Einloggen | Registrieren | 03.09.2010
   | HOME |   POLITIK     WIRTSCHAFT     LEBENSWELT     Suchen
 
 
 
Tage mit Ewigkeitscharakter
Weitere Themen: Allgemein, Bildung, Justiz



Monika Gräfin Metternich hat ein „Lob des Sonntags“ geschrieben - Von Constantin Graf von Hoensbroech

In Berlin sollten die Geschäfte an den vier Adventssonntagen sowie an sechs weiteren Sonn- und Feiertagen geöffnet werden. Das Berliner Ladenöffnungsgesetz ist das liberalste in Deutschland. Dagegen haben die Kirchen Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht - und teilweise Recht bekommen.

Natürlich sollen und müssen die acht Richter des Ersten Senats, der über die Klage zu befinden hatte, in ihrer Entscheidung unabhängig sein. Gleichwohl sei nicht nur ihnen die Lektüre zum „Lob des Sonntags“ empfohlen. Ein Buch, das in der seit Jahren wogenden Debatte über die Sonntagskultur einen besonderen Akzent setzt.

„Gäbe es den Sonntag nicht, man müsste ihn erfinden“, steht etwas plakativ auf der Rückseite des lesenswerten Buches, in dem die Religionspädagogin und Journalistin Monika Gräfin Metternich dem Sinn des Sonntags und seinen kulturellen Wurzeln nachspürt. Dabei macht die Autorin gleich zu Beginn deutlich, auf welcher Seite der Debatte sie über den Tag steht, der schon immer von wirtschaftlichen und politischen Interessen bedroht war. „Erwarten Sie kein Expertentum und keine Objektivität“, warnt die Mutter von fünf Kindern im Vorwort. Ihre Position ist klar: „Der Sonntag hat seine Wurzeln im Kult, der Sonntag ist das Geschenk der Christen an die Welt.“ Wie sie das meint, beschreibt Metternich in zwei Teilen.

Zunächst widmet sie sich in sehr persönlichen Worten und mit teilweise wunderbaren Sprachbildern ihren eigenen Sonntagserfahrungen und -prägungen, die sie als Kind und Jugendliche in einem wohlbehüteten Elternhaus erfahren durfte. Mit dem sonnabendlichen Glockenläuten wurde damals nicht nur der Sonntag, sondern auch die Badezeit eingeläutet, „denn am Sonntag sollten nicht nur Haus und Hof blitzsauber sein, sondern auch die Menschen“. Metternich berichtet vom Anlegen der Sonntagskleidung, vom Kirchenbesuch, vom Spiel und von der Gemeinschaft in der Familie

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Es sind leichte, amüsante und sehr warmherzige Beschreibungen, die die Autorin den Lesern vorstellt und dabei doch auch immer wieder einen bemerkenswerten Bezug zur eigenen familiären sowie der allgemein aktuellen Gegenwart herstellt. „Der für eine Gesellschaft unersetzliche praktische Grundvollzug von Gemeinschaft wird (...) nur möglich, weil manche Menschen sonntags beidem entsagen (...).“

Metternich vertritt indes keineswegs einen Absolutheitsanspruch, wie ihn manche Vertreter ökonomischer Sichtweisen sowie freier Marktwirtschaft mitunter beanspruchen. Schließlich hat die Autorin buchstäblich am eigenen Leibe erfahren, wie segensreich Sonntagsarbeit sein kann, als sie seinerzeit an einem Sonntag in einer Klinik zur Welt gekommen ist. Und mit ihren Darstellungen der Sonntagsarbeit einer Krankenschwester sowie einer Bäckereiverkäuferin zeigt sie ebenfalls deutlich, wie segensreich einerseits und für manchen eben auch existenziell notwendig andererseits die Arbeit am Sonntag sein kann und ist.

Ihr Plädoyer für einen Sonntag, der für möglichst viele Menschen ein freier Tag bleiben sollte, breitet Metternich im zweiten Teil ihres Buches aus. Sie stellt dar, warum der Sonntag Kult statt Event ist, warum Weihrauch eben vor Toast und Honig kommt, und welche religiösen und kulturellen Wurzeln es sind, die den Sonntag zu einem „Tag mit Ewigkeitscharakter“ machen. Die Autorin arbeitet in ebenso dichter wie dennoch leicht verständlicher Weise die gemeinsamen Wurzeln der christlichen (Sonntags)kultur aus dem Judentum heraus und betont den Sabbat als den Tag, an dem „alle gemeinsam teilhaben am Glück des geschenkten Tages“.

Um das ganz praktisch und anschaulich zu illustrieren, entwirft Metternich ein höchst lebendiges Bild des „weltanschaulichen Getümmels“ in Israel, vor dessen Folie dann Jesus Christus in die Öffentlichkeit tritt. Wesentliche Kapitel von Jesu Lebensgeschichte erzählt Metternich nach, und weil sie als Religionspädagogin die notwendige wissenschaftliche sowie als Journalistin die entsprechende sprachliche Qualifikation vereint, mag diese Darstellung eines der herausragendsten und eingängigsten Kapitel des Buches sein – etwas ärgerlich nur, dass das Manuskript an manchen Stellen einem offenbar sehr nachlässigem Korrektorat unterzogen worden ist.
Gleichwohl macht die bildreiche und unterhaltsame Lektüre das Buch eben auch für die dem Christlichen kritisch oder ahnungslos gegenüberstehenden Leser so ungemein unterhaltend. Das gilt übrigens auch für die weiteren Darstellungen, in denen Metternich den weiteren Fortgang und die Entwicklungen rund um den Sonntag durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tage beleuchtet. Dabei bereichert sie ihren Text durch sehr geschickt platzierte Anleihen und Zitate verschiedenster Denker, Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler – ein kurzes Personenregister sowie ein Quellenverweis wären ein befriedigenderer Anhang als nur die knappe Übersicht über die verwendete Fachliteratur. Darüber hinaus erinnert die Autorin an eine Reihe von bekannten und weniger bekannten Bräuchen und Gepflogenheiten, Traditionen und liebgewonnene Riten, die Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Sonntagskultur sind.

Drastisch schildert Metternich die letztlich gescheiterten Versuche der Französischen Revolution sowie des russischen Revolutionskalenders, der christlichen Glaubenspraxis den Boden zu entziehen. Das Gegenmodell ist eben seit 1 700 Jahren bis heute gültig, der von den christlichen Sonntagen geprägte Jahreslauf mit dem Ostersonntag als „Sonntag aller Sonntage“ als Höhepunkt. Ob das so bleibt? „Alle Versuche, den Sonntag abzuschaffen, sind bisher gescheitert. Die Bewahrung des Sonntags hängt aber von denen ab, die ihn feiern“, stellt Metternich am Ende ihrer Ausführungen fest. Eine deutliche Aufforderung nicht nur an die Vertreter der Amtskirche, sondern vielmehr an jeden einzelnen Christen, sich seiner Verantwortung für die Wahrung des Sonntags als Tag des Herrn einzusetzen.

 

Foto: geralt/photoopia



Constantin Graf von Hoensbroech, 06.12.2009 12:19 | Kommentare (1)

Bookmark and Share   



 
  Kommentare (1)

Freigeist, 08.12.2009 13:47
Hallo,
gibt es denn Ewigkeit? Fragen Sie mal einen Physiker. Wer religiös ist, kann sich natürlich so allerhand einbilden.

Grüße
Freigeist



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*
 
 
 
ANZEIGE



Spruch des Tages
"Keine Demokratie und keine offene Gesellschaft können auf Dauer Bestand haben ohne das doppelte Prinzip von Rechten und von Pflichten - und beide Prinzipien gelten für jedermann." - Helmut Schmidt

Reportage

Kirche: Dienerin der Wahrheit und Zeichen des Widerspruchs Kirche: Dienerin der Wahrheit und Zeichen des Widerspruchs

Iraner erinnern an Hinrichtungswelle Iraner erinnern an Hinrichtungswelle

"Setzt Euch große Ziele" - Gespräch mit Pater Jose Maniparambil

Spirituelle Erneuerung mit Pater Jose Spirituelle Erneuerung mit Pater Jose

Ein paar Worte zu Armin Hary Ein paar Worte zu Armin Hary

Tagungs-Bericht: Tagungs-Bericht: "Das Geheimnis erfolgreicher Bildung"

Energieversorgung der Zukunft<br>Kernenergie - Contra und Pro Energieversorgung der Zukunft
Kernenergie - Contra und Pro

Afghanistan - ein Trauerspiel? Afghanistan - ein Trauerspiel?

Der Glutkern des Glaubens Der Glutkern des Glaubens

Hilfe für Griechenland: Die Büchse der Pandora Hilfe für Griechenland: Die Büchse der Pandora

Mehr Reportagen


Empfohlene Beitrage

Schuldenlast bald bei 2 Billionen? Schuldenlast bald bei 2 Billionen?

Rettungsschirm vor Einsatz: Zahltag für Deutschland? Rettungsschirm vor Einsatz: Zahltag für Deutschland?

CDU-Fraktionschefs: Stammwähler in den Blick nehmen CDU-Fraktionschefs: Stammwähler in den Blick nehmen

Westerwelle: Saar-FDP fordert Rücktritt Westerwelle: Saar-FDP fordert Rücktritt

Atomkraft: Atomkraft: "glatter Verfassungsbruch"

DDR kein Unrechtsstaat? DDR kein Unrechtsstaat?

Bundeswehr: Fünf Reformvorschläge Bundeswehr: Fünf Reformvorschläge

Wenig Vertrauen in Wirtschaftsordnung Wenig Vertrauen in Wirtschaftsordnung

Schäuble: mit sowjetischer Vorbedingung  Schäuble: mit sowjetischer Vorbedingung "nichts zu tun gehabt"

Manager-Bündnis gegen Merkel Manager-Bündnis gegen Merkel


Interviews

Bernd Höcker Die GEZ muss weg
Bernd Höcker
gez-abschaffen.de

Hajo Seng Grundlegende Akzeptanz, daß Menschen unterschiedlich sein können
Hajo Seng
autWorker

Sen. Dr. h.c. Hans-Albert Courtial Der Mensch braucht Anrührung
Sen. Dr. h.c. Hans-Albert Courtial
Fondazione Pro Musica e Arte Sacra

Dr. Seyed Mostafa Azmayesh Trennung von Religion und Politik
Dr. Seyed Mostafa Azmayesh
Internationales Komitee für die Rechte von Studenten und Derwischen im Iran

Pere Pierre-Marie Delfieux "Es liegt im Innern der Kirche"
Pere Pierre-Marie Delfieux
Monastische Gemeinschaften von Jerusalem

Holger Thuß Prosperität ist die Basis hoher Umweltstandards
Holger Thuß
CFACT

Volker Seitz Ständige Almosen ersticken jede Initiative
Volker Seitz
Diplomat

Martin Lohmann "Die CDU muss mehr sein als Merkel" - Interview Martin Lohmann
Martin Lohmann
Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU

Dr. Gérard Bökenkamp Reformen besser früher als später
Dr. Gérard Bökenkamp
Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit

Frère Wolfgang "Pilgerweg des Vertrauens"
Frère Wolfgang
Communauté de Taizé

Mehr Interviews


Umfrage

Galerien

"Das Geheimnis erfolgreicher Bildung" - Expertentagung in Düsseldorf \"Das Geheimnis erfolgreicher Bildung\" - Expertentagung in Düsseldorf


Empfohlene Blogs

author Christian Zeuß
Die FDP ist weit von ihren Ursprüngen entfernt

author Dr. Michael von Prollius
Der Neoliberalismus war gut für uns!

author Marie Luise Schellen
Merkel missachtet den Wählerwillen!

author Dr. Klaus Peter Krause
Die Goldesel von heute

author Dr. Gérard Bökenkamp
Pluralismus in einer freien Gesellschaft

author Thomas M. Eppinger
Ein Gespenst geht um

author Professor Adorján F. Kovács
Gesellschaftlicher Konsens? Ein Versuch

author Dr. Gérard Bökenkamp
Gold oder Papier?

author Beatrix Herzogin von Oldenburg
Über die EZB, die EU und 500 Mrd. neue (!) Dammbrüche

author Christa Meves
Kindesmissbrauch: Ursachen und Konsequenzen


Video

Rücktrittserklärung Horst Köhler Rücktrittserklärung Horst Köhler

Professor Wilhelm Hankel über den Euro im März 2010 Professor Wilhelm Hankel über den Euro im März 2010

Das Gedächtnis der Gene Das Gedächtnis der Gene


Schlagworte

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Deutschland Wetter




Finanzkrise
Flugticketsteuer gilt rückwirkend
Regierung will 80 Milliarden in vier Jahren einsparen
BaFin geht gegen inkompetente Aufseher vor
Nahost-Konflikt
Trotz Anschlag: Israel hält an Friedensgesprächen fest
Irak: US-Armee zieht ab - Sicherheitsfirmen übernehmen
Iran: Ayatollah Chamenei warnt USA
DDR-Unrecht
Platzeck kritisiert Anschlusshaltung
Schäuble: mit sowjetischer Vorbedingung "nichts zu tun gehabt"
DDR kein Unrechtsstaat?
Allgemein
Doppelter Renten-Bonus für Familien mit Kindern
Bundesbank trennt sich von Sarrazin
USA: Ökoterrorist nimmt Geiseln und wird erschossen
Bildung
Seehofer: Bildungschipkarte ist Mißtrauensvotum gegen Familien
Kirche: Dienerin der Wahrheit und Zeichen des Widerspruchs
Sarrazin: SPD für Ausschluß - Bundesbank gibt Erklärung ab
Reformen
Doppelter Renten-Bonus für Familien mit Kindern
CSU und FDP fordern Änderungen beim Sparpaket
Regierung will 80 Milliarden in vier Jahren einsparen
Wirtschaftspolitik
CSU und FDP fordern Änderungen beim Sparpaket
Union macht Druck bei Mindestlohn für Zeitarbeiter
Regierung will 80 Milliarden in vier Jahren einsparen
Familie
Doppelter Renten-Bonus für Familien mit Kindern
Haderthauer: "Wahlfreiheit statt Bevormundung!"
Paare wollen wieder mehr Kinder
Autoindustrie
Abwrackprämie: Konzerne sollen zurückzahlen
Opel-Hilfe: Brüderle lehnt ab, Merkel berät weiter
Keine Staatshilfe für Opel?
Wahlen
Erstes Duell um Rüttgers-Nachfolge
Schleswig-Holstein: Schwarz-Gelb würde Mehrheit verlieren
Carstensen gibt Landesvorsitz ab
1945-49 Verfassungsbruch 1990
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
CDU und FDP für Wiedergutmachung
Justiz
Kabinett beschließt Reform der Verwahrung
Bischöfe verschärfen Leitlinien
Carstensen gibt Landesvorsitz ab

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008