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FreieWelt-Debatte:
Grundeinkommen
vs. Bürgergeld

Weitere Themen: Reformen, Wirtschaftspolitik



Das neue Format FreieWelt.net-Debatte ist eröffnet.  In der ersten Runde heißt es Ring frei für Ralph Boes von der "Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen" und Dr. Kerstin Funk von der Friedrich-Naumann-Stiftung. Boes plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1000 Euro.

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Funk hält dies für eine gefährliche Illusion hält und setzt sich stattdessen für die Einführung des "liberalen Bürgergeldes" ein.

zu den Interviews:

Ralph Boes: 1000 Euro bedingungsloses Grundeinkommen

Dr. Kerstin Funk: Grundeinkommen zerstört Arbeitsmoral


(Foto: Rike/pixelio.de)



Redaktion, 08.03.2010 16:33 | Kommentare (12)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (12)

Hans Unbekannt, 13.05.2010 14:30
Damit ein Beschäftigungsverhältnis zu Stande kommt braucht es nicht nur den Franc des Kapitalisten und die Hände des Arbeiters, sondern auch eine sinnvolle Aufgabe, für die der Kapitalist bereit ist zu zahlen. Und genau diese gehen uns aus.

ajki, 17.03.2010 17:01
Hui, ich dachte das mit dem Sozialismus haben wir auf der Welt schon ausprobiert.. Hat nicht gut geklappt..

/ajk


freigeist, 14.03.2010 18:19
Hallo,
LBG ist nicht einführbar ohne große Steuerstrukturreform. Alle steuerlichen
Ausnahmetatbestände am besten streichen.
Ich kenne einen Mittelständler, (unterer Mittelstand) mit Mietwohnblock, der seine geschiedene alte Frau vom Sozialamt bezahlen lässt. Sein Steuerberater trickst derart, dass es nicht zu fassen ist. Der Mittelständler hat einen Luxuswagen, Ferienwohnung, Villa, Mietwohnblock etc..
So etwas kann nur vorkommen dank des kompliziertesten Steuerrechts weltweit.
Sind wir denn nicht imstande diese Blödheit zu beenden? Wenn nein, dann zahlt mal schön, leider ich auch.
Grüße
Freigeist


Martin Müller, 09.03.2010 20:38
@Erwin Müller
Jetzt sagen Sie es doch gleich selbst: Wenn der zweite Franc in ein Finanzprodukt investiert wird, damit es ohne Arbeit sich vermehre, so ist das das, was man sieht. Was man nicht sieht, ist, dass ja dort auch jemand beschäftigt ist, der sonst nicht gebraucht würde. Und der überflüssige Arbeiter findet einen anderen Investoren, der ihm seinen überflüssigen Franc andient. Volkswirtschaft ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.


Frank Martin, 09.03.2010 12:02
Beide Modelle sind in ihrem Kern menschenverachtend und weltfremd zugleich.

Es verstößt gegen die Würde der Menschen, ihnen einfach einen irgendwie definierten Betrag zuzuteilen und davon auszugehen, daß sie damit ein tristes Leben fristen können. Ohne Not, ohne echten Ehrgeiz und ohne Anstrengung. So verwaltet man Zootiere und Lagerinsassen, aber keine freien Menschen.

Zudem kann man nicht einfach ignorieren, daß eine solche garantierte Hängematte den Anreiz setzt, sich nicht weiter um sich und seine Angehörigen zu kümmern, da ja alle versorgt scheinen.

Nur im Schlaraffenland wird der Faulste König. Es ist widerlich, solche sozialistischen Vorschläge zu sehen.


Erwin Müller, 08.03.2010 23:27
@Frank Müller:
Leider funktioniert das nicht so. Der zweite Franc wird eben nicht zur anderweitigen Beschäftigung des nun freien Arbeiters eingesetzt, sondern in Finanzprodukte investiert, auf dass er sich ohne Arbeit vermehre. Und dem beschäftigten Arbeiter wird eingeredet, dass er solche Produkte kaufen müsse, und 50% seiner Steuern gehen als Sozialhilfe an den nun arbeitslosen Kollegen.

Zum Thema:
Beide Modelle haben einen gewissen Reiz.

Das BGE wird aber wohl schiefgehen, wenn es - wie im Vorschlag - zu hoch angesetzt wird. Wenn man mehr als nötig zum Leben hat, ist der Anreiz zum Arbeiten in der Tat weg. Und schon mit Hartz-4 ist er für viele nicht mehr da. Außerdem müsste das BGE auf Deutsche Staatsbürger beschränkt bleiben, was sich mit dem EU-Recht nicht verträgt. Jeder EU-Bürger hat Anspruch auf deutsche Sozialhilfe, wenn er seinen Wohnsitz hier hat! Schließlich ist es einfach vom Finanzvolumen nicht durchführbar. Nicht weil das Geld per se nicht vorhanden wäre, aber die Maschinerie die nötig wäre das Dreifache des Staatshaushaltes umzuverteilen, wäre gigantisch.

Das LBG könnte eine sinnvolle Alternative zu Hartz-4 darstellen. Auch Arbeiten, die schlecht entlohnt werden wie z.B. im Friseurhandwerk, schaffen einen deutlichen Abstand nach unten, wenn das LBG nur anteilweise angerechnet wird. Und das ohne Arbeit zu verteuern und ohne eine derart massiv gesteigerte Umverteilung = Steuererhöhung wie beim BGE. Die von Frau Funk genannte Summe mal 12 Monate mal 10 Mio Empfänger wären etwa 80 Mrd Euro. Der aktuelle Sozialhaushalt ist jetzt doppelt so hoch. Die nötige Bürokratie ist auch schon vorhanden.


Martin Müller, 08.03.2010 22:11
Offenbar sind Kommentar in der Länge beschränkt. Hier also noch der Rest zu dem unten von 21:19 Uhr:

Gibt es also eine Veränderung auf der Welt? Es gibt eine nationale Befriedigung mehr, mit anderen Worten, die Erfindung ist eine kostenlose Eroberung, ein kostenloser Gewinn für die Menschheit.

Ende Zitat.

Deshalb komme ich zum Schluss: Das bedingungslose Grundeinkommen verhindert (oder mindestens behindert) Innovation, weil es den Innovativen, die investieren möchten, die Arbeiter verteuert.

Die Frage dreht sich daher nicht um Bürgergeld oder bedingungsloses Grundeinkommen. Sondern: Welche Alternativen gibt es in der klassischen liberalen Literatur dazu.


Kokospalme, 08.03.2010 21:30
@Lars-Michael Lehmann:

Als die Väter und Mütter des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ in selbiges schrieben, wollten sie damit wohl eher Konzentrationslager anstatt niedrige Löhne verhindern. Aber viele Deutsche haben anscheinend vor lauter Wohlfahrtsfetischismus mittlerweile jegliches gesunde Maß verloren.


Martin Müller, 08.03.2010 21:19
Beim liberalen Bürgergeld fällt ins Gewicht, dass es an die Bedingung der Bedürftigkeit geknüpft ist. Eine Bedingung aber muss definiert werden und unterstehen damit der politischen Willkür der gerade installierten Regierungsclique. Zum Beispiel besteht die Gefahr, dass man die Bedürftigkeitsschwelle dynamisch definiert, um sich deren jährliche Anpassung und die damit in Verbidung stehenden Auseinandersetzungen zu entledigen. Also zum Beispiel 40 Prozend des Einkommensmedians. Was dann zur Folge hat, dass bei konjunkturell steigenen Einkommen die Anzahl Bedürftiger automatisch zunimmt. Voilà!

Eine Bedingung aber will auch verwaltet werden, denn es muss deren Zutreffen ja festgestellt werden. Ein Heer von Beamten, rekrutiert aus den Tausenden jährlicher Abgänger sozio-philosophischer Studienrichtungen, wird damit nicht zu vermeiden sein. Ebensowenig wie Bedürftigkeitsdetektive, welche den Bedürftigen hinterherschnüffeln, ob sie wirklich nicht noch irgendwo schwarz ein Zubrot verdienen.

Dass das Netto nichts bringt, scheint auf der Hand zu liegen und wenn ich mich richtig erinnere, hatte dies auch Milton Friedmann irgendwann mal erkannt.

Von der Einfachheit her würde da viel eher das bedingungslose Grundeinkommen bestechen. Doch diese Theorie geht von einem falschen Begriff der Arbeit aus und funktioniert deswegen nicht.

Vertreter des BGE wie Ralph Boes behaupten, dass die Rationalisierungsprozesse Arbeit abschaffen und dafür Arbeitslosigkeit schaffen. Ein Schelm, wer ausgerechnet in dieser Frage eindimensional denkt! Diesen Vorgang hat nämlich schon Frédéric Bastiat in seiner Schrift "Ca q'on voit, et ça q'on ne voit pas" beschrieben. Im Kapitel VIII steht Eingangs die Provokation: "Fluch den Maschinen! Jedes Jahr stößt ihre vordringende Macht Millionen von Arbeitern in den Pauperismus, indem sie ihnen die Arbeit nimmt, mit der Arbeit den Lohn, mit dem Lohn das Brot! Fluch den Maschinen!"

Diese widerlegt er dann später mit folgenden Ausführungen:

Hans Biedermann besaß zwei Franc, die er zwei Arbeiter verdienen ließ. Aber nun erdachte er ein Arrangement aus Seilen und Gewichten, das die Arbeit um die Hälfte vermindert.

Also erhält er die gleiche Befriedigung, spart einen Franc und entlässt einen Arbeiter. Er entlässt einen Arbeiter; das ist, was man sieht . Und weil man nur dies sieht, sagt man: "Da sieht man, wie das Elend der Zivilisation folgt, wie die Freiheit der Gleichheit verderblich ist. Der menschliche Geist hat eine Eroberung gemacht und sofort ist ein Arbeiter für immer in den Abgrund des Pauperismus gefallen. Es ist allerdings möglich, dass Hans Biedermann weiterhin beide Arbeiter arbeiten lässt, aber er wird nur jedem zehn Sous geben, weil sie sich untereinander Konkurrenz machen und sich zu herabgesetztem Preis anbieten. So werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Man muss die Gesellschaft neu organisieren."

Ein schöner Schluss und würdig des Anfangs! Glücklicherweise sind Anfang und Schluss alle beide falsch, denn hinter der Hälfte des Phänomens, die man sieht , steht die andere Hälfte, die man nicht sieht. Man sieht nicht den gesparten Franc von Hans Biedermann und die notwendigen Wirkungen dieser Ersparnis. Denn durch seine Erfindung gibt Hans Biedermann nur noch einen Franc für Handlanger aus, um eine bestimmte Befriedigung zu verfolgen, ihm bleibt ein anderer Franc. Wenn es also auf der Welt einen Arbeiter gibt, der seine unbeschäftigten Hände anbietet, so gibt es auf der Welt auch einen Kapitalisten, der seinen unbeschäftigten Franc anbietet. Diese beiden Elemente treffen und verbinden sich.

Und es ist klar wie der Tag, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage an Arbeit, zwischen Angebot und Nachfrage an Lohn kein bisschen anders geworden ist. Die Erfindung und ein Arbeiter, bezahlt mit dem ersten Franc, vollbringen jetzt das Werk, das vorher zwei Arbeiter vollbracht haben. Der zweite Arbeiter, bezahlt mit dem zweiten Franc, verwirklicht ein neues Werk.

Gibt es also eine Veränderung auf der Welt? Es gibt eine nationale Befriedigung mehr,...


Lars-Michael Lehmann, 08.03.2010 19:46
quatsch! Ein Gerüstbauer würde immer noch Arbeiten gehen. Es wird sicherlich eine ähnliche Lösung geben, ob es sich dann Bürgergeld oder BEG nennt, wäre mir Wurst. Man bräuchte dafür ein Volksentscheid.

Außerdem müssen wir uns dringend Gedanken machen, wie man Arbeit neu definiert. Und da geht es nicht nur um Niedriglohnjobs.

Nein es geht, um Würde.




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