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Vortrag: Benedikt XVI. - das Gewissen unserer Zeit
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Ist Papst Benedikt XVI. das Gewissen unserer Zeit?  Und welche Bedeutung hat der Gewissensbegriff für unsere Kultur?  Der irische Theologe Professor Vincent Twomey hat bei Joseph Ratzinger promoviert, lange bevor dieser Papst wurde.  Im Rahmen der Vortragsreihe des Feldmark Forums Berlin hatte Pater Twomey jetzt Gelegenheit, einen vertieften Einblick in jenes Thema zu geben, mit dem er sich auch in einem seiner Bücher auseinander gesetzt hat „Benedikt XVI. - das Gewissen unserer Zeit“.

Kein Elfenbeinturmtheologe

„Ratzinger ist wie jeder, der die Wahrheit spricht, verhöhnt und abgelehnt worden“, weiß Twomey zu berichten.  Er wurde nicht zitiert und es gab keine Seminare zu seiner Theologie.  Dabei war Benedikts Theologie, so wie Twomey sie erlebte, nie eine Theologie aus dem Elfenbeinturm.  Immer  unterzog er den Zeitgeist und die gesellschaftliche Entwicklung kritischen Analysen und nie verlor er die Beziehung zur Wirklichkeit.  Twomey erinnert daran, dass Ratzinger bereits früh Stellung zur Bioethik nahm und ihm von Anfang an die marxistischen Elemente innerhalb der Befreiungstheologie missfielen.  Genau wie der heutige Papst Benedikt hatte auch der damalige Bischof Joseph Ratzinger kein Problem damit, gegen den Strom zu schwimmen.  Dabei versuchte er nicht, einfach Vorschriften zu machen.  Ratzinger hat seine Schriften stets begründet und an das Gewissen seiner Zuhörer und Leser appelliert.       

Umstrittene Äußerungen

Ähnlich wie Pater Vincent Twomey sahen offenbar auch die Mitglieder der Französischen Akademie Ratzingers Werk, als sie den heutigen Papst im Jahr 1992 zu einem „Membre Associé Etranger“ ernannten.

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  Joseph Ratzinger nahm damit den vakant gewordenen Platz des Physikers und Nobelpreisträgers  Andrei Dmitrijewitsch Sacharow ein, der sich zu Lebzeiten für Menschenrechte in der Sowjetunion eingesetzt hatte.

Auch umstrittene Handlungen des Papstes spart Twomey in seiner Rede nicht aus.  In Bezug auf die Regensburger Rede, bei der der Papst die mohammedkritischen Äußerungen eines mittelalterlichen Gelehrten zitiert hatte, liest Twomey einen Satz aus einem Brief vor, den ein Bischof aus einem arabischen Land an Benedikt XVI. geschrieben hat:  „Vor der Regensburger Rede durfte niemand über das Thema „Gewalt und Islam“ sprechen.  Jetzt dürfen wir“.  Auch bei der Empfehlung im Kampf gegen Aids in erster Linie auf Enthaltsamkeit und Treue und nicht auf Kondome zu setzen, habe der Papst Recht gehabt, betont Twomey und erinnert daran, dass auch der bekannte Aids-Forscher Edward C. Green (Havard Universität) Ratzingers Sicht unterstützt.  
 
Suche nach der Wahrheit

Für Twomey haben gerade diese Äußerungen große Bedeutung.  Denn sie zeigen, dass sich Benedikt XVI. der Wahrheit und dem Gewissen, nicht politischem oder medialem Druck, verpflichtet fühlt.  Jeder Mensch müsse sein eigenes Gewissen bilden.  Niemand dürfe sich hinter Mehrheitsentscheidungen verstecken.  Die Wahrheit ist kompromisslos.    

Eine der großen Bedrohungen des Gewissens sieht Benedikt XVI. im Relativismus, führt Twomey weiter aus.  Die falsche Annahme, es gäbe keine objektive Moral, keine objektive Wahrheit könne sich vor allem in der Politik negativ auswirken.  Wenn man nach dem Gewissen handelt, wird auch eine freie Gesellschaft möglich sein.  Ohne Gewissen wird sie nicht möglich sein.  Es ist das Gewissen, das letzten Endes die Menschlichkeit der Politik ausmacht.    

Natürlich ist der Begriff des Gewissens auch im Papstamt tief verankert.  Das Papsttum basiert auf dem Gewissen, der Mensch, der es ausübt, muss bekennen und nach seinem Gewissen handeln, um die Herzen der Menschen anzusprechen.  Dabei ist Gewissen nicht einfach auf das Gewissensurteil zu reduzieren.  Die ontologische Ebene darf nicht ausgeklammert werden.  

Das Gewissen ist von unserem Wesen her in uns angelegt.  Twomey vergleicht es mit der Sprache.  „Wir haben die Fähigkeit zu sprechen, aber wenn wir nicht in einer Gesellschaft aufwachsen, in der gesprochen wird, können wir nicht sprechen“.  Auch unser Gewissen muss erweckt werden. Durch die ständige Suche nach der Wahrheit muss das Urgewissen zu sich kommen, erläutert Twomey.  Jeder, der nach der Wahrheit sucht, hat etwas zu sagen, auch wenn er Fehler macht.  Das sei der Grund, warum Papst Benedikt XVI. jedem Menschen genau zuhöre. 

zur Homepage von Pater Vincent Twomey

zum Bildungszentrum "Feldmark"

(Foto: Vincent Twomey/Quelle: Feldmark)



Fabian Heinzel, 17.08.2009 17:20 | Kommentare (6)




 
  Kommentare (6)

Noah, 04.02.2010 12:42
@MarleneWeinzierl
Und bis zu wieviel Schwangerschaften entstehen bei den 1000 ohne die Benutzung von Kondomen, die Ansteckung mit diversen Krankheitserregern mal unberücksichtigt?
Oder konretisieren Sie vieleicht noch, was Sie denn nun eigentlich sagen wollten?


Freigeist, 07.10.2009 17:46
Hallo,
@MarleneWeinzierl
Es gibt einige Gels, die man benutzen kann, um Spermien pus Aids-Erreger zu behindern, sollte ein Kondom durchlässig werden. Wird zusätzlich zum Kondom genommen. Sex ist ein elementares Bedürfnis des Menschen, evolutionär mit enormer Kraft ausgestattet. Religionsgemeinschaften, ausser faschistische,( Islam), sind nahezu machtlos dagegen. Faschismus erzeugt dafür andere Opfer, vor allem Kriege. Die Anzahl der Opfer ist somit vermutlich gleich Aids - Kriege.
Grüße
Freigeist


MarleneWeinzierl, 13.09.2009 17:10
Wann endlich sehen die "modernenMenschen und Medien"was wahr ist:von 1000 Kohabitaionen mit Kondom können bis zu 35 zur Schwangerschaft führen, ergo , wenn Spermien"durchkommen", wieviel leichter dann Viren,

Freigeist, 03.09.2009 17:30
@Horatio Nelson
...Die vorausgesagten Strafen Gottes: Feuer, Seuchen, Wasser. Die bahnen sich immer bedrohlicher an...

Feuer, Seuche, Wasser, das gab es schon immer, früher viel schlimmer, als "die katholische Welt noch in Ordnung war". Außerdem, was sagt die Mehrheit der Erdenbürger dazu, die Muslime, die Hindus, die Buddhisten, Atheisten? Es kümmert sie nicht.
Grüße
Freigeist


Horatio Nelson, 02.09.2009 13:55
So ist es auch: "Genau wie der heutige Papst Benedikt hatte auch der damalige Bischof Joseph Ratzinger kein Problem damit, gegen den Strom zu schwimmen."
Bei unserem heutigen orientierungslosen, zum ersticken politisch korrekten Gesellschaft freue ich mich, daß wir heute einen Papst haben, bei dem man - trotz aller auf ihn gerichteten, üblichen und verlogenen politisch-korrekten Angriffe - das Gefühl gewinnt, er sehe und nenne die durch das
mißratene 2. vatikanische Konzil entstandenen Mißstände und weiteren Gefahren. Aber auch die Bemerkung Prof. Ockenfels: "Aber auch diese Kirche scheint in der Öffentlichkeit inzwischen völlig abgetaucht zu sein. Darin liegt das eigentliche Problem." Auch ein klarer Zustand der katholischen Kirche nach dem zweiten vatikanischen Konzil. Als Katholik der gegen das "Disneylandisieren" meiner Messe, meiner echten universalen tridentinischen Liturgie, protestiere und kämpfe ich gegen dieses desolate "Micky Mouse" Trauerspiel der Kirche. Die Mitläufer des Zeitgeistes des 2. Konzils, Zollitsch, Jaschke, Lehmann, Marx? Die zwei letzteren enttäuschen mich. Ich hätte mir etwas mehr Charakter und Mumm wenigstens von ihnen erhofft. Jaschke ist sowieso der regionalen zeitgeistigen Denkweise ausgesetzt worden. Die untertänige Haltung des Zollitsch war sowieso zu erwarten. Siehe sein politisch korrektes Verhalten während des Anti-Williamson-Feldzuges sowie seine öffentliche Leugnung des Sühnencharakters des Leidens und Sterbens Christi.

Passagen aus dem Brief des Papstes vom 10.März 2009 an die Bischöfe:

"Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt."

"....Aber leider gibt es das "Beißen und Zerreißen" auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. ........ Daß wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen?"

"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen."

"..... mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen."

"Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Haß losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte .............. ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Haß bedacht werden."

Eine treffende Beschreibung unserer heutigen verblendeten, verlogenen und politisch-korrekten Gesellschaft. Und das Ergebnis der "Freiheit" der Liberalisierung der Kirche durch das 2. Konzil: Leere Kirchen, Abtreibungen, Scheidungen, Zerfall der Familie, Mangel an Priestern und Ordensbrüdern und -schwestern, Abschwören von bereits angetretenen Berufungen, schändliche Umstellung der Kirche (Tabernakel, Altar..), Mißgestaltung der heiligen Messe ...... Die vorausgesagten Strafen Gottes: Feuer, Seuchen, Wasser. Die bahnen sich immer bedrohlicher an...
Grüße
Horatio Nelson


Sonja Nagel, 18.08.2009 11:01
Dem Menschen fällt es wohl schwer, sich als begrenzt anzusehen. Das macht Angst. Aber nur durch die Begrenzung erscheint ihm Gott. Und dieser Abstand wird durch die Liebe aufgehoben: so einfach ist das ...


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