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Der real existierende Feminismus und seine Blockflöten
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Gastbeitrag von Arne Hoffmann
"Es ist ein Allgemeinplatz geworden zu sagen, der Feminismus ist tot", erklärte die liberale amerikanische Feministin Wendy McElroy im Mai 2008 in einer Rede vor einer Gruppe von Männerrechtlern. "Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß, das die beste Hoffnung des Feminismus – vielleicht seine einzige Hoffnung, jemals wieder Bedeutung zu erlangen – darin besteht, den Männern zuzuhören, die Gerechtigkeit verlangen. Wenn sie sprechen, klingen ihre Stimmen wie der Frauen in den sechziger Jahren, als die Frauenbewegung wie eine Naturgewalt durch unsere Kultur fegte und sie für immer verändert zurückließ. Die Frauen verlangten von den Männern: Gewährt uns gleiche Rechte, gewährt uns Respekt. Vierzig Jahre später hat sich die Situation umgedreht. Jetzt sind es Männer, nicht Frauen, die gegen die systematische Diskriminierung ihres Geschlechts protestieren."
McElroy nannte einige der Anliegen der neuen Männerrechtsbewegung und erklärte weiter: "Der Feminismus der sechziger Jahre war eine kulturelle Revolution. Und es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass eine neue Revolution im Anmarsch ist – dieses Mal angeführt von Männern. Sie wird nicht angeführt von Stimmen der Elite oder gefördert von Organisationen, die mit Steuergeldern ausgestattet sind. Es ist eine Graswurzelbewegung, bestehend aus Individuen, die vom System dermaßen zusammengeprügelt worden sind, dass sie jetzt einen Großteil ihres Lebens damit verbringen Nein zu sagen. Die typische Frau, die sich für Männerrechte ausspricht, tut das aufgrund einer Verpflichtung zur Fairness und einer Sorge für die überwältigende Mehrheit der Männer in unserem Leben, die anständige Menschen sind … unsere Väter, Brüder, Söhne … unsere Freunde." Der Einsatz dieser Frauen nutze nicht zuletzt auch ihrem eigenen Geschlecht: "Denn es kann keinen Frieden oder guten Willen in unserer Gesellschaft geben, solange das Gesetz verschiedene Kategorien von Menschen unterschiedlich behandelt, solange fünfzig Prozent der Bevölkerung – Männer – Bürger zweiter Klasse sind. Umgekehrt müssen Frauen aufhören, sich auf einen paternalistischen Staat und sie bevorzugende Gesetze zu verlassen. Wir müssen auf eigenen Füßen stehen."
Die Forderungen, die McElroy im weiteren Verlauf ihrer Rede erhob, um wahre Gleichheit zu erreichen, decken sich mit den Forderungen der Männerrechtsbewegung. Zu ihnen zählen: Die Streichung aller Quoten und ähnlich sexistischer Frauenfördermaßnahmen. Die generelle Einrichtung geteilten Sorge- und Umgangsrechts nach Scheidungen. Männliche Opfer häuslicher und sexueller Gewalt sollten ebenso umfassende Hilfe erhalten wie weibliche. Die Voreingenommenheit gegenüber Jungen in unserem Erziehungswesen und anderen von Steuergeldern abhängigen Einrichtungen müsse bekämpft werden – vielleicht sogar durch einen Steuerboykott. Solche Dinge, so McElroy, würden einen guten Anfang darstellen.
Eine der Frauen unseres eigenen Landes, die sich aufgrund ihrer Verpflichtung zur Fairness und einer Sorge um die Männer entschlossen hatte, die Männerrechtsbewegung zu unterstützen, ist Monika Dittmer, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar. Sie engagiert sich in der geschlechter- und lagerübergreifenden Initiative AGENS dafür, dass nach vierzig Jahren Einseitigkeit auch die Anliegen und Bedürfnisse des männlichen Geschlechts Gehör finden. "In einem emanzipatorischen Sinne muss es gelingen, die private und gesellschaftliche Sprachlosigkeit und Lähmung vieler Männer zu überwinden" lautet eine von Dittmers Forderungen. "Eine subtile Männerverachtung hat sich in unserer Gesellschaft breitgemacht, ebenso wie eine Aussonderung der Väter aus den Familien. Wenn nur ein Geschlecht gewinnt, verlieren beide."
Aber Dittmers Gespür für Fairness stößt hierzulande auf wenig Gegenliebe – sondern auf offene Anfeindungen. "Das Wirken der Gleichstellungsbeauftragten ist mittlerweile von unseren Vorstellungen weit entfernt", erklärte Doris Juranek von der Fraktion der Goslarer Grünen in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt. "Ihren bisherigen Tätigkeiten nach will sie Benachteiligung von Männern aufzeigen und beseitigen – dies ist nicht unser politischer Wille und wir denken, damit auch im Rat nicht allein zu stehen!" Die Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sei den gelten Verordnungen zufolge schließlich, "diskriminierende strukturelle Barrieren für Frauen sichtbar zu machen". Die Worte "für Frauen" waren in dem Brief dick unterstrichen. Da sage noch mal einer, die Grünen hätten Einwände gegen Sexismus in unserer Gesellschaft.
Nicht nur das Engagement Wendy McElroys in den USA verrät, das man in der Geschlechterdebatte im Ausland wesentlich weiter ist als hierzulande. Das zeigt etwa auch ein Blick nach England. Dort machte das National Centre for Domestic Violence vor einigen Wochen mit einer speziellen Kampagne im Fernsehen, im Radio und in Zeitschriften darauf aufmerksam, dass die Polizei alle drei Minuten einen Notruf von einem Mann wegen häuslicher Gewalt erhält, dass insbesondere schwere Gewalt zwischen den beiden Geschlechtern gleich verteilt sei, dass pro Jahr vier Millionen Männer zu Opfern werden und alle drei Wochen ein Mann infolge häuslicher Gewalt stirbt.
Als vor einigen Jahren ähnlich erschütternde Zahlen aus den USA gemeldet wurden, versuchten viele deutsche Feministinnen noch abzuwiegeln: Bei den Vereinigten Staaten handele es sich doch um eine gänzlich andere Kultur, in Deutschland sähe das bestimmt komplett anders aus. Nun liegen vergleichbare Erkenntnisse aus den unterschiedlichsten Staaten dieser Erde einschließlich Deutschland vor – aber in unserem Land bleiben sie noch immer tabuisiert. Häusliche Gewalt wird in den Köpfen wohl der meisten Deutschen noch immer gleichgesetzt mit "Gewalt gegen Frauen". Auch hier sind es wieder Männerrechtsgruppen wie MANNdat und AGENS, die an diesem Tabu rütteln. So erklärte der renommierte Soziologe Professor Gerhard Amendt, Gründungsmitglied von AGENS, in mehreren Fachbeiträgen, dass häusliche Gewalt in der Realität mit dem prügelnden Patriarchen in der feministischen Ideologie wenig zu tun habe, sondern vielmehr systemisch, also wechselseitig erfolge. Das ist keine private Theorie Amendts, sondern der Stand der internationalen Forschung zu diesem Thema. Aus diesem Grund fordert Amendt die Abschaffung von Frauenhäusern, in denen oft nur der Hass geschürt werde, zugunsten von Familienhäusern für beide Geschlechter.
Fast schon erwartungsgemäß kam es nach dieser Forderung zu heftigen Angriffen auf den Soziologen. Den Düsseldorfer Männerkongress 2010 konnte Amendt sogar nur mit dem Schutz von Leibwächtern besuchen. Besonders heftige Anfeindungen gab es darüber hinaus von profeministisch ausgerichteten Männern. So versuchte zunächst der Publizist Thomas Gesterkamp in einem Pamphlet für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, Amendt und etliche andere Aktivisten aus der von Wendy McElroy beschriebenen Graswurzelbewegung in die rechte Ecke zu schieben (die Freie Welt berichtete). Konkrete Belege für diese mehr als gewagten Unterstellungen fehlten und wurden trotz mehrfacher Anfrage bis heute nicht nachgeliefert. Und ein sogenanntes Bundesforum Männer, das vom Bundesfrauenministerium finanziert wird, legte inzwischen nach: "Wir sind der festen Überzeugung, dass sich die bisher von Herrn Amendt, der Gruppe AGENS oder anderen Protagonisten ähnlicher Gruppierungen geäußerten Positionen in weiten Teilen nicht mit dieser Plattform vereinbaren lassen. Eine mögliche Zusammenarbeit steht daher überhaupt nicht zur Diskussion."
Die Reaktionen, die diese Verlautbarung in Diskussionsforen des Internets erhielt, waren eindeutig: Offenbar, so lautete dort der einhellige Tenor, wollten hier einige Männerpolitiker an die staatlichen Fördertöpfe und waren dafür bereit, moralische Prinzipien fahren zu lassen. Vielen Kommentatoren war die Enttäuschung darüber anzumerken, das anstelle der lange überfälligen progressiven Männerrechtsbewegung weiterhin nur wieder die Alt-Achtundsechziger vom Ministerium gehört werden, weiterhin nur der feministisch korrekte Mann der "erlaubte Mann" sein soll. Von einem besonderen Engagement für männliche Opfer häuslicher Gewalt vernimmt man von den Mitgliedern des genannten Bundesforums in der Tat wenig. Selbst Hans-Joachim Lenz, der früher als Pionier für die Erforschung männlicher Gewaltopfer allgemein anerkannt war, ließ sich für einen, wie er selbst es schließlich erkannte, "strategischen Schachzug" des Frauenministeriums instrumentalisieren, der damit endete, dass das Ministerium sich jeglicher weiterer notwendigen Forschung zu diesem Thema verweigerte. Davon schien Lenz wenig gelernt zu haben: Als Bürgerrechtler wie AGENS politische Konsequenzen aufgrund der bereits vorliegenden Ergebnisse über männliche Gewaltopfer forderten, hatte Lenz nichts Eiligers zu tun, als sich von ihnen zu distanzieren. Noch bedenklicher: Im Bundesforum Männer tummeln sich Gruppen wie der Verein "für aktive Patriarchatskritik" Dissens. Dieser Verein war Ende 2006 in der Zeitschrift SPIEGEL wegen seiner Jungenarbeit kritisiert worden, bei der es um die "Zerstörung von Identitäten" gehe und deren Ziel, so zitierte der SPIEGEL den Verein, nicht "der andere Junge" sei, sondern "gar kein Junge". Diese Haltung hatte damals in einer wissenschaftlichen Stellungnahme auch Professor Gerhard Amendt als "Skandal in der Sozialpädagogik" in Frage gestellt. Will man sich durch die Ausgrenzung von Amendt & Co. gegen solche Kritik abschotten?
Der Vergleich des Bundesforums mit den sogenannten Blockflötenparteien in der DDR liegt nahe. Dabei handelte es sich um politische Parteien, die in realsozialistischen Staaten neben der herrschenden kommunistischen Partei existierten, mit dieser in einem Parteienblock zusammengeschlossen waren, aber keine eigentliche Macht ausüben durften. Sie standen nicht in Wahlkonkurrenz zur herrschenden Partei, sondern sollten lediglich den Anschein eines Parteienpluralismus erwecken und die kommunistische Regierungspolitik Nichtkommunisten nahebringen. Zwar regiert im Deutschland von heute im Gegensatz zur DDR von damals keine Einheitspartei, aber die herrschende Ideologie des althergebrachten Feminismus bleibt dieselbe, egal ob gerade rotgrün oder schwarzgelb regiert. Wenn Wahlen nichts mehr ändern, dann ist die totalitäre Gesellschaft nah. Sie ist auch nah, wenn in einer politischen Debatte nur ein Standpunkt vertreten werden darf und Gegenansichten als "keiner Diskussion würdig" abgewatscht werden. Leider finden sich immer wieder Scharen von Leuten, die zwar so tun, als würden sie eine eigene Position einnehmen, aber nur zu gerne bereit sind, sich den offiziellen Vorgaben anzupassen, solange sie dafür vom Staat gestützt werden.
Die Selbstbezeichnung "Bundesweite Interessenvertretung für Männer" stimme sogar, spottete der MANNdats-Vorsitzende Dr. Eugen Maus, "wenn man weiß, dass es ausschließlich die Interessen dieser erwerbsmäßigen 'Männerarbeiter' sind, die dort vertreten werden sollen. Es geht darum, koordiniert öffentliche Mittel abzugreifen. Und öffentliche Mittel gibt es hierzulande nun mal nur für systemkonforme 'Männerarbeit', das heißt für profeministisch frauenzentrierte Umerziehungsarbeit am Manne. Innovativ ist daran überhaupt nichts. Von der defizitären rechtlichen und politischen Situation der Männer ist gleich gar keine Rede bei dieser Versammlung von Ewiggestrigen. Der Mann ist für sie lediglich Objekt und Vorwand, um ihre kruden gesellschaftspolitischen Vorstellungen verkaufen zu können. Dass sie uns nicht mögen, versteht sich beinahe von selbst. Die kritische, politisch fordernde Männerbewegung, wie sie AGENS oder MANNdat vertritt, stellt ja womöglich eine Gefahr für ihre Pfründe dar."
Auch andere Reaktionen in den unterschiedlichsten Internetforen sind deutlich. "Merkwürdigerweise fehlen bei den Unterstützern sowohl der Deutsche Frauenrat wie auch die EMMA, die man dort wohl hätte erwarten können" heißt es im Forum der Piratenpartei. Und ein Mitglied im Diskussionsforum von MANNdat fühlt sich ebenfalls an die Strategie des Sozialismus in der DDR erinnert: "Wenn feministische Medienschaffende auch mal DIE Männer zu Gehör kommen lassen wollen, dann wird man sich an diese Sprecher DER Männer wenden, die dann genau das Liedchen trällern werden, das ihre HerrInnen von ihnen erwarten. Sie werden im real existierenden Feminismus die Rolle der gerade noch offiziell geduldeten, systemkonformen 'Opposition' spielen dürfen, genau wie jene gerade noch geduldeten, sozialistischen Systemkritiker im real existierenden Sozialismus, die ein bißchen mosern durften, aber doch das grundsätzlich Gute am Sozialismus zu betonen niemals müde wurden." In der Tat gehört die "Erstellung einer Datenbank mit Ansprechpartnern" (offenbar für Journalisten) zu den selbstgesteckten Aufgaben des Bundesforums. Anscheinend ist bei der Auswahl dieser "Ansprechpartner" eine politisch genehme Haltung wesentlicher als Kompetenz in der Sache. Der Preis dafür dürfte sein, dass Deutschland in der Geschlechterdebatte weiter um Jahre zurückbleibt – und dass beispielsweise männliche Opfer häuslicher Gewalt nicht die Hilfe erhalten, die nötig wäre.
Das alles wirkt in der Tat wie eine Erfolg versprechende Strategie. Und noch scheinen die erwerbsmäßigen Männerarbeiter gegenüber den sich pro bono engagierenden Graswurzelaktivisten sicher im Sattel zu sitzen. Aber die politischen Geschicke drehen sich mitunter schneller, als mancher glaubt. Auch der Sozialismus ging rascher zuende, als viele dachten. So berichtete unlängst die Zeitschrift "Newsweek" von dem ungarischen Reformpolitiker Miklos Nemeth, der sich im Mai 1989 an die Spitze einer immer unzufriedener gewordener Bürgerbewegung gestellt hatte. Eine von Nemeth geplante Parade dieser Bewegung war allerdings von dem Führer der kommunistischen Partei, Karoly Grosz, zugunsten eines Picknicks abgesagt worden. Grosz geißelte Nemeth für dessen progressive Bestrebungen, warf ihm in beißendem Tonfall vor, das Land zertrümmern zu wollen mit seinen Vorstellungen von Demokratie, freien Wahlen und freier Marktwirtschaft. Es hätte nicht viel gefehlt, berichtete die Newsweek, und Grosz hätte Nemeth angespuckt. Dessen Reaktion? "Heute mag Ihr Tag sein", erklärte er dem Parteibonzen, als die beiden getrennter Wege gingen, "aber bis zu meinem Tag ist es nicht mehr lange hin." Und er hatte Recht. Bereits am folgenden Tag, dem 2. Mai 1989, taten Nemeth und seine Regierung das Undenkbare und schnitten ein Loch in den Eisernen Vorhang.
Vermutlich ist es das, was man den Leuten entgegnen sollte, die heute in der Geschlechterdebatte versuchen, Mauern hochzuziehen und für die Forderungen von Bürgerrechtlern nur Verachtung übrig zu haben: "Heute mag euer Tag sein. Aber bis zu unserem Tag ist es nicht mehr lange hin."
(Foto: Arne Hoffmann)
Gastbeitrag von Arne Hoffmann
"Es ist ein Allgemeinplatz geworden zu sagen, der Feminismus ist tot", erklärte die liberale amerikanische Feministin Wendy McElroy im Mai 2008 in einer Rede vor einer Gruppe von Männerrechtlern. "Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß, das die beste Hoffnung des Feminismus – vielleicht seine einzige Hoffnung, jemals wieder Bedeutung zu erlangen – darin besteht, den Männern zuzuhören, die Gerechtigkeit verlangen. Wenn sie sprechen, klingen ihre Stimmen wie der Frauen in den sechziger Jahren, als die Frauenbewegung wie eine Naturgewalt durch unsere Kultur fegte und sie für immer verändert zurückließ. Die Frauen verlangten von den Männern: Gewährt uns gleiche Rechte, gewährt uns Respekt. Vierzig Jahre später hat sich die Situation umgedreht. Jetzt sind es Männer, nicht Frauen, die gegen die systematische Diskriminierung ihres Geschlechts protestieren."
McElroy nannte einige der Anliegen der neuen Männerrechtsbewegung und erklärte weiter: "Der Feminismus der sechziger Jahre war eine kulturelle Revolution. Und es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass eine neue Revolution im Anmarsch ist – dieses Mal angeführt von Männern. Sie wird nicht angeführt von Stimmen der Elite oder gefördert von Organisationen, die mit Steuergeldern ausgestattet sind. Es ist eine Graswurzelbewegung, bestehend aus Individuen, die vom System dermaßen zusammengeprügelt worden sind, dass sie jetzt einen Großteil ihres Lebens damit verbringen Nein zu sagen. Die typische Frau, die sich für Männerrechte ausspricht, tut das aufgrund einer Verpflichtung zur Fairness und einer Sorge für die überwältigende Mehrheit der Männer in unserem Leben, die anständige Menschen sind … unsere Väter, Brüder, Söhne … unsere Freunde." Der Einsatz dieser Frauen nutze nicht zuletzt auch ihrem eigenen Geschlecht: "Denn es kann keinen Frieden oder guten Willen in unserer Gesellschaft geben, solange das Gesetz verschiedene Kategorien von Menschen unterschiedlich behandelt, solange fünfzig Prozent der Bevölkerung – Männer – Bürger zweiter Klasse sind. Umgekehrt müssen Frauen aufhören, sich auf einen paternalistischen Staat und sie bevorzugende Gesetze zu verlassen. Wir müssen auf eigenen Füßen stehen."
Die Forderungen, die McElroy im weiteren Verlauf ihrer Rede erhob, um wahre Gleichheit zu erreichen, decken sich mit den Forderungen der Männerrechtsbewegung. Zu ihnen zählen: Die Streichung aller Quoten und ähnlich sexistischer Frauenfördermaßnahmen. Die generelle Einrichtung geteilten Sorge- und Umgangsrechts nach Scheidungen. Männliche Opfer häuslicher und sexueller Gewalt sollten ebenso umfassende Hilfe erhalten wie weibliche. Die Voreingenommenheit gegenüber Jungen in unserem Erziehungswesen und anderen von Steuergeldern abhängigen Einrichtungen müsse bekämpft werden – vielleicht sogar durch einen Steuerboykott. Solche Dinge, so McElroy, würden einen guten Anfang darstellen.
Eine der Frauen unseres eigenen Landes, die sich aufgrund ihrer Verpflichtung zur Fairness und einer Sorge um die Männer entschlossen hatte, die Männerrechtsbewegung zu unterstützen, ist Monika Dittmer, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar. Sie engagiert sich in der geschlechter- und lagerübergreifenden Initiative AGENS dafür, dass nach vierzig Jahren Einseitigkeit auch die Anliegen und Bedürfnisse des männlichen Geschlechts Gehör finden. "In einem emanzipatorischen Sinne muss es gelingen, die private und gesellschaftliche Sprachlosigkeit und Lähmung vieler Männer zu überwinden" lautet eine von Dittmers Forderungen. "Eine subtile Männerverachtung hat sich in unserer Gesellschaft breitgemacht, ebenso wie eine Aussonderung der Väter aus den Familien. Wenn nur ein Geschlecht gewinnt, verlieren beide."
Aber Dittmers Gespür für Fairness stößt hierzulande auf wenig Gegenliebe – sondern auf offene Anfeindungen. "Das Wirken der Gleichstellungsbeauftragten ist mittlerweile von unseren Vorstellungen weit entfernt", erklärte Doris Juranek von der Fraktion der Goslarer Grünen in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt. "Ihren bisherigen Tätigkeiten nach will sie Benachteiligung von Männern aufzeigen und beseitigen – dies ist nicht unser politischer Wille und wir denken, damit auch im Rat nicht allein zu stehen!" Die Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sei den gelten Verordnungen zufolge schließlich, "diskriminierende strukturelle Barrieren für Frauen sichtbar zu machen". Die Worte "für Frauen" waren in dem Brief dick unterstrichen. Da sage noch mal einer, die Grünen hätten Einwände gegen Sexismus in unserer Gesellschaft.
Nicht nur das Engagement Wendy McElroys in den USA verrät, das man in der Geschlechterdebatte im Ausland wesentlich weiter ist als hierzulande. Das zeigt etwa auch ein Blick nach England. Dort machte das National Centre for Domestic Violence vor einigen Wochen mit einer speziellen Kampagne im Fernsehen, im Radio und in Zeitschriften darauf aufmerksam, dass die Polizei alle drei Minuten einen Notruf von einem Mann wegen häuslicher Gewalt erhält, dass insbesondere schwere Gewalt zwischen den beiden Geschlechtern gleich verteilt sei, dass pro Jahr vier Millionen Männer zu Opfern werden und alle drei Wochen ein Mann infolge häuslicher Gewalt stirbt.
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Als vor einigen Jahren ähnlich erschütternde Zahlen aus den USA gemeldet wurden, versuchten viele deutsche Feministinnen noch abzuwiegeln: Bei den Vereinigten Staaten handele es sich doch um eine gänzlich andere Kultur, in Deutschland sähe das bestimmt komplett anders aus. Nun liegen vergleichbare Erkenntnisse aus den unterschiedlichsten Staaten dieser Erde einschließlich Deutschland vor – aber in unserem Land bleiben sie noch immer tabuisiert. Häusliche Gewalt wird in den Köpfen wohl der meisten Deutschen noch immer gleichgesetzt mit "Gewalt gegen Frauen". Auch hier sind es wieder Männerrechtsgruppen wie MANNdat und AGENS, die an diesem Tabu rütteln. So erklärte der renommierte Soziologe Professor Gerhard Amendt, Gründungsmitglied von AGENS, in mehreren Fachbeiträgen, dass häusliche Gewalt in der Realität mit dem prügelnden Patriarchen in der feministischen Ideologie wenig zu tun habe, sondern vielmehr systemisch, also wechselseitig erfolge. Das ist keine private Theorie Amendts, sondern der Stand der internationalen Forschung zu diesem Thema. Aus diesem Grund fordert Amendt die Abschaffung von Frauenhäusern, in denen oft nur der Hass geschürt werde, zugunsten von Familienhäusern für beide Geschlechter. Fast schon erwartungsgemäß kam es nach dieser Forderung zu heftigen Angriffen auf den Soziologen. Den Düsseldorfer Männerkongress 2010 konnte Amendt sogar nur mit dem Schutz von Leibwächtern besuchen. Besonders heftige Anfeindungen gab es darüber hinaus von profeministisch ausgerichteten Männern. So versuchte zunächst der Publizist Thomas Gesterkamp in einem Pamphlet für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, Amendt und etliche andere Aktivisten aus der von Wendy McElroy beschriebenen Graswurzelbewegung in die rechte Ecke zu schieben (die Freie Welt berichtete). Konkrete Belege für diese mehr als gewagten Unterstellungen fehlten und wurden trotz mehrfacher Anfrage bis heute nicht nachgeliefert. Und ein sogenanntes Bundesforum Männer, das vom Bundesfrauenministerium finanziert wird, legte inzwischen nach: "Wir sind der festen Überzeugung, dass sich die bisher von Herrn Amendt, der Gruppe AGENS oder anderen Protagonisten ähnlicher Gruppierungen geäußerten Positionen in weiten Teilen nicht mit dieser Plattform vereinbaren lassen. Eine mögliche Zusammenarbeit steht daher überhaupt nicht zur Diskussion." Die Reaktionen, die diese Verlautbarung in Diskussionsforen des Internets erhielt, waren eindeutig: Offenbar, so lautete dort der einhellige Tenor, wollten hier einige Männerpolitiker an die staatlichen Fördertöpfe und waren dafür bereit, moralische Prinzipien fahren zu lassen. Vielen Kommentatoren war die Enttäuschung darüber anzumerken, das anstelle der lange überfälligen progressiven Männerrechtsbewegung weiterhin nur wieder die Alt-Achtundsechziger vom Ministerium gehört werden, weiterhin nur der feministisch korrekte Mann der "erlaubte Mann" sein soll. Von einem besonderen Engagement für männliche Opfer häuslicher Gewalt vernimmt man von den Mitgliedern des genannten Bundesforums in der Tat wenig. Selbst Hans-Joachim Lenz, der früher als Pionier für die Erforschung männlicher Gewaltopfer allgemein anerkannt war, ließ sich für einen, wie er selbst es schließlich erkannte, "strategischen Schachzug" des Frauenministeriums instrumentalisieren, der damit endete, dass das Ministerium sich jeglicher weiterer notwendigen Forschung zu diesem Thema verweigerte. Davon schien Lenz wenig gelernt zu haben: Als Bürgerrechtler wie AGENS politische Konsequenzen aufgrund der bereits vorliegenden Ergebnisse über männliche Gewaltopfer forderten, hatte Lenz nichts Eiligers zu tun, als sich von ihnen zu distanzieren. Noch bedenklicher: Im Bundesforum Männer tummeln sich Gruppen wie der Verein "für aktive Patriarchatskritik" Dissens. Dieser Verein war Ende 2006 in der Zeitschrift SPIEGEL wegen seiner Jungenarbeit kritisiert worden, bei der es um die "Zerstörung von Identitäten" gehe und deren Ziel, so zitierte der SPIEGEL den Verein, nicht "der andere Junge" sei, sondern "gar kein Junge". Diese Haltung hatte damals in einer wissenschaftlichen Stellungnahme auch Professor Gerhard Amendt als "Skandal in der Sozialpädagogik" in Frage gestellt. Will man sich durch die Ausgrenzung von Amendt & Co. gegen solche Kritik abschotten? Der Vergleich des Bundesforums mit den sogenannten Blockflötenparteien in der DDR liegt nahe. Dabei handelte es sich um politische Parteien, die in realsozialistischen Staaten neben der herrschenden kommunistischen Partei existierten, mit dieser in einem Parteienblock zusammengeschlossen waren, aber keine eigentliche Macht ausüben durften. Sie standen nicht in Wahlkonkurrenz zur herrschenden Partei, sondern sollten lediglich den Anschein eines Parteienpluralismus erwecken und die kommunistische Regierungspolitik Nichtkommunisten nahebringen. Zwar regiert im Deutschland von heute im Gegensatz zur DDR von damals keine Einheitspartei, aber die herrschende Ideologie des althergebrachten Feminismus bleibt dieselbe, egal ob gerade rotgrün oder schwarzgelb regiert. Wenn Wahlen nichts mehr ändern, dann ist die totalitäre Gesellschaft nah. Sie ist auch nah, wenn in einer politischen Debatte nur ein Standpunkt vertreten werden darf und Gegenansichten als "keiner Diskussion würdig" abgewatscht werden. Leider finden sich immer wieder Scharen von Leuten, die zwar so tun, als würden sie eine eigene Position einnehmen, aber nur zu gerne bereit sind, sich den offiziellen Vorgaben anzupassen, solange sie dafür vom Staat gestützt werden. Die Selbstbezeichnung "Bundesweite Interessenvertretung für Männer" stimme sogar, spottete der MANNdats-Vorsitzende Dr. Eugen Maus, "wenn man weiß, dass es ausschließlich die Interessen dieser erwerbsmäßigen 'Männerarbeiter' sind, die dort vertreten werden sollen. Es geht darum, koordiniert öffentliche Mittel abzugreifen. Und öffentliche Mittel gibt es hierzulande nun mal nur für systemkonforme 'Männerarbeit', das heißt für profeministisch frauenzentrierte Umerziehungsarbeit am Manne. Innovativ ist daran überhaupt nichts. Von der defizitären rechtlichen und politischen Situation der Männer ist gleich gar keine Rede bei dieser Versammlung von Ewiggestrigen. Der Mann ist für sie lediglich Objekt und Vorwand, um ihre kruden gesellschaftspolitischen Vorstellungen verkaufen zu können. Dass sie uns nicht mögen, versteht sich beinahe von selbst. Die kritische, politisch fordernde Männerbewegung, wie sie AGENS oder MANNdat vertritt, stellt ja womöglich eine Gefahr für ihre Pfründe dar." Auch andere Reaktionen in den unterschiedlichsten Internetforen sind deutlich. "Merkwürdigerweise fehlen bei den Unterstützern sowohl der Deutsche Frauenrat wie auch die EMMA, die man dort wohl hätte erwarten können" heißt es im Forum der Piratenpartei. Und ein Mitglied im Diskussionsforum von MANNdat fühlt sich ebenfalls an die Strategie des Sozialismus in der DDR erinnert: "Wenn feministische Medienschaffende auch mal DIE Männer zu Gehör kommen lassen wollen, dann wird man sich an diese Sprecher DER Männer wenden, die dann genau das Liedchen trällern werden, das ihre HerrInnen von ihnen erwarten. Sie werden im real existierenden Feminismus die Rolle der gerade noch offiziell geduldeten, systemkonformen 'Opposition' spielen dürfen, genau wie jene gerade noch geduldeten, sozialistischen Systemkritiker im real existierenden Sozialismus, die ein bißchen mosern durften, aber doch das grundsätzlich Gute am Sozialismus zu betonen niemals müde wurden." In der Tat gehört die "Erstellung einer Datenbank mit Ansprechpartnern" (offenbar für Journalisten) zu den selbstgesteckten Aufgaben des Bundesforums. Anscheinend ist bei der Auswahl dieser "Ansprechpartner" eine politisch genehme Haltung wesentlicher als Kompetenz in der Sache. Der Preis dafür dürfte sein, dass Deutschland in der Geschlechterdebatte weiter um Jahre zurückbleibt – und dass beispielsweise männliche Opfer häuslicher Gewalt nicht die Hilfe erhalten, die nötig wäre. Das alles wirkt in der Tat wie eine Erfolg versprechende Strategie. Und noch scheinen die erwerbsmäßigen Männerarbeiter gegenüber den sich pro bono engagierenden Graswurzelaktivisten sicher im Sattel zu sitzen. Aber die politischen Geschicke drehen sich mitunter schneller, als mancher glaubt. Auch der Sozialismus ging rascher zuende, als viele dachten. So berichtete unlängst die Zeitschrift "Newsweek" von dem ungarischen Reformpolitiker Miklos Nemeth, der sich im Mai 1989 an die Spitze einer immer unzufriedener gewordener Bürgerbewegung gestellt hatte. Eine von Nemeth geplante Parade dieser Bewegung war allerdings von dem Führer der kommunistischen Partei, Karoly Grosz, zugunsten eines Picknicks abgesagt worden. Grosz geißelte Nemeth für dessen progressive Bestrebungen, warf ihm in beißendem Tonfall vor, das Land zertrümmern zu wollen mit seinen Vorstellungen von Demokratie, freien Wahlen und freier Marktwirtschaft. Es hätte nicht viel gefehlt, berichtete die Newsweek, und Grosz hätte Nemeth angespuckt. Dessen Reaktion? "Heute mag Ihr Tag sein", erklärte er dem Parteibonzen, als die beiden getrennter Wege gingen, "aber bis zu meinem Tag ist es nicht mehr lange hin." Und er hatte Recht. Bereits am folgenden Tag, dem 2. Mai 1989, taten Nemeth und seine Regierung das Undenkbare und schnitten ein Loch in den Eisernen Vorhang. Vermutlich ist es das, was man den Leuten entgegnen sollte, die heute in der Geschlechterdebatte versuchen, Mauern hochzuziehen und für die Forderungen von Bürgerrechtlern nur Verachtung übrig zu haben: "Heute mag euer Tag sein. Aber bis zu unserem Tag ist es nicht mehr lange hin."
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| "Die guten Ratschläge verdanken ihren ausgezeichneten Ruf dem Umstand, dass sie niemals befolgt werden." Daniel Spitzer |
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