Besonders das Anwachsen der Jugendgewalt macht uns große Sorgen, nicht nur was die Quantität, sondern vor allem auch was die Schwere der Gewalt betrifft. Die Hemmschwelle, den Anderen schwer zu verletzen und auch das Risiko einzugehen, dass er getötet wird, sinkt seit Jahren.
FreieWelt.net:
Gibt es in Deutschland tatsächlich rechtsfreie Räume oder halten Sie das für eine Übertreibung?Konrad Freiberg: Es gibt keine rechtsfreien Räume in Deutschland, aber es gibt Gegenden, in denen das Recht immer schwieriger durchzusetzen ist und die Arbeit der Polizei immer schwerer wird. Dort können Polizeibeamte nur noch in Gruppenstärke einschreiten und müssen jederzeit damit rechnen, selbst angegriffen zu werden. Gewalttätige Angriffe gegen Polizistinnen und Polizisten nehmen überall zu, die Respektlosigkeit gegen staatliche Autorität wächst.
FreieWelt.net:
Kann die Polizei im Rahmen der bestehende Gesetze Kriminalität wirksam bekämpfen oder würden Sie sich bestimmte Änderungen wünschen?Die bestehenden Gesetze sind insgesamt ein hinreichendes Instrumentarium um in Deutschland für Sicherheit zu sorgen, Kriminalität zu bekämpfen, Recht durchzusetzen. Aber das Vollzugsdefizit wird immer größer, weil es nicht genügend Polizei gibt und auch die Justiz völlig überlastet ist. Auf dem Papier ist also alles in Ordnung, nur in der Praxis klaffen größer werdende Lücken.
Ein simples Beispiel ist das Handy-Verbot beim Autofahren. Es ist leichter, ein solches Verbot auszusprechen, als es zu überwachen. Das können sie jeden Tag im Straßenverkehr besichtigen. Trotz drohender hoher Geldstrafen telefonieren die meisten nach Lust und Laune am Steuer und gefährden damit Gesundheit und Leben der anderen Verkehrsteilnehmer. Dieses Beispiel beweist: Nicht Verbote und Strafandrohungen führen zu einer Verhaltensänderung, sondern das reale Risiko, erwischt zu werden. So verhält es sich mit jedem Gesetz.
FreieWelt.net: Was verursacht Polizeibeamten in Deutschland zurzeit die größten Schwierigkeiten bei der Ausübung Ihres Dienstes?
Konrad Freiberg: Da ist der Personalmangel an erster Stelle zu nennen. Die Polizei kann nicht mehr das tun, was sie will und was sie muss. Das führt auch zu einer sichtbaren Abnahme ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit. Regelverletzer oder Rechtsbrecher, die nicht verfolgt werden können, gewinnen schnell die Überzeugung, dass ihr Tun richtig sein muss, weil Konsequenzen ausbleiben. Das wiederum hat verheerende Signalwirkungen auf andere, dem gleichzutun. Besonders bei Jugendlichen. Hinzu kommt, dass eine polizeiliche Maßnahme oft auch nicht zu einer angemessenen Konsequenz der Justiz führt. Auch das führt zum Autoritätsverlust der Polizei, der mehr und mehr die Arbeit erschwert.
FreieWelt.net: Welchen Beitrag kann der einzelne Bürger zur Bekämpfung der Kriminalität leisten?
Konrad Freiberg: Er sollte diejenigen unterstützen, die auch in seinem Auftrag und in seinem Interesse Kriminalität bekämpfen und dafür sorgen müssen, dass die Regeln, die ein friedliches Zusammenleben erfordert, eingehalten werden. Das sind die Polizeibeamtinnen und –beamten, die in unser aller Auftrag und zum Wohle der Allgemeinheit ihren Dienst verrichten.
Das Interview führte Fabian Heinzel
(Foto: Konrad Freiberg)