Das macht es für die Polizei schwer, Tatverdächtige auf frischer Tat beweissicher festzunehmen.
Die von Ihnen genannten Zahlen stimmen so nicht. Im Jahr 2009 verzeichnete die Berliner Polizei 320 Brandanschlagsfälle auf Fahrzeuge, von denen 145 Fälle vermutlich politisch motiviert waren. Im laufenden Jahr sind es mit heutigem Stand 23 Fälle, davon vier, die der politisch motivierten Kriminalität zuzuordnen sind.
FreieWelt.net:
Gleich mehrere der Brandstiftung verdächtigte Personen sind in den letzten Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen und/oder freigesprochen worden. Entweder haben also Menschen zu Unrecht Zeit in U-Haft verbracht oder es ist den Ermittlungsbehörden nicht gelungen, Straftäter zu überführen. Was für Lehren will die Polizei aus dieser Erfahrung ziehen?
Thomas Neuendorf: Keines dieser Verfahren ist bisher rechtskräftig abgeschlossen. Eine Bewertung verbietet sich daher.
FreieWelt.net: Bisher ist es bei den meisten Anschlägen bei Sachschäden geblieben. Wie groß ist die Gefahr, dass auch Personen zu Schaden kommen könnten?
Thomas Neuendorf: Wie bei allen Bränden, ist bei Brandanschlägen auf Fahrzeuge jederzeit die Möglichkeit gegeben, dass auch Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden. Zum Teil war es nur dem Zufall zu verdanken, dass Menschen nicht zu Schaden kamen.
FreieWelt.net: Befürchten Sie, dass betroffene Bürger zur Selbsthilfe greifen könnten, wenn es der Polizei nicht gelingt, dass Problem der Brandanschläge besser in Griff zu bekommen?
Thomas Neuendorf: Nein.
FreieWelt.net: Ein Großteil der Anschläge hat eindeutig einen linksextremistischen Hintergrund. Dennoch wurde Familienministerin Köhler für ihren Plan, den Kampf gegen Linksextremismus auszuweiten, aus anderen Parteien kritisiert. Eine Angehörige der Linkspartei, die ja in Berlin auf Landesebene eine Regierungspartei ist, hat sogar Verständnis für Mitglieder der „Militanten Gruppe“ geäußert, die versucht haben, einen Brandanschlag auf Fahrzeuge der Bundeswehr zu verüben. Fühlen Sie sich von der Politik bei Ihrer Arbeit ausreichend unterstützt?
Thomas Neuendorf: „Die Politik“ gibt es nicht, aber es gibt Politiker aus unterschiedlichen Parteien, von denen sich die Polizei nicht ausreichend unterstützt fühlt. Dazu gehören diejenigen, die Verständnis für Gewalttäter äußern, aber auch die, die die den Gewalttätern durch ungerechtfertigte Kritik an der Polizei in den Medien zusätzliche Erfolgserlebnisse verschaffen.
Das Interview führte Fabian Heinzel
(Foto: xafia/pixelio.de)