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Die Friedrich-Ebert-Stiftung auf Abwegen:
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Was steckt hinter dem Gesterkamp-Pamphlet?
Gastbeitrag von Arne Hoffmann
Es ist wie verhext: Die SPD hat sich in den letzten Jahren immer mehr von ihrem früheren Status einer Volkspartei verabschiedet und könnte mehr Unterstützung, frisches Blut und moderne Gedanken dringend gebrauchen. Hiefür böten sich die in die in den letzten Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen an, darunter die Männer- und Väterbewegung. Die knüpft mit ihren Forderungen vielfach an klassisch linke Traditionen an, etwa die Arbeiter- und die Friedensbewegung. Ihre Mitglieder hätten nur noch dort abgeholt werden zu brauchen, wo sie stehen. Stattdessen brüllt die Friedrich-Ebert-Stiftung, die der SPD eigentlich zuarbeiten sollte, den Männern entgegen: Wir können auf euch und eure Stimmen verzichten – ihr gehört nämlich alle zur Rechtsaußen-Fraktion! Das zumindest ist die inhaltliche Stoßrichtung eines Pamphlets, das der Publizist Thomas Gesterkamp kürzlich für die Ebert-Stiftung erstellte.
Gesterkamps krude Verschwörungstheorie zeichnet ein bedrohliches Netzwerk, das sich vom Nazi-Portal Altermedia bis zum Deutschlandfunk erstrecken soll, vom FOCUS bis zum Väteraufbruch für Kinder. Besonders verbissen aber hat sich der Autor in die Protagonisten der Männerrechtsbewegung. Die werden in seiner Darstellung mit rechtsradikalem und anderweitig fragwürdigem Gedankengut in Verbindung gebracht. Dabei formuliert Gesterkamp immer wieder dermaßen perfide, dass man als Leser seiner Schrift statt von Unkenntnis schon von Bösartigkeit ausgehen muss. So prangert er den Soziologen Gerhard Amendt dafür an, dass dieser die staatliche Förderung von Frauenhäusern mit deren "antipatriarchaler Kampfrhetorik" kritisiert. Dass Amendt statt für Frauenhäuser für Familienhäuser plädiert, weil sich häusliche Gewalt in der internationalen kriminologischen Forschung als wechselseitig herausgestellt hat und damit die radikalfeministische Kampfrhetorik in der Tat obsolet ist, lässt Gesterkamp unter den Tisch fallen. Über mich selbst heißt es in dem Pamphlet, ich würde in meinen Blogs auch vor der Verlinkung rechtsextremer Websites nicht zurückscheuen. In einer für diese Schrift typischen Weise fehlt auch nur ein einziges Beispiel und jeglicher Beleg. Tatsächlich genügt ein Blick in meine Blogs, um zu erkennen, dass ich politisch links stehe und mit christlichen, jüdischen und muslimischen Verbündeten seit Jahren in einem Netzwerk gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.pointiert Stellung beziehe. Die geschlechterpolitische Initiative MANNdat schließlich soll durch die Schmähschrift ins Zwielicht gerückt werden, indem darin von den zig Interviews, die ihr Vorsitzender verschiedensten Medien gab, allein das gegenüber der rechtskonservativen "Jungen Freiheit" erwähnt wird. Unter deren Interviewpartnern finden sich allerdings auch zwanzig SPD-Politiker: Folgte man Gesterkamps verquerer Logik, befänden sich seine eigenen Auftraggeber somit viel tiefer im "rechten Dunstkreis" als noch jeder Männeraktivist. Dass die Initiative MANNdat auf ihrer Website das Tagebuch eines Totalverweigerers veröffentlichte und sich mit Nachdruck für eine bessere Bildungssituation von Migrantenjungen einsetzt, bleibt von Gesterkamp unerwähnt, wohl weil auch diese Wahrheiten nicht zu seiner Propaganda passen. Mit dem Nennen ähnlicher Irreführungen könnte man über viele Absätze hinweg weitermachen. Immer wieder wird dem Leser des Pamphlets durch selektive oder schlicht falsche Darstellungen das Gegenteil von dem suggeriert, was tatsächlich der Fall ist.
Die Ebert-Stiftung selbst scheint sich über die Verstiegenheiten des Gesterkamp-Pamphlets durchaus im Klaren gewesen sein. Schaltete sie ihm doch einen ausdrücklichen Disclaimer voraus, in dem es abgrenzend heißt: "Die Ausführungen und Schlussfolgerungen sind vom Autor in eigener Verantwortung vorgenommen worden." Die Strategie hinter diesem Vorgehen scheint dennoch eindeutig: Auch wenn der wissenschaftliche Gehalt der Schrift, die bei etlichen Behauptungen, ja selbst bei Zitaten, auf Quellen und ähnliche Belege großzügig verzichtet, bestenfalls dürftig ist, kann man in der öffentlichen Auseinandersetzung aber immer noch mit der Behauptung arbeiten, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung in einer "Expertise" zu einem bestimmten Ergebnis gekommen sei. Auf welch wackligen Füßen dieses Ergebnis steht, muss der Verfemte erst einmal umständlich erklären. Das Motto lautet schlicht: Immer nur tüchtig mit Dreck bewerfen, etwas bleibt immer hängen. Und nicht zuletzt kann man mit solchen Methoden eine selbsterfüllende Prophezeiung erzwugen: Wenn linke Medien aufgrund der Brandmarkung von Männerbewegten als "rechts" ihnen Interviews verweigern, blieben den neuen Bürgerrechtlern nur noch "rechte" Medien als Podium übrig – worauf sich dieses Brandmarken um so radikaler fortsetzen lässt. Auch dass die Stiftung keine Feministin, sondern einen "Männerforscher" als Autor wählte, der indes der feministischen Ideologie so hündisch ergeben ist, dass er Kritik daran als "Hetze" bezeichnet, passt ins Kalkül. Fast schon verwundert es, dass der Vorwurf nicht "Ketzerei" lautet – so sehr erscheint der Feminismus in dieser Sicht, als handele es sich dabei um eine reine Lehre, die durch alleinseligmachende Glaubenssätze verbürgt sei.
Nun war diese als wissenschaftliche Arbeit verkaufte Schrift nicht das erste Mal, dass sich die Friedrich-Ebert-Stiftung fragwürdiger Mittel bediente. So veröffentlichte sie im November 2006 eine sogenannte "Rechtsextremismus-Studie", die für viele dankbare Medien alarmistische Schlagzeilen wie "Jeder vierte ist ausländerfeindlich" und "Der Rechtsextremismus kommt aus der Mitte der Gesellschaft" lieferte. Bald schon allerdings war diese Schrift aufgrund der zweifelhaften Fragestellungen, die ihr zugrunde lagen, hochumstritten. Zu ihr gehörte ein Fragebogen, mit dem Sexismus in unserer Gesellschaft ermittelt werden sollte. Darin zeigte sich unter anderem: 63 Prozent aller Befragten im Westen (49 Prozent im Osten) befanden, dass die Diskriminierung von Frauen in Deutschland noch immer ein Problem darstelle. (Nach der Diskriminierung von Männern wurde erst gar nicht gefragt, womit die Verfasser ironischerweise selbst sexistisch vorgingen.) Die verbleibenden 37 bzw. 51 Prozent – im statistischen Mittel also immer noch fast die Hälfte der Bevölkerung, und das trotz massiver gegenläufiger Berichterstattung in den Medien! – bekamen für ihre Auffassung, die Gleichberechtigung der Geschlechter sei inzwischen erreicht oder die Rollenverteilung gehe heute gar zu Lasten des Mannes, den Stempel "sexistisch" aufgedrückt. Ob und wie sie diese Auffassung begründen konnten, blieb uninteressant. Bei der Frage "Die jetzige Beschäftigungspolitik benachteiligt die Frauen" sah es ähnlich aus, nur äußerten sich die Befragten hier noch politisch korrekter (74 Prozent im Westen und 56 Prozent im Osten stimmten zu). In einem späteren Fragebogen auf Seite 77 wurden diese Antworten an die Erkenntnisse über eine "rechtsextreme Einstellung" der Befragten gekoppelt. Offenbar standen Menschen, die befinden, Frauen würden hierzulande nicht mehr benachteiligt, für die Verfasser dieser Schrift bereits grundsätzlich in dem Verdacht, auch "sonst" den Neonazis zugeneigt zu sein. Schließlich stellte eine Tabelle auf Seite 81 der Studie "Sexismus" (mit obiger Definition) und Rechtsextremismus als "verwandte Konzepte" miteinander in Korrelation. Und auf Seite 83 heißt es: "Auch der Sexismusfragebogen macht deutlich, welches antidemokratische Potential bei Menschen mit rechtsextremer Einstellung zu finden ist. Hinter der Ablehnung der Emanzipation von Frauen von Herd und Ehemann steht offensichtlich auch ein rechtsextremes Weltbild".
"Offensichtlich" war das natürlich nur, wenn man von Anfang an diesen Unsinn glaubte. Und wenn man es für "demokratisch" hält, nur Meinungen zu vertreten, die die Ideologen der Friedrich-Ebert-Stiftung für richtig befanden. Dass man mit einem solchen Herangehen schließlich zu dem Ergebnis gelangte, ein volles Viertel unserer Bevölkerung sei in irgendeiner Form "extremistisch", war nur die logische Folge dieses abenteuerlichen Vorgehens.
Warum ist es für eine SPD-nahe Stiftung nötig, Kritik an der herrschenden feministischen Ideologie wiederholt in Zusammenhang mit Rechtsextremismus zu bringen, statt sich etwa den politischen Anliegen der Männer in positiver Weise zuzuwenden? Wer so fragt, übersieht zwei Dinge: Erstens, dass der Feminismus nach dem Ende des Sozialismus die letzte große Ideologie ist, die der Linken noch übrig geblieben ist. "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden" – diesen Spruch nahm die SPD noch 2007 in ihr Grundsatzprogramm auf. Und zweitens geht es um die Sicherung der eigenen Pfründe. Es steckten immense Gelder darin, Männer zu hassen, hatte einmal Erin Pizzey erklärt, die das erste Frauenhaus der modernen Welt mitbegründet hatte, sich bald aber komplett desillusioniert vom Feminismus abwandte, als sie erkannte zu welchen Brutstätten des Geschlechterhasses sich diese Einrichtungen unter dem Einfluss der Ideologinnen entwickelten. Die immensen Summen, die in feministische Projekte flossen, sollen aber erhalten bleiben. Gesterkamps 15seitiges Pamphlet etwa werde mit 3800 Euro beziffert, kolportiert aktuell das christliche Magazin Medrum in seinem Artikel "Geschlechterkampf von links - Wie sich eine SPD-nahe Stiftung der Lächerlichkeit preisgibt". Dabei bedient sich die Stiftung, glaubt man der Wikipedia, zum größten Teil Mitteln der öffentlichen Hand.
Diesen Selbstversorger-Strukturen tritt nun plötzlich eine Gruppe wie AGENS gegenüber, die der Opfer-Täter-Polarisierung, die solche Geldflüsse möglich macht, den Boden entzieht. Die eben nicht Männerhäuser anstelle der bisherigen Frauenhäuser, sondern Familienhäuser für alle Betroffenen häuslicher Gewalt fordert. Die nicht die eine Hälfte der Menschheit erniedrigen möchte, damit die andere sich gut fühlen kann, wie es der männerfeindliche Feminismus getan hat. Und die noch dazu die Fakten auf ihrer Seite hat. Das macht die Gender-Ideologen rasend vor Zorn – und gibt ihnen allen Grund, von der wissenschaftlichen Fachdiskussion auf Sachebene zur diffamierenden Ad-personam-Debatte zu wechseln.
Ein solches Vorgehen ist nichts Neues, wenn ein etabliertes Herrschaftssystem dieser Herrschaft verlustig zu gehen droht oder sich ein ideologischer Umbruch abzeichnet. Die ersten Frauenrechtlerinnen wurden als umstürzlerische "Flintenweiber" beschimpft, die Mitglieder der Studentenbewegung publizistisch mit Terroristen in Verbindung gebracht. Die Grünen sahen viele in ihren Anfangsjahren als fünfte Kolonne Moskaus, die man "mit Dachlatten jagen" sollte. Die Bürgerrechtler der DDR galten für die dortigen Machthaber ebenso als Kriminelle wie die Schwarzen in Südafrika, die das Apartheidsystem abschaffen wollten. Wer im Amerika unter George Bush an der Legitimität vieler seiner Handlungen zweifelte, den brandmarkte man als Vaterlandsverräter. Präsident Obama gilt dem rechten Flügel der Republikaner nach ihrem Machtverlust dermaßen als Fremdkörper, dass er von der sogenannten "Tea-party-Bewegung" gleichzeitig als Kommunist, Nationalsozialist, verkappter Moslem und Wegbereiter des Antichrist gezeichnet wird. Auch diese Bewegung hat ihre pseudowissenschaftliche Pamphlete; auch sie setzt darauf, dass einmal unters Volk gebrachter Unsinn haften bleibt. So schreiben dubiose "Nachrichten"-Websites wie WorldNetDaily inzwischen so selbstverständlich von Hillary Clintons "allgemein bekannter bisexuellen Neigung und ihrer Affäre mit einer schönen Assistentin", als ob es sich bei dieser Phantasterei um feststehende Tatsachen handeln würde. Vielleicht ist hierzulande schon die nächste "Expertise" in Arbeit, die Männerrechtler mit Pädophilen oder islamistischen Terroristen in Verbindung bringen soll. Das doppelte Kalkül dahinter ist klar. Zum einen möchte man ausgrenzen – wer will sich schon die Argumente anhören, die "solche Leute" vorbringen – zum anderen abschrecken: Wenn du es ebenfalls wagen solltest, öffentlich den Feminismus zu kritisieren, bist du der nächste, der durch den Schmutz gezogen wird.
Allerdings bleiben all diese Diffamierungsstrategien eine reine Panikreaktion. Noch nie haben sie es geschafft, einen sich abzeichnenden gesellschaftlichen Wandel aufzuhalten. Und auch diesmal geht der Schuss unversehens nach hinten los. Gesterkamps pauschale Verunglimpfung werde nichts daran ändern können, dass viele Männer und Frauen Gleichstellung heute konsequent weiterdenken, schrieb die Gleichstellungsbeauftragte Monika Dittmer, eine aus einer ganzen Reihe weiblicher AGENS-Unterstützerinnen, in einer Antwort an Thomas Gesterkamp. Mit seiner einseitigen Schuldzuweisung sei er für sie nicht diskursfähig. "Sie ideologisieren und versuchen damit mundtot zu machen" warf ihm auch Dr. Matthias Stiehler, Vorsitzender des Dresdner Instituts für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft, in einem offenen Brief vor. "Sie verstehen vielleicht, dass ich als ehemaliger DDR-Bürger sehr empfindlich auf solch eine Propaganda reagiere." Denkverbote und Diffamierungen, so Stiehler, führten nur zu einer Radikalisierung der Debatte, die diesem Thema schade. Schon auf dem diesjährigen Männerkongress in Düsseldorf hatte der Soziologe Professor Walter Hollstein beklagt, dass Männer kaum Advokaten für ihre eigene Sache hätte – und die wenigen, die es gäbe, liefen Gefahr, sofort diffamiert zu werden. Eine These, die jetzt prompt bestätigt wurde.
Dabei werden Diffamierungsversuche gegen die Männerrechtsbewegung letztlich ebenso scheitern wie gegen sämtliche neuen sozialen Bewegungen zuvor. Schon jetzt sind die Massenproteste in zahllosen Foren, Websites und Kommentarspalten des Internet unübersehbar. Weil viele ihren Unmut online artikulieren, wird das Ende des Feminismus nicht mit kameratauglichen Mengen eingeläutet, die "Wir sind das Volk" rufen, aber die Botschaft ist dieselbe wie damals, als der Sozialismus seine Abschiedsvorstellung gab. Diese Botschaft lautet: Wir wollen keine Funktionärskaste mehr, die über uns entscheidet, und ebensowenig ideologisierte Publizisten und "Forscher", die Fakten verdrehen und Halbwahrheiten verbreiten, um sich dieser Kaste anzudienen. Wir wollen eine faire Politik für beide Geschlechter – auch für das bislang vernachlässigte Geschlecht der Männer. Und von dieser Forderung wird uns keine auch noch so infame Schmähkritik abbringen.
(Foto: Arne Hoffmann)
Was steckt hinter dem Gesterkamp-Pamphlet?
Gastbeitrag von Arne Hoffmann
Es ist wie verhext: Die SPD hat sich in den letzten Jahren immer mehr von ihrem früheren Status einer Volkspartei verabschiedet und könnte mehr Unterstützung, frisches Blut und moderne Gedanken dringend gebrauchen. Hiefür böten sich die in die in den letzten Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen an, darunter die Männer- und Väterbewegung. Die knüpft mit ihren Forderungen vielfach an klassisch linke Traditionen an, etwa die Arbeiter- und die Friedensbewegung. Ihre Mitglieder hätten nur noch dort abgeholt werden zu brauchen, wo sie stehen. Stattdessen brüllt die Friedrich-Ebert-Stiftung, die der SPD eigentlich zuarbeiten sollte, den Männern entgegen: Wir können auf euch und eure Stimmen verzichten – ihr gehört nämlich alle zur Rechtsaußen-Fraktion! Das zumindest ist die inhaltliche Stoßrichtung eines Pamphlets, das der Publizist Thomas Gesterkamp kürzlich für die Ebert-Stiftung erstellte.
Gesterkamps krude Verschwörungstheorie zeichnet ein bedrohliches Netzwerk, das sich vom Nazi-Portal Altermedia bis zum Deutschlandfunk erstrecken soll, vom FOCUS bis zum Väteraufbruch für Kinder. Besonders verbissen aber hat sich der Autor in die Protagonisten der Männerrechtsbewegung. Die werden in seiner Darstellung mit rechtsradikalem und anderweitig fragwürdigem Gedankengut in Verbindung gebracht. Dabei formuliert Gesterkamp immer wieder dermaßen perfide, dass man als Leser seiner Schrift statt von Unkenntnis schon von Bösartigkeit ausgehen muss. So prangert er den Soziologen Gerhard Amendt dafür an, dass dieser die staatliche Förderung von Frauenhäusern mit deren "antipatriarchaler Kampfrhetorik" kritisiert. Dass Amendt statt für Frauenhäuser für Familienhäuser plädiert, weil sich häusliche Gewalt in der internationalen kriminologischen Forschung als wechselseitig herausgestellt hat und damit die radikalfeministische Kampfrhetorik in der Tat obsolet ist, lässt Gesterkamp unter den Tisch fallen. Über mich selbst heißt es in dem Pamphlet, ich würde in meinen Blogs auch vor der Verlinkung rechtsextremer Websites nicht zurückscheuen. In einer für diese Schrift typischen Weise fehlt auch nur ein einziges Beispiel und jeglicher Beleg. Tatsächlich genügt ein Blick in meine Blogs, um zu erkennen, dass ich politisch links stehe und mit christlichen, jüdischen und muslimischen Verbündeten seit Jahren in einem Netzwerk gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.pointiert Stellung beziehe. Die geschlechterpolitische Initiative MANNdat schließlich soll durch die Schmähschrift ins Zwielicht gerückt werden, indem darin von den zig Interviews, die ihr Vorsitzender verschiedensten Medien gab, allein das gegenüber der rechtskonservativen "Jungen Freiheit" erwähnt wird. Unter deren Interviewpartnern finden sich allerdings auch zwanzig SPD-Politiker: Folgte man Gesterkamps verquerer Logik, befänden sich seine eigenen Auftraggeber somit viel tiefer im "rechten Dunstkreis" als noch jeder Männeraktivist. Dass die Initiative MANNdat auf ihrer Website das Tagebuch eines Totalverweigerers veröffentlichte und sich mit Nachdruck für eine bessere Bildungssituation von Migrantenjungen einsetzt, bleibt von Gesterkamp unerwähnt, wohl weil auch diese Wahrheiten nicht zu seiner Propaganda passen. Mit dem Nennen ähnlicher Irreführungen könnte man über viele Absätze hinweg weitermachen. Immer wieder wird dem Leser des Pamphlets durch selektive oder schlicht falsche Darstellungen das Gegenteil von dem suggeriert, was tatsächlich der Fall ist.
Die Ebert-Stiftung selbst scheint sich über die Verstiegenheiten des Gesterkamp-Pamphlets durchaus im Klaren gewesen sein. Schaltete sie ihm doch einen ausdrücklichen Disclaimer voraus, in dem es abgrenzend heißt: "Die Ausführungen und Schlussfolgerungen sind vom Autor in eigener Verantwortung vorgenommen worden." Die Strategie hinter diesem Vorgehen scheint dennoch eindeutig: Auch wenn der wissenschaftliche Gehalt der Schrift, die bei etlichen Behauptungen, ja selbst bei Zitaten, auf Quellen und ähnliche Belege großzügig verzichtet, bestenfalls dürftig ist, kann man in der öffentlichen Auseinandersetzung aber immer noch mit der Behauptung arbeiten, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung in einer "Expertise" zu einem bestimmten Ergebnis gekommen sei. Auf welch wackligen Füßen dieses Ergebnis steht, muss der Verfemte erst einmal umständlich erklären. Das Motto lautet schlicht: Immer nur tüchtig mit Dreck bewerfen, etwas bleibt immer hängen. Und nicht zuletzt kann man mit solchen Methoden eine selbsterfüllende Prophezeiung erzwugen: Wenn linke Medien aufgrund der Brandmarkung von Männerbewegten als "rechts" ihnen Interviews verweigern, blieben den neuen Bürgerrechtlern nur noch "rechte" Medien als Podium übrig – worauf sich dieses Brandmarken um so radikaler fortsetzen lässt.
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Auch dass die Stiftung keine Feministin, sondern einen "Männerforscher" als Autor wählte, der indes der feministischen Ideologie so hündisch ergeben ist, dass er Kritik daran als "Hetze" bezeichnet, passt ins Kalkül. Fast schon verwundert es, dass der Vorwurf nicht "Ketzerei" lautet – so sehr erscheint der Feminismus in dieser Sicht, als handele es sich dabei um eine reine Lehre, die durch alleinseligmachende Glaubenssätze verbürgt sei. Nun war diese als wissenschaftliche Arbeit verkaufte Schrift nicht das erste Mal, dass sich die Friedrich-Ebert-Stiftung fragwürdiger Mittel bediente. So veröffentlichte sie im November 2006 eine sogenannte "Rechtsextremismus-Studie", die für viele dankbare Medien alarmistische Schlagzeilen wie "Jeder vierte ist ausländerfeindlich" und "Der Rechtsextremismus kommt aus der Mitte der Gesellschaft" lieferte. Bald schon allerdings war diese Schrift aufgrund der zweifelhaften Fragestellungen, die ihr zugrunde lagen, hochumstritten. Zu ihr gehörte ein Fragebogen, mit dem Sexismus in unserer Gesellschaft ermittelt werden sollte. Darin zeigte sich unter anderem: 63 Prozent aller Befragten im Westen (49 Prozent im Osten) befanden, dass die Diskriminierung von Frauen in Deutschland noch immer ein Problem darstelle. (Nach der Diskriminierung von Männern wurde erst gar nicht gefragt, womit die Verfasser ironischerweise selbst sexistisch vorgingen.) Die verbleibenden 37 bzw. 51 Prozent – im statistischen Mittel also immer noch fast die Hälfte der Bevölkerung, und das trotz massiver gegenläufiger Berichterstattung in den Medien! – bekamen für ihre Auffassung, die Gleichberechtigung der Geschlechter sei inzwischen erreicht oder die Rollenverteilung gehe heute gar zu Lasten des Mannes, den Stempel "sexistisch" aufgedrückt. Ob und wie sie diese Auffassung begründen konnten, blieb uninteressant. Bei der Frage "Die jetzige Beschäftigungspolitik benachteiligt die Frauen" sah es ähnlich aus, nur äußerten sich die Befragten hier noch politisch korrekter (74 Prozent im Westen und 56 Prozent im Osten stimmten zu). In einem späteren Fragebogen auf Seite 77 wurden diese Antworten an die Erkenntnisse über eine "rechtsextreme Einstellung" der Befragten gekoppelt. Offenbar standen Menschen, die befinden, Frauen würden hierzulande nicht mehr benachteiligt, für die Verfasser dieser Schrift bereits grundsätzlich in dem Verdacht, auch "sonst" den Neonazis zugeneigt zu sein. Schließlich stellte eine Tabelle auf Seite 81 der Studie "Sexismus" (mit obiger Definition) und Rechtsextremismus als "verwandte Konzepte" miteinander in Korrelation. Und auf Seite 83 heißt es: "Auch der Sexismusfragebogen macht deutlich, welches antidemokratische Potential bei Menschen mit rechtsextremer Einstellung zu finden ist. Hinter der Ablehnung der Emanzipation von Frauen von Herd und Ehemann steht offensichtlich auch ein rechtsextremes Weltbild". "Offensichtlich" war das natürlich nur, wenn man von Anfang an diesen Unsinn glaubte. Und wenn man es für "demokratisch" hält, nur Meinungen zu vertreten, die die Ideologen der Friedrich-Ebert-Stiftung für richtig befanden. Dass man mit einem solchen Herangehen schließlich zu dem Ergebnis gelangte, ein volles Viertel unserer Bevölkerung sei in irgendeiner Form "extremistisch", war nur die logische Folge dieses abenteuerlichen Vorgehens. Warum ist es für eine SPD-nahe Stiftung nötig, Kritik an der herrschenden feministischen Ideologie wiederholt in Zusammenhang mit Rechtsextremismus zu bringen, statt sich etwa den politischen Anliegen der Männer in positiver Weise zuzuwenden? Wer so fragt, übersieht zwei Dinge: Erstens, dass der Feminismus nach dem Ende des Sozialismus die letzte große Ideologie ist, die der Linken noch übrig geblieben ist. "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden" – diesen Spruch nahm die SPD noch 2007 in ihr Grundsatzprogramm auf. Und zweitens geht es um die Sicherung der eigenen Pfründe. Es steckten immense Gelder darin, Männer zu hassen, hatte einmal Erin Pizzey erklärt, die das erste Frauenhaus der modernen Welt mitbegründet hatte, sich bald aber komplett desillusioniert vom Feminismus abwandte, als sie erkannte zu welchen Brutstätten des Geschlechterhasses sich diese Einrichtungen unter dem Einfluss der Ideologinnen entwickelten. Die immensen Summen, die in feministische Projekte flossen, sollen aber erhalten bleiben. Gesterkamps 15seitiges Pamphlet etwa werde mit 3800 Euro beziffert, kolportiert aktuell das christliche Magazin Medrum in seinem Artikel "Geschlechterkampf von links - Wie sich eine SPD-nahe Stiftung der Lächerlichkeit preisgibt". Dabei bedient sich die Stiftung, glaubt man der Wikipedia, zum größten Teil Mitteln der öffentlichen Hand. Diesen Selbstversorger-Strukturen tritt nun plötzlich eine Gruppe wie AGENS gegenüber, die der Opfer-Täter-Polarisierung, die solche Geldflüsse möglich macht, den Boden entzieht. Die eben nicht Männerhäuser anstelle der bisherigen Frauenhäuser, sondern Familienhäuser für alle Betroffenen häuslicher Gewalt fordert. Die nicht die eine Hälfte der Menschheit erniedrigen möchte, damit die andere sich gut fühlen kann, wie es der männerfeindliche Feminismus getan hat. Und die noch dazu die Fakten auf ihrer Seite hat. Das macht die Gender-Ideologen rasend vor Zorn – und gibt ihnen allen Grund, von der wissenschaftlichen Fachdiskussion auf Sachebene zur diffamierenden Ad-personam-Debatte zu wechseln. Ein solches Vorgehen ist nichts Neues, wenn ein etabliertes Herrschaftssystem dieser Herrschaft verlustig zu gehen droht oder sich ein ideologischer Umbruch abzeichnet. Die ersten Frauenrechtlerinnen wurden als umstürzlerische "Flintenweiber" beschimpft, die Mitglieder der Studentenbewegung publizistisch mit Terroristen in Verbindung gebracht. Die Grünen sahen viele in ihren Anfangsjahren als fünfte Kolonne Moskaus, die man "mit Dachlatten jagen" sollte. Die Bürgerrechtler der DDR galten für die dortigen Machthaber ebenso als Kriminelle wie die Schwarzen in Südafrika, die das Apartheidsystem abschaffen wollten. Wer im Amerika unter George Bush an der Legitimität vieler seiner Handlungen zweifelte, den brandmarkte man als Vaterlandsverräter. Präsident Obama gilt dem rechten Flügel der Republikaner nach ihrem Machtverlust dermaßen als Fremdkörper, dass er von der sogenannten "Tea-party-Bewegung" gleichzeitig als Kommunist, Nationalsozialist, verkappter Moslem und Wegbereiter des Antichrist gezeichnet wird. Auch diese Bewegung hat ihre pseudowissenschaftliche Pamphlete; auch sie setzt darauf, dass einmal unters Volk gebrachter Unsinn haften bleibt. So schreiben dubiose "Nachrichten"-Websites wie WorldNetDaily inzwischen so selbstverständlich von Hillary Clintons "allgemein bekannter bisexuellen Neigung und ihrer Affäre mit einer schönen Assistentin", als ob es sich bei dieser Phantasterei um feststehende Tatsachen handeln würde. Vielleicht ist hierzulande schon die nächste "Expertise" in Arbeit, die Männerrechtler mit Pädophilen oder islamistischen Terroristen in Verbindung bringen soll. Das doppelte Kalkül dahinter ist klar. Zum einen möchte man ausgrenzen – wer will sich schon die Argumente anhören, die "solche Leute" vorbringen – zum anderen abschrecken: Wenn du es ebenfalls wagen solltest, öffentlich den Feminismus zu kritisieren, bist du der nächste, der durch den Schmutz gezogen wird. Allerdings bleiben all diese Diffamierungsstrategien eine reine Panikreaktion. Noch nie haben sie es geschafft, einen sich abzeichnenden gesellschaftlichen Wandel aufzuhalten. Und auch diesmal geht der Schuss unversehens nach hinten los. Gesterkamps pauschale Verunglimpfung werde nichts daran ändern können, dass viele Männer und Frauen Gleichstellung heute konsequent weiterdenken, schrieb die Gleichstellungsbeauftragte Monika Dittmer, eine aus einer ganzen Reihe weiblicher AGENS-Unterstützerinnen, in einer Antwort an Thomas Gesterkamp. Mit seiner einseitigen Schuldzuweisung sei er für sie nicht diskursfähig. "Sie ideologisieren und versuchen damit mundtot zu machen" warf ihm auch Dr. Matthias Stiehler, Vorsitzender des Dresdner Instituts für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft, in einem offenen Brief vor. "Sie verstehen vielleicht, dass ich als ehemaliger DDR-Bürger sehr empfindlich auf solch eine Propaganda reagiere." Denkverbote und Diffamierungen, so Stiehler, führten nur zu einer Radikalisierung der Debatte, die diesem Thema schade. Schon auf dem diesjährigen Männerkongress in Düsseldorf hatte der Soziologe Professor Walter Hollstein beklagt, dass Männer kaum Advokaten für ihre eigene Sache hätte – und die wenigen, die es gäbe, liefen Gefahr, sofort diffamiert zu werden. Eine These, die jetzt prompt bestätigt wurde. Dabei werden Diffamierungsversuche gegen die Männerrechtsbewegung letztlich ebenso scheitern wie gegen sämtliche neuen sozialen Bewegungen zuvor. Schon jetzt sind die Massenproteste in zahllosen Foren, Websites und Kommentarspalten des Internet unübersehbar. Weil viele ihren Unmut online artikulieren, wird das Ende des Feminismus nicht mit kameratauglichen Mengen eingeläutet, die "Wir sind das Volk" rufen, aber die Botschaft ist dieselbe wie damals, als der Sozialismus seine Abschiedsvorstellung gab. Diese Botschaft lautet: Wir wollen keine Funktionärskaste mehr, die über uns entscheidet, und ebensowenig ideologisierte Publizisten und "Forscher", die Fakten verdrehen und Halbwahrheiten verbreiten, um sich dieser Kaste anzudienen. Wir wollen eine faire Politik für beide Geschlechter – auch für das bislang vernachlässigte Geschlecht der Männer. Und von dieser Forderung wird uns keine auch noch so infame Schmähkritik abbringen.
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