Die Feministinnen schwiegen, ein für sie in solchen Fällen übliches Verhalten.
Und, wenn ich noch einen persönlichen Grund anführen darf: ich initiiere und bewege gerne selber solche Aktionen, bin gerne selber ein Agens….
FreieWelt.net: Laut Eigenaussage wollen Sie Männer „aus tradierten Rollenkäfigen befreien“. Will genau das nicht auch das von Ihnen kritisierte Konzept des Gender Mainstreaming?
Eckhard Kuhla: Eine spannende Frage! Ja, es ist richtig, AGENS und Gender Mainstreaming wollen die Männer aus ihren tradierten Rollen befreien. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings im Menschenbild:
Dem Menschenbild von AGENS liegt die unveränderbare Differenzierung Mann und Frau zugrunde. Auf dieser Basis haben sich Rollenbilder und werden sich Rollenbilder in einem iterativen Prozess verändern.
Gender Mainstreaming geht von einem veränderbaren Geschlecht, pardon, „Gender“ aus. Oder mit anderen Worten: „Mann“ und „Frau“ sind kulturell - gesellschaftliche Produkte. Daraus folgt logischerweise: Ich kann die Rolle des Mannes und der Frau politisch verändern. Ihre Rollen sind in ihrem gesellschaftlichen Wirken sogar austauschbar, wie z.B. Mutter und Vater. Auf Basis dieser wissenschaftlich unbewiesenen Annahmen kann ich eine Gesellschaft „umerziehen“, so titelte der „Spiegel“ letztes Jahr. „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ werden in diesem Kontext allmählich zu Tabuthemen, da diese Zuschreibungen den „tradierten“ Rollenbildern zugerechnet werden.
Somit ist Gender Mainstreaming in der Lage sich das Ziel zu setzen, auf allen Ebenen in Politik, Wirtschaft und Politik die Geschlechtergerechtigkeit nach dem Gleichheitsprinzip durchzusetzen. Dazu bedient es sich vernetzter Strukturen, wie Institutionen zur Gleichstellung, Verordnungen, Checklisten und vieles mehr. Allerdings ist der Trend zur Frauenförderung in allen Bereichen klar erkennbar.
Solcherlei Ziele und Festlegungen brauchen wir nicht. Wir betrachten Mann und Frau als selbst bestimmte Wesen und lehnen deswegen staatliche Rollenzuweisungen ab. Eine Männerbefreiung, eine Männerbewegung kann nur als ein Prozess von unten gesehen werden. Wir sind der Meinung, dass nur selbst bestimmte Bürger einen Dialog auf Augenhöhe hin zu einer Geschlechterdemokratie führen können.
Unser Weg unterscheidet sich also erheblich von dem des Gender Mainstreaming. Interessanterweise einigte sich die Regierung im Koalitionsvertrag eine „eigenständigen Männerpolitik“ zu entwickeln“. Wir hoffen, dass dieses Vorhaben im politischen Folgeprozess zu einem Dialog aller relevanten Männergruppen führen wird. Wir fühlen uns jedenfalls eingeladen.
FreieWelt.net: Sehen Sie nicht die Gefahr, dass jetzt ergänzend zu Frauen- und/oder Gleichstellungsbeauftragten Posten für Männerbeauftragte geschaffen werden und Probleme so instutionalisiert, aber nicht gelöst werden?
Eckhard Kuhla: Das ist so! Deswegen macht ein Männerbeauftragter nur Sinn, wenn er neben einer Frauenbeauftragten in einer „Gleichstellungsstelle“ gestellt wird. Beide würden dann Hand in Hand arbeiten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die jetzigen Gleichstellungsbeauftragten überwiegend nur Frauen vertreten. Ein Grund dafür ist, dass Männer nach dem Gleichstellungsgesetz weder ein aktives noch ein passives Wahlrecht haben! Dieses Gesetz wurde übrigens mit männlicher Mehrheit verabschiedet! Für mich ein völlig unverständlicher Vorgang!
FreieWelt.net: Auf welchem Weg wollen Sie Ihre Ziele erreichen?
Eckhard Kuhla: AGENS wird auf zwei Ebenen tätig werden: Aufklärung und Aktion. Die Frauenbewegung ist uns da um viele Jahre voraus, was Informationen und Aufklärung über die Situation der Frau in Politik und Gesellschaft anbelangt. Als erstes müssen wir öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen. Das werden wir professionell mit einer PR-Agentur angehen.
Unter Aufklärung verstehen wir Information der Männer über ihre Rolle im „Hamsterrad“, sowie generell die Situation des Mannes in der heutigen Gesellschaft, die zusehends von den tradierten Rollenvorstellungen der meisten Männer abweicht.
Hinsichtlich einzelner Aktionen denken wir z.B. an einen Brief für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Die breite Öffentlichkeit werden wir mit Vortragsveranstaltungen, Seminaren etc. zentral in Berlin und in der Region informieren. Themen werden unter anderem sein: Jungensarbeit, Männergesundheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Väter. Und AGENS wird besonders die Rolle eines „Wadlbeißers“ wahrnehmen. Das heißt wir werden in Fällen von Verfassungsbrüchen auch Verfassungsklagen initiieren. Eine Verfassungsklage ist bereits aktuell in Vorbereitung. Geplant ist auch eine Buchreihe „Männerforschung“. Mehr können wir noch nicht verraten. Wir hoffen, dass wir durch unsere Aktionen auch das unsägliche Lächerlichmachen des Mannes nicht mehr zum guten Ton gehört!
Unser erstes große Event planen wir für 2011: das „Symposium 2011“ in Berlin mit geplanten 2000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Unser Motto wird sein „Freude, Feiern, Familie“! Sie sehen, Geschlechterpolitik kann auch Spaß machen!
Das Interview führte Fabian Heinzel
(Foto: Eckhard Kuhla)