Einloggen | Registrieren | 14.03.2010
   | HOME |   POLITIK     WIRTSCHAFT     LEBENSWELT     Suchen
 
 
 
Tage mit Ewigkeitscharakter
Weitere Themen: Allgemein, Bildung, Justiz



Monika Gräfin Metternich hat ein „Lob des Sonntags“ geschrieben - Von Constantin Graf von Hoensbroech

In Berlin sollten die Geschäfte an den vier Adventssonntagen sowie an sechs weiteren Sonn- und Feiertagen geöffnet werden. Das Berliner Ladenöffnungsgesetz ist das liberalste in Deutschland. Dagegen haben die Kirchen Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht - und teilweise Recht bekommen.

Natürlich sollen und müssen die acht Richter des Ersten Senats, der über die Klage zu befinden hatte, in ihrer Entscheidung unabhängig sein. Gleichwohl sei nicht nur ihnen die Lektüre zum „Lob des Sonntags“ empfohlen. Ein Buch, das in der seit Jahren wogenden Debatte über die Sonntagskultur einen besonderen Akzent setzt.

„Gäbe es den Sonntag nicht, man müsste ihn erfinden“, steht etwas plakativ auf der Rückseite des lesenswerten Buches, in dem die Religionspädagogin und Journalistin Monika Gräfin Metternich dem Sinn des Sonntags und seinen kulturellen Wurzeln nachspürt. Dabei macht die Autorin gleich zu Beginn deutlich, auf welcher Seite der Debatte sie über den Tag steht, der schon immer von wirtschaftlichen und politischen Interessen bedroht war. „Erwarten Sie kein Expertentum und keine Objektivität“, warnt die Mutter von fünf Kindern im Vorwort. Ihre Position ist klar: „Der Sonntag hat seine Wurzeln im Kult, der Sonntag ist das Geschenk der Christen an die Welt.“ Wie sie das meint, beschreibt Metternich in zwei Teilen.

Zunächst widmet sie sich in sehr persönlichen Worten und mit teilweise wunderbaren Sprachbildern ihren eigenen Sonntagserfahrungen und -prägungen, die sie als Kind und Jugendliche in einem wohlbehüteten Elternhaus erfahren durfte. Mit dem sonnabendlichen Glockenläuten wurde damals nicht nur der Sonntag, sondern auch die Badezeit eingeläutet, „denn am Sonntag sollten nicht nur Haus und Hof blitzsauber sein, sondern auch die Menschen“. Metternich berichtet vom Anlegen der Sonntagskleidung, vom Kirchenbesuch, vom Spiel und von der Gemeinschaft in der Familie

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Es sind leichte, amüsante und sehr warmherzige Beschreibungen, die die Autorin den Lesern vorstellt und dabei doch auch immer wieder einen bemerkenswerten Bezug zur eigenen familiären sowie der allgemein aktuellen Gegenwart herstellt. „Der für eine Gesellschaft unersetzliche praktische Grundvollzug von Gemeinschaft wird (...) nur möglich, weil manche Menschen sonntags beidem entsagen (...).“

Metternich vertritt indes keineswegs einen Absolutheitsanspruch, wie ihn manche Vertreter ökonomischer Sichtweisen sowie freier Marktwirtschaft mitunter beanspruchen. Schließlich hat die Autorin buchstäblich am eigenen Leibe erfahren, wie segensreich Sonntagsarbeit sein kann, als sie seinerzeit an einem Sonntag in einer Klinik zur Welt gekommen ist. Und mit ihren Darstellungen der Sonntagsarbeit einer Krankenschwester sowie einer Bäckereiverkäuferin zeigt sie ebenfalls deutlich, wie segensreich einerseits und für manchen eben auch existenziell notwendig andererseits die Arbeit am Sonntag sein kann und ist.

Ihr Plädoyer für einen Sonntag, der für möglichst viele Menschen ein freier Tag bleiben sollte, breitet Metternich im zweiten Teil ihres Buches aus. Sie stellt dar, warum der Sonntag Kult statt Event ist, warum Weihrauch eben vor Toast und Honig kommt, und welche religiösen und kulturellen Wurzeln es sind, die den Sonntag zu einem „Tag mit Ewigkeitscharakter“ machen. Die Autorin arbeitet in ebenso dichter wie dennoch leicht verständlicher Weise die gemeinsamen Wurzeln der christlichen (Sonntags)kultur aus dem Judentum heraus und betont den Sabbat als den Tag, an dem „alle gemeinsam teilhaben am Glück des geschenkten Tages“.

Um das ganz praktisch und anschaulich zu illustrieren, entwirft Metternich ein höchst lebendiges Bild des „weltanschaulichen Getümmels“ in Israel, vor dessen Folie dann Jesus Christus in die Öffentlichkeit tritt. Wesentliche Kapitel von Jesu Lebensgeschichte erzählt Metternich nach, und weil sie als Religionspädagogin die notwendige wissenschaftliche sowie als Journalistin die entsprechende sprachliche Qualifikation vereint, mag diese Darstellung eines der herausragendsten und eingängigsten Kapitel des Buches sein – etwas ärgerlich nur, dass das Manuskript an manchen Stellen einem offenbar sehr nachlässigem Korrektorat unterzogen worden ist.
Gleichwohl macht die bildreiche und unterhaltsame Lektüre das Buch eben auch für die dem Christlichen kritisch oder ahnungslos gegenüberstehenden Leser so ungemein unterhaltend. Das gilt übrigens auch für die weiteren Darstellungen, in denen Metternich den weiteren Fortgang und die Entwicklungen rund um den Sonntag durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tage beleuchtet. Dabei bereichert sie ihren Text durch sehr geschickt platzierte Anleihen und Zitate verschiedenster Denker, Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler – ein kurzes Personenregister sowie ein Quellenverweis wären ein befriedigenderer Anhang als nur die knappe Übersicht über die verwendete Fachliteratur. Darüber hinaus erinnert die Autorin an eine Reihe von bekannten und weniger bekannten Bräuchen und Gepflogenheiten, Traditionen und liebgewonnene Riten, die Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Sonntagskultur sind.

Drastisch schildert Metternich die letztlich gescheiterten Versuche der Französischen Revolution sowie des russischen Revolutionskalenders, der christlichen Glaubenspraxis den Boden zu entziehen. Das Gegenmodell ist eben seit 1 700 Jahren bis heute gültig, der von den christlichen Sonntagen geprägte Jahreslauf mit dem Ostersonntag als „Sonntag aller Sonntage“ als Höhepunkt. Ob das so bleibt? „Alle Versuche, den Sonntag abzuschaffen, sind bisher gescheitert. Die Bewahrung des Sonntags hängt aber von denen ab, die ihn feiern“, stellt Metternich am Ende ihrer Ausführungen fest. Eine deutliche Aufforderung nicht nur an die Vertreter der Amtskirche, sondern vielmehr an jeden einzelnen Christen, sich seiner Verantwortung für die Wahrung des Sonntags als Tag des Herrn einzusetzen.

 

Foto: geralt/photoopia



Constantin Graf von Hoensbroech, 06.12.2009 12:19 | Kommentare (1)

Bookmark and Share   



 
  Kommentare (1)

Freigeist, 08.12.2009 13:47
Hallo,
gibt es denn Ewigkeit? Fragen Sie mal einen Physiker. Wer religiös ist, kann sich natürlich so allerhand einbilden.

Grüße
Freigeist



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*
 
 
 
ANZEIGE



Spruch des Tages
"Wer den Mut zur Unvollkommenheit nicht aufbringen kann, wird sich im Schatten des Unerreichten, des Verweigerten dem Kummer hingeben, und sein Blick wird nur fassen, was anderen zuteil geworden ist und ihm nicht."
- Manès Sperber

Umfrage

Wer hat sich in der FreieWelt.net-Debatte "Grundeinkommen vs. Bürgergeld" besser geschlagen?





Ergebnis


Empfohlene Beitrage

FreieWelt-Debatte:<br> Grundeinkommen<br> vs. Bürgergeld FreieWelt-Debatte:
Grundeinkommen
vs. Bürgergeld

Ende der Dollar-Bindung? Ende der Dollar-Bindung?

Schäuble will EU-Währungsfonds Schäuble will EU-Währungsfonds

Rekordschulden beschlossen Rekordschulden beschlossen

Was ist soziale Gerechtigkeit? Was ist soziale Gerechtigkeit?

Forscher stützen Westerwelles Hartz-Thesen Forscher stützen Westerwelles Hartz-Thesen

Bundesländer wohl mit Rekorddefizit Bundesländer wohl mit Rekorddefizit

HartzIV: Antragsflut für Härtefälle HartzIV: Antragsflut für Härtefälle

Bankgeheimnis: Schweiz droht mit Offenlegung Bankgeheimnis: Schweiz droht mit Offenlegung

Steuer-CD: Selbstanzeigen steigen stark Steuer-CD: Selbstanzeigen steigen stark


Interviews

Ralph Boes 1000 Euro bedingungsloses Grundeinkommen
Ralph Boes
Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen

Dr. Kerstin Funk Grundeinkommen zerstört Arbeitsmoral
Dr. Kerstin Funk
Referentin Friedrich-Naumann-Stiftung

Helmut K. Rüster Gewaltkriminalität gestiegen
Helmut K. Rüster
Weisser Ring

Markus Rode Weltweite Christenverfolgung nimmt zu
Markus Rode
Open Doors Deutschland

Bruder Laurentius Auszeit im Kloster: Interview mit Bruder Laurentius
Bruder Laurentius
Kapuzinerkloster Stühlingen

Sven von Storch Bodenreform: Der Weg zur 25-Prozent-Rückkauf-Regelung - Interview mit Sven von Storch
Sven von Storch
Allianz für den Rechtsstaat e.V.

Torsten Rissmann Keine Rückendeckung in Afghanistan
Torsten Rissmann
Landesfachausschuss Außen- und Sicherheitspolitik FDP

Professor Dr. Dirk Meyer Griechenland passt nicht in die Eurokernzone
Professor Dr. Dirk Meyer
Institut für Wirtschaftspolitik

Dagmar Neubronner Wieso ist Homeschooling ein Menschenrecht?
Dagmar Neubronner
Netzwerk Bildungsfreiheit

Martin Lohmann Für ein starkes C in der Union
Martin Lohmann
Vorsitzender Arbeitskreis engagierter Katholiken in der Union (AEK)

Mehr Interviews


Reportage

Geschlechterpolitische Staatsideologie auf samtenen Pfoten Geschlechterpolitische Staatsideologie auf samtenen Pfoten

Der Iran, die Atombombe und der Mut zur Freiheit Der Iran, die Atombombe und der Mut zur Freiheit

Roter Terror in Kambodscha unter Pol Pot Roter Terror in Kambodscha unter Pol Pot

M. Moshiri: Wir waren gegen den Schah, aber nicht für Khomeini M. Moshiri: Wir waren gegen den Schah, aber nicht für Khomeini

Der Lordsiegelbewahrer Der Lordsiegelbewahrer

„Wo ist Gott in Afghanistan? „Wo ist Gott in Afghanistan?" – Ein Diskussionsabend

Tage mit Ewigkeitscharakter Tage mit Ewigkeitscharakter

Chinas Christen – Hoffnung für die Welt? Chinas Christen – Hoffnung für die Welt?

Gastbeitrag Hans von Storch und Nico Stehr: Climate and Society Gastbeitrag Hans von Storch und Nico Stehr: Climate and Society

DDR - Kein Unrechtsstaat? -  Siegmar Fausts Geschichte DDR - Kein Unrechtsstaat? - Siegmar Fausts Geschichte

Mehr Reportagen


Empfohlene Blogs

author Matthias Schumacher
Hartz IV ist Kunst

author Vera Lengsfeld
Sie lügen wie gedruckt. Stasioffiziere stellen ihr Buch vor

author Eckhard Kuhla
Frauentag: Freudentag statt Jammertag

author Dr. Michael von Prollius
Inflationskosten werden drastisch unterschätzt

author Fabian Heinzel
Pro und Contra Einheitsschule

author Dr. Klaus Peter Krause
Die „Bodenreform“ war politische Verfolgung

author Stefan Fuchs
Kinderlose Berufe

author Birgit Kelle
Kein Recht auf Essengehen

author Marie Luise Schellen
"Merkel wird die FDP scheibenweise zerlegen"

author Thomas M. Eppinger
Der Hehlerstaat


Video

"Fear the Boom and the Bust" a Hayek vs. Keynes Rap Anthem "Fear the Boom and the Bust" a Hayek vs. Keynes Rap Anthem

Marc Faber gegen Notenbanken Marc Faber gegen Notenbanken

Dr. Peter Gauweiler über das Urteil zum Lissabonvertrag Dr. Peter Gauweiler über das Urteil zum Lissabonvertrag


Schlagworte

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Deutschland Wetter




Finanzkrise
Gesundheitsfonds tief im Minus
Mittelstand kommt glimpflich davon
Griechenlands Krise verärgert Osteuropa
Nahost-Konflikt
Friedensgespräche in Gefahr?
Irak: Terroranschlag fordert 29 Tote
Atomstreit: EU plant härtere Sanktionen
DDR-Unrecht
Bodenreform: Wege zur Wiedergutmachung Interview Sven von Storch
Längere Stasi-Überprüfung?
70. Geburtstag Joachim Gauck
Allgemein
Rösler will Sparmaßnahmen schnell umsetzen
Kritik unerwünscht: Guttenberg entlässt General
Merkels Zuspruch für den EWF
Bildung
Schavan bemängelt Bologna-Reform
Protest für Bildungsfreiheit vor dem Kanzleramt
Sexualkunde: Achtfache Mutter in Haft
Reformen
FDP bezieht bei Hartz Position
Mappus fordert Änderungen beim Finanzausgleich
Entwicklungshilfe: Niebel plant Umbau
Wirtschaftspolitik
Strom-Wettbewerb funktioniert nicht
Juncker und Merkel für europäischen Währungsfonds
Ende der Dollar-Bindung?
Familie
FDP bezieht bei Hartz Position
Lebensschützer: Spanischer König hat sich selbst exkommuniziert
Missbrauch: Schavan will längere Fristen
Autoindustrie
Autobranche in der Krise
GM gibt Finanzspritze
Autoverband erwartet steinigen Weg
Wahlen
Nahles verteidigt Kraft-Plan
Rüttgers büßt für Sponsoring-Affäre
Abrechnung mit schwarz-gelb bei NRW-Wahl
1945-49 Verfassungsbruch 1990
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
CDU und FDP für Wiedergutmachung
Justiz
Verwahrung auch bei Jugendstrafe
Justizministerin greift Vatikan an
Missbrauch: Schavan will längere Fristen

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008