Sicherlich erbringt die Grüne Gentechnik durch den verringerten Einsatz auch Vorteile für die Ökologie und in Zukunft auch bei der Verwendung trockenresistenter Pflanzen größte Einsparungen bei der Bewässerung der Felder.
FreieWelt.net:
Anhänger der ökologischen Landwirtschaft befürchten eine Vermischung ihrer Produkte mit transgenen Pflanzen. Wie wollen Sie so eine Vermischung vermeiden?Klaus-Dieter Jany: Bei einem großflächigen Anbau von transgenen Pflanzen, wobei aus vom Auskreuzungsverhalten abhängt, wird sich der vollständige Ausschluss nicht vermeiden lassen. Aber bereits heute werden Spuren bis zu 0,9% toleriert. Wie überall im Leben müssen auch hier Kompromisse eingegangen werden und Absicherung dieses Schwellenwertes von 0,9% wäre ein solcher. Wer allerdings kompromisslos auf eine vollständigen Ausschluss beharrt, wird über kurz oder lang „verlieren“. Der reine Fundamentalismus hat noch nie zur langfristigen-nachhaltigen Durchsetzung von Zielen geführt.
Gentechnik und ökologischer Landbau sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht grundsätzlich unvereinbar, heute verhindern weltanschauliche Ansichten und gesetzliche Vorgaben ein Zusammenwirken. Es wäre wünschenswert mit den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen neues Saatgut auch für den ökologischen Landbau zur Lösung von Problemen (z.B. Virusresistenz, Vermeidung von Kupferspritzmitteln) zu entwickeln.
FreieWelt.net: Auch gesundheitliche Risiken, wie beispielsweise die Produktion bisher unbekannter Allergene, werden befürchtet. Wo sehen Sie die größten Risiken der Grünen Gentechnik?
Klaus-Dieter Jany: Keine der ständig heraufbeschworenen Risiken aus dem Verzehr von Produkten aus gentechnisch veränderten Pflanzen, konnten bislang tatsächlich beobachtet oder gar wissenschaftlich nachgewiesen werden. Mit den auf dem Markt befindlichen transgenen Pflanzen bzw. den daraus hergestellten Lebensmittelhaben sich neue allergene Risiken ergeben. Vielmehr ist zu befürchten, dass gerade bei neu aus fremden Kulturkreisen auf den Markt kommenden Pflanzen allergene Gefährdungen ergeben können.
Ebenso konnte noch nie der horizontale Gentransfer von Antibiotika-Resistenzgene in transgenen Pflanzen durch den Verzehr der Pflanze über unsere Darmbakterien auf den Menschen oder direkt auf den Menschen festgestellt werden. Ein Transfer ist aus biologischen Gründen durchaus möglich, aber hierfür müssen sehr vielen biologische Vorgänge / Faktoren gleichzeitig aktiv auftreten. Dies ist aber mehr als unwahrscheinlich und die Gefährdung durch diesen horizontalen Gentransfer kann als sehr gering eingeschätzt werden.
Nach meiner Auffassung sind die Risiken für Mensch und Umwelt durch transgene Pflanzen bei einem sachgerechten Umgang grundsätzlich nicht anders einzuschätzen als bei konventionellen Pflanzen. Echte Risiken aus der Grünen Gentechnik können sich vielmehr im ökonomischen Bereich ergeben. Hierbei sehe ich zwei Hauptprobleme:
1.die Konzentration der Saatgutunternehmen und die daraus entstehende Monopolisierung der Saatguterzeugung und der Lebensmittelrohstoffe.
2.Der Verzicht der Grünen Gentechnik in Deutschland und das Ausklinken aus Forschung und Anwendung. Ein ähnliche Entwicklung hatten wir bereits bei der roten Gentechnik Ende Anfang der Neunziger Jahre im letzten Jahrhundert in Deutschland. Forschung und Unternehmen sind ins Ausland abgewandert. Die Produkte wurden im Ausland produziert (siehe Insulin) und dann nach Deutschland importiert. Die Wertschöpfung lag im Ausland!
Noch ist Deutschland in der Forschung mit an der Weltspitze, aber die Weiterentwicklung zu marktfreien Produkten erfolgt im Ausland. Wieder verliert Deutschland damit die Wertschöpfung! Deutschland leistet hier quasi Entwicklungshilfe für Amerika und China.
FreieWelt.net: Zudem wird den Konzernen, die 75% aller Patente im Bereich der grünen Biotechnologie halten, vorgeworfen, Landwirte in Abhängigkeit von ihren Produkten zu treiben.
Klaus-Dieter Jany: Der Anbau von transgenen Pflanzen erfolgt freiwillig, kein Landwirt wird dazu gezwungen. Trotz Patentlage und Technologieabgabe nimmt dennoch weltweit, mit Ausnahme in Europa, der Anbau transgener Pflanzen ständig zu. Offensichtlich versprechen sich Landwirte ökonomische Vorteile durch den Anbau transgener Pflanzen und dies nicht nur in den industrialisierten Ländern sondern gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Mit der Einführung von Hochleistungs- und Hybridsaatgut sind Landwirte, wiederum aus wirtschaftlchen Überlegungen immer mehr vom Nachbau des Erntegutes abgekommen und erheben jedes Jahr neues Saatgut. So erfolgt für Mais in Deutschland quasi kein Nachbau mehr, jedes Jahr wird neues Hybridsaatgut eingekauft. Hier stellt sich dann auch die Frage ob Landwirte bereits abhängig vom Saatguterzeuger sind?
FreieWelt.net: Welchen Umgang mit dem Thema „Grüne Gentechnik“ würden Sie sich von der Politik wünschen?
Klaus-Dieter Jany: Die Politik sollte offen und sachgerecht mit dem Thema „Grüne Gentechnik“ umgehen und sich hier nicht nur von wahltaktischen Überlegungen leiten lassen. Die Politik hat hinreichend gute Rahmenbedingungen und Gesetze zur Forschung, Zulassung und Kommerzialisierung gentechnisch veränderter Pflanzen geschaffen. Die Gesetze und Rahmenbedingungen sollten eigentlich einen sicheren Umgang mit transgenen Pflanzen ermöglichen und Forschungseinrichtungen, Saatgutunternehmen sowie (Lebensmittel-) Unternehmen Planungssicherheit geben. Allerdings ist dies gerade in Deutschland nicht gegeben. Politische und weltanschauliche Überlegungen werden in den Vordergrund gestellt und wissenschaftliche Erkenntnisse von der Politik weitgehend negiert oder überhaupt nicht beachtet. Die Politik sollte unbedingt wieder die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Sicherheit und Ökonomie transgener Pflanzen in ihre Entscheidungen verstärkt mit einbeziehen.
Das Interview führte Fabian Heinzel
zum Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik
zum Interview mit Dr. Steffi Ober, die im Rahmen der FreieWelt.net-Debatte einen gentechnikkritischeren Standpunkt vertritt
(Foto: Klaus-Dieter Jany)