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Kindergartenpflicht - Interview mit Hedwig von Beverfoerde
Weitere Themen: Kindergartenpflicht, Allgemein, Familie



Hedwig Freifrau von Beverfoerde ist Sprecherin der Initiative Familienschutz. FreieWelt.net sprach mit der Mutter von 3 Kindern über die aktuelle Aktion der Initiative zur Verhinderung der Kindergartenpflicht.

FreieWelt.net: Frau v. Beverfoerde, Sie haben gemeinsam mit dem Verein Zivile Koalition vor einigen Wochen die Initiative Familienschutz ins Leben gerufen, die sich für die Rechte von Familien, u. a. für das Erziehungsrecht der Eltern einsetzt. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Hedwig v. Beverfoerde:
Nach fast 10 Jahren, in denen ich für die Familie parteiübergreifend politisch aktiv bin, bin ich fest davon überzeugt, daß die Familie in Deutschland dringend eine starke Lobby gegenüber der Politik braucht.


Die Familie ist der privateste und intimste Lebensbereich von uns Menschen. In dieser kleinsten Ur-Gemeinschaft Familie, bei Vater, Mutter und Geschwistern, erfahren wir als Kinder Zugehörigkeit und Liebe. Hier schlagen wir unsere Wurzeln, aus denen wir für unser ganzes Leben Kraft und Standfestigkeit beziehen.  Familie ist damit der tragende Pfeiler unseres freien und demokratischen Gemeinwesens. Und daran liegt mir sehr viel. Deshalb tut es mir weh und macht mich zornig, wenn ich sehe, wie die Familien durch die Politik nach allen Regeln der Kunst an die Wand gespielt werden.

FreieWelt.net: Woran machen Sie das fest?

Hedwig v. Beverfoerde:
In der Familienpolitik dreht sich seit Jahren eine "Spirale nach unten", wie es Stefan Dietrich von der FAZ einmal ausdrückte. Mit immer höheren Verbrauchssteuern und Sozialabgaben nimmt der Staat den Familien immer größere Anteile ihres selbst erwirtschafteten Einkommens weg. Da viele Köpfe zu versorgen sind, sind Familien gezwungen, einen weitaus höheren Teil ihres monatlichen Familieneinkommens zu verkonsumieren als Kinderlose. Entsprechend mehr Verbrauchssteuern müssen sie zahlen. So werden durch eine ungerechte Steuer- und Abgabenpolitik immer mehr Familien bedürftig und von staatlichen Transferleistungen abhängig gemacht. Die Politik treibt den Familien die Sau vom Hof und übergibt ihnen dann gönnerhaft 2 Koteletts. Im Ergebnis haben wir ständig steigende Zahlen von Kindern, die in relativer „Armut“ aufwachsen.
Die größte Ungerechtigkeit jedoch besteht bei der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung. Hier werden seit Jahrzehnten Eltern verfassungswidrig eklatant benachteiligt, obgleich sie mit dem Aufziehen von Kindern die unverzichtbare Voraussetzung für das Funktionieren dieser umlagefinanzierten Systeme leisten

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Um all diese gravierenden Misstände hat die Familienpolitik sich in den letzten vier Jahren überhaupt nicht gekümmert. Stattdessen mischt sie sich zunehmend in die private innere Organisation der Familien ein. Mütter werden mit finanziellen Anreizen dazu angehalten, voll erwerbstätig zu bleiben. Wer sich dafür entscheidet, als Hausfrau und Mutter bei den Kindern zu bleiben, wird finanziell dagegen stark benachteiligt. Väter erhalten Prämien für das politisch erwünschte Abwechseln ihrer Frau bei der Säuglingspflege. Kinder sollen spätestens mit dem ersten Lebensjahr in Kinderkrippen fremdbetreut werden obwohl Krippenerziehung nachweislich seelische Risiken birgt. Dazu hat Ministerin von der Leyen die Schaffung von 750.000 Krippenplätzen durchgesetzt. Die Ganztagsschule, als neues Allheilmittel propagiert und gefördert, ist auf dem Weg, die verpflichtende Schulform zu werden. Die Familien werden in bisher nicht gekannter Weise zu einem bestimmten Verhalten gegängelt.

FreieWelt.net: Jetzt haben Sie mit der Initiative Familienschutz eine Aktion gestartet zur Verhinderung der Kindergartenpflicht. Warum setzen Sie gerade an diesem Punkt an?

Hedwig v. Beverfoerde:
Der Kindergarten ist eine sehr gute freiwillige Einrichtung für Kinder ab 3 Jahren, die allgemein anerkannt ist und sich bewährt hat.
Mit einer drohenden Kindergartenpflicht jedoch ist ein elementares Grundprinzip in Gefahr, nämlich das Erziehungsrecht der Eltern. Unsere Verfassung schützt in Artikel 6 GG dieses natürliche Elternrecht ausdrücklich gegen den Zugriff des Staates.
Bei uns in Deutschland wird im Gegensatz zu Rest-Europa das elterliche Erziehungsrecht ja bereits durch die Schulpflicht eingeschränkt. Die Sechsjährigkeit, mit der ein Kind schulpflichtig wird, markiert also eine Schallgrenze. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Pflege und Erziehung der Kinder ganz und gar Sache der Eltern und der Staat hat nicht das Recht, sich einzumischen.  Ausnahme bilden nur Fälle von Kindesmisshandlung und Verwahrlosung, in denen das staatliche Wächteramt greift.
Wenn wir jetzt aber zulassen, daß die Schallgrenze Schulpflicht durch eine allgemeine Kindergartenpflicht nach unten durchbrochen wird, gibt es kein Halten mehr. Dann hat der Staat die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ tatsächlich errungen, wie es Olaf Scholz als Generalsekretär der SPD vor wenigen Jahren angekündigt hat.

FreieWelt.net: Die lautesten Rufe nach der Kindergartenpflicht kamen zuletzt aus den Reihen der Christdemokraten. Familienministerin Ursula von der Leyen hat sich sehr dafür eingesetzt. Ingrid Sehrbrock, die stellvertretende Bundesvorsitzende der CDA, hat sogar schon die Krippenpflicht gefordert.

Hedwig v. Beverfoerde:
Frau von der Leyen und Frau Sehrbrock schießen hier weit über das Ziel hinaus. Eine allgemeine Kindergarten- oder Krippenpflicht ist ein generelles Misstrauensvotum gegenüber allen Bürger. Sie unterstellt, daß der Bürger in seiner Eigenschaft als Mutter und Vater nicht willens oder in der Lage ist, für die Erziehung seiner eigenen Kinder die jeweils richtige Entscheidung verantwortlich selbst zu treffen. Ich empfinde das als Ungeheuerlichkeit. Wer solche Forderungen stellt, muss sich fragen lassen, welches Verständnis er oder sie von Demokratie hat. Denn ohne den eigenverantwortlichen Bürger gibt es auch keine Demokratie.
Teile der CDU haben sich von den einstigen Grundüberzeugungen dieser Partei, die die Freiheit und Bedeutung der Familie betreffen, vollständig verabschiedet. Als gläubiger Christ und Mitglied der CDU bin ich darüber enttäuscht und entsetzt. Die CDU fügt sich mit der zunehmenden Entmündigung von Eltern selbst den größten Schaden zu.
Denn schließlich ist der Kindergarten eine segensreiche Einrichtung. Auch unsere eigenen drei Kinder sind halbtags meist gern hingegangen. Im Kindergarten können Kinder in einem geschützten Bereich wichtige außerfamiliäre Erfahrungen machen. Hier leisten viele Erzieherinnen den Familien einen großartigen Dienst. Dies wird von den allermeisten Eltern so gesehen. Deswegen geben sie ihre Kinder in die Obhut eines Kindergartens – ganz freiwillig, ohne Zwang. Wo Eltern sich anders entscheiden, haben sie oft gute Gründe dafür. Die Politik hat dies zu respektieren. Eine Kindergartenpflicht ist in keinem Fall hinnehmbar.

Familien-Schutz.de

Das Interview führte Christoph Kramer

Foto: FreieWelt.Net



Redaktion FreieWelt.Net, 17.09.2009 11:39 | Kommentare (8)

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Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (8)

uta zeidler, 25.09.2009 12:02
Den Kindergarten zur Pflicht zu machen richtet sich gegen den Erziehungsauftrag der Eltern. Als Mutter von 4 erwachsenen und einem Schulkind, aus der DDR kommend weiß ich noch was es bedeutete, dass Erziehung "Sache" des Staates war und wir als Eltern ins Abseits kamen, wenn wir uns dem widersetzten. Wollen wir da wieder hin? Wissen wir, ob nicht vielleicht morgen sich der politische "Wind gedreht hat" und wir einer beginnenden Diktatur unsere KInder übergeben haben in der die Menschen von morgen zielgerichtet erzogen werden? Bitte nehmt das ERziehungsrecht den Eltern niemals aus der Hand! Auch sehen wir heute noch 20 Jahre nach der Wende die Folgen mangelnder individueller Erziehung. Kindergarten ab einem bestimmten Alter soll eine Möglichkeit, aber niemals ein Muss sein. U.Zeidler

Johannes, 22.09.2009 22:41
Du meine Güte! Was ist denn das für ein durchgeknalltes Interview. Die Extreme treffen sich denn doch immer an den Enden. Und immer die Augen auf den Goldpreis unten rechts halten ...

Sabine, 22.09.2009 15:02
Jeder sollte individuell entscheiden dürfen, ob er sein Kind in eine Kinderkrippe oder einen Kindergarten bringt. Wenn man berufstätig ist, bleibt einem keine Alternative und es sollte generell nach Bedarf im jeweiligen Bundesland entschieden werden (ab dem 1. Lebensjahr!). Das EVA Prinzip lehne ich generell ab, es ist nicht mehr zeitgemäß und es betrifft nur Frauen, die es sich leisten können längere Zeit daheim und abhängig zu bleiben, wenn der Partner dementsprechend gut verdient. Wo ist sonst die Emanzipation hin? Wie gut das sich Freifrauen einsetzen....es sind freie Frauen wie das Wort schon sagt, denen es finanziell an NICHTS fehlen tut.....

alf, 20.09.2009 20:34
jedes kind muss in den kindergarten..
es muss per gesetz angeordnet werden.
zuviele kinder von muslimen werden einfach zu hause gelassen und von ihren eltern versteckt. die kinder werden in deutschland gemeldet und dann bei den großeltern versorgt. ( im ausland)


Dr. Barbara Schellenberger, 20.09.2009 15:12
Im Grundsatzprogramm der CDU vom 21. Parteitag (3.-4.12.2007) Nr. 87 heißt es u.a.:
"Wir wollen ...den bedarfsgerechten Ausbau von Einrichtungen für Kinder aller Altersklassen, in denen diese auf Wunsch der Eltern flexibel und verlässlcih betreut werden...Den Kindergartenbesuch wollen wir mittelfristig beitragsfrei ermöglichen und für das letzte Jahr verpflichtend machen...". Mehr steht da nicht drin.

Inwieweit ein solcher Plan mit dem GG, Art. 7 (6)"Vorschulen bleiben aufgehoben" zu vereinbaren ist, ist eine andere Frage.

In anderen Ländern werden Kinder ein Jahr früher eingeschult als bei uns.

All das müsste bei der Diskussion mitbedacht werden.

B. Schellenberger


Dr. Barbara Schellenberger, 20.09.2009 15:09
Im Grundsatzprogramm der CDU vom 21. Parteitag (3.-4.12.2007) Nr. 87 heißt es u.a.:
"Wir wollen ...den bedarfsgerechten Ausbau von Einrichtungen für Kinder aller Altersklassen, in denen diese auf Wunsch der Eltern flexibel und verlässlcih betreut werden...Den Kindergartenbesuch wollen wir mittelfristig beitragsfrei ermöglichen und für das letzte Jahr verpflichtend machen...". Mehr steht da nicht drin.

Inwieweit ein solcher Plan mit dem GG, Art. 7 (6)"Vorschulen bleiben aufgehoben" zu vereinbaren ist, ist eine andere Frage.

In anderen Ländern werden Kinder ein Jahr früher eingeschult als bei uns.

All das müsste bei der Diskussion mitbedacht werden.

B. Schellenberger


Horatio Nelson, 19.09.2009 01:37
Unsere jetzt 20-jährige Tochter hat die traditionelle Erziehung im geschützten Bereich unserer Familie erhalten. Somit hat sich unter uns allen zu Hause eine enge natürliche Beziehung entwickeln können. Wir haben sie erst im Alter von vier Jahren in die Halbtagsobhut des Kindergartens gegeben, da auch wir uns gegen jegliche Einmischung und jeglichen Übernahme- bzw. Bevormundungsersuch behördlicherseits gewehrt haben. Somit hat sie die unerläßliche Liebe gespürt und folglich die nötige Ausgeglichenheit erlangt, die ihr eine weitreichende Entfaltung ihrer persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten ermöglicht haben. Nicht um sonst hat das GG der echten natürlichen Familie und der echten natürlichen Ehe den so hohen Vorrang eingeräumt. Unsere Gesellschaft kann darum heilfroh sein, daß es nun mutige Menschen gibt, die die heute bestehenden, lauernden sowie die noch entstehenden Gefahren erkannt haben, auf sie unerbittlich aufmerksam machen, sie deutlich verurteilen und mutig bekämpfen. Sie verdienen einen großen Dank. Die Initiative Familienschutz kann sich der Unterstützung eines breiten (wenn auch z.T. noch schweigenden) Teils der Gesellschaft sicher sein. Viel Mut, Erfolg und ein saftiges Dankeschön!
Grüße
Horatio Nelson


kerstin, 18.09.2009 23:07
ch freue mich darüber in der heutigen Zeit
einen Kommentar zu lesen, in dem
sich jemand deutlich auf die SEITE DER Familien stellt,und vor allem auf die Seite unserer Kinder!!!!! Wir sollten versuchen bessere Möglichkeiten zu schaffen bzw. neue Wege zu finden umEltern die Erziehung Zuhause und EIGENVERANTWORTLICH!! zu ermöglichen. Ich habe selbst 2 KInder ( 3 1/2, 1 1/2 Jahre alt)und habe mich in der letzten Zeit viel mit diesem Thema beschäftigt.Ich habe auch sehr gute Vorträge zu dem Thema von Eva Hermann(ehem.Tagesschausprecherin) gehört und eines ihrer Bücher gelesen.
Mir würde das Herz bluten, wenn ich mein Kinde in eine Krippe geben "müsste".Ich glaube auch,dass ein Kind bis 3 Jahre nichts dringender braucht, als die Liebe,Bindung,Fürsorge und Treue seiner Mutter bzw. Vater.!!!!! Auch ich bin Christ und Glaube,dass Gott dies auch so
vorgesehen hat.



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