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Bürger wollen Kurswechsel - Interview Beatrix Oldenburg
Weitere Themen: Allgemein, Reformen, Wirtschaftspolitik



Beatrix Herzogin von Oldenburg ist Rechtsanwältin und Vorsitzende der Zivilen Koalition, einem Zusammenschluss von Bürgern, die sich für mehr zivilgesellschaftliches und überparteiliches Engagement und echte Reformen in Deutschland einsetzen.

FreieWelt.Net sprach mit Herzogin von Oldenburg über den Verlauf der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen.

FreieWelt.Net: Wie beurteilen Sie das Wahlergebnis?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Die Wähler haben für einen Politikwechsel gestimmt. Die Großen Koalition und ihre Politik wurden abgewählt. Die Verlierer sind einerseits die SPD, der die Wähler in Scharen davonliefen, aber die zweite große Verliererin war die Kanzlerin mit ihrer Politik. Trotz Amtsbonus brachte sie der Union das schlechteste Ergebnis nach 1949 ein. Das ist schon eine beachtliche „Leistung“. Die Liberalen dagegen wurden von den Bürgern für ihren klaren Reformkurs mit dem größten Wahlerfolg ihrer Geschichte belohnt.

FreieWelt.Net: Wie schätzen Sie den bisherigen Gang der Koalitionsverhandlungen ein?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Es ist enttäuschend, was bislang geboten wurde. Obwohl die Wähler die Politik mit einem klaren Mandat für echte Reformen ausgestattet haben, bewegt sich Bundeskanzlerin Merkel offenbar nicht. Schon bevor die ersten Verhandlungsgespräche aufgenommen wurden, hat sie signalisiert, dass alles beim Alten bleiben soll.

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Das ist eine Missachtung des Wählerwillens. Schlimm finde ich, dass man ja das Gefühl haben muss, dass der natürlich sehr enge finanzielle Spielraum gar nicht so sehr der ausschlaggebende Faktor ist. Ich werde das Gefühl nicht los, dass auch bei vollen Kassen eine Umkehr mit Merkel und ihrer CDU keine Chance hätte. Zurück zu den Beschlüssen vom Leipziger Parteitag- ich glaube nicht, dass ihr danach der Sinn steht. Gesundheitsfonds und das sog. Antidiskrimierungsgesetz, das ich gerne als das Anti-Vertragsfreiheits-Gesetz bezeichne, könnten ohne zusätzliche Kosten abgeschafft oder zumindest massiv „geschliffen“ werden- aber das wird nicht passieren.

FreieWelt.Net: Wie sehen Sie die Position der FDP?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Für die FDP geht es jetzt um alles. Die Bürger haben ihr einen großen Vertrauensvorschuss gegeben. Um glaubwürdig zu bleiben, muss Sie jetzt standhaft bleiben. Es gibt keinen Grund für die FDP nachzugeben. Die Bürger haben sie mit ihrer Stimme gestärkt und zwar für einen Kurswechsel. Zu einem Koalitionsvertrag, der diesen Wechsel nicht abzeichnet, kann die FDP gar nicht ja sagen, ohne Gefahr zu laufen, massiv bei der nächsten Wahl für so einen Verrat abgestraft zu werden. Und deswegen wird sie es auch nicht tun. Die Zeiten, in denen die Parteien auf ein angestammtes Klientel rechnen konnten, sind vorbei. Die Bürger haben sich von den Parteien emanzipiert. Die Wähler sind mobiler und organisieren sich selbst, schnell und effektiv, wie wir bei der Bundestagswahl sehen konnten.

FreieWelt.Net: Heißt das, die FDP sollte auf eine Regierungsbeteiligung verzichten?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Wenn es hart auf hart kommt: Ja. Wir wollen eine bürgerliche Koalition, aber nicht um den Preis, dass weiter gewirtschaftet wird, wie in den letzten Jahren. Dann ist es besser, die FDP stellt eine starke Opposition gegen die Reformblockade. Das würde der FDP nicht schaden, im Gegenteil, sie würde Glaubwürdigkeit gewinnen und bei der nächsten Wahl noch stärker werden. Für Merkel wäre es hingegen der Anfang vom politischen Ende, denn die große Mehrheit der Unionswähler will einen Reformkurs.

FreieWelt.Net: Was können wir Bürger tun?

Beatrix Herzogin von Oldenburg: Wir Bürger werden uns hinter die Kräfte stellen, die glaubwürdig für echte Reformen eintreten. Mit denen gehen wir durch dick und dünn, auch wenn die Kanzlerin versucht, sie einzuschüchtern.

Zivile Koalition

Das Interview führte Norman Gutschow

Foto: FreieWelt.Net



Redaktion FreieWelt.Net, 16.10.2009 09:55 | Kommentare (2)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (2)

Antares, 17.10.2009 08:11
Es ist überhaupt ein Phänomen, wie die CDU dem Volk eine Kanzlerin vorsetzt, die in schwierigen Zeiten aus dem Sozialismus für den Sozialismus eintritt - ohne die elementaren Grundlagen der Freiheit zu erkennen und umzusetzen. Eine Kanzlerin, die sich von einem über die Grundrechte des Volkes hinwegsetzenden Finanzminister regelrecht dominieren läßt. Dieser ergänzt von einem Innenminister, der von einem Sicherheitsdienst träumt, der den Bürger bis in seine Privatsphäre und gleichzeitig vor sich selber sichert sowie einer Gesundheitsministerin die vermutlich das Gesundheitssystem der DDR als Vorbild genommen hat. Eine Kanzlerin ohne Strategie, ohne Visionen – eine Verwaltungskanzlerin.

Aber genau so eine Kanzlerin braucht Deutschland nicht. Die FDP hat in ihrem Wahlprogramm sehr zutreffend das Grundgesetz und damit die Freiheitsrechte nach vorne gestellt. Sie hat ein Steuerkonzept entwickelt, welches gute Ansätze zu einem Aufbruch erkennen läßt. Die FDP verkörpert damit die Chance auf Freiheit. Freiheit bedeutet auch freisetzen, Kräften freien Lauf lassen und damit einen Aufbruch erzeugen, der zuerst emotional beginnt und sich dann materiell verwirklicht. Die FDP wird durch die CDU gebremst, behindert.

Es gibt jedoch in der CDU Strömungen, die ebenfalls strategisch und visionär denken. Daraus folgt, daß der Sinn in einer Koalition eben nicht das Schützen der Interessen einer Partei ist, sondern – und das sagt der Amtseid, den Kanzler und Minister zu leisten haben – das Wohl des Volkes. Es wird zwischen FDP und CDU dasjenige Verhandelt, was dem Volke nutzt. Unter dieser Betrachtung muß die CDU auch die Wahl ihrer Führung in die Koalitionsverhandlungen einbringen. Eine Führung die verwaltet ist eben zur heutigen Zeit keine Führung.

Daß die FDP an der Regierung maßgeblich beteiligt wird, ist Wille des Volkes, denn ohne diese Koali-tion wäre der höchstnotwendige Wechsel nicht möglich. Das verpflichtet allerdings auch die FDP die-sen Willen mit aller Kraft umzusetzen und durchaus darzulegen, daß eine CDU/CSU mit einer anderen Verhandlungsdelegation als Regierungspartner in Frage kommen würde. Es ist eben keineswegs entscheidend, ob die Kanzlerin, sondern es ist allein entscheidend ob es in den Reihen der Koaliti-onspartner Personen gibt, die dem Willen des Volkes zu einem Wechsel Rechnung zu tragen in der Lage sind. Die FDP in der Opposition wäre ein Verlust für Deutschland. Die Gefahr eines solchen Verlustes besteht eben m. E. insbesondere dann, wenn die CDU/CSU sich auf ein Verwaltungskon-zept fixiert und damit die Tür einer sozialistischen Richtung weiter öffnet. Sozialismus ist Gleichheit. Gleichheit führt zur Einschränkung der Freiheit. Die Einschränkung der Freiheit ist eine Einschränkung von Leistung und Erfolg. Das kann die CDU/CSU nicht wollen.


Insider, 16.10.2009 10:41
Die FDP verleugnet seit 60 Jahren ihre eigenen Ideale, nachlesbar in den Protokollen des parlamentarischen Rates, dem 65-köpfigen Gremium, dass die Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ausformuliert hat. Dr. Thomas Dehler war diejenige Persönlichkeit der FDP, die z.B. für das Zustandekommen des sog. "Zitiergebotes" im Artikel 19 Abs. 1 GG gerungen hat. "Wir wollen die Fessel des Gesetzgebers"..., so hat Dehler es gesagt 1948, so steht es in den Protokollen nachzulesen. Durchgesetzt hat sich dann nach dem Inkrafttreten der einem "Zitiergebot" ausdrücklich entgegenstehende Wille des Nazijuristen Dr. von Mangoldt. Die FDP hat keinem einfachen Gesetz mit dem Hinweis, es würde gegen das sog. Zitiergebot gemäß Artikel 19 Abs. 1 Satz 2 GG verstoßen, jemals die Zustimmung verweigert. Die FDP ist aber an allen diesen "ungültigen" Gesetzen aktiv beteiligt gewesen, bis heute.

Wo ist da ein Reformwille erkennbar ?

60 Jahre steht auf der Bundesrepublik Deutschland "Demokratie" drauf aber "Diktatur" ist drin und diese Staatsform der im Dritten Reich geübten "Wohlfühldiktatur" wird immer weiter ausgeformt. Wenn die FDP das mit Reformen meint, ist sie in verantwortlichen Positionen dieses Landes fehl am Platz.

Die wohl meisten in der FDP Verantwortung tragenden Personen sind in den Artikeln des Grundgesetzes nur dort zuhause, wo es um den eigenen / persönlichen Vorteil geht, die übrigen grundgesetzlichen Vorschriften sind unbekannt. Also messen wir diesem Marionettentheater nur die Bedeutung zu, die ihm gebührt, nämlich gar keine.



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