Das Blut der MärtyrerDass Christen in China aus der Bevölkerung viel Sympathie entgegen schlägt, hat auch mit der jüngsten Geschichte zu tun. Zur Mao-Zeit, insbesondere zur Zeit der
Kulturrevolution war die Christenverfolgung auf ihrem Höhepunkt. Priester und Nonnen wurden in Lager gesteckt, in denen unzählige von ihnen zu Tode kamen. Ragg erzählt die Geschichte eines Priesters, den seine eigenen Angehörigen anspucken mussten. Im Lager sperrten die Kommunisten ihn in eine Zelle, in der man nicht stehen, nicht sitzen und nicht liegen konnte. Wenn ihm die Augen zufielen, hieß es „Du betest! Mach die Augen auf!“ Menschen wie dieser Priester haben in China heute den Status von Märtyrern. Dass sie nicht zerbrochen sind, dass sie heute dort weitermachen, wo sie vor ihrer Verhaftung aufgehört hatten und nicht von ihrem Glauben abgerückt sind, ringt selbst ihren Gegnern Respekt ab. Und diese Gegner sind durchaus noch da. Wer von der Kirche aus die Politik der chinesischen Regierung kritisiert, muss nach wie vor mit Einschüchterungen und seiner Verhaftung rechnen. Die KP hat ihren Anspruch auf Alleinherrschaft keineswegs aufgegeben. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China sind immer noch sehr belastet. Trotzdem: Als zum Beispiel beim großen Erdbeben im vergangenen Jahr Christen aus allen Provinzen anreisten, um ehrenamtlich zu helfen, stimmte dies auch viele Parteifunktionäre milder.
Der UntergrundAllerdings ist die katholische Kirche in China nicht so einig, wie der Vatikan es sich wünschen würde. Denn als die Kommunisten die Macht in China übernahmen, verlangten sie von den Katholiken, sich von Rom loszusagen. Sie setzten eine „patriotische Vereinigung“ ein, die sicherstellen sollte, dass in der sogenannten „Registrierten Kirche“, die staatlichen Vorschriften eingehalten wurden. Jene Katholiken, die sich nicht unterwerfen wollten, gingen in den Untergrund und praktizierten ihren Glauben weiter unter Lebensgefahr. Während der Kulturrevolution richtete sich die Verfolgung dann gegen alle Christen – auch gegen jene, die der Registrierten Kirche angehörten. Als später die Religionsausübung in einem begrenzten Rahmen wieder erlaubt wurde, blieb die Teilung der Kirche bestehen. Der Papst hat aber erst kürzlich betont, dass es in China nur eine Kirche gibt und dass auch die Messen der Registrierten Kirche als vollwertige Messen anzuerkennen sind, der Heilige Stuhl hat außerdem inzwischen mehr als 90 Prozent der Bischöfe der Registrierten Kirche anerkannt. Immer mehr Priester geben daher ihr Dasein im Untergrund auf und schließen sich der offiziellen Kirche an.
Mission, Märtyrertum, VerfolgungDie Entwicklung des Christentums in China unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Entwicklung des Christentums in der westlichen Welt: Vor allem junge Leute fühlen sich von der christlichen Religion angesprochen, die sie mit Wohlstand und Fortschritt verbinden, sieben Spielerinnen der Frauenfußballnationalmannschaft sind Christinnen, auch unter den Nonnen und Priestern sind im stark überalterten China viele junge Menschen zu finden, es werden massiv neue Kirchen gebaut. Mission, Märtyrertum und Verfolgung, Begriffe die für uns im Zusammenhang mit dem Christentum aus dem Geschichtsunterricht zu stammen scheinen sind in dem riesigen Land mit seinen mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern brandaktuell.
Die Partei, die in China regiert, nennt sich Kommunistische Partei, aber der Kommunismus als Glaube ist tot. Das Christentum lebt.
(Foto: Rike/pixelio.de)
zum Feldmark Forum