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11.02.2012
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Merkel und die Medien gegen Benedikt XVI.
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Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI, die Exkommunikation von vier Weihbischöfen der Pius-Bruderschaft aufzuheben, darunter der Holocaust-Leugner Richard Williamson, hat viel Krititik außerhalb und auch innerhalb der katholischen Kirche hervorgerufen.
Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und eine von den wichtigsten deutschen Medien getragene Kampagne lassen den Konflikt eskalieren.


Merkel forderte den Vatikan auf, eindeutig klarzustellen, "dass es keine Leugnung des Holocaust geben darf".
Sekundiert wurde der Vorstoß der Bundeskanzlerin von der größten deutschen Boulevardzeitung BILD mit einer Kampagne unter der Überschrift Vatikan-Nazi-Skandal sowie den wichtigsten deutschen Medien.


In einem BILD-Kommentar forderte Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, der Papst müsse "seinen Fehler korrigieren, die Entscheidung zurücknehmen und sich entschuldigen."
Der Spiegel bezeichnete auf dem Cover seiner Print-Ausgabe den Papst als "Entrückten". Neben den Medien schwenken auch weitere Politiker auf Merkels Linie ein, so beispielsweise der Grünen-Politiker Volker Beck und der FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Inzwischen ist bereits die Rede von einem neuen Kulturkampf.


Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, zollte der Kanzlerin „Hochachtung und Anerkennung".

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Kramer plädierte für direkte Gespräche zwischen Zentralrat und dem Papst.

Die Freie Welt dokumentiert an dieser Stelle auch die wenigen Stimmen in der deutschen Medienlandschaft, die die Situation in einem etwas differenzierteren Licht darstellen:

Der Tagesspiegel fragt, ob es überhaupt Aufgabe einer deutschen Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzenden sei, sich vom Papst, immerhin Oberhaupt einer weltweiten Glaubensgemeinschaft, zu distanzieren und Klarstellung von ihm zu fordern, als ob er der "Leiter des Goethe-Instituts in Rom" sei.

Der Chefredakteur der Welt, Thomas Schmid, fragt in seinem Kommentar, ob Merkels Forderung nach einer "Klarstellung" an den Papst nicht angesichts ihrer eigenen Unentschiedenheit und der Profillosigkeit ihres politischen Kurses verfehlt sei.

Malte Lehming wundert sich im Tagesspiegel, warum "ein katholischer Geistlicher auf keinen Fall die in Auschwitz Ermordeten verhöhnen" darf, "während in vielen Freitagspredigten in der muslimisch-arabischen Welt die "Lüge vom Judenmord" und das "Märchen von den Gaskammern" gängige Metaphern sind", ohne daß dies einen Skandal verursache.

André F. Lichtschlag von eigentümlich frei begreift die Medienberichterstattung als Kampagne gegen den Papst als "letzte(n) Hoffnungsträger der Abwehr einer ins Totalitäre gehenden Politischen Korrektheit, die keinerlei Anstand und Erbarmen mehr kennt."

Die jugendlichen Papstanhänger der "Generation Benedikt" erklären in einer Pressemitteilung, dass Benedikt XVI. "durch sein Zugehen auf innerkirchliche Kritiker einen offenen, fairen und ernsthaft respektvollen Dialog ermöglicht", der ausdrücklich begrüßenswert sei. Es zeuge "von gedanklicher Jugend und Modernität, im Fall der Pius-Bruderschaft nicht um jeden Preis an bestehenden Regelungen festzuhalten, sondern die Einheit der Kirche im Blick eine Einladung zur Wiederaufnahme auszusprechen." Dabei handele es sich bei der Aufhebung der Exkommunikation in jedem Fall nur um den "Startpunkt eines langen Weges der Pius-Bruderschaft zurück in die Kirche". Der Papst könne nicht für die Äußerungen einzelner Mitglieder der Kirche verantwortlich gemacht werden. An einem Austausch oder gar einer Eingliederung von Ideen wie denen des Bischofs Williamson sei Papst Benedikt XVI. nicht interessiert. Er selbst verurteile diese aufs Schärfste, "wie es für jeden wirklich Interessierten und wahrhaftig und fair arbeitenden Journalisten nachzulesen" sei.

Sie haben eine interessante Wortmeldung in dieser Debatte gelesen und vermissen diese in unserer Aufstellung? Schreiben Sie uns einen kurzen Hinweis auf die Emailadresse redaktion@freiewelt.net

Foto: John MacDougall/ AFP/ ddp; Joerg Koch/ ddp



Redaktion FreieWelt.net, 22.06.2009 01:32 | Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Josef Berens, 03.02.2009 22:41
Herr Ratzinger kann einem schon fast leid tun. Er scheint seinem Amt und seiner Verantwortung für die kath. Kirche, nun wirklich nicht mehr gewachsen. Von einem ein Fettnäpfchen tappt er ins andere und wird das Faß so irgendwann zum Überlauf bringen.

Es ist auch nicht mehr zu verbergen, dass er mittlerweile so schwer angeschlagen und im Ansehen geschwächt wird, dass es sehr schwer sein wird, sich von dieser Wertminderung und dem glaubwürdigkeitsschwund wieder zu erholen. Mit fraglichen Dingen verspielt er Ansehen und Glaubwürdigkeit und von Unfehlbarkeit kann da wohl kaum noch die Rede sein.

Ein Nachdenken über seine Ablösung, wie es von führenden Theologen mittlerweile gefordert wird ist nicht mehr voll auszuschließen und könnte, zur Vermeidung von noch größerem Schaden für unsere kath Kirche, vielleicht sogar der richtige Weg sein.

So kann sogar darüber spekuliert werden, ob nicht ganz normale Alterserscheinungen oder vielleicht sogar Alterdemenz ihm zu schaffen machen und ihn zu derartigen Mißgeschicken treiben, die ihm, seinem Ansehen, dem Amt und der kath. Kirche insgesamt, auf Dauer und je länger er das Amt noch inne hat, nur noch schaden.

Josef Berens
(als einfacher, denkender Katholik)



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