Doch in der Parteispitze scheint es Zurückhaltung zu geben. Warum?
Martin Lohmann: Vielleicht, weil Frau Merkel mit Kundus und anderen heißen Eisen sehr viel zu tun hat. Die Parteivorsitzende ist ja schließlich auch Kanzlerin. Aber es gibt einen guten Gesprächsfaden mit dem CDU-Generalsekretär, der nach eigenen Aussagen ja immerhin die Nummer Zwei der Partei ist. Wir wissen aber, dass man im Adenauerhaus sehr interessiert und genau hinschaut, was der AEK macht und wie er sich entwickelt. Dort hat man längst erkannt, dass der AEK eigentlich der Partei insgesamt nur helfen kann. Und es hat sich herumgesprochen, dass katholische Christen dieselben Rechte haben und nutzen können wie andere. Schließlich ist es letztlich eine ganz normale Sache, wenn sich katholische Unionsmitglieder und Unionsfreunde zu einem Arbeitskreis zusammenschließen. Wir vom AEK halten das jedenfalls für einen ebenso selbstverständlichen wie normalen Vorgang. Wer sich dadurch gestört fühlen würde oder dagegen kämpfen wollte, mit welchen Mitteln auch immer, würde etwas über die eigene Ängstlichkeit verraten. Die aber ist letztlich unbegründet. Vor Ideen, Überzeugungen und Profil von katholischen Demokraten muss man sich nicht fürchten.
Freiewelt.net:
Werden Sie sich denn immer wieder zu Wort melden? Zu allen möglichen Themen?Martin Lohmann: Ja.
Freiewelt.net:
Auch zu kontroversen Themen, wo Sie vielleicht im Widerspruch zur Parteichefin stehen?Martin Lohmann: Ja. Warum denn nicht? Wenn’s aus unserer Sicht wichtig und richtig ist. Wir haben keine Angst vor der demokratischen und fairen Auseinandersetzung. Das hat etwas zu tun mit der Freiheit eines katholischen Christenmenschen.
Freiewelt.net:
Gibt es etwas, das Sie jetzt konkret anmahnen für das kommende Jahr?Martin Lohmann: Und ob. Wir begrüßen zum Beispiel die Aussage von Papst Benedikt XVI., „dass die staatlichen Gesetze überall auf der Grundlage des universalen Naturrechts stehen müssen und dass die Würde der Menschen vom Staat zu schützen ist“. Wir teilen seine Überzeugung, dass „Gesetze, die Abtreibung oder Euthanasie erlauben oder die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau relativieren“, demnach „in keiner Weise angemessen“ sind. Und in diesem Zusammenhang erinnern wir daran, dass es seitens des Bundesverfassungsgerichtes seit vielen Jahren einen Kontrollauftrag an den Gesetzgeber gibt, den der Gesetzgeber bis heute nicht erfüllt hat. Von der Bundesregierung und den sie tragenden Parteien erwarten wir, dass im kommenden Jahr diese staatliche Pflicht zum Lebensschutz erfüllt und die 1995 getroffene Gesetzesregelung zur Abtreibung ehrlich einer Überprüfung unterzogen wird. Es muss geprüft werden, ob die nunmehr 15 Jahre alte Regelung tatsächlich zu weniger Tötungen noch nicht geborener Menschen geführt hat oder nicht. Es kann nicht beruhigen, dass bei sinkender Zahl der Frauen im geburtsfähigen Alter die Zahl der Kindstötungen bleibend hoch ist. Daher ist die unionsgeführte Bundesregierung gut beraten, endlich ehrlich eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und damit dem Auftrag des Bundesverfassungsgerichtes gerecht zu werden. Der AEK erwartet, dass im Sinne des Lebensrechtes die staatlichen Gesetze verbessert und gegebenenfalls korrigiert werden.“
Freiewelt.net:
In Berlin hört man gelegentlich, Ihr AEK könne zur Marginalisierung des Katholischen beitragen. Gibt es diese Gefahr?Martin Lohmann: Also wirklich! Wer so redet, lenkt vielleicht von eigenen Schwächen ab. Möglich, dass da so mancher irgendwo spürt, selbst in den vergangenen Jahren zur Marginalisierung beigetragen zu haben – und dies jetzt auf andere projizieren möchte. Verständlich, aber nicht fair. Wer so redet, übersieht, dass wir als AEK keinen Alleinvertretungsanspruch erheben und die beschriebene Gefahr ja nur bestehen könnte, wenn es jetzt alleine auf uns ankäme. Das aber würde ja etwas aussagen über jene, die ebenfalls – vielfach parteipolitisch neutral – den katholischen Auftrag haben, die aber ebenfalls kein katholisches Monopol für sich in Anspruch nehmen können. Also: Der von manchen betriebene Vorwurf fällt ungebraucht auf jene zurück, die ihn erheben. Wir vom AEK stehen für etwas ganz Selbstverständliches: für ein katholisches Selbstbewusstsein der Laien innerhalb einer Partei, die ein starkes und erkennbares C braucht. Wir engagieren uns also für etwas, das niemanden wirklich stören kann, der wirklich gerne katholisch ist und die damit verbundene Weite schätzt.
Freiewelt.net:
Was planen Sie denn für morgen und übermorgen?
Martin Lohmann: Tagungen, Expertengespräche, Expertisen. Und immer wieder Wortmeldungen. Die zahlreichen Anfragen und Ideen werden jetzt systematisch abgearbeitet. Ebenso wird es AEK-Gruppen auf Orts-, Kreis- und Landesebene geben. Es ist mit uns zu rechnen und wir werden zu hören und zu sehen sein. Die inhaltliche Arbeit steht selbstverständlich im Vordergrund. Nicht von ungefähr finden Sie in unserem Internetauftritt www.aek-online.de die lateinische Aussage „Caritas in Veritate“, was bekanntlich der Titel der Sozialenzyklika unseres Papstes ist. Da steht wahrlich sehr viel drin, was für eine Politik aus christlicher Verantwortung eine willkommene Herausforderung ist. Themen und Ideen gibt es mehr als genug. Katholiken, die ihren Laienauftrag mitten in der Welt ernstnehmen, haben viel zu sagen. Es gibt also viel zu tun. Wir machen das.
Freiewelt.net:
Und die Ökumene? Jürgen Rüttgers hat neulich indirekt behauptet, Sie würden eher das Trennende betonen.
Martin Lohmann: Entweder hat er sich überhaupt nicht über uns informiert, oder aber er hat wider besseres Wissen etwas Unsinniges behauptet. Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken gibt es schließlich nur in der Begegnung der Konfessionen, wohlgemerkt verschiedener Konfessionen. Das heißt konkret: Man sucht das Gemeinsame, stärkt das Verbindende und hält ganz tolerant die Differenzen, die es ja auch gibt, in Fairness aus. Genau dieser Gedanken war tragend bei der Gründung der Unionsparteien. In diesem Sinne funktioniert Ökumene in der Union also nur, wenn die verschiedenen Konfessionen sich auf Augenhöhe begegnen können und gleichberechtigt miteinander umgehen. Wer das nicht will, wer etwa den katholischen Christen diesen Zugang zur innerparteilichen Ökumene verweigern möchte, handelt nicht nur wider die Ökumene, sonder auch wider den C- und U-Gedanken von CDU und CSU. Der AEK steht also für eine klare und tragfähige Ökumene, aber nicht für eine schiefe oder einseitige, die den Namen Ökumene nicht verdient. Vorwürfe wie die von Ihnen zitierten sind einfach absurd. Der AEK will Ökumene, die aber keine undefinierte Utopie sein kann, sondern nur durch die gleichberechtigte Begegnung der real existierenden Konfessionen funktioniert. Insofern freuen wir uns auf die gute Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Arbeitskreis EAK. An uns, dem AEK, soll’s und wird’s nicht scheitern.
Internetseite des Arbeitskreis engagierter Katholiken (AEK)
www.aek-online.deFoto: Prisca Lohmann