Es ist daher zu erwarten, dass die Politik mit Senkungen reagieren wird, was gleichzeitig wieder ein Ansteigen von Altersarmut bedeuten würde. Vor allem sollte man sich aber das Verhältnis zwischen Beamtenpensionen und gesetzlicher Rentenversicherung genauer anschauen.
FreieWelt.net: Sollte nicht das System der Finanzierung der Pensionen als solches in Frage gestellt werden?
Markus Grabka: Zumindest sollte bei den betroffenen Berufsgruppen überprüft werden, ob diese wirklich Beamte sein müssen. Eine komplette Systemrevolution ist nicht sinnvoll. Viel mehr sollte aber das Augenmerk auf die Vielzahl der ALG II-Empfänger gelegt werden, denen künftig Altersarmut droht.
FreieWelt.net: Welche Konsequenzen sollte die Politik daraus ziehen?
Markus Grabka: Insbesondere eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung ist wichtig. Statt einer Fixierung auf den Beitragssatz sollte wieder das Versorgungsniveau im Vordergrund stehen. Dabei werden zwar die Beitragssätze steigen, doch diesem Problem kann durch eine Umfinanzierung der versicherungsfremden Leistungen der Rentenversicherung begegnet werden.
FreieWelt.net: Wie groß ist das Problem der Altersarmut in Deutschland und wie ist diese Altersarmut definiert?
Markus Grabka: Noch ist das Problem begrenzt, allerdings ist aufgrund der großen Zahl von Erwerbslosen und duchlöcherten Erwerbsverläufen mit einer deutlichen Verschärfung zu rechnen, vor allem in Ostdeutschland. Bei der Definition orientieren wir uns am Sozialhilfesatz.
FreieWelt.net: Sie kritisieren in Ihrer Studie auch die Ungleichheit der Vermögensverteilung. Ist aber eine Gleichverteilung von Vermögen wirklich ein erstrebenswertes Ziel? Es scheint doch besser, wenn in einer Sozialen Marktwirtschaft Vermögen zwar ungleich verteilt sind, aber niemand im Elend leben muss als wenn in einer anderen Wirtschaftsform alle das Gleiche aber alle zu wenig haben?
Markus Grabka: Es geht nicht um allgemeine Gleichmacherei. Mit einem bestimmten Ausmaß von Ungleichverteilung sind aber auch negative Effekte verbunden, da gerade Vermögen spezifische Funktionen wie eine Machtfunktion aufweisen.
FreieWelt.net: Wie viele Jahre geben Sie dem jetzigen Rentensystem noch?
Markus Grabka: Ich gehe davon aus, dass in Ostdeutschland bereits in den nächsten fünf Jahren das Risiko für Altersarmut deutlich steigt. Neben Arbeitslosigkeit wirkt sich auf die weitaus weniger verbreiteten Betriebsrenten und weit unterdurchschnittlichen Geldvermögen aus. Im Westen wird es etwas länger dauern.
zum DIW
Das Interview führte Fabian Heinzel
(Foto: Markus Grabka)