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21.05.2013
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Afghanistan: "Zivile Alternativen bieten"
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Nicht wenige Beobachter bewerten Deutschlands Rolle in der Welt daran, wie sich die Bundesregierung im Afghanistan-Konflikt verhält. Über die Verhältnisse am Hindukusch und die Bedingungen für den Einsatz der Bundeswehr sprach FreieWelt.net mit dem Terrorismusexperten Rolf Tophoven. Tophoven leitet das Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik mit Sitz in Essen.

FreieWelt.net: Herr Tophoven, Sie waren im Mai diesen Jahres bei der Truppe in Afghanistan. Welche Eindrücke wirken bei Ihnen am stärksten nach?

Rolf Tophoven: Die Motivation der Soldaten vor Ort ist gut, jedoch verlangen viele von ihnen eine von der Regierung klar vorgegebene Exit-Strategie. Besonders beeindruckt hat mich die Professionalität, mit der unsere Soldaten ihren Auftrag angehen und erfüllen.

FreieWelt.net: Fühlen sich unsere Soldaten von der deutschen Bevölkerung im Stich gelassen?

Rolf Tophoven:  Sehr häufig beklagen Soldaten eine mangelnde Information der deutschen Öffentlichkeit über die Ziele und den Auftrag der Bundeswehr am Hindukusch. Diese Info-Defizite, so mancher Tenor bei den Soldaten, führe dann zu Kritik und Unverständnis bei der Bevölkerung.

FreieWelt.net: Wird unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt?

Rolf Tophoven: Das Wort des früheren Verteidigungsministers Peter Struck stimmt im Grundsätzlichen, muss aber differenziert erläutert werden. Denn, sollte Afghanistan wieder in die Hände eines radikalen islamistischen Talibanregimes fallen, hätten wir ähnliche Verhältnisse dort wie vor 9/11 – das Land würde erneut ein Biotop des Terrorismus, eine Terrorbasis für Gruppen, die weltweit, somit auch verstärkt in Deutschland, agieren würden.

FreieWelt.net: Was wäre ein Ziel, nach dessen Erreichen man den Einsatz als „erfolgreich beendet“ bezeichnen könnte?

Rolf Tophoven: Wenn die afghanischen Sicherheitsstrukturen und deren Kräfte so stabil sind, dass sich die Nato zurückziehen könnte

FreieWelt.net: Worin besteht Ihres Erachtens eine nachhaltige Strategie für diesen schwierigen Einsatz?

Rolf Tophoven: Man muss den Afghanen Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln. Dabei geht es in erster Linie nicht um das rein militärische Engagement von ISAF, sondern vor allem um die zivile Komponente. Daher ist der zivil/militärische vernetzte Ansatz der richtige. Man muss den Afghanen zivile Alternativen bieten, die besser sind als Kalaschnikow und Bombe, was die Taliban anzubieten haben.

FreieWelt.net: Wie bewerten Sie die ersten Schritte unseres neuen Verteidigungsministers zu Guttenberg?

Rolf Tophoven: Minister Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Glücksfall für die Bundeswehr. Der neue Verteidigungsminister spricht eine klare Sprache, nennt die Situation was und wie sie ist und genießt bereits nach wenigen Tagen im Amt eine hohe Akzeptanz in allen Rängen der Bundeswehr.

FreieWelt.net: Bekämpfung des internationalen Terrorismus – ein Fall für die Geheimdienste und Polizeikräfte oder einer für die Militärs?

Rolf Tophoven: Die Bekämpfung des internationalen Terrorismus ist nicht ausschließlich mit der einen oder anderen Organisation oder Institution durchzuführen. Je nach Lage und den Verhältnisse in den jeweiligen Ländern ist auch ein Ineinandergreifen aller drei Komponenten notwendig, also eine Art Mixtur aus Intelligence Arbeit, Polizei und Militär. Konkretes Beispiel hierfür wäre der Staat Israel.

FreieWelt.net: Der Fall Hansa Stavanger hat Schwächen des deutschen Sicherheitsapparats aufgezeigt. Wie sollten unsere Sicherheitskräfte künftig koordiniert, von wo sollten sie zentral gesteuert werden?

Rolf Tophoven: Der deutsche Sicherheitsapparat ist im Grunde auch vor dem Hintergrund unseres föderalistischen Systems gut aufgestellt und organisiert. Von daher verbietet sich eine zentrale Steuerung; dennoch hat der Fall des entführten Schiffes „Hansa Stravanger“ Defizite in der Koordinierung des durch die GSG 9 vorgesehenen Zugriffs offenbart. In erster lag es dabei wohl an einem Kompetenzgerangel und politischen Eifersüchteleien zwischen Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium. Bedauerlich – aber Fakt!

FreieWelt.net: Kann der „Krieg gegen den internationalen Terrorismus“ jemals ein Ende finden?

Rolf Tophoven: Nein, es wird immer Gruppen geben, die den Terror als modus operandi zur Durchsetzung ihrer Ziele – welche auch immer das sein mögen – einsetzen. Man sollte allerdings mit dem Wort „Krieg“  gegen den Terrorismus etwas vorsichtiger sein, damit es nicht zu einer unverhältnismäßigen Aufwertung der Terroristen als Kombattanten kommt.

FreieWelt.net: Ist die Bundeswehr insgesamt für ihre Aufgaben im Zeitalter des internationalen Terrorismus ausreichend gerüstet?

Rolf Tophoven: Die Bundeswehr ist heute eine Einsatzarmee. Vor diesem Hintergrund besitzt sie, was Ausbildung und Kommandoeinheiten betrifft, exzellente Voraussetzungen und qualitativ ein auch international anerkanntes gutes Standing. Allerdings liegen die Defizite der Bundeswehr in manchen Bereichen (z.B. Lufttransport-Kapazitäten, Helikopter) in mangelnder Ausrüstung. Daher ist es eine massive Forderung an die Politik und die Rüstungsindustrie, hier Abhilfe zu schaffen.

zum Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik

Das Interview führte Nathanel Liminski

(Foto: Rolf Tophoven/Fotograf: Nathanel Liminski)

 

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Redaktion, 16.11.2009 15:56 | Kommentare (0)


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