suchen
19.05.2013
Einloggen | Registrieren
 
 
 
Russland und die Finanzkrise
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik



Auch Russland befindet sich in der Finanzkrise. Nach jahrelangem Haushaltsüberschuss muss Russland nun doch auf seine Reserven zurückgreifen. Die Auswirkungen  sind jedoch stärker spürbar als in anderen Industrieländern.

Lesen Sie hier einen ausführlichen Bericht unserer Redaktion über die Wirtschaftslage in Rußland.

Nachdem Russland in letzten Jahren stetig einen Haushaltüberschuss vorzuweisen hatte – allein im vorigen Jahr ist Russlands BIP nach Angaben der Statistikbehörde Rosstat um 5,6 % gestiegen – muss der Staat in diesem Jahr mit enormen Verlusten rechnen. Arkadi Dworkowitsch, der Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten, rechnet mit einem Defizit von 8 bis 10 % in der Haushaltskasse. Ein Minus von über 10 % wären nach Dworkowitschs Angaben kaum zu verkraften. Hatte der Haushaltsentwurf für 2009 doch ursprünglich ein weiteres Profizit vorgesehen.

12 Millionen Arbeitslose möglich

Fatale Auswirkungen hat die Krise bereits seit dem letzten Quartal des vergangenen Jahres auf den russischen Arbeitsmarkt. Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheitswesen und Soziale Entwicklung (Ministerstwo sdrawoochranenija i sozialnowo raswitija) könnte die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr dramatisch ansteigen. Derzeit gebe es in Russland etwa 1,548 Millionen registrierte und 5,8 Millionen unregistrierte Arbeitssuchende. Ende 2009 könnten es insgesamt bereits 12 Millionen sein.

Drastischer Anstieg der Kriminalitätsrate erwartet

Letztendlich bedeutet hohe Arbeitslosigkeit auch immer einen Anstieg der sozialen Probleme. Sprich: die Kriminalitätsrate wird vor allem in den Industriegebieten, wo die Entlassungswellen am stärksten sind, spürbar ansteigen, da die Menschen aufgrund fehlender Einkünfte regelrecht zu Straftaten gezwungen sein werden. Doch auch diejenigen, welche Ihren Job behalten können, werden vom Ausfall der Löhne nicht verschont bleiben.

Flucht aus dem Rubel  in Dollar und Euro

Die Krise hat das Vertrauen der Russen in die finanzielle Sicherheit erschüttert. Die Russische Statistikbehörde Rosstat errechnete mit Daten aus Meinungserhebungen den Index der finanziellen Sicherheit und stellte überwiegend vorherrschenden Pessimismus fest. So ist es nicht verwunderlich, dass angesichts der stetigen Abwertung des Rubels die Nachfrage der russischen Bevölkerung nach Valuta im Dezember 2008 gegenüber dem Vormonat um 47% auf ein Rekordhoch von 18,9 Milliarden US-Dollar gestiegen war. Vor allem die Nachfrage nach Dollar und Euro nahm signifikant zu.

Inflation trifft auch den reichen und armen Teil der Bevölkerung

Die Finanzkrise und die damit verbundene drastische Inflation machen auch vor der reichen Bevölkerung Russlands nicht halt. Konstantin Simonow, der Präsident des Zentrums für politische Konjunktur, rechnet mit einem starken Rückgang der Zahl der Reichen und  - logischerweise – mit einem hohen Anstieg der Armut.
In Russland wird gespart. Wie die Zeitung „Wedomosti“ am 04. Februar berichtete, lagen die Ausgaben der russischen Bevölkerung im Jahr 2008 zum ersten Mal über ihren Einkünften, und zwar um 4,1 Milliarden Rubel. Noch im Jahr 2007 lagen die Einkünfte um 819 Milliarden Rubel über den Ausgaben.  Doch nun reicht vielerorts auch das Ersparte nicht mehr.

Russen halten ihr Geld zusammen


Nun beginnt man, an Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs zu sparen. Auch die Reichen halten ihr Geld zusammen. So schrieb die Internetzeitung „Gazeta.ru“ am 4. Februar, dass die Russischen Parteien derzeit mit hohen Sponsoreneinbußen konfrontiert werden. Dmitri Badowski, der stellvertretende Direktor des Instituts für Sozialsysteme in Moskau hält es für eine logische Konsequenz der Krise, dass Unternehmer, die bisher die Parteien aber auch andere Einrichtungen wie die Russisch-Orthodoxe Kirche finanziell unterstützten, sich nun mehr und mehr zurückziehen. Eine Distanzierung der großen Sponsoren ist aber auch ein Schritt in die Unabhängigkeit der Parteien von Politik und Wirtschaft, so Badowski. 

Voraussichtlich erst ab 2011 wieder Anstieg der Konjunktur

Russland war auf die Krise wohl kaum vorbereitet. Die Wirtschaft orientiert sich vor allem auf den Rohstoffexport. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA-Novosti prognostizierte der namhafte Wirtschaftsprofessor Wladimir Kwint, dass Russland länger als andere Industrieländer die Auswirkungen der Krise spüren wird. Erst 2011 sei wieder mit einem Anstieg der Konjunktur zu rechnen. Dagegen, so Kwint, könnte die US-Wirtschaft schon Ende diesen Jahres die Krise überwunden haben. Russland habe es verpasst, in guten Zeiten in Bildung und Forschung zu investieren und überhaupt eine dauerhafte Wirtschaftsstrategie zu entwickeln, wie es beispielsweise China schon längst getan hat.

Rußland muß seine Reserven angreifen

Nun muss Russland seine Reserven angreifen. Und die sind auch vorhanden. Dank der hohen Ölpreise haben sich in Russlands Stabilitätsfonds Milliarden angesammelt. Geht man von Dworkowitschs Prognose aus, wird sich Russlands Defizit auf knapp 100 Milliarden Euro belaufen. Eine Kürzung des Sozialen Budgets plant die Regierung nicht. Dworkowitsch spricht der sozialen Fürsorge absolute Priorität zu. Auch die Finanzierung der staatlichen Banken kann nicht eingeschränkt werden, denn dies würde zwangsläufig eine weitere Pleitewelle verbunden mit Massenarbeitslosigkeit und Armut auslösen. Es bleibt die Frage, wo letztendlich gespart werden soll.

 

Foto: Lothar Wandtner/pixelio

ANZEIGE




Redaktion FreieWelt.net, 23.06.2009 06:34 | Kommentare (0)




 
  Kommentare (0)


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 
Umfrage

Welche Rolle spielt heute noch Angela Merkels DDR-Vergangenheit?

Foto: Songkran/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0




Ergebnis




Spruch des Tages
"Jeder Morgen ist eine neue Berufung." - Martin Buber

ANZEIGE

ANZEIGE

Interviews

Dr. Reinhard Löffler Cohn Bendit ist kein Vorbild
Dr. Reinhard Löffler
CDU-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg

Bruno Bandulet »Nach der Bundestagswahl wird richtig geschröpft«
Bruno Bandulet
Journalist

John Allan Hattie Visible Learning
John Allan Hattie
Direktor des Melbourne Education Research Institute

Dominik Geppert »Eine extrem mutige und polarisierende Politikerin«
Dominik Geppert
Professor an der Universität Bonn

Theresia Theurl »Lateinische Münzunion von Beginn an fehlerhaft«
Theresia Theurl
Professorin der Universität Münster

Mehr Interviews


Empfohlene Beiträge

CSU-Landesgruppe für EU-Referenden CSU-Landesgruppe für EU-Referenden

Lucke irritiert in Raab-Talkshow Lucke irritiert in Raab-Talkshow

Umfrage: Islam und Deutschland Umfrage: Islam und Deutschland

Pädophilie: Archivmaterial zu Cohn-Bendit unter Verschluss Pädophilie: Archivmaterial zu Cohn-Bendit unter Verschluss

"EU-Referendum jetzt"  - Joachim Spatz antwortet für FDP-Fraktion "EU-Referendum jetzt" - Joachim Spatz antwortet für FDP-Fraktion


Empfohlene Blogs

author Dr. Gérard Bökenkamp
Steuerwettbewerb und Bürgerbeteiligung statt Einheitssteuersatz

author Vera Lengsfeld
Der Tatort als geistiger Brandstifter

author Dr. Klaus Peter Krause
Immer wieder und immer noch - das Bodenreformland

author Jürgen Liminski
Volkes Wille gegen Ideologen

author Wolfgang Röhl
Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei. Zur Debatte über einen Achse-Beitrag von Akif Pirincci


Meist gelesen
    Berliner AfD im Chaos

    EU-Geheimdienste außer Kontrolle?

    Forscher: Merkel war DDR treu

    »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

    Vertrauen in Europa schwindet

Video

Beatrix von Storch zur Zypernkrise Beatrix von Storch zur Zypernkrise

Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty

Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch

Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion? Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion?

Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof


Galerien

Forum Familie 2013 in Berlin Forum Familie 2013 in Berlin

Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag

ESM-Diskussion vor 300 Gästen - Volles Haus gegen Schuldenunion ESM-Diskussion vor 300 Gästen  - Volles Haus gegen Schuldenunion


Reportage

»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

Beatrix von Storch in Baden-Württemberg Beatrix von Storch in Baden-Württemberg

Willensbildung: Bürger, mischt euch ein! Willensbildung: Bürger, mischt euch ein!

Die Signale häufen sich: Das Bargeld-verbot kommt Die Signale häufen sich: Das Bargeld-verbot kommt

Gregor Gysi, seine Linkspartei und die Privatisierung der Wasserversorgung Gregor Gysi, seine Linkspartei und die Privatisierung der Wasserversorgung

Mehr Reportagen


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Allgemein
Babyklappen vor dem Aus?
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Sarko-Kopie François Hollande
Finanzkrisen
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Banken-Stresstest verschoben
Nahost-Konflikt
Lage in Nahost spitzt sich zu
Naht US-Einsatz in Syrien?
SPD will Girokonto für alle
DDR-Unrecht
Medikamententests auch im Stasi-Knast?
DDR verkaufte Patienten als Versuchskaninchen
Roland Jahn: Allen DDR-Opfern gedenken
Bildung
»Der Markt entscheidet nichts«
Guter Unterricht braucht Leidenschaft
Good Teaching demands on Passion
Innenpolitik
Schneller Jobs für Asylbewerber
EU-Handelskrieg mit China?
Armenier fordern Verbot türkischer Schulbücher
Reformen
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Banken-Stresstest verschoben
Wirtschaftspolitik
Türkei nicht mehr Ramsch
Banken-Stresstest verschoben
Schneller Jobs für Asylbewerber
Familie
Erster Menschen-Klon
Familien in der Minderheit
»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg
Autoindustrie
SPD und Grüne für Tempolimit
Automarkt brummt nicht mehr
Absatzkrise läßt Daimler straucheln
Wahlen
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
Finanzamt als Zensurbehörde
BT-Wahl: Steinbrück optimistisch
Justiz
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
BGH urteilt gegen Google

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008