von den hohen Zinsen profitieren und erwarten, dass die Risiken unter  anderem auch der deutsche Steuerzahler übernimmt. Gérard Bökenkamp hat das in seinem Beitrag „Die Büchse der Pandora“ sehr anschaulich dargestellt.  Trotzdem ist von immer mehr Geld für Griechenland die Rede.  Erst hieß es 6,6 Milliarden aus Deutschland, jetzt sind wir schon bei über acht.  Und alles klar: das sind die Beträge für das Jahr 2010. In 2011 wird nachgelegt werden müssen.
Wir leben aber in einer Demokratie, wo Politiker damit rechnen müssen, abgewählt zu werden, wenn sie das Volk nicht repräsentieren.  Der Abgeordnetencheck ist ein Instrument, mit dem sich die Bürger Gehör verschaffen können.

FreieWelt.net: Dafür gibt es Wahlen.

Beatrix Herzogin von Oldenburg:  Sicher, aber wählen können Sie nur alle vier Jahre.  Es werden jedoch jeden Tag Gesetz gemacht.  Der AbgeordnetenCheck sorgt dafür, dass Abgeordnete auch zwischen den Wahlen ganz konkret Position beziehen müssen.

FreieWelt.net: Über Staatshilfen für Griechenland wird auf Bundesebene entschieden.  Die Kampagne findet aber sowohl im Bund als auch im Land Nordrhein-Westfalen statt. Warum?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Über den Bundesrat haben Landtagsabgeordnete die Möglichkeit, Einfluss auf wichtige politische Entscheidungen zu nehmen.  Und gerade die Landtagswahl in NRW ist eine Richtungswahl.  Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsstärkste Bundesland und stellt damit die meisten Wähler.  Alle Parteien werden aus dem Ergebnis der Landtagswahl Rückschlüsse auch für die Bundespolitik ziehen.  Daher ist auch die Position der Landtagsabgeordneten in dieser Frage sehr wichtig.

Schreiben Sie Ihrem Bundestagsabgeordneten!

Schreiben Sie Ihrem Landtagsabgeordneten in NRW!

(Foto: Beatrix Oldenburg)



Redaktion, 26.04.2010 21:25 | Kommentare (10)




 
  Kommentare (10)

Robert Rothmann, 07.05.2010 20:30
Die EU hat sich zu einer realen
Mafia etabliert. Deutschland ist kein
Rechtsstaat mehr. Der Bürger muß für
jeden Euro Prozesse führen,während sich die "etablierten" Banditen ihren geklauten Wohlstand auf dem goldenen Teller servieren lassen. Wann ergreifen wir uns sie!


Petra, 05.05.2010 08:30
Die Bürger, jetzt in NRW, müssen aber auch mal eine Wahlkonsequenz ziehen. Das heißt, den etablierten Parteien die Stimme verweigern und beispielsweise Pro NRW wählen. Sonst wird sich nichts ändern.

Klimax, 03.05.2010 19:25
@Koch: "In Deutschland werden dringend Gelder gebraucht für Straßen,Kindergärten,Schulen um nur einige zu nennen "

Und für den Feminismus, um einmal auf Frau Doppelname anzuspielen. Was glauben Sie, was uns die Subvention der FrauenbeauftragtInnenindustrie mitsamt Gender-mainstreaming, die Installation totalitärer Strukturen (!) also, von denen dann Frau Doppelname über Wasser gehalten wird, kostet?

Steuergelder für Schulen wären da, würden sie nicht für sinnlose und wissenschaftlich unhaltbare Ideologien ausgegeben.

Dann könnte man auch den Griechen, nicht für Beamte, aber wenigstens für die Instandhaltung der Akropolis etwas geben.


Detlef Koch, 02.05.2010 11:41
Um eine Änderrung zu schaffen ist es zu spät, denn es ist doch schon Beslossene sache daß das Geld nach Grichenlan geht.Den Deutschen kann mann ja Melken wie es einem beliebt . Wir sind schon seit Jahrzehnten die Melkkuh der Nationen.In Deutschland werden dringend Gelder gebraucht für Straßen,Kindergärten,Schulen um nur einige zu nennen dies wird alles auf die einzelnen Länder abgewälzt ,den Rentnern streicht man schon seit Jahren immer mehr Rente und dann sollen wir auch noch ein Land Unterstützen das keine Steuer erhebt sollen sie eerst einmal Steuern erhebn dann können sie auch wieder Wirtschaften,ansonsten keinen Cent für diese Mißwirtschaft.

Gero Pischke, 02.05.2010 00:06
Doch, wir können anders und alle EU-Staaten könnten es, wenn sie den Mut aufbrächten und bereit sind die kurzfristigen negativen Konsequenzen zu tragen. Denn: Die "Rettung" (eigentlich Siechtumsverlängerung) von Banken (also Mehrheiten von natürlichen Personen, direkt oder indirekt beteiligt) hilft natürlich den verantwortungslosen Griechen. Denn es wird jedem dummen Käufer von Staatsanleihen, der auf staatliche Seriösität vertraut signalisiert: Macht ruhig weiter so. Direkt oder indirekt werden die anderen euch alimentieren (egal ob über Banken oder direkt). Insofern wird den Griechen klar geholfen und sie werden es wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wie der Junkie, der sich für die Hilfe zum nächsten Rausch bedankt. Aber auch der wird sich durch die Hilfe nicht ändern. Warum auch?

Dieter Ripp, 01.05.2010 13:30
Wir helfen nicht dem Griechischen Volk. Wir helfen wieder einmal u.a. den Deutschen Banken z.B. HRE (mit 10 Mrd involviert). Da diese Bank dem Deutschen Steuerzahler gehört, können wir garnicht anders als weiter Steuergelder nach Griechenland pumpen.

Gero Pischke, 29.04.2010 23:26
Liebe Herzogin von Oldenburg,

danke für Ihre Initiative. Ich habe die Mail gleich losgeschickt. Auch ich halte die Hilfen für eine Katastrophe. Nun brechen Dämme. Ich vertraue unserer Währung nicht mehr (wie auch keiner anderen ungedeckten beliebig vermehr- und manipulierbaren Währung).

Gestern stand im Handelsblatt, dass Allianz, Munich Re und Deutsche Bank klar davon ausgehen, einen Totalverlust ihrer Griechenland-Engagements verkraften zu können. Und das wird bei allen professionellen Kapitalanlegern so sein. Klar, wozu gibt es das Vernunftgebot der Risikostreuung! Also sollen bitte diejenigen, die die Spreads (Risikoaufschläge auf den sog. risikolosen Zins) in der Vergangenheit gerne kassiert haben, nun bitte auch mit der Realisierung des Risikos leben und einen kleinen Teil ihrer Ersparnisse abschreiben. Was solls? So ist das Leben. Das Risiko atomisiert sich übrigens über die freiwillig direkt Beteiligten auf die vielen freiwillig indirekt Beteiligten. Es wird niemandem wehtun. Aber ein Transfersystem, was unseriöse Staaten belohnt, wird jedem wehtun, weil sich die Transfersummen rasch vermehren werden und weil Leistung und Seriösität dann immer noch mehr bestraft werden.

An die Feministin mit dem unerträglichen Doppelnamen: Das dümmste Gesicht würden diejenigen machen, die vom Staat leben, also vermutlich auch Sie. Intelligente Wesen verlassen sich weder auf Staat noch auf ungedeckte Währung (Griechenland ist ja gerade das beste Beispiel).

Ich kann das Ende unserer leistungsfeindlichen Wohlfahrtsdiktatur kaum erwarten!


Astrid Lender-Deehagen, 27.04.2010 15:32
"Gnädigste" Oldenburg !!!

Freue mich schon auf den Tag,an dem unser ach so geliebtes deutsches Vaterland pleite sein wird,und alle Nachbarländer uns die Hilfe verweigern werden.Da freue ich mich schon auf die Gesichter,die man in Ihren Kreisen dann ziehen wird.Leute wie Sie und co.sind wirklich nicht mehr zu retten!!
Alice sei mit Ihnen !!

Astrid Lender-Deehagen/Feministin


Freigeist, 27.04.2010 14:16
Es ist nur ein Kredit mit Zinsen - keine Zahlung, die endgültig verloren wäre. Frankreich trägt mit 6,3 Mrd., Italien mit 5,5, Mrd. und alle anderen Euro-Staaten tragen ebenfalls zum Griechenland-Kredit mit bei. Die Hysterie bezüglich eines totalen Kreditausfalles ist übertrieben. Man blicke in die Geschichte. Selbst das überaus marode Argentinien hat an die privaten Anleger noch 40% der Kreditsumme bezahlt. Die argentinischen Schulden an den IWF z.B. wurden alle bezahlt. Ich bin für die Griechenland-Kredite. Solle Griechenland jedoch weiterhin die Reichen derart bevorzugen, indem diese kaum Steuern bezahlen, weil Finanzbeamte geschmiert werden, sollte der Kredithahn zugedreht werden. Wir sind heutzutage in der Lage, aufgrund der Elektronik, Steuerbetrug viel viel effizienter aufzudecken. Griechenland hat keine andere Wahl und könnte in einigen Jahren, nach einer Super-Reform, besser dastehen als Deutschland heute.

Fischer, Peter, 27.04.2010 10:31
vielen Dank für diese längst fällige Initiative. Unsere Politiker wollen mal wieder über den Willen der Bürger hinweg entscheiden, um uns dann vor vollendete Tatsachen stellen zu können! Dies können wir ihnen zumindest etwas schwerer machen, denn nichts fürchten unsere Abgeordneten mehr, als abgewählt zu werden.


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