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11.02.2012
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Mit der CSU wird es keine Kindergartenpflicht geben
Weitere Themen: Kindergartenpflicht, Bildung, Familie



Daniela Raab ist CSU-Abgeordnete des Deutschen Bundestages und kandidiert im Wahlkreis Rosenheim. Sie hat gegenüber MEDRUM Antwort auf Fragen zur Kindergartenpflicht und Familienpolitik gegeben.

MEDRUM: Sehr geehrte Frau Raab, es wird gegenwärtig wieder die Frage gestellt, ob mit einer Kindergartenpflicht gerechnet werden muß. Wie stehen Sie dazu?

Image Raab:
Mit der CSU wird es keine „Kindergartenpflicht" geben. Im Gegenteil. Die CSU steht für Wahlfreiheit. Jede Familie soll sich frei entscheiden können, wie sie sich um ihre Kinder kümmert. Das bedeutet, ein Erziehen zuhause muss genauso möglich und anerkannt sein, wie die Nutzung eines Kindergartens. Es muss die Möglichkeit für beides gegeben werden. Wir schaffen die Voraussetzungen. Die Union will zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter verbessern, damit Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Gefragt sind familiengerechte Arbeitsplätze und nicht arbeitsplatzgerechte Familien.

MEDRUM: Welche Wege sehen Sie dafür?

Raab: Dazu gibt es viele Wege: Familienbedingte Teilzeit, abgestufte Teilzeit nach Erziehungsfreistellung, Kinder-Bonuszeit, Zeitkonten, Telearbeitsplätze, Familienphasen für Mütter und Väter für die Betreuung der Kinder, aber auch von Pflegebedürftigen. Die bisher dominierende starre Ausrichtung der Arbeitswelt auf Vollzeitstrukturen lässt zu wenig Raum, die berufliche Entwicklung von Vätern und Müttern mit einer Familienphase zu verbinden. Wir wollen Unternehmen Anreize geben, mit regelmäßigen und umfassenden Audit-Verfahren (selbst gewählte Prüfungsverfahren) die Entwicklung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen voranzubringen.

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Dabei muss der Öffentliche Dienst beispielgebend vorangehen. Zudem sorgen wir für mehr und bessere Betreuungsangebote für alle Kinder. Für Kinder unter drei Jahren wird bis 2013 mit Unterstützung des Bundes durch Länder, Kommunen und freie Träger ein bedarfsgerechtes Angebot geschaffen. Danach gilt ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr. Aber keiner soll dazu gezwungen werden, sein Kind in die Krippe oder den Kindergarten zu geben.

MEDRUM: Die Betreuung der Kinder in den ersten Lebensjahren wird von Experten als besonders wichtige Lebensphase angesehen. Es gibt deshalb auch viele Gegner, Kinder ab dem ersten Lebensjahr in eine Kinderkrippe zu geben. Viele Eltern und Alleinerziehende sind andererseits auf die Betreuung angewiesen. Wie soll man damit umgehen?

Raab: Die frühe Kindheit ist eine Zeit der Prägung, die genutzt werden soll. Zugleich ist es aus Sicht der Kinder eine Zeit der Entwicklung und der spielerischen Entfaltung, die nicht mit Ansprüchen überfrachtet werden darf. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass Erzieherinnen und Erzieher, Tagesmütter und -väter dem gerecht werden, wenn sie sich dafür entschieden haben. Wir wollen die Qualität in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Kräfte, in der pädagogischen Konzeption und auch in der Zusammenarbeit mit den Eltern fördern. Unser Ziel ist es, diese Inhalte für Fachkräfte in der Kinderbetreuung gemeinsam mit Ländern und Kommunen praktisch und alltagstauglich zu machen. Wir wollen zwischen Bund, Ländern und den Tarifpartnern konkrete Schritte verabreden, um gut qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher zu gewinnen und zu halten.

MEDRUM: Das Geld ist bei vielen Familien knapp. Die Betreuung der Kinder bringt weitere finanzielle Belastungen mit sich. Sehen Sie die Notwendigkeit, die finanzielle Unterstützung zu verbessern?

Raab: Den Kindergartenbesuch wollen wir langfristig beitragsfrei ermöglichen. Voraussetzung ist eine solide und nachhaltige Finanzierung. Darüber hinaus wollen wir das Elterngeld weiterentwickeln und Mütter und Väter sowie Betriebe durch die Einführung eines Teilelterngeldes unterstützen: Eltern können wählen, ob sie einen vollen oder einen halben Elterngeldmonat nutzen. Teilelterngeld kann dann bis zu 28 Monate bezogen werden. Väter oder Mütter arbeiten reduziert, erhalten für das ausfallende Einkommen Teilelterngeld und können sich Zeit für ihr Neugeborenes nehmen."

MEDRUM: Wir danken Ihnen im Namen unserer Leser für Ihre Antworten.

Das Gespräch führte Kurt J. Heinz

Daniela Raab (34) hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Rechtswissenschaften studiert und als Diplom-Juristin Univ. abgeschlossen. Sie ist Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises "Stadt Rosenheim und Landkreis Rosenheim". Im Bundestag arbeitet sie unter anderm mit als Ordentliches Mitglied im Rechtsausschuss, als Obfrau im Rechtsausschuss und damit stellvertretende Rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie als Stellvertretende Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sie ist zugleich stellv. Landesvorsitzende der Frauen-Union Bayern und nimmt eine Vielzahl von ehrenamtlichen Aufgaben war.

Weitere Information: http://www.daniela-raab.de

Die Übernahme des Interviews erfolgte mit freundlicher Genehmigung durch Medrum.de



Redaktion, 25.09.2009 14:00 | Kommentare (3)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (3)

Markus Gutmann, 28.09.2009 10:57
Obwohl unsere 6 Kinder alle den Kindergarten besucht haben bzw. noch besuchen, bin ich gegen eine Kindergartenpflicht. Trauen wir denn unseren Eltern gar nichts mehr zu? Muss alles staatlich verordnet und geregelt werden?

Die Realität für Familien mit mehreren Kindern sieht in Deutschland so aus: Familienkarten z.B. für Freizeitparks, Schwimmbäder etc., sofern überhaupt angeboten, gelten nur für 1-2 Kinder (z.B. Eintritt Legoland für unsere 8-köpfige Familie = 219 EUR). Die Familiendefinition in den Wonnemar Freizeitbädern z.B. lautet "1-2 Erwachsene mit 1-2 Kindern", wobei als Erwachsene Eltern, Großeltern oder gleichgeschlechtliche Paare in eheähnlicher Beziehung gelten. Jedes weitere Kind kostet extra. Sind wir in diesem Lande wirklich schon so weit, dass zwar Homopaare mit 1-2 Kindern als Familie angesehen werden, eine Vater-Mutter-Kinder-Gemeinschaft mit mehr als 2 Kindern aber nicht?

Was das Elterngeld angeht, ist dies in der Tat eine der größten Ungerechtigkeiten, die die letzte Regierung beschlossen hat. Meine Frau hatte für unsere Kinder noch jeweils 2 Jahre Erziehungsgeld und 1 Jahr Bayerisches Landeserziehungsgeld erhalten. Würden wir nun ein weiteres Kind bekommen, erhielte sie gerade mal für ein Jahr den lächerlichen Sockelbetrag, nur weil Sie sich entschieden hat, die Kinder selbst großzuziehen und keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. Das ist es nicht, was ich unter Wahlfreiheit und Familienförderung verstehe.

Die 100 Euro Kinderbonus aus dem Konjunkturpaket sind zwar gerade ausreichend, um die Lernmittelkosten für ein Schuljahr zu decken ("Lernmittelfreiheit" besteht ohnehin nur mehr in der Theorie), die dafür aufgenommenen Schulden müssen unsere Kinder aber mit Zinsen wieder zurückzahlen.

Von der vielgelobten Kindergelderhöhung ist leider nicht viel übriggeblieben, selbst mit 6 Kindern erhält man gerade mal 84 Euro mehr im Monat.

Allem staatlichen und gesellschaftlichen Gegenwind zum Trotz: Wir investieren weiterhin in unsere Kinder, denn von der "Langzeitrendite" können Fondsmanager heute doch nur träumen.


Tanja, 27.09.2009 14:32
Immer diese Diskussion über die Kindergartenpflicht! Ich finde, das letzte Jahr im Kindergarten ist so wichtig, gerade was die Sprachförderung angeht. Das kann kein Elternteil zu Hause leisten, der sich nicht wirklich damit befasst. Oder wären Sie schonmal auf die Idee gekommen, Silben zu klatschen oder haben mit Ihren Kindern Reime oder Zungenbrecher gemacht?
In der Schule brauchen die Kinder das so dringend. Sie rudern mit Ihrer Aussage zurück und mindern den Wert der Kita - in meinen Augen. Ihnen, liebe Frau Raab, ist nicht bewußt, welcher Leistungsdruck schon in der ersten Klasse auf den kleinen lastet. Daher ist es um so wichtiger, Kindergärten als das anzusehen, was sie sind. Bildungseinrichtungen!
Für was hätte es dann eine BeP-Kommission gebraucht? Die wie in einem Lehrplan festgelegt haben, mit welchen Kernkompetenzen die Kinder in den Schulalltag enlassen werden? Ich bin so sauer, über so eine Aussage!
Tanja - Mutter - Kind in 2. Klasse


Marie Luise Schellen, 25.09.2009 22:20
Sehr geehrte Frau Raab,
53 Prozent der Mütter bekommen im Schnitt 12 Monate lang 1000,--¤.
12000,--¤ jährlich auf 28 Monate verteilt sind 429,--¤ monatlich!!!!
46 Prozent der Mütter bekommen als Geringverdiener 12 Monate lang 3oo,--¤.
3600,--¤ jährlich auf 28 Monate verteilt
sind 128,--¤ monatlich !!!!!
Das Elterngeld ist ungerecht.
Diese Mütter haben keine Wahlfreiheit!!!



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