Jahrhunderts, vor allem Kälteperioden Missernten verursacht haben. Muss man heute nicht das Klima global betrachten – immerhin besteht bereits jetzt ein großer Teil unseres Planeten aus Wüste – und kann man die Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts überhaupt noch mit der des 19. Jahrhunderts vergleichen?
Horst Malberg: Zum einen ist es wichtig zu bedenken, dass die globale Klimabetrachtung eine extreme Vereinfachung der Realität ist, denn eine globale Mitteltemperatur sagt über die regionalen Temperaturänderungen nichts aus. So ist die globale Erwärmung von rund 1°C seit 1850 in vielen Regionen mit einer Abkühlung verbunden gewesen. Die Ursache dafür sind gleichzeitige Änderungen der Luft- und Meeresströmungen. In der Realität müssen die Auswirkungen von Änderungen im Klimasystem der Erde daher immer regional betrachtet werden. Dabei belegt die Menschheitsgeschichte, auch die jüngere, dass Kaltzeiten immer mit Hungersnöten verbunden gewesen sind. So beginnt die globale Klimareihe in der menschenfeindlichen Periode des 19. Jahrhunderts, als in Mitteleuropa aufgrund von Missernten Menschen verhungert sind. Bei einer grundsätzlichen Erwärmung ist zu erwarten, dass es zu einer Verschiebung der landwirtschaftlichen Anbaugürtel polwärts kommt, was bei einer rasant weiter wachsenden Weltbevölkerung einen positiven Beitrag zur Welternährung bedeuten würde.
FreieWelt.net: Sie warnen davor, im Hinblick auf Klimaänderungen ausschließlich von einer Erwärmung auszugehen. Gibt es denn Hinweise auf eine mögliche Abkühlung?
Horst Malberg: Meine Untersuchungen belegen unzweideutig folgenden Sachverhalt: Im 17. Jahrhundert war die Sonne sehr inaktiv: Wir hatten die Kleine Eiszeit. Im 18. Jahrhundert stieg die Sonnenaktivität deutlich an: Es wurde wärmer. Im 19. Jahrhundert nahm die Sonnenaktivität wieder ab: Es stellte sich eine anhaltende Kälteperiode ein. Im 20.Jarhundert stiegen Sonnenaktivität und Temperatur wieder an. Nach den astrophysikalischen Vorhersagen stehen wir vor einer Abnahme der Sonnenaktivität im Sinne des o.g. 200-jährigen Sonnenzyklus. Damit wird eine Abkühlung in den kommenden Jahrzehnten sehr wahrscheinlich. Der Anfang ist bereits gemacht. Trotz des weiterhin immensen CO2-Ausstosses ist die globale Temperatur in den letzten 10 Jahren zurück gegangen.
FreieWelt.net: Wie würde für Sie ideale Klimapolitik aussehen?
Horst Malberg: Nach meiner Einschätzung sollte sich die Weltgemeinschaft auf einen konsequenten weltweiten Umweltschutz verständigen. Der Mensch hat ein Grundrecht auf saubere Luft, sauberes Wasser in Seen, Flüssen und Ozeanen, einen unbelasteten Erdboden und ein intaktes Biosystem. Ein Grundrecht auf ein stabiles Klima hat es nie gegeben und gibt es nicht. Der Klimawandel wird seit Jahrmillionen von natürlichen Einflussfaktoren verursacht, und diese werden nicht aufhören zu wirken, nur weil Klimamodelle es nicht verstehen.
An die Stelle einer wissenschaftlich umstrittenen „Verhinderungsstrategie zum Klimaschutz“ sollte eine „Anpassungsstrategie“ an zukünftige Klimaänderungen treten. Bei Bedarf wären dann Deiche zu erhöhen oder Maßnahmen gegen Sturmschäden zu ergreifen. Mit einer „Anpassungsstrategie“ könnte man auf die Folgen von Erwärmungen wie Abkühlungen reagieren. Bei der jetzigen Verhinderungsstrategie besteht die Gefahr, bei einer kommenden Abkühlung immense Mittel fehlinvestiert zu haben.
Was den schonenden Umgang mit fossilen Brennstoffen und die Weiterentwicklung effektiver alternativer Energieträger betrifft, so gebietet dieses allein der gesunde Menschenverstand. Die Ressourcen sind endlich, und so werden diese zukünftig nicht nur knapper, sondern auch zunehmend teurer und damit von vielen kaum noch bezahlbar..
zu Professor Malbergs Paper "Die unruhige Sonne und der Klimawandel"
Das Interview führte Fabian Heinzel
(Foto: Horst Malberg/Quelle: klimanotizen.de)