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19.05.2013
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Weltweite Christenverfolgung nimmt zu - Markus Rode im Interview
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Christenverfolgung ist auch im 21. Jahrhundert weltweite Realität. Sie reicht von Diskriminierungen im Alltag bis hin zum Einsperren und Töten von Menschen, die sich zu ihrem christlichen Glauben bekennen. FreieWelt.net sprach jetzt mit Markus Rode vom Hilfswerk "Open Doors", das sich für verfolgte Christen in aller Welt einsetzt, über die Situation der Gläubigen und Möglichkeiten, ihnen zu helfen.

FreieWelt.net: Wie groß ist das Problem der Christenverfolgung im weltweiten Kontext?

Markus Rode: Religionsfreiheit gehört zu den zentralen und historisch ältesten Menschenrechten. Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde, bestimmt die Freiheit im Glauben, ebenso wie der von immerhin 165 Staaten unterzeichnete Internationale Pakt über Politische und Bürgerliche Rechte (1966). Doch in der Praxis ist diese Freiheit eines der sensibelsten und am häufigsten verletzten Rechte weltweit.

100 Millionen Christen verfolgt

Global gesehen werden derzeit rund 100 Millionen Christen verfolgt, weil sie dieses Menschenrecht leben wollen und sich zu ihrem Glauben an Jesus Christus bekennen. Im Detail zeigt der Open Doors-Weltverfolgungsindex jedes Jahr, wo die Verfolgung am stärksten ist. Dort aufgeführt sind 50 Länder, in denen Christen nicht frei und ungestraft ihren Glauben leben können, wie es ihre Glaubensgeschwister etwa hierzulande tun können.

Für uns in der westlichen Welt sind Religions- und Meinungsfreiheit grundlegend und selbstverständlich. Menschenrechte, die wir vielleicht nicht genug schätzen. Christen in Nordkorea werden sie tagtäglich verwehrt. Denn während das Regime ausländische Besucher mit Propagandakirchen in der Hauptstadt verblenden und Glaubensfreiheit vortäuschen will, leiden im selben Moment nahezu 70.000 Christen in nordkoreanischen Arbeitslagern. Erwischt beim Beten, Bibel lesen oder einfach nur, weil die Eltern an Jesus Christus glauben. Das macht auch Kinder zu Staatsfeinden. Ich erinnere an Ri Hyon-Ok. Die 33-Jährige wurde im vorigen Jahr  wegen Bibelverbreitung hingerichtet. Ihre drei kleinen Kinder, ihr Mann und ihre Eltern kamen in ein Arbeitslager. Ob sie noch leben, wissen wir nicht. Seit achten Jahren steht Nordkorea an der Spitze des Weltverfolgungsindex als schlimmster Christenverfolgerstaat.

Extremisten drangen in Häuser ein und erschossen willkürlich Menschen

In der islamischen Welt spüren wir massive Verschlechterungen. Seit Mitte Februar ist die christliche Gemeinschaft im irakischen Mosul erneut unter Beschuss. In Panik fliehen viele Familien aus ihrer Heimat. Extremisten drangen in Häuser ein und erschossen willkürlich Christen. Leichname wurden als Warnung einfach auf die Straße geschleppt.

Im Iran gab es voriges Jahr Verhaftungswellen, bei denen die Geheimpolizei Wohnhäuser gestürmt und 85 Christen mit muslimischem Hintergrund wegen ihres Glaubens inhaftiert und misshandelt hat. Anfang Januar wurden erneut sieben Christen verhaftet. Sechs sind ehemalige Muslime. Ihnen droht eine Anklage wegen Apostasie, d.h. Abfall vom Glauben, der nach der Scharia, dem islamischen Gesetz, ein todeswürdiges Verbrechen ist. Ihre Familien oder ein Rechtsbeistand darf  die gefangenen Christen nicht besuchen. Ein Gesetz, das für Muslime auf den Abfall vom Islam die Todesstrafe vorsieht, ist vorerst ausgesetzt worden. Möglicherweise auch aufgrund internationaler Proteste. Das heißt aber nicht, dass Christen mit muslimischem Hintergrund im Iran nicht anderer Verbrechen angeklagt und hingerichtet werden können.

Kaum Verbesserungen gibt es in islamisch geprägten Ländern für ehemalige Muslime. Wir erleben einerseits, dass viele Muslime etwa im Iran oder auch Algerien am christlichen Glauben interessiert sind und Christen werden. Doch andererseits sind gerade in diesen Ländern der Druck und die Verfolgung von ehemaligen Muslimen hoch. Denn die persönliche Entscheidung eines Muslims, seine Religion zu wechseln, wird von religiösen Eiferern und häufig der Familie des Konvertiten nicht respektiert. Die Gemeinschaft zählt mehr als der Einzelne. Stattdessen soll der „Abtrünnige“ etwa mit Gewalt zum Islam zurückgebracht werden oder sterben - wie im vorigen Jahr mindestens elf Christen in Somalia. In Usbekistan machen Medien weiter Stimmung gegen Christen. Die Hausdurchsuchungen haben zugenommen.

FreieWelt.net: Was verstehen Sie konkret unter dem „Verfolgung“?

Markus Rode: Open Doors folgt einem weiten Verständnis des Begriffs „Christenverfolgung“. Danach herrscht Verfolgung nicht nur, wenn der Staat Einzelne oder ganze Gruppen von Christen wegen ihres Glaubens einsperrt, verletzt, foltert oder tötet, wie es die Realität in vielen Ländern ist. Verfolgung herrscht auch dann, wenn Christen aufgrund ihres Glaubens beispielsweise ihre Arbeit oder ihre Lebensgrundlage verlieren, wenn Kinder aufgrund ihres Glaubens oder des Glaubens ihrer Eltern keine oder nur eine schlechte Schulbildung bekommen oder Christen aufgrund ihres Glaubens aus ihren angestammten Wohngebieten vertrieben werden.
Diese Beispiele kann man auch Diskriminierung nennen, das ändert aber nichts daran, dass sie durch internationale Erklärungen und Konventionen verboten sind und bekämpft werden müssen.

Ebenso steht es, wenn es Christen nicht erlaubt ist, Kirchen zu bauen oder sich auch nur privat zu versammeln, wenn die Registrierung einer christlichen Gemeinde oder Organisation nur unter schikanösen Bedingungen oder auch gar nicht möglich ist. Ob dies bereits Verfolgung oder noch Diskriminierung zu nennen ist, sehen wir nicht als nicht entscheidend an, denn die Grenzen und das persönliche Empfinden der Opfer sind fließend

Verfolgung verlagert sich auf die private Ebene

In den vergangenen Jahren hat Open Doors zunehmend beobachtet, dass sich die Verfolgung von Christen von staatlicher Seite immer mehr auf die private Ebene der Nachbarn und Dorfgemeinschaften verlagert hat. Auch dieses Phänomen ist als Verfolgung zu verstehen, da es für die Opfer keinen Unterschied macht, wer sie verfolgt. Dazu kommt, dass in diesen Fällen ein christenfeindlich eingestellter Staat regelmäßig nicht interveniert – weder mit polizeilichem oder militärischem Eingreifen noch mit einer späteren Untersuchung der Verantwortlichkeit.

FreieWelt.net: Christen sind weltweit einer der größten Gruppen überhaupt.  Warum wehren sie sich nicht stärker gegen Verfolgung?

Markus Rode: Mit welchen Mitteln? Um die Frage zu beantworten, muss man die Lebenswelt verfolgter Christen kennen. Wie können sich 70.000 in Arbeitslagern gefangene Christen in Nordkorea wehren? Gegen ein Regime, dass sein Volk unterdrückt. Einen Rechtsbeistand können sie nicht engagieren. Was hätte ein somalischer Christ islamistischen Terroristen entgegensetzen können, die seine Kinder entführten und enthaupteten, weil er einen Gemeindeleiter nichts ans Messer liefern wollte. Oder wie sollten sich Tausende Christen mit muslimischem Hintergrund dagegen wehren, wenn sie von ihrer eigenen Familie eingesperrt, misshandelt oder zwangsverheiratet werden, weil sie nicht zurück zum Islam kehren wollen?  Natürlich ist die Geduld vieler nigerianischer Christen bis auf Äußerste ausgereizt, weil ihre Häuser und Kirchen immer wieder niedergebrannt oder geplündert werden, ihre Pastoren gezielt ermordet und Witwen mit ihren Kinder nicht wissen, wie sie ohne das Einkommen ihrer Männer über den nächsten Tag kommen sollen.

Verfolgte Christen haben oft keine Stimme

Hier sollten wir unsere Freiheit nutzen, um ihnen zu helfen. Denn verfolgte Christen haben oft keine Stimme, die sie erheben können. Auf Gewalt mit Gegengewalt zu reagieren, widerspricht der biblischen Botschaft „Liebt eure Feinde und vergebt ihnen“. Was uns leicht als Bibelzitat über die Lippen gehen mag, ist für verfolgte Christen wohl die größte Herausforderung an gelebtes Christsein. Hierbei helfen wir ihnen beispielsweise mit Traumaseminaren oder theologischen Schulungen.
Nein, hier müssen wir uns alle engagieren. Und dazu rufen wir als Hilfswerk für verfolgte Christen immer wieder auf. Vor allem zu Gebet. Zur Verfolgung darf nicht auch noch das Vergessen kommen. Wir müssen ihre Stimme sein: in der Gesellschaft, in Kirchen, in der Politik und Medien.  Jede Nachricht über einen Angriff auf Christen sollte ein Gebetsanliegen sein. Jede Unterschrift unter eine Petition zur Freilassung eines gefangenen Christen ist gelebte Solidarität.

Auch wenn sich die Rahmenbedingungen möglicherweise nicht sofort ändern, zeigt es den Christen doch: Ihr seid uns nicht egal. Wir stehen an eurer Seite. Und der Druck der Öffentlichkeit zeigt unseren Volksvertretern: Uns ist nicht egal, was den Christen im Irak oder Indien oder auch Afghanistan geschieht.
Um Christen andererseits eine Perspektive zu geben, in Verfolgungssituationen christlich-ethisch zu handeln, helfen wir ihnen mit einem breiten Schulungsangebot. Bildung und Wissen sind auch hier der Schlüssel zu Verständnis und Handeln.

FreieWelt.net: Welche Strategien verfolgt „Open Doors“, um der Christenverfolgung Einhalt zu gebieten?

Markus Rode: Als Hilfswerk steht die Unterstützung der Opfer für uns an erster Stelle. Wir wollen nicht nur über verfolgte Christen sprechen, sondern mit ihnen. Was sind ihre Bedürfnisse? Wie können wir sie dabei unterstützen, gemeindliches Leben in ihrer Heimat trotzallem aufrechtzuhalten? Welche Hilfe brauchen Christen, die vor ihren Peinigern fliehen müssen? Da sind die Fragen, die wir gemeinsam mit lokalen Kirchen und Christen erörtern. Durchaus gibt es friedliche Koexistenzen zwischen Muslimen und Christen in Verfolgungsstaaten. Doch dort, wo Regime oder extremistische Gruppierungen Hass gegen Christen schüren, Medien negativ berichten, genügt ein Funke - ein Gerücht – wie etwa im August 2008 im indischen  Orissa – und christliche Dörfer stehen in Flammen.  Oder im Fall des in China im vorigen Jahr zu 15 Jahren Gefängnis verurteilten uigurischen Christen Alimjiang Yimiti. Ein Hausgemeindeleiter, loyal und fleißig, mit eigenem Betrieb. Er hat ein Interview mit westlichen Medien geführt, was zu der ungerechtfertigten Anklage geführt hat, dass er Staatsgeheimnisse an ausländische Organisationen weitergegeben haben soll. Der Familienvater braucht jetzt unsere Unterstützung. Wir haben eine Petition für die Freilassung an die chinesische Botschaft mit Kopie an das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland initiiert (www.opendoors-de.org). Hier zählt jede Unterschrift.

Denn internationaler Druck auf Regierungen, der Protest der Öffentlichkeit mag erreichen, dass ein Staat einlenkt und Christen besser schützt. Daher informieren wir mit unserer breiten Öffentlichkeitsarbeit  – wir nennen das Sprachrohrdienst - in der so genannten freien Welt über Fälle von Christenverfolgung. Wir rufen zum Gebet auf und bauen quasi eine Brücke zu verfolgten Christen. Denn nur wer informiert ist, kann konkret handeln.

FreieWelt.net: Gehen Sie davon aus, dass die Christenverfolgung in den kommenden Jahren zu- oder abnehmen wird?


Markus Rode: Leider können wir nach unseren Erkenntnissen nicht davon ausgehen, dass die weltweite Christenverfolgung abnehmen wird. Wir sehen eher eine weitere Radikalisierung des Islam und sehen auch mit Sorge die zunehmende Radikalisierung der Hindus in Indien. Auch China und andere kommunistische Christenverfolgerstaaten wie Vietnam und Laos haben sich die Option offengehalten Christen jederzeit willkürlich zu verfolgen. Aus biblischer Perspektive betrachtet, ist Verfolgung zu allererst eine Folge eines entschiedenen Christseins. Verfolgung würde nur dann nachlassen, wenn Christen aufhören würden, ihren Glauben zu bezeugen. Doch die friedliche Weitergabe des Evangeliums ist der biblische Auftrag jedes Christen.

Christliche Botschaft als Befreiung

Für Christen in Verfolgungsländern ist das Bezeugen ihres Glaubens ein Akt der Nächstenliebe, denn sie bezeugen unter Lebensgefahr nur das, was sie selbst erfahren haben, dass Jesus Christus für ihre Sünden bereits am Kreuz bezahlt hat. Besonders  Muslime, die Christen wurden, erleben die christliche Botschaft als Befreiung. Mancher von ihnen war vorher bereit, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen, um ins Paradies zu gelangen. Dass dies jetzt nicht mehr nötig ist, um sich ewiges Leben zu sichern, ist eine Revolution in ihrem Leben, an der sie Freunde und Verwandte auch unter großen Risiken  teilhaben lassen wollen. Doch viele Christen sind auch dann harten Verfolgungen ausgesetzt, wenn sie sich nur zum Gebet treffen wollen oder eine Bibel besitzen. Sie bitten um unsere Unterstützung, damit sie ihren christlichen Glauben leben dürfen.

Da Religionsfreiheit ein fundamentales Menschenrecht ist, dürfen wir deshalb nicht tatenlos bleiben..  Unsere Vision ist, dass jeder verfolgte Christ mindestens eine Person an seiner Seite weiß, die für ihn einsteht. Wir  sind für jeden Christen und jeden Politiker dankbar, der die Courage hat, dieses Thema öffentlich anzusprechen. Und wir hoffen, dass viele Menschen sich im Gebet und durch konkrete Hilfe für verfolgte Christen einsetzen.

(Mehr Informationen hierzu unter www.opendoors-de.org)
Markus Rode (48) ist Leiter von Open Doors Deutschland e.V.

Ausführlicher Weltverfolgungsindex unter http://www.opendoors-de.org/verfolgung/weltverfolgungsindex/
Hier werden Christen am stärksten verfolgt
Platz 1        Nordkorea
Platz 2        Iran
Platz 3        Saudi-Arabien
Platz 4        Somalia
Platz 5        Malediven
Platz 6        Afghanistan
Platz 7        Jemen
Platz 8        Mauretanien
Platz 9        Laos
Platz 10        Usbekistan
    
Kontakt:
Open Doors
Postfach 1142
D-65761 Kelkheim
T +49 6195 – 67 67 0
F +49 6195 – 67 67 20
E info@opendoors-de.org
I www.opendoors-de.org

Das Interview führte Fabian Heinzel

(Foto: Markus Rode)

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Redaktion, 02.03.2010 10:38 | Kommentare (4)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (4)

Bela Barman, 08.06.2010 11:00
Christen werden verfolgt, weil sie Jesus lieben, für sie ist es keine Illusion, sondern sie erfahren jeden Tag seine Liebe. Allerdings ist das kein Leben für Feiglinge, sondern echte Herausforderung, sein Leben Jesus zu geben und mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Andererseits ist das Leben ohne ihn schal, verglichen mit dem Abenteuer Leben mit ihm...

freigeist, 04.03.2010 19:55
Wer in einem Land wie Nordkorea missioniert, egal welche Religion, macht sich schuldig, dass die religiös Verführten dann eingesperrt werden, nur aufgrund einer Religion- prue Illusion. In solchen Fällen kann Missionierung regelrecht Tod bedeuten.
Verwerflich!


Freigeist, 03.03.2010 00:38
Hallo,
nach Darwin gedacht: Religion soll angeblich beim Leben und Überleben hilfreich sein, behaupten die Religiösen aller Schattierungen.
Für die derzeit Verfolgten ist es jedoch nicht so. Darwinisch gedacht erleiden die Verfolgten jede Menge Nachteile – sogar erhebliche evolutionäre Nachteile. Den Supergau. Deshalb sollten die Verfolgten besser zeitweise ihre Religion aufgeben und sich ducken, bis der Sturm vorüber ist. Falls es eignen Gott gibt, sollte er dafür Verständnis haben. Falls es Gott/Göttin/Götter nicht geben sollte, schadet ein sich Ducken schon gleich gar nicht.
Grüße
Freigeist


peter, 02.03.2010 12:35
Open Doors macht eine super Arbeit.
Ich unterstütze OD im Gebet und Materiell.
Gottes Segen



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