suchen
19.05.2013
Einloggen | Registrieren
 
 
 
CSU will Begleitgesetz zustimmen - Interview Thomas Silberhorn
Weitere Themen: Allgemein, Reformen, Justiz



Der CSU-Abgeordnete Thomas Silberhorn kritisierte den Entwurf zum Begleitgesetz zum Lissabonvertrag, wegen des Mißstands, daß Parlamentsbeschlüsse von der Regierung umgangen werden können. Jetzt erklärt er auf FreieWelt.Net, daß die CSU dem Entwurf dennoch zustimmen will.

FreieWelt.net: Der neue Entwurf zum Begleitgesetz zum Lissabonvertrag liegt jetzt vor. Wie beurteilen Sie die Einigung?

Thomas Silberhorn:
Die Mitwirkungsrechte des Bundestages konnten an vielen Stellen deutlich verbessert werden. Natürlich mussten die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt werden, es gibt aber auch darüber hinaus eine Reihe von stärkeren Mitwirkungsrechten des Bundestages.

FreieWelt.net: Wo sehen Sie die größten Schwachpunkte des Entwurfs?

Thomas Silberhorn:
Die Gesetzentwürfe als solche sind zustimmungsfähig. Es bleibt jedoch der Missstand erhalten, dass Mehrheitsbeschlüsse des Bundestages auch künftig von jedem Regierungsvertreter im Ministerrat umgangen werden können.

FreieWelt.net: Ist das nicht eine Aushebelung des Souveräns?

Thomas Silberhorn:
Das liegt in der Tradition deutscher Europapolitik, die bisher vor allem als Außenpolitik verstanden worden ist. Wir müssen aber Europapolitik heute als Innenpolitik begreifen und deswegen den Bundestag grundsätzlich genauso stark einbinden wie bei innenpolitischen Vorhaben auch.

FreieWelt.net: Sehe ich das richtig? Sie halten nicht mehr an den 14 Punkten fest?

Thomas Silberhorn:
Doch, die bleiben nach wie vor wichtig.

FreieWelt.net: Wo sehen Sie die politische Hauptverantwortung für das Ergebnis der Verhandlung und für den jetzt vorliegenden Entwurf?

Thomas Silberhorn
: Das ist eine Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten.  Nach den Wünschen der CSU wäre noch mehr Bürgernähe und noch mehr Transparenz in der deutschen Europapolitik möglich gewesen. Das ist aber nicht überall mehrheitsfähig.

FreieWelt.net: Die CSU hätte theoretisch die Möglichkeit, ein Veto in der Fraktionsgeschäftsordnung einzulegen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wird sie davon aber keinen Gebrauch machen. Warum nicht?

Thomas Silberhorn:
Die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts werden mit den vorliegenden Gesetzesentwürfen umgesetzt. Was wir als CSU wollten, ist mehr. Wir haben substanzielle Fortschritte erreicht, beispielsweise bei der gemeinsamen Handelspolitik, bei der kommunalen Daseinsvorsorge, mit der Aufstufung der bisherigen Zusammenarbeitsvereinbarung zum Gesetz, mit der Erhöhung der Rechtfertigungslast, wenn die Bundesregierung von Stellungnahmen des Bundestages abweichen will, und auch bei der Aufnahme von Beitritts- und Vertragsänderungsverhandlungen.

Was wir nicht erreicht haben ist, den Stellungnahmen des Bundestages eine grundsätzliche Verbindlichkeit beizumessen. Das ist aber keine alleinige CSU-Position gewesen, sondern das war schon 2006 eine gemeinsame Position in der Koalition, als wir mit der Regierung die sogenannte Zusammenarbeitsvereinbarung verhandelt haben. Es ist auch das gemeinsame politische Anliegen der europapolitischen Sprecher aller Fraktionen. Die Problematik besteht darin, dass eine derart substanzielle Verbesserung der Rolle des Bundestages an die Grenze des Grundgesetzes rührt. Für eine Verfassungsänderung ist derzeit aber keine Mehrheit ersichtlich. Deswegen geht es nicht um eine Frage im Verhältnis zwischen CDU und CSU, sondern um eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat.

FreieWelt.net: Herr Silberhorn, werden Sie persönlich am 26. August im Bundestag für den Entwurf stimmen?

Thomas Silberhorn:
Ich werde für den Entwurf stimmen, ich habe auch für den Lissabon-Vertrag gestimmt. Das widerspricht nicht der Kritik, die ich übe. Ich erkenne wohl an, dass wir mit diesem Entwurf die Rolle des Bundestages an vielen Stellen verbessern. Das ändert aber nichts daran, dass ich noch mehr Bürgernähe und noch mehr Transparenz und noch mehr Demokratie in der deutschen Europa-Politik verwirklichen möchte, und deswegen machen wir jetzt einen spürbaren Schritt nach vorn, aber ich kann mir durchaus noch weitere Fortschritte auf diesem Gebiet vorstellen.

Das Interview führte Christoph Kramer

Foto: Thomas Silberhorn

ANZEIGE




Redaktion, 20.08.2009 17:20 | Kommentare (4)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (4)

Jonathan Welsch, 18.09.2009 14:20
Lissabon-Vertrag - Europäische Verfassung? Da steigt doch keiner mehr durch. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach und wurde am Grundgesetz der BRD deutlich gemacht. Menschenrechte national und international erkannt und verabschiedet, sind die Grundlage einer europäischen Verfassung. Basis Grundgesetz + besseres Recht anderer Mitgliedstaaten und wir haben die gewünschte Verfassung. Sie muß bestimmt, wahr und klar sein, was die bisherigen Ansätze nicht sind. Also sind sie nicht zu verwerten.

Ein Vertragswerk - eher eine Bibel ist kein Vertrag - dieses Werk ist dem Empfänger, nämlich dem europäischen Bürger nicht verständlich und verstößt damit schon gegen rechtsstaatliche Prinzipien. So ein Vertrag kann und darf vom Parlament eben nicht ratifiziert werden.


Horatio Nelson, 25.08.2009 19:07
Herr Silberhorn, hiermit bitte ich Sie, bei der Abstimmung morgen im Bundestag zum Begleitgesetz für den Lissabon-Reformvertrag, gegen den Entwurf zu stimmen. Darüberhinaus bitte ich Sie, bei Ihren CSU und CDU Kollegen im Bundestag dahingehend einzuwirken, daß so viele wie möglich von ihnen auch dagegen stimmen. Ich danke Ihnen hierfür im voraus. Denn hiermit erfüllen Sie die Forderungen und Wünsche vieler Ihrer bisherigen Wähler. Grüße
Horatio Nelson


Jürgen Hermann, 24.08.2009 16:33
Sehr geehrter Herr Silberhorn,

das Problem des Lissabon-Vertrages ist nicht der Mangel an Bürgernähe und Transparenz, wie Sie behaupten, sondern der durch den Vertrag verursachte Verlust an demokratischen Rechten und die Aushöhlung des Subsidiaritätsprinzips.

Leider muss ich annehmen, dass Sie den Lissabon-Vertrag nicht verstanden haben, wenn Sie ihn überhaupt gelesen haben.

Ihre Zustimmung zum Lissabonvertrag ist Ihre intellektuelle Bankrotterklärung!


wml, 24.08.2009 10:55
Und ich hätte das erste mal in meinem Leben CSU gewählt, wenn sie ihren kritischen Ansatz behauptet hätte. Der Realist in mir hat den Beitrag der CSU jedoch von Anfang an leider zutreffend als heisse Luft identifiziert.

Es wird langsam zappenduster in diesem Land. Warum geht mir jenes unselige Zitat nicht mehr aus dem Kopf, wenn ich an die EU denke?

"Faschismus ist die Verschmelzung von Großkapital und Staat."
Benito Mussolini



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 
Umfrage

Welche Rolle spielt heute noch Angela Merkels DDR-Vergangenheit?

Foto: Songkran/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0




Ergebnis




Spruch des Tages
"Jeder Morgen ist eine neue Berufung." - Martin Buber

ANZEIGE

ANZEIGE

Interviews

Dr. Reinhard Löffler Cohn Bendit ist kein Vorbild
Dr. Reinhard Löffler
CDU-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg

Bruno Bandulet »Nach der Bundestagswahl wird richtig geschröpft«
Bruno Bandulet
Journalist

John Allan Hattie Visible Learning
John Allan Hattie
Direktor des Melbourne Education Research Institute

Dominik Geppert »Eine extrem mutige und polarisierende Politikerin«
Dominik Geppert
Professor an der Universität Bonn

Theresia Theurl »Lateinische Münzunion von Beginn an fehlerhaft«
Theresia Theurl
Professorin der Universität Münster

Mehr Interviews


Empfohlene Beiträge

CSU-Landesgruppe für EU-Referenden CSU-Landesgruppe für EU-Referenden

Lucke irritiert in Raab-Talkshow Lucke irritiert in Raab-Talkshow

Umfrage: Islam und Deutschland Umfrage: Islam und Deutschland

Pädophilie: Archivmaterial zu Cohn-Bendit unter Verschluss Pädophilie: Archivmaterial zu Cohn-Bendit unter Verschluss

"EU-Referendum jetzt"  - Joachim Spatz antwortet für FDP-Fraktion "EU-Referendum jetzt" - Joachim Spatz antwortet für FDP-Fraktion


Empfohlene Blogs

author Dr. Gérard Bökenkamp
Steuerwettbewerb und Bürgerbeteiligung statt Einheitssteuersatz

author Vera Lengsfeld
Der Tatort als geistiger Brandstifter

author Dr. Klaus Peter Krause
Immer wieder und immer noch - das Bodenreformland

author Jürgen Liminski
Volkes Wille gegen Ideologen

author Wolfgang Röhl
Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei. Zur Debatte über einen Achse-Beitrag von Akif Pirincci


Meist gelesen
    Berliner AfD im Chaos

    EU-Geheimdienste außer Kontrolle?

    Forscher: Merkel war DDR treu

    »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

    Vertrauen in Europa schwindet

Video

Beatrix von Storch zur Zypernkrise Beatrix von Storch zur Zypernkrise

Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty

Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch

Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion? Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion?

Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof


Galerien

Forum Familie 2013 in Berlin Forum Familie 2013 in Berlin

Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag

ESM-Diskussion vor 300 Gästen - Volles Haus gegen Schuldenunion ESM-Diskussion vor 300 Gästen  - Volles Haus gegen Schuldenunion


Reportage

»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

Beatrix von Storch in Baden-Württemberg Beatrix von Storch in Baden-Württemberg

Willensbildung: Bürger, mischt euch ein! Willensbildung: Bürger, mischt euch ein!

Die Signale häufen sich: Das Bargeld-verbot kommt Die Signale häufen sich: Das Bargeld-verbot kommt

Gregor Gysi, seine Linkspartei und die Privatisierung der Wasserversorgung Gregor Gysi, seine Linkspartei und die Privatisierung der Wasserversorgung

Mehr Reportagen


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Allgemein
Babyklappen vor dem Aus?
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Sarko-Kopie François Hollande
Finanzkrisen
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Banken-Stresstest verschoben
Nahost-Konflikt
Lage in Nahost spitzt sich zu
Naht US-Einsatz in Syrien?
SPD will Girokonto für alle
DDR-Unrecht
Medikamententests auch im Stasi-Knast?
DDR verkaufte Patienten als Versuchskaninchen
Roland Jahn: Allen DDR-Opfern gedenken
Bildung
»Der Markt entscheidet nichts«
Guter Unterricht braucht Leidenschaft
Good Teaching demands on Passion
Innenpolitik
Schneller Jobs für Asylbewerber
EU-Handelskrieg mit China?
Armenier fordern Verbot türkischer Schulbücher
Reformen
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Banken-Stresstest verschoben
Wirtschaftspolitik
Türkei nicht mehr Ramsch
Banken-Stresstest verschoben
Schneller Jobs für Asylbewerber
Familie
Erster Menschen-Klon
Familien in der Minderheit
»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg
Autoindustrie
SPD und Grüne für Tempolimit
Automarkt brummt nicht mehr
Absatzkrise läßt Daimler straucheln
Wahlen
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
Finanzamt als Zensurbehörde
BT-Wahl: Steinbrück optimistisch
Justiz
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
BGH urteilt gegen Google

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008