Ich durchlief wie vielfach in meinen Leben eine Untersuchung bei Amtsleuten wie Psychologen und Ärzten. Als alter anerkannter „lernbehinderter“ gab es für mich nur ein Berufsgrundbildungsjahr (BVJ). Das war damals in einer Bildungseinrichtung in Bautzen. Damals kam ich in ein Internat, es war erst einmal eine Steigerung im Gegensatz zur Behindertenwerkstatt. Im Internat waren auch andere Azubis aus anderen Bereichen, auch Leute mit Abitur. Dann waren auch Jugendliche aus sozial schwierigen Umfeldern mit denen ich das BVJ machte. Mit denen kam ich nicht klar. Da sie wie schon damals in der Schule nicht auf meiner kognitiven Wellenlänge waren.
Die Zustände mit den Leuten waren schon heftig. Aber da musste ich nun durch. Die Berufe für die Berufsvorbereitung waren für mich uninteressant. Maler, Maurer, Schlosser, Koch oder Hauswirtschaftshilfe waren einfach Berufe mit denen ich nichts anfangen konnte. Da ich kein Handwerker war, von Natur aus.
Wer eben dumm war musste eben etwas mit den Händen arbeiten, so lautete die Maxime die ich schon in der DDR kannte. Dass eben das neue damals rund 45 Jahre alte „neue“ System auch schon sehr aus dem Ruder gelaufen war, war mir damals auch nicht so recht klar. Wie es mir heute ist.
Wir befinden uns im Jahre 1992/93, die ernüchternde Massenarbeitslosigkeit machte sich auch in unserer Familie breit, und im Bekannten- und Freundeskreis. Viele Nachbarn waren auch schnell arbeitslos. als Familie konnte man nicht so schnell in den Westen gegen. Meine Mutter war bald 20 Jahre in der Textilindustrie, mein Vater auch. Dies brach aber im Zuge der Wende völlig zusammen. Viele Tausende wurden Arbeitslos. Wir kannten in unserer Kleinstadt Ebersbach in Sachsen fast kaum noch einen, der eine Arbeit hatte. Immer mehr Leute gingen in den Westen. Wir konnten es nicht weil wir noch alte Großeltern hatten die nicht man nicht mehr davon überzeugen konnte in den Westen zu gehen.
Und die Qualifikationen der alten DDR waren nicht mehr für das neue System brauchbar. Meine Mutter schulte um, mein Vater war inzwischen Invalide und arbeitete bis 1994 in einem Kino als Kartenabreißer.
Ich musste mich erstmals von den heftigen Niederlagen erholen, die mich damals schon traumatisierten. Mein erstes BVJ musste ich wiederholen, da ich angeblich nicht reif genug für eine Ausbildung war. Man steckte mich eben dann in den Malerausbildungsbereich beim BVJ. Und ich hatte überhaupt kein Interesse an diesen Berufszweig da ich schon damals von der familiären Seite her ein ambitionierter Fotograf war. Ich wollte etwas mit den Medien arbeiten. Bekannte wunderten sich über meine gute Intelligenz, die nicht der der Sonderschule oder des BVJ-Lehrgangs entsprach. Es war zu dieser Zeit alles im Umbruch man hatte keine Orientierung weiter. Als 17-jähriger Jugendlicher war man in einer tiefen Identitätskrise.
Meine Bekannte sagten aber, Mensch du bist nicht Dumm! Du bist doch intelligent! Kannst sicherlich nur eine Lese- und Rechtschreibschwäche haben. Das war 1993, ich hatte die Antwort. Ich war nicht lernbehindert. Hurra! Aber was war die Lese- und Rechtschreibschwierigkeit? Seit dieser Zeit setzte mich immer intensiver auseinander und begann zu forschen. Mir war das immer klarer dass ich ein Legastheniker bin. Aber niemand wollte mir glauben. Denn der Stempel des lernbehinderten hielt noch sehr viele Jahre an. Ich setzte mich aber zu wer, auch es gegen Windmühlen war. In einer Demokratie wollte ich mich selber für den Beruf entscheiden für den ich mich interessierte. Und nicht den, den andere mir auferlegten.
Schlussendlich musste ich den Beruf des Malers erlernen, in einer weiteren Bildungseinrichtung für Lernbehinderte und Sozialbenachteiligte. Das war dann im Jahre 1994-1997, es war noch nicht einmal eine Vollausbildung sondern nur eine Teilausbildung und das frustierte mich sehr. Auf der einen Seite hatte ich Freunde die nicht selten die Abiturienten waren, und auf der anderen Seite drückte man mir eine Ausbildung auf die mir nicht entsprach.
Die Auswirkungen der Wendezeit bis Heute
Es geht nun weiter mit meinen Erleben und deren Auswirkungen der Wendezeit, die mir lange Jahre nicht zu einer Integration verhalfen, die mir selber entsprach.
Und ich berichte nun weiter von den Jahren 1996-1999
Das interessante war immer das auf den Behörden und in den Bildungseinrichtungen entweder alte Offiziere der NVA oder alte Parteikader waren. Ich fand es schon sehr bemerkenswert. Ich leistete mir als neuer freier Bürger immer wieder Auseinandersetzungen mit den Behörden. Nebenher lernte ich einen westdeutschen Redakteur eines kleinen Lokalanzeigers in der Dresdner-Neustadt kennen. Diesen zeigte ich meine Fotos und er war ersichtlich angetan von meinen Arbeiten.
Dann fing meine freischaffende Mitarbeit als Fotojournalist an. Man kannte mich langsam in der Szene. Meine Malerausbildung machte ich nur noch nebenher. Das lief auch so. Denn ich wollte ja Fotograf werden. Einige Fotografenmeister hätten mich gern als Azubi genommen. Aber das nötige Geld für den Meister war nicht vorhanden. Meine Ausbildung machte ich mit Ach und Krach. In der Theorie war ich recht gut, und erhielt meine eine Gute mittlere Reife. Aber praktisch war ich nicht dazu geeignet. Das bescheinigten mir auch die Malermeister bei denen ich im Praktikum war. Immer wieder hatte ich auch Schwierigkeiten mit meinen Knochen, und konnte auch nicht diesen Beruf ausüben. Das sagten mir auch damals die Ärzte.
Ich reichte dann wieder einmal eine Petition beim Deutschen Bundestag ein. Schilderte die Lage meiner politischen und beruflichen Rehabilitation als Legastheniker. Aber da gab es keine wirklichen vernünftigen Antworten. 1996 bekam ich die Möglichkeit meine erste Fotoausstellung mit Balletttänzern der sächsischen Staatsoper umzusetzen. Das war einen geniale Sache.
1997 begann ich dann meinen Zivildienst da ich als entschiedener Christ keine Waffe um zu Morden anfassen würde. Es wurde statt gegeben, und ich konnte meine Zivildienstelle in der Altenpflege antreten. Es war eine sehr harte Zeit für mich. Aber die 13 Monate habe ich sehr gut überstanden, das ohne Verschnaufpause. In dieser Zeit musste ich Alzheimer- und Demenzkranke nicht nur Betreuen sondern auch richtig Pflegen. Waschen, Füttern und auch die Menschen beim Sterben begleiten. Diese Phase prägte mich schon sehr und tat mir gut. Sie gab viele wertvolle Dinge für meine Leben mit.
Auch während der Zivizeit fotografierte ich auch als Freier Fotojournalist. Ich bekam dann als Chance in einem renommierten Brauhaus in Dresden eine Ausstellung gesponsert. Da s war mein erstes Coming-out als Legastheniker der nie eine wirkliche Chance bekam, den Beruf zu erlernen oder zu studieren für den ich von Natur aus geschaffen war.
Sogar sehr anerkannte Professoren sahen meine visuelle Begabung die mit einer „Hochbegabung“ gleichzusetzten war. Nun wusste ich auch dass dieser Lebensweg auch mein Beruf sein wird. Davon war ich überzeugt, es war auch mein Wunschberuf.
Zu dieser Ausstellung bekam ich dann noch einen guten Kontakt zu einem Hochschulprofessor aus Hamburg. Dieser lud mich zum Arbeitskreis Photographie Hamburg e.V. ein. Dieser stellte mir dann eine künstlerische Befähigung für ein Studium im Bereich Fotodesign aus. Ich war damals glücklich, dass endlich jemand einmal meine Potenziale sah.
Na gut. Dann versuchen wir es einmal, in eine gute Fotografenschmiede zu gelangen. Und ich bewarb mich dann mehrfach an Hochschulen und bei Handwerksfotografen. Die Hochschulen waren zu dieser Zeit überfüllt, die Fotografenmeister hatten in Dresden bzw. im Osten kein Geld, um überhaupt Geld für eine Ausbildung aufbringen zu können.
Ein Fotograf hätte mich in Elsterwerda bei Finsterwalde in Brandenburg sofort genommen, er suchte schon seit Jahren über das Arbeitsamt einen guten Fotografen. Mit der Legasthenie wäre er auch klar gekommen, denn in der Berufsschule der Fotografen in Potsdam wäre dies ohne Schwierigkeiten gegangen – da hätte sich damals der Fotografenmeister für mich eingesetzt. Das größte Problem der meisten Unternehmen im Osten war bloß, dass diese eine Ausbildung nicht finanzieren konnten. Eine mittlere Reife um Fotograf zu werden hatte ich ja. Aber es scheiterte wieder da ich ja auf dem Arbeitsamt als rehabilitierter galt. Und der Ärger begann wieder von vorn. Denn als Maler konnte ich schon aus gesundheitlichen Gründen aufgrund eines Knorpelschadens im rechten Knie nicht mehr arbeiten.
Eines Tages begegnete mir die ehemalige Landesmutter Ingrid Biedenkopf (die Ehefrau des damaligen Ministerpräsidenten Prof. Kurt Biedenkopf). Diese wollte sich dann für mich einsetzten, sie versuchte es zumindest. Ihre Möglichkeiten waren begrenzt. Sie kommunizierte aber mit den verschiedenen Behörden um sich meinen Fall zu widmen. Also sie hatte mit dem Kultusministerium Dresden und der Agentur für Arbeit zu tun. Und dass Procedere begann wieder von vorn. Da ich eine Bescheinigung für eine „überdurchschnittliche Begabung“ hatte, dachte ich nun, dass ich endlich Recht in einer freiheitlichen Gesellschaft bekäme, um endlich rehabilitiert zu werden.
Mein Glaube an diese demokratische Grundordnung die ja im Grundgesetz der Bundesrepublik festgeschrieben war stand eben nur auf dem Papier. Nun wurde ich aber kein Gegner der deutschen Wiedervereinigung sondern, war enttäuscht wie wenige bei uns im Osten Verständnis von wirklich gelebter Demokratie hatten. Nun durchlief ich schon zum vielfachen Mal die behördlichen Regularien wie Besuche des Amtsarztes und Überprüfung durch den Amtspsychologen. Es war heftig. Der Amtsarzt meinte, dass ich nicht mehr ganz gesund im Kopf sei. Wo ich diesen Arzt sah, bemerkte ich dass es sicherlich ein altes Überbleibsel der alten DDR war. So begegnete er mir. Auch einige Jahre nach der Wende hat man die Verhaltensweisen der Regimetreuen nicht vergessen. Man konnte es bloß nicht richtig beweisen. Außerdem wollte man im Osten auch nichts mehr davon wissen, das solche Kräfte immer noch am Ruder waren. Das war aber im Jahre 1999.
Die Psychologin beim Amt und meine Rehaberaterin machten denselben Eindruck wie der Amtsarzt. Damals dachte ich wirklich, ich bilde mir dies vielleicht alles ein. Nein. Es wurde immer wieder von anderen Betroffenen bestätigt dass sie diese Erfahrungen mit solchen Mitarbeitern der Agentur für Arbeit gemacht haben.
Meine Beraterin und die Psychologen hatten mich auf den Kicker, diese meinten, wie man es könnte wagen mit aller Macht Fotograf zu werden. Das stünde mir einfach nicht zu. Außerdem wäre ich ja schon „rehabilitiert“. Die Psychologin meinte auf keinen Fall das ich jemals Fotograf lernen könnte. Sie meinte nur: „Sie wollen wohl ausbrechen!“. Ja, das wollte ich in der Tat, denn ich wollte den Beruf ausüben erlernen oder studieren für den ich auch persönlich geeignet war, und eben nicht den die, die arbeitspolitischen Instrumente vorsahen.
Da ich ein Schreiben mit persönlicher Unterschrift von Ingrid Biedenkopf hatte um das man mich unterstütze, musste das Arbeitsamt Dresden nun handeln. Selber versuchte ich eine Chance irgendwo zu bekommen. Mit meiner DDR-Biografie war es zusätzlich fast nicht möglich. Denn mir Stand vom Verständnis her eine politische Rehabilitierung zu.
Meine Begabung war für die Rehaberaterin nicht interessant. Da ich als Rehhabilitand galt verwies man mich auf das Berufsförderungswerk Bad Pyrmont in Niedersachsen um mich nochmals genauer zu überprüfen ob ich überhaupt für den „Fotografen“ geeignet wäre. Diese Einrichtung könnte dies am Besten einschätzen. Sie knallte mir an den Kopf: „Sie werden ja sehen, was Sie davon haben. Das machte mir die Rehaberaterin klar. Dann springen Sie eben nun ins kalte Wasser“. Bis Sie zur Reha kommen, durchlaufen Sie erst einmal eine Berufsfindung, dann werden wir weiter sehen. Mir war klar, dass dies wieder ein Reinfall werden wird. Aber ich musste da durch. Man wollte mich damit einfach mundtot machen, um eben Ruhe zu haben.
Um 2000 herum kam ich dann zur Berufsfindung im Berufsförderungswerk Bad Pyrmont. Soweit so gut. Es war klar für mich dass ich nun eine Ausbildung zum Fotografen im Bfw Bad Pyrmont durchlaufe. Das dachte ich mir so. Denn Sie haben meine Referenzen und mein Gutachten nicht akzeptiert. Es war für mich ein Schock. Aber da musste man halt durch. Nach den 2 Wochen stellte sich heraus, dass ich einen 5-monatigen Rehavorbereitungslehrgang durchlaufen sollte. Da musste ich aber rund anderthalb Jahre darauf warten.
Für die Umschulung zum RVL und Fotograf war ich nun angemeldet. Ich musste aber erst einmal die 5 Monate Vorbereitungslehrgang überstehen. Also im Jahr 2001 begann mein Lehrgang im Bfw Bad Pyrmont. Es scheiterte nicht an meiner Begabung sondern an meiner Legasthenie. Und wurde mit aller Macht von meinen Berufswunsch weggedrängt. Das war schon fast Mobbing. Eine Rehaeinrichtung müsste aber in der Lage sein Menschen mit einer Legasthenie zu integrieren – das war eins meiner größten Irrtümer.
Ich müsste aber aus Dresden weg, mein Frau heiratete ich in Dresden und wir gingen beide ins schöne Bad Pyrmont ins Weserbergland in der nähe von Hannover bei Hameln.
Wir dachten uns, dass wir für einige Zeit weggehen. Denn Arbeit gab es in Dresden für uns auch nicht, auch für meine Frau sah es sehr schlecht aus. Sie konnte aber schnell als Teilzeitkraft im Einzelhandel arbeiten.
Nun stand ich wieder auf den Schlauch. Denn ich hatte keine Perspektive, da die Fotografie der Beruf meines Lebens war. Und Geld für ein Studium hatten meine Eltern nicht. Also war ich wieder in einer Krise wie die Jahre zuvor. Nebenher beschäftigte ich mich immer aktiv mit der Politik. In Bfw Bad Pyrmont musste ich erst wieder im Jahre 2003 zur Umschulung zum Siebdrucker. Obwohl ich null Interessen hatte zog ich diese Ausbildung durch. Der Beruf des Siebdruckers ist eigentlich kaum gefragt. Schon im ärztlichen Gutachten stand das ich von meiner Grundschnelligkeit als Legastheniker für Akkordarbeit nicht geeignet sei. Aber es lief aber durch die Umschulung darauf hinaus. Außerdem war zu dieser Zeit der Umbruch im Medienbereich voll in Gange. Es war also klar, dass die Umschulung wieder keine Integration bringen würde.
Auch von der Praxis her war ich nicht geeignet wie schon oft. Man wollte mir aber nicht glauben, dass man es eben besser Einschätzen kann für welchen Beruf man am besten geeignet ist. Damals war mir nicht klar, dass man in Westdeutschland schon seit vielen Jahrzehnten die Rechte legasthener Menschen auf Integration versagt hat. Die persönlichen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen waren mir immer präsent. Aber man hörte nicht auf meine Warnungen in den mehrfachen Petitionen beim deutschen Bundestag, und anderen Behörden.
Durch meine Umschulung zum Siebdrucker entwickelte ich mich im Medienumfeld weiter, und wurde dann eben Grafiker im Internetbereich sowie der Druckvorstufe. Nach meiner Umschulung war ich erstmals wieder ohne eine Perspektive, denn man brauchte keine Siebdrucker. Von unseren 10 Umschülern bekamen Zwei einen Job. Der Rest hatte keine Chance und rutschte natürlich in Harz IV ab, wie die meisten Menschen die man in alle möglichen kurzsichtigen Maßnahmen steckte, die nur einer speziellen Bildungsindustrie etwas nutzen – den Betroffenen aber keine Integration bringen. Das komische war bloß immer das eben das Berufsförderungswerk Bad Pyrmont uns immer erzählte, dass man 80 Prozent der Umschüler integrieren würde.
Im Jahre 2005 war nun die Umschulung beendet, mir viel ein Stein von Herzen und musste mich erstmals erholen. Nun stand ich wieder ohne richtige Perspektive da. Denn mein Weg war nicht der den ich eigentlich wollte – sondern es war wieder einer den mir unser Sozialisierungssystem auferlegte das man dann berufliche Rehabilitation nannte.
Klar, es öffnete mir die Augen das eben das Bildungssystem der Bundesrepublik total desolat ist. Wenn ein Bildungssystem schon in der Grundschule selektiert, wird die berufliche Reha die eigentlich der Eckpfeiler des Sozialsystems sein sollte, eher der Fallstrick einer altbekannten Planwirtschaft. Ludwig Erhard wäre sicherlich entsetzt wenn er diese Auswüchse heute sehen würde.
Nach der Umschulung zum Siebdrucker hatte ich wie vorher keine wirkliche Perspektive für eine wirkliche Integration entwickeln können. Daher befand ich mich wieder in einer Krise. Ich wollte aber aus dem Dilemma heraus. Nun entschied ich mich für die Selbständigkeit. Nach einen halben Jahr rutschte ich sowieso in Harz IV, es war im Jahr 2005. Um nicht ganz der Lethargie zu versinken versuchte ich mich eben Selbständig zu machen, das eben als Grafiker mit einer kleinen Werbeagentur. Aber SGB II und Selbständigkeit funktionieren miteinander nicht, und das Chaos wurde noch großer als es schon für die normalen Harz IM-Empfänger war. Aber irgendwas muss ich tun, denn ich wollte und konnte nie auf der faulen Haut liegen. Klar es gibt reichlich Bürger unter Harz IV die sich aufgegeben haben. Nein, ich wollte es versuchen. Ein paar Brötchen konnte ich schon verdienen. Das JobCenter wollte mich immer wieder herausdrängen statt froh zu sein – das man mit aller Kraft etwas versucht auf die Beine zu stellen.
Dann spitze sich die Lage zu, von den Banken bekam man als Armer sowieso nichts. Die Angehörigen konnten einem nicht helfen, und Freunde hatte man auch nicht die bereit waren zu helfen.
Es war im Mai 2007, und las wie jeden Monat das Wirtschaftsmagazin Brand eins. Der Artikel: „Achtung! Sie betreten den kreativen Sektor“. Das war die Antwort auf meine Fragen zum Thema Legasthenie, auch wenn es im Artikel nicht darum ging. Es ging aber um unsere andere Wahrnehmung als Legastheniker, um Kreativität und Innovation. Das umschrieb meine Situation die man im Artikel als „Die Gestörten“ bezifferte.
Es ging um die kreative Klasse und das Thema Wissensgesellschaft, und um eine Gesellschaft die mich als legasthenen Menschen nicht versteht. Nun begann ich mich über mein Weblog schriftlich zu Outen. Auf einmal konnte ich das Phänomen der komplexen Legasthenie beziffern. Für mich selber konnte ich es immer erklären, aber die Menschen die mit mir zu tun haben nicht. Man kam da immer in Erklärungsnöte.
Eine Perspektive für die Zukunft
Nach und Nach bemerkte ich dass mein Thema kaum von Seiten eines Betroffenen im Netz zu finden war. Und begann halt dann zu Bloggen. In kurzer Zeit stiegen die Besucherzahlen, und ich wusste, dass ich den Nagel auf den Kopf traf. Es entwickelte sich nun auch eine Perspektive für meine berufliche Zukunft, denn ich werde als Legasthenieexperte dafür arbeiten das man solche Lebenswege bei den Betroffenen im Lande vermeiden kann. Heute erstelle ich pädagogische Gutachten für Menschen mit LRS oder Legasthenie, und biete Ihnen ein individuelles Lerntraining und Coaching. Inzwischen habe ich auch ein Geschäftsmodell entwickelt, das ich 2010 in Dresden umsetzten werde.
Foto:Rike/pixelio