suchen
28.05.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
Prinz Asfa-Wossen Asserate: „Afrika hat viel zu bieten"
Weitere Themen: Allgemein



„Die große Entdeckung von Afrika als ein deutsches Investitionsgebiet ist noch nicht vollzogen“.  Das sagt einer, der weiß wovon er spricht.  Der Schriftsteller, Publizist und Afrikaspezialist  Prinz Asfa-Wossen Asserate ist seit 1983 als Unternehmensberater tätig und sieht sich dabei in erster Linie als Türöffner zwischen Deutschland und Afrika.

Die Idee kam ihm, als er zu Beginn der 1980er Jahre, damals noch Pressesprecher der Düsseldorfer Messe, feststellen musste, wie schwierig es für deutsche Mittelständler war, neue Märkte auf dem schwarzen Kontinent zu erschließen.  Schon zu diesem Zeitpunkt dominierten die Horrormeldungen.  Afrika wurde in erster Linie mit Armut, Hunger und Bürgerkrieg in Verbindung gebracht.

Zeit der Diktatoren

Innerhalb weniger Jahrzehnte hatte sich die Lage dramatisch verschlechtert.  „Wer glaubt mir, dass im Jahre 1967 das Bruttonationalprodukt des Staates Ghana genauso hoch war, wie das des Staates Südkorea?“ fragt Asserate.  Doch gerade in den letzten Jahren sieht er wieder positive Entwicklungen.  Ghana und Botswana beispielsweise sind aufstrebende Demokratien und auch das bis ins 21. Jahrhundert hinein vom Krieg zerrüttete Angola entwickelt sich immer besser.  

Was aber war vorher passiert?  Wie war es dazu gekommen, dass der – gemessen an seinen Bodenschätzen – reichste aller Kontinente zu einem Synonym für Armut geworden war?  Asfa-Wossen Asserate sieht die Hauptschuld bei den Diktatoren, die lange Zeit die afrikanische Politik dominierten:  Mengistu Haile Mariam in Äthiopien, Samuel Doe in Liberia, Idi Amin in Uganda und so viele mehr, deren Regierungen nichts als Unheil anrichteten.  „Afrika hat sich bis zum heutigen Tage nicht davon erholt“, betont er.  

Blick nach vorn

Jetzt aber will Dr. Asserate vorwärts blicken.  „Afrika hat viel zu bieten“.  Seine Heimat Äthiopien  zum Beispiel wäre theoretisch in der Lage nicht nur sich selbst, sondern den ganzen afrikanischen Kontinent zu ernähren.  Die Reserven sind immens:  Nur 22 Prozent der potentiell landwirtschaftlich nutzbaren Fläche von Äthiopien stehen unter dem Pflug. Wieso aber bleibt dieses gewaltige Potenzial ungenutzt?

„Wir brauchen eine Politik, in der der Bauer das Land, das er bebaut, auch besitzt“, so Asserate, „Solange der afrikanische Bauer nicht im Stande ist, Landbesitz zu haben, wird es an Initiative fehlen.

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


  Derzeit besitzt in Äthiopien noch der Staat das Land und die Bauern haben keinen Grund, mehr als eine Subsistenzwirtschaft zu betreiben“.  Die Angst vieler afrikanischer Regierungen, landbesitzende Bauern könnten nach einer schlechten Ernte massenweise ihr Land verkaufen und in die Städte einziehen, hält er für unberechtigt.  „Wir sind alle vergängliche Wesen, doch das Land ist ewig.  Auch der Bauer möchte ein Teil dieser Unvergänglichkeit sein und davon etwas an seine Kinder weitergeben“.

Eine andere Entwicklungshilfe

Um diese Ziele zu erreichen, ist Asfa-Wossen Asserate auch die Hilfe der Industriestaaten willkommen.  Allerdings möchte er eine andere Entwicklungshilfe:  „Keine Budgethilfe, nur zielgerichtete Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen und einzelne Projekte, bei denen sich der Geldfluss bis zum letzten Cent zurück verfolgen lässt.“  Auch müsse die so genannte Realpolitik gegenüber Afrika ein Ende haben.  Gemeinsam müssten die europäischen Staaten eine Politik betreiben, in deren Rahmen sie keine Gewaltherrscher mehr tolerieren.  „Was nützt es, wenn Deutschland mit einem Diktator keine Geschäfte mehr macht, nur damit Frankreich die Lücke füllt?  Das Vorgehen muss gemeinsam sein.“  Asfa-Wossen Asserate will, dass es nie wieder eine Afrikapolitik wie zu Zeiten des Kalten Krieges mehr geben kann, die Henry Kissinger bezüglich der damaligen Diktatoren noch mit dem Satz „Ich weiß, das sind alles Hurensöhne, aber es sind unsere Hurensöhne“, kommentieren konnte. „Es gibt so etwas wie universale Werte, die eingehalten werden müssen“, stellt Asfa Wossen Asserate klar.

Öffnung der Märkte

Doch nicht nur die Situation der Menschenrechte, auch die wirtschaftliche Lage macht ihm nach wie vor Sorgen.  Er hofft auf eine gegenseitige Öffnung der Märkte.  „Wenn die Afrikaner ihre Märkte öffnen und die Europäer ihrerseits ihre Märkte für afrikanische Produkte öffnen, würde allein dadurch eine Summe, die der aktuellen Entwicklungshilfe entspricht, nach Afrika fließen.  Für eine neue Form des Wirtschaftens in Afrika hat er ein besonderes Vorbild im Auge:  „Vielleicht ist das größte Geschenk, das die Bundesrepublik Deutschland der Menschheit gegeben hat, die Idee der Sozialen Marktwirtschaft.“ Er weiß, dass nicht alle so denken wie er.  „Wir müssen uns hüten vor den falschen Propheten, die wieder anfangen, Marx zu predigen“.  

Nicht nur für eine deutsche Idee, auch für deutsche Firmen sieht Asserate in Afrika viel Potenzial.  Viele Afrikaner würden gerne die französischen und britischen Monopole brechen und mit Deutschland Geschäfte machen.  Zudem könnte Deutschland als wichtiges Geberland den Demokratiesierungsprozess unterstützen.

Rolle der Medien

Verantwortung für die Zukunft Afrikas sieht Asfa-Wossen Asserate darüber hinaus bei den Medien.  „Man muss auch über die guten Nachrichten, über die Erfolge sprechen, auch Länder wie Botswana und Ghana zeigen“.  Einen weiteren wichtigen Schritt sieht er darin, dass die Afrikaner das Konzept des Wortes Gegner, das in afrikanischen Sprachen nicht existiert, verstehen lernen.  In Afrika wird nach wie vor zwischen Freund und Feind, aber nicht zwischen Feind und Gegner unterschieden.  „Wir müssen lernen, den Gegner als Mensch zu respektieren“.  In Asserates Augen ist die Gegnerschaft eine der großen Errungenschaften der europäischen Zivilisation.

Sie ist einer jener Aspekte, mit denen er sich auch in seinem Buch „Manieren“ auseinander gesetzt hat.  Es geht ihm dabei nicht um die Aufstellung von Verhaltensbefehlen, sondern um die Verehrung zivilisatorischer Werte und Tugenden.  „Ich bin der Meinung, dass sie Deutschland gut getan haben“.  Er wünscht sich daher, einige dieser Tugenden, wie der Respekt, vor allem gegenüber anderen und der Versuch, nicht selbst, sondern den anderen in den Vordergrund zu stellen, wieder stärker Beachtung finden würden.  In dem christlichen Grundsatz „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ und dem Grundgesetzartikel „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ sieht er diese Werte gut ausgedrückt.

Das Gespräch mit Dr. Asfa-Wossen Asserate führte Fabian Heinzel

(Foto: Asfa-Wossen Asserate/Quelle: Gaby Gerster)



Redaktion, 17.08.2009 11:12 | Kommentare (1)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (1)

Wilfried Hoffer, 10.11.2010 18:37
Guten Tag,
der Artikel über den äthiopischen Prinz animiert mich, Sie auf eine Neuerscheinung des Horlemann-Verlags hinzuweisen:
"Vorwärts Afrika, Plädoyer für einen Wandel von unten" des malischen Intellektuellen und ehemaligen Innenministers Ousmane Sy.
Mit Dank und Gruss
Wilfried Hoffer



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Die guten Ratschläge verdanken ihren ausgezeichneten Ruf dem Umstand, dass sie niemals befolgt werden." Daniel Spitzer

ANZEIGE

ANZEIGE

Galerien

Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung

Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie

Südkongreß "ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?" Südkongreß \"ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?\"


Interviews

Steffen J. Roth Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren
Steffen J. Roth
Institut für Wirtschaftspolitik an der Kölner Universität

Dr. Albert Wunsch Wieso fehlt zu vielen Jugendlichen eine Gewalt-Bremse?
Dr. Albert Wunsch
Therapeut, Erziehungswissenschaftler

Dr. med. Rainer Böhm Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Dr. med. Rainer Böhm
Kinder- und Jugendarzt

Alexander Ulfig »Gleichstellungspolitik führt zu Ungerechtigkeiten«
Alexander Ulfig
http://qualifikation-statt-quote.de/

Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle JA zum Betreuungsgeld!
Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle
Initiative Familienschutz, Frau2000plus

Mehr Interviews


Video

Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion

Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld


Umfrage

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?

Foto: Lupo / pixelio.de




Ergebnis

Meist gelesen
    Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

    Dr. Rainer Böhm: Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig

    Rösler: Weniger Solarsubventionen

    Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München

    EU-Ausschuss will Eurobonds

Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Ohne Euro bricht alles zusammen- und mit Euro???

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Unsere Politiker verachten das eigene Volk

author Jürgen Liminski
Vom Pudding zum Präsidenten - Die Metamorphose des Francois Hollande

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Die Deutschen haben die Wahlen verloren

author Birgit Kelle
Kinder statt Klappstühle

author Beatrix von Storch
Der sog. Fiskalpakt - oder wie man einen ganzen Kontinent verschaukelt

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt


Reportage

Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam

Die eigenartige Zurückhaltung des Westens Die eigenartige Zurückhaltung des Westens

Mit der Brechzange in die Familien Mit der Brechzange in die Familien

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld" Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld"

Und jetzt die Inflationsunion! Und jetzt die Inflationsunion!

FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
EU -Warnung an Griechenland
Nahost-Konflikt
Die Sorge um Syrien nimmt zu
Doch keine Neuwahlen in Israel
Pakistan testet erfolgreich Rakete
DDR-Unrecht
Vaatz prangert Heuchelei an
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
Allgemein
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Chef der Vatikanbank gefeuert
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Bildung
Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München
Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP
Interview: JA zum Betreuungsgeld!
Reformen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam
Wirtschaftspolitik
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Familie
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Dr. Wunsch kritisiert Caritas und Diözese Rottenburg-Stuttgart
Württemberger Katholiken: Krippenausbau ist alternativlos
Autoindustrie
Opel in Bochum vor dem Aus?
Opel-Krise schwelt weiter
Neuer Schock für Opel
Wahlen
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Europäer diskutieren Eurobonds
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Stoiber-Tochter verliert Doktortitel endgültig
Terrorhelfer verliert Arbeitsplatz
»Blockupy« glimpflich verlaufen

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008